Zulassungen pflanzlicher Tierarzneimittel in der Schweiz ...· Klauen und Hufeterebinth. laricina,

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Zulassungen pflanzlicher Tierarzneimittel in der Schweiz 1924 2011

Ausgangslage Material und Methoden2002 gerieten infolge einer Gesetzesnderung die letztenverbliebenen pflanzlichen Tierarzneimittel unter Druck, sodass nur noch neun Tierarzneimittel mit pflanzlichenBestandteilen und zwei rein pflanzliche Tierarzneimittelauf dem Markt sind (Stand 13.12.2011). PflanzlicheArzneimittel knnen in der Schweiz vereinfacht odergesttzt auf ein Meldeverfahren zugelassen werden. DerNachweis der therapeutischen Wirksamkeit und Sicher-heit kann unter anderem durch Anwendungsbelegeerbracht werden. Um den von Tierrzten und vor allemvon der biologischen Landwirtschaft verlangten pflanzli-chen Tierarzneimitteln wieder zu Auftrieb zu verhelfen,wird ein berblick ber die Zulassungen von Tierarznei-mitteln mit pflanzlichen Bestandteilen erstellt. DerNachweis pflanzlicher Bestandteile in aktuellen und ehe-maligen Zulassungen soll gnstige Rahmenbedingungenfr zuknftige Registrierungen schaffen.

In Verffentlichungen der Schweizer Heilmittelbehrdewerden die in den Jahren 1900 bis 2011 zugelassenenTierarzneimittel mit pflanzlichen Bestandteilen gesuchtund in eine Excel-Tabelle eingetragen. Die jederZulassung zugeordnete Nummer erlaubt eine eindeutigeKennzeichnung. Erfasst werden Beginn und Ende derRegistrierung, Indikation (modifizierte ATCvetKlassifikation [1]) sowie die pflanzlichen Bestandteile(Kategorisierung nach Literatur [2,3,4]).

Die Zulassungen bis 1924 sind nicht auffindbar.Neuzulassungen, Revisionen und Lschungen von Tier-arzneimittel werden bis 1994 zusammen mit Humanarz-neimitteln in monatlichen Bulletins der InterkantonalenKontrollstelle fr Heilmittel der Schweiz verffentlicht. DasTierarzneimittelkompendium der Schweiz existiert seit1992. Die Publikation erfolgt bis 1997 in gedruckter Formund seit 1997 elektronisch (www.tierarzneimittel.ch).

Abb. 1 Registrierung aus dem Jahr 1932.

Literatur [1] WHO Collaborating Centre for Drug Statistics Methodology: Guidelines for ATCvet classification 2011, Oslo, 2011[2] Hnsel R, Sticher O et al: Pharmakognosie Phytopharmazie, 8. berarbeitete und aktualisierte Auflage, Heidelberg, Springer Medizin Verlag, 2007[3] Blaschek W, Ebel S et al (Hrsg): HagerROM 2006: Hagers Handbuch der Drogen und Arzneistoffe, Berlin, Springer Verlag, 2006[4] Flck H: Unsere Heilpflanzen: eine gemeinverstndliche Beschreibung mit Angaben ber Wirkstoffe, Wirkung, Anwendung, Einsammlung und Anbau, Thun, Ott, 1941[5] Enbergs H, Sensen B: Zur Effizienz homopathischer Behandlungen chronischer Endometritiden von Milchkhen, Praktischer Tierarzt, 2007, 88:7, 534-543

Zrcher Hochschule fr Angewandte Wissenschaften Departement Life Sciences und Facility Management Institut fr Biotechnologie GrentalCH-8820 Wdenswil

Dr. med. vet. Franziska Klarer, franziska.klarer@zhaw.chProf. Dr. Beat Meier, beat.meier@zhaw.ch

Kontakt

Franziska Klarer1, Stephan Hsler2, Rita Marusic-Bubenhofer3, Beat Meier41, 4 Zrcher Hochschule fr Angewandte Wissenschaften, Institut fr Biotechnologie, Fachgruppe Phytopharmazie, Grental, CH-8820 Wdenswil2 Schweizerische Vereinigung fr Geschichte der Veterinrmedizin, Mengestorfstr. 50, CH-3144 Gasel3 Eidg. dipl. pharm. ETHZ, Phytotherapeutin SMGP, CH-6654 Cavigliano

Abb. 2 Registrierung aus dem Jahr 1978.

Ergebnisse und Diskussion

Trotz schwieriger Datenerfassung resultierte ein berblick ber die Drogen in Schweizer Tierarzneimittelzulassungen. DieDatenbank ist einsehbar unter www.ibt.zhaw.ch/phytopharmazie (F&E / Dienstleistungen -> Projekte -> Projektliste ->Pflanzliche Arzneimittel in der Tiermedizin). Fr pflanzliche Bestandteile von Arzneimitteln, die ber einen Zeitraum vonmindestens 30 Jahren registriert waren, kann ein traditional use claim erarbeitet werden. Fr den KrankheitskomplexNachgeburtsverhalten und chronische Endometritis der Kuh werden Tierarzneimittel ohne Wartefrist fr die Milchabliefe-rung gesucht [5]. Untersuchungen zur Schliessung dieser Lcke mit einem pflanzlichen Arzneimittel sind empfehlenswert.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung DankDie Autoren danken der Paul Schiller Stiftung, Zrich, derBristol-Stiftung, Zrich, der Schweizerischen Medizi-nischen Gesellschaft fr Phytotherapie und dem KantonGraubnden fr die grosszgige Untersttzung sowie derKantonsapotheke Zrich und der Swissmedic fr diefreundliche Genehmigung der Zugnge zu den Archiven.

Gentiana lutea L. a 105

Juniperus communis L. s.l. b 88

Foeniculum vulgare MILL. c 75

Trigonella foenum-graecum L. d 65

Artemisia absinthium L. e 59

Pimpinella anisum L. f 53

Acorus calamus L. g 42

Glycyrrhiza glabra L. h 34

Cinnamomum camphora L. i 34

Juniperus sabina L. j 33

Tab. 1 Hufigste Pflanzenarten mit Anzahl Nennungen; hochgestellte Buchstaben: Verweis auf Tab. 2.

Tab. 3 Drogen aus 10 oralen Uterina fr Kalberkhe(mindestens 30 Jahre bestehende Zulassungen) mit Anzahl Nennungen; rechte Spalte: Regelung des Ein-satzes gemss Heilmittelgesetz (Auflistung in der Liste a der Tierarzneimittelverordnung: fr Nutztiere ohne Absetzfrist einsetzbar).

Gastrointestinaltrakt und Metabolismus a, b 194Reproduktion und Milchbildung (systemisch) a, b, e, j 83Respirationssystem a, b, c, d, f, h 31Antiparasitika, Insektizide und Repellentia flos pyrethri 28Euter und Zitzen i, oleum eucalypti, oleum lauri 18Muskel- und Skelett-

system i, fructus capsici, oleum eucalypti, oleum terebinthinae 16Dermatologika (exkl. Euter/Zitzen, Klauen/Hufe) - 12Klauen und Hufe terebinth. laricina, oleum niaouli, oleum terebinthinae 6Reproduktion (lokal) - 7* Niere und Harnwege - 2* Nervensystem flos lupuli, herba scutellariae, radix valerianae 2

Die Drogen in den erfassten 380 Zulassungen mit pflanzlichen Bestandteilen stammen von 212 verschiedenenPflanzenarten, einer Flechte und drei Pilzarten (Tannin, Holzmehl und Algen konnten nicht zugeordnet werden und wurdennicht mitgezhlt). Diese Archivarbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Bei der grossen zu verarbeitendenDatenmenge knnen einzelne Zulassungen bersehen worden sein. Es sind auch Rezepturen erfasst, die abgewiesenwurden (Abb. 1). Diese Tierarzneimittel waren beim Aufbau des Zulassungssystems bereits auf dem Markt, konnten dieRegistrierungsbedingungen aber nicht erfllen. Bis zum Aufkommen der Tierarzneimittelkompendien fehlen genaueAngaben zu Tierart, Indikation, Verabreichungsart und Dosierung. Zudem sind die Bezeichnungen der Drogen ber dieJahre hinweg Vernderungen unterworfen. Durch die Fokussierung auf Zulassungen, die ber einen Zeitraum vonmindestens 30 Jahren registriert waren, kann fr deren pflanzliche Bestandteile ein traditional use claim erarbeitetwerden (Beispiel Tab. 3).

Sabinakraut 5 nicht gelistetWermutkraut 4 Liste aTerpentinl 4 nicht gelistetBockshornsamen 3 Liste aWacholderbeeren 3 Liste aHaselwurzel 3 nicht gelistetEnzianwurzel 2 Liste aFenchelfrchte 2 Liste aLeinsamen, Leinl 2 Liste aKalmuswurzel 2 nicht gelistetKopaivabalsam 2 nicht gelistetChinarinde 1 Liste aKamillenblten 1 Liste aKmmel 1 Liste aLindenbast 1 Liste aJohanniskraut 1 Liste aEichenrinde 1 nicht gelistetFuchskreuzkraut 1 nicht gelistetMeisterwurzel 1 nicht gelistetMutterkornextrakt 1 nicht gelistetRhabarberwurzel 1 nicht gelistet

Tab. 2 Indikationsgebiete mit Anzahl Nennungen; hochgestellt: Droge/Pflanze (Verweis auf Tab. 1) kommt im Indikationsgebiet in 25 % (* > 50 %) der erfassten Tierarzneimittel vor.