Zeitschrift für Psychomatische Medizin und .Zeitschrift für Psychomatische Medizin und Psychotherapie,

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  • RUNNING HEAD: Normierung des IPO-16 Seite 1

    This is an Accepted Article that has been peer-reviewed and approved for publication in

    Zeitschrift fr Psychomatische Medizin und Psychotherapie, but has yet to undergo copy-

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    Normierung der deutschsprachigen 16-Item-Version des Inventars der

    Persnlichkeitsorganisation (IPO-16)

    Johannes Zimmermann und Cord Benecke

    Institut fr Psychologie, Universitt Kassel, Deutschland

    Susanne Hrz-Sagstetter

    Psychologische Hochschule Berlin, Deutschland

    Gerhard Dammann

    Psychiatrische Klinik, Mnsterlingen, Schweiz

    Kontakt: Johannes Zimmermann, Institut fr Psychologie, Universitt Kassel, Hollndische Str. 36-38, 34127

    Kassel, Germany, Tel: ++49 561 804 3332, E-Mail: johannes.zimmermann@uni-kassel.de

    mailto:johannes.zimmermann@uni-kassel.de

  • RUNNING HEAD: Normierung des IPO-16 Seite 2

    Zusammenfassung

    Fragestellung: Die Kurzversion des Inventars der Persnlichkeitsorganisation (IPO-16) ist

    ein Selbsteinschtzungsinstrument zur Erfassung des Schweregrads der strukturellen

    Beeintrchtigung. Ziel dieses Artikels ist es, bevlkerungsreprsentative Normen und einen

    kritischen Differenzwert fr das IPO-16 zu bestimmen.

    Methode: Die Normierung des IPO-16 erfolgte im Rahmen einer reprsentativen Umfrage in

    der deutschen Allgemeinbevlkerung (N = 2502). Die Bestimmung der Retest-Reliabilitt

    und der kritischen Differenz erfolgte in einer separaten Online-Lngsschnitterhebung, bei der

    Teilnehmer jeweils im Abstand von zwei Monaten dreimal das IPO-16 ausfllten (N = 495).

    Ergebnisse: Der IPO-16 Mittelwert in der Allgemeinbevlkerung lag bei 1.87. Der Einfluss

    von Alter und Geschlecht war zwar nur gering, aber statistisch signifikant. Entsprechend

    wurden geschlechts- und alterspezifische Normwerte entwickelt. Die mittlere Retest-

    Reliabilitt ber 2 Monate lag bei .85, der kritische Differenzwert bei 0.66.

    Diskussion: Das IPO-16 ist ein gut validiertes und jetzt auch normiertes Screening-

    Instrument fr strukturelle Beeintrchtigung, dessen Anwendung in Forschung und Praxis

    empfohlen werden kann.

    Schlsselwrter: Strukturelle Beeintrchtigung; Schweregrad; Psychodynamische Diagnostik;

    Screening-Instrument; Normierung

  • RUNNING HEAD: Normierung des IPO-16 Seite 3

    Abstract

    Standardization of a German 16-item-version of the Inventory of Personality Organization

    (IPO-16)

    Objectives: The 16-item-version of the Inventory of Personality Organization (IPO-16) is a

    self-report measure assessing the severity of personality dysfunction. The aim of this study is

    to provide representative norms and the smallest real difference for the IPO-16.

    Methods: The standardization of the IPO-16 was based on a representative survey in the

    German general population (N = 2502). Retest reliability and the smallest real difference were

    assessed by a separate longitudinal online survey, in which participants completed the IPO-16

    three times, with time intervals of two months (N = 495).

    Results: The average IPO-16 mean score in the general population was 1.87. The influence of

    age and gender was small, but statistically significant. Therefore gender- and age-specific

    norms were developed. The average retest reliability across two months was .85, and the

    smallest real difference was 0.66.

    Conclusions: The IPO-16 is a well-validated, and now standardized, screening instrument for

    the assessment of severity of personality dysfunction that can be recommended for use in

    research and practice.

    Key words: personality dysfunction; severity; psychodynamic diagnosis; screening

    instrument; standardization

  • RUNNING HEAD: Normierung des IPO-16 Seite 4

    Normierung der deutschsprachigen 16-Item-Version des Inventars der

    Persnlichkeitsorganisation (IPO-16)

    Im Bereich der psychodynamisch oder psychoanalytisch1 orientierten Forschung und

    Praxis wchst der Bedarf an standardisierten Selbsteinschtzungsinstrumenten. Dies liegt vor

    allem daran, dass psychodynamische Behandlungsverfahren ihre Wirksamkeit durch

    empirische Studien und systematische Qualittssicherung belegen mssen und zu diesem

    Zweck (auch) Konstrukte erfasst werden sollten, die in der psychodynamischen Theorie

    begrndet sind (Benecke 2014a). Inzwischen gibt es im deutschsprachigen Raum bereits

    mehrere Selbsteinschtzungsverfahren zu psychodynamisch begrndeten Konstrukten, z.B. zu

    Mentalisierung (Hausberg et al. 2012), Abwehrmechanismen (Schauenburg et al. 2007) oder

    Beziehungsmustern (Zimmermann et al. 2014). Besondere Beachtung erfhrt dabei in letzter

    Zeit das Konstukt der strukturellen Beeintrchtigung. Damit ist die Beeintrchtigung von

    psychischen Funktionen gemeint, die die Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts und

    der Beziehungsfhigkeit sicherstellen (Arbeitskreis OPD 2006). Das Konstrukt der

    strukturellen Beeintrchtigung erscheint deshalb besonders wichtig, weil es im Zentrum vieler

    psychodynamischer Theorien der Persnlichkeit steht (Thobaben & Soldt 2007), wichtige

    Hinweise fr die Indikationsstellung liefert (Benecke 2014b), im alternativen

    Persnlichkeitsstrungsmodell des DSM-5 als genereller Marker fr den Schweregrad einer

    Persnlichkeitsstrung aufgegriffen wurde (Zimmermann et al. 2013a), und den Verlauf und

    Erfolg von Psychotherapie mageblich beeinflusst (Koelen et al. 2012).

    Zur Erfassung von Unterschieden in der strukturellen Beeintrchtigung liegen im

    deutschen Sprachraum bereits eine Reihe von Selbsteinschtzungsinstrumenten vor (siehe

    auch die bersicht in Doering & Hrz 2012): das Inventar der Persnlichkeitsorganisation

    1 Zur besseren Lesbarkeit wird im Folgenden von (bergeordnet gemeinten)

    psychodynamischen Verfahren, Theorien, etc., gesprochen, wobei psychoanalytische Verfahren immer mit

    gemeint sind.

  • RUNNING HEAD: Normierung des IPO-16 Seite 5

    (IPO; Dammann et al. 2012), der Strukturfragebogen der Operationalisierten

    Psychodynamischen Diagnostik (OPD-SF; Ehrenthal et al. 2012), das Borderline-

    Persnlichkeits-Inventar (BPI; Leichsenring 1999), und das General Assessment of

    Personality Disorder (GAPD; Hentschel & Livesley 2013). Die Bgen sind alle recht

    umfangreich (53 bis 95 Items), weisen hohe inhaltliche berlappungen auf und sind alle

    (zumindest auf der Ebene der Faktoren zweiter Ordnung) eindimensional konzipiert. Wir

    haben daher krzlich fr das IPO eine Kurzversion entwickelt, die nur 16 Items umfasst, den

    Schweregrad der strukturellen Beeintrchtigung abbilden soll und die fr

    Selbsteinschtzungsinstrumente geforderten Testgtekriterien erfllt (Zimmermann et al.

    2013b). Das IPO-16 wird bereits in einigen Kliniken und Ambulanzen in der

    Routinediagnostik eingesetzt und als Outcome-Ma in laufenden Multi-Center-Studien zur

    berprfung psychodynamisch begrndeter Psychotherapieverfahren eingesetzt (z.B. DPG-

    Praxis-Studie, Benecke et al. 2011). Ziel dieses Artikels ist es, bevlkerungsreprsentative

    Normen und einen kritischen Differenzwert fr das IPO-16 zur Verfgung zustellen.

    Kernbergs Modell der Persnlichkeitsorganisation

    Psychodynamische Modelle zu Persnlichkeit und Persnlichkeitsstrungen lassen

    sich grob zwei Theoriegruppen zuordnen (vgl. Benecke 2014b): In der ersten Gruppe werden

    inhaltlich definierte Typologien erstellt, welche schwerpunktmig auf Konflikt-Abwehr-

    Modellen basieren. In der zweiten Theoriegruppe finden sich dimensionale Strukturmodelle,

    die auf den Reifegrad bzw. die Verfgbarkeit von basalen psychischen Funktionen

    fokussieren. Hier werden meist typische Niveaus des psychischen Funktionierens

    stufenweise voneinander abgegrenzt. Das IPO basiert auf dem Modell der

    Persnlichkeitsorganisation von Kernberg (1984), das den dimensionalen Strukturmodellen

    zugeordnet werden kann. Nach Kernberg entwickelt sich im Wechselspiel von Temperament

    und Beziehungserfahrungen bereits in der frhen Kindheit ein relativ stabiles Set an

    psychischen Funktionen, die er unter dem Begriff der

  • RUNNING HEAD: Normierung des IPO-16 Seite 6

    Persnlichkeitsorganisation zusammenfasst. Kernberg differenziert zwischen einem

    normalen, neurotischen, Borderline- und psychotischen Niveau der

    Persnlichkeitsorganisation, wobei diese Abstufungen in etwa dem gut, mig, gering und

    desintegrierten Strukturniveau in der OPD (Arbeitskreis OPD 2006) entsprechen. Zentral bei

    der Beurteilung der Persnlichkeitsorganisation nach Kernberg sind drei Funktionsbereiche:

    (1) die Integriertheit der eigenen Identitt (d.h. die Fhigkeit, differenzierte und zeitstabile

    Bilder von sich und anderen zu entwickeln), (2) die Reife der Abwehrmechanismen (d.h. die

    Fhigkeit, bedrohliche innere und uere Stimuli auf adaptive Weise zu verarbeiten), und (3)

    die Intaktheit der Realittsprfung (d.h. die Fhigkeit, zwischen inneren und ueren Stimuli

    zu unterscheiden und den Kontakt zu einer sozial geteilten Realitt aufrechtzuerhalten).

    Personen mit neurotischer Persnlichkeitsorganisation weisen in allen drei Bereichen nur

    geringe Beeintrchtigungen auf. Personen mit einer Borderline-Persnlichkeitsorganisation

    hingegen haben diffuse und instabile Bilder von sich und anderen und verwenden

    hauptschlich unreife A