XVIII. Internationales Hygiene-Kolloquium der Th. Goldschmidt AG, Essen am 20. März 1973

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    30-Sep-2016

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  • mykosen 16 (5) : 181-183 (1973) Eingegangen am 2. April 1973

    XVIII. lnternationales Hygiene-Kolloquium der Th. Goldschmidt AG, Essen am 20. Marz 1973

    H. EDELMEYER

    25 Jahre TEGO-Desinfektion in aller Welt! Vor diesem Hintergrund fand am 20. Marz 1973 das von der Th. Goldschmidt AG, Essen, ausgerichtete XVIII. Internationale Hygiene-Kolloquium im Stadtischen Saalbau Essen statt. Goldschmidt fiihrte damit wiederum das in Fachkreisen geschatzte, bewahrte Forum fur die Diskussion iiber bedeut- same Fragen der Human-, Veterinar- und Lebensmittelhygiene sowie interessante mikro- biologische Teilaspekte durch, wie etwa die Erorterung der Wirkungsmechanismen von Desinfektionsmitteln auf Bakterien.

    Die Essener Tagung zahlte 390 Teilnehmer aus 21 europaischen und iiberseeischen Staaten, darunter Amerikaner, Kanadier und Japaner. Die Bedeutung dieses Treffeiis wurde durch die Anwesenheit von wissenschafilichen Mitarbeitern des Bundesgesundheits- amtes und von Bundesforschungsanstalten sowie von 25 Ordinarien medizinischer und veterinarmedizinischer Fakultaten unterstrichen.

    Smwerpunkte des Programmes Das Programm dieses XVIII. Internationalen Hygiene-Kolloquiums wies folgende

    thematische Schwerpunkte aus: Verbesserung der Gesundheitsvorsorge durch gezielte Hygienemai3nahmen im Krankenhaus, beispielsweise durch die Unterbindung von Lufi- oder Schmierinfektionen im Hospitalbereich; mit der gesicherten Lebensmittelversorgung einer rasch wachsenden Erdbevolkerung beschaftigten sich die lebensmittelhygienischen Themenstellungen, die einen breiten Raum innerhalb dieser Vortragsreihe einnahmen. Mit allgemeinen chemischen sowie speziellen bio- und physikochemischen Fragen waren vor allem die Referate befaat, die sich mit der Deutung der vornehmlich unter dem Elektronenmikroskop sichtbar gewordenen Vorgange der Keimabtotung oder Virus- inaktivierung beschaftigen.

    Das unverminderte Interesse weiter Bevolkerungskreise an hygienischen Fragestellungen wird vor dem Hintergrund der von dem ,,Population Reference Bureau" in Washington veroff entlichten Zahlen verstandlich, nach denen sich die Weltbevolkerung innerhalb der kommenden 35 Jahre verdoppeln wird, sofern die gegenwartige Wachstumsrate anhalt. Die wochentliche Zunahme der Weltbevolkerung betragt 1,4 Millionen Menschen, d. h. dai3 pro Minute 138 Menschen mehr ernahrt werden miissen. Wenn jedoch heute no& etwa ein Drittel der gesamten Agrarproduktion verkommt - sei es durch unsachgemai3e Behandlung, Lagerung, Zubereitung, durch den Schadlingsfrai3 oder die mikrobiell be- dingte Zersetzung - so lassen diese Zahlen aufhorchen.

    Lebensmittelvergif tungen nehmen zu Entgegen der in weiten Bevolkerungskreisen vorherrschenden Meinung, der zufolge

    eine zunehmende Industrialisierung und Zivilisierung in aller Welt parallel laufen miisse mit einer Abnahme der Gesundheitsgefahrdung von Mensch und Tier durch infizierte und somit verdorbene Nahrungs- oder Futtermittel, stellen Hygieniker fest, dai3 die Zahl

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    der Lebensmittelvergiftungen nicht ab-, sondern langsam zunimmt. Zwar sind in den lettten Jahren und Jahrzehnten zahlreiche Probleme der Lebensmittelfrischhaltung und -konservierung gelost worden, doch verzeichnen wir im gleichen Zeitraum drastische Veranderungen bei der Bekostigung der Menschen und in der Tierhaltung. Wir stellen den Obergang von der bauerlichen Einzeltierhaltung zur industriellen Massentierhaltung rnit Bestanden von einigen tausend Kalbern, Schweinen und Huhnern fest. Millionen Menschen nehmen in den Industrielandern an der Kantinen- bzw. Gemeinschaftsverpfle- gung teil.

    Solche vergrofierten Efigemeinschaften steigern das Risiko der Erkrankungen an fehler- haft hergestellten oder aufbewahrten Nahrungsmitteln. Wir mussen uns darum mit dem Gedanken vertraut machen, dafi Lebensmittelvergiftungen die Begleiterscheinungen auch in unserer modernen Industriegesellschaft bleiben werden.

    Krankenhaushygiene In manchen unserer neuen und modern eingerichteten Krankenhauser uberdecken bessere

    therapeutische Mafinahmen die inzwischen schlechter gewordene Hygiene. Um dem ent- gegenzuwirken, haben Hygieniker die fachliche Weiterbildung williger Mitarbeiter unserer Krankenhauser in Hygienefragen gefordert. Dieses Hygienefachpersonal sollte rnit der Oberwachung der sachgerechten Durchfuhrung von Hygienemafinahmen im Krankenhaus beauftragt werden, denn unbestritten ist die Infektionsverhutung ein sehr wichtiger Auf- gabenbereich des komplexen Arbeitsfeldes Krankenhaushygiene.

    Es hat sich inzwischen selbst in Laienkreisen herumgesprochen, dafi man im Kranken- haus nicht nur gesunden, sondern u. U. no& kranker werden kann, als man es bei der Einlieferung war. Der vom H o s p i t a 1 i s m u s bedrohte Patient sollte aber rnit Recht erwarten diirfen, dafi Fachleute sich um die Zerstreuung seiner Sorgen durch Ausraumung der ,,Krankenhaus-Krankheit" bemuhen, zumal die Hospitalinfektion im Grunde kein mikrobiologisches, sondern ein hygienisches Problem darstellt.

    Aufgabe des Kolloquiums Mit den Vortragen des XVIII. Internationalen Hygiene-Kolloquiums der Th. Gold-

    Schmidt AG, Essen, sollte ein Beitrag zur Losung dieser Fragen erbracht werden. Das sachkundige, internationale Auditorium konnte den in einer der drei Konferenzsprachen - Englisch, Franzosisch oder Deutsch - vorgetragenen Gedankengangen muhelos folgen, weil alle Vortrage und Diskussionsbemerkungen uber eine mit drei Kanalen ausgestattete Simultan-Dolmetscher-Anlage ubersetzt wurden.

    Grufiworte entboten dieser Veranstaltung der Vorsitzende des Vorstandes der Th. Gold- Schmidt AG, Dr. C. EDELING, der Oberburgermeister der Stadt Essen, H. KATZOR und der Direktor des Universitats-Instituts fur Medizinische Mikrobiologie, Klinikum Essen, Professor Dr. med. G. LINZENMEIER.

    Umweltschutz In seinem Einfuhrungsvortrag behandelte das Vorstandsmitglied der Th. Goldschmidt

    AG, F. KORNFELD, der wiederum die Leitung der Tagung iibernommen hatte, vornehm- lich Fragen des Umweltschutzes. Er fuhrte unter anderem folgendes aus: Wenn Hygiene die Wissenschaft von der Erhaltung der Gesundheit ist, dann war sie schon immer auch eine Wissenschaft des Umweltschutzes. Im Vordergrund der Umweltschutzdiskussionen stehe heute zwar, - und mit einer gewissen Berechtigung - die wachsende Gefahr durch Abgase, Verschmutzung der Gewasser und Mullhalden.

    mykosen 16, Heft 5 (1973)

  • XVIII. Internationales Hygiene-Kolloquium 183

    ,Natiirliche" Umweltvershmutzung Es mache sich aber eine stillschweigende Unterscheidung zwischen sogenannter kiinst-

    licher und ,,natiirlicher" Umweltverschmutzung breit. Dies konne zu einer gefahrlichen Verharmlosung der naturlichen Verschmutzungen etwa durch Mikroorganismen fiihren. Umweltprobleme miissen nach den Darstellungen des Referenten nicht durch Arzte, Stadt- planer, Wasser- und Lufiingenieure allein, sondern durch umfassende Zusammenarbeit aller wissenschafilichen Disziplinen gelost werden. Und nicht zuletzt gehore dazu das Umdenken aller und eine von allen Menschen annehmbare Definition des Begriffs der Lebensqualitat.

    Mit seinem einleitenden Fachreferat

    ,Ober die Bedeutung von Desinfektionsmahahmen fur die Krankenhaus-Hygiene - aus amerikanischer Sicht"

    setzte Professor Dr. med. H. SPAULDING, Philadelphia, den ersten thematischen Schwer- punkt. Als Mitglied der ,,American Society for Microbiology Committee on Standards of Disinfection in Hospitals" informierte er ausfiihrlich iiber amerikanische Priifungs- bedingungen, denen die im amerikanischen Markt akzeptierten Desinfektionsmittel genu- gen miissen. Er beschrieb dabei sowohl den A.0.A.C.-Test wie auch den offiziellen In- Use-Test. Fur besonders wertvoll halt er die Ergebnisse der letzteren Desinfektionsmittel- Priifung, weil sie den Effekt eines Desinfektionsmittels unter Praxisbedingungen wider- spiegeln. SPAULDING fiihrte aus, dai3 sich etwa 5 % der Krankenhaus-Patienten in den USA eine Hospitalinfektion zuziehen. Diese Feststellung verbindet er rnit der Forderung nach einer grundlicheren Desinfektion mit hochwirksamen chemischen Mitteln.

    Weil jedoch aus den verschiedensten Griinden nicht bereits jedes in mikrobiologischer Hinsicht hochwirksame Chemikal in allen Krankenhausbereichen eingesetzt werden kann, mui3 durch eine sorgfaltige Auswahl das jeweils optimal einsetzbare Praparat ermittelt werden. Dies gelte ganz besonders fur Haut-Desinfektionsmittel. Die Bedeutung der chemischen Desinfektion im Krankenhaus werde in Zukunfi anwachsen, nicht zuletzt wegen der raschen technischen Fortschritte auf dem Gebiet der Inhalationstherapie. Dabei sei es jedoch wesentlich, dai3 gute Desinfektionsmittel gewissenhaR angewendet werden.

    Dozent Dr. med. K. 0. GUNDERMANN, Kiel, vertiefte diesen Gedanken rnit seinem Beitrag

    ,Desinfektionsprobleme bei Anlagen zur kunstlichen Beliiftung von aseptischen Rlumen"

    Die Klimatisierung der Krankenhauser, und hier vor allem der aseptischen Raume, schreitet voran. Damit kommen neue Probleme auf, wie beispielsweise die zusatzliche Lufiverunreinigung rnit Mikroorganismen. Die liiftungstechnischen Anlagen werden somit zu einer Gefahr fur den Patienten. Die Qualitat der Filter und deren Wartung beeinflussen den Sauberkeitsgrad der eingeblasenen Frischluft ebenso wie die mikrobiologische Beschaf- fenheit des Wassers in den Spriihbefeuchtern der Klimaanlagen oder die Verschmutzung der Lufischachte und -kanale. Es wird bemangelt, dai3 die Reinigung der Kanale von Klimaanlagen groi3e Schwierigkeiten bereitet. Die verschiedentlich vorgeschlagene Nach- behandlung gefilterter Lufi mit UV-Strahlern konnte moglicherweise an der Kosten- belastung scheitern. Das Normblatt ,,Krankenhaus-Liiftungsregeln" sei reformbediirftig. Erfreulicherweise beschaftigte sich das Bundesgesundheitsamt mit der Erarbeitung ergan- zender Gesundheitsblatter.

    (wird fortgesetzt)

    mykosen 16, HeR 5 (1973)

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