Zur Frage der „Paralyse-Encephalitis“ beim Kaninchen nach Subduraler Injektion von Paralytikerliquor

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    14-Aug-2016

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  • 2. JULI 1926 KL IN ISCHE WOCHENSCHRIFT . 5. JAHRGANG. Nr . 27

    l~ber die Dauer des Schutzes nach Impfungen mi t der Vac- cine fehlen zuverlAssige Angaben, da uns bisher ein Ver fahren zu deren genauerer Best immung zur Verff igung stand. Mit Hilfe der Dickschen Reakt ion ist dies jetzt al lerdings m6glich, doch wurde dieselbe zu diesem Zwecke vorl~iufig nut nach Impfungen mi t dem Dickschen Toxin angewendet. Nach den Amer ikanern wird die Dauer der Immunit~it auf !o - - I 5 Monate gesch~itzt, doch erscheint es mi t Rf icks icht darauf, dab ZINGHER schon nach knrzer Zeit in einem Tell der F~ille einen Umsch lag yon negat iv in posit iv beobachtete, notwendig, yon Zeit zu Zeit (4- -6 Wochen) Kontro l lpr t i fungen mit der Dickschen Reakt ion auszuff ihren um so mehr, als nach ZINGHER durch ein paar Tox indosen die Immuni t / i t wieder hergestel l t werden kann.

    In besonders gei~ihrdeten F~l len hat man yon Simultan- imp/ungen gute Erfolge gesehen, so benf i tzten LANGOWOY la) und WLAI~IMIROFF ~) das Mosersche Serum und die Gabr i t - sehewskysche Vaccine zu diesem Zwecke. Wir verff igen noch n icht fiber genfigende Er fahrungen fiber den Wef t dieser kombin ie r ten Methode. In einigen F/i l len haben wir das yon O'BRIEN, Di rektor des Welcome Institutes in London, uns gef~lligst f iberlassene ant i tox ische Schar lachserum be- nutz t mi t dem Erfolge, dab 2 4 S tunden sp~iter die posit ive 1Reaktion in negat iv umschlug, doch genfigte das Ant i tox in allein n icht zur Immunis ierung, da in 2 F~illen, in welchen je io ccm Ant i tox in subcutan inj iz iert wurden, nach io Tagen Schar lach auft rat .

    Zusammen/assu~.q: Die Auffassung der Amer ikaner fiber den Dick-Test als eine spezif ische Reakf ion zur Unterschei - dung der Scharlachempf~ingl ichen yon den Unempf~ingl ichen scheint auch dutch unsere Untersuchungen gestf i tzt zu sein. Doch konnten wir ihre Angaben fiber streng spezifische Wechselbez iehungen zwischen der Zahl der posi f iven Haut - reakt ionen und der Empf~ingl ichkeit nach A l tersgruppen n icht vollst~indig best~Ltigen. Auch die Resul tate fiber das Verha l ten der Dickschen Reakt ion nach i iberstandenem Schar lach weichen einigermaBen yon den Dickschen Be- funden ab.

    Ober den Wert der Schutz impfungen kann vorl~ufig ein endgfilt iges Urte i l n icht abgegeben werden, hierzu bedarf es noch einer l~ingeren Beobachtungszei t , w~ihrend welcher die Impf l inge in einem Zentra lbureau, bei uns im Ober- phys ikatsamte, genau registr iert und in strenger Ev idenz gehalten werden mfissen. SMite sich im weiteren Verlaufe die erfreul iche Tatsache ergeben, dab Neuerkrankungen all Schar lach ausschlieBlich oder zum vorwiegel lden Tell aus den n ichtge impften resp. Dick-posit iven F~llen sich ergeben, hin- gegen die mi t Erfolg geimpften f iberhaupt n icht oder nur in einem min imalen Bruchtei le daran part iz ipieren, so k6nnte dies als zwingender Beweis ffir die spezif ische Wirk- samkei t der St reptokokkenvacc ine gelten, und unser gauzes Bestreben mfil3te darauf ger ichtet sein, einer gr6geren Zahl yon K indern unverzf igl ich diesen Schutz angedeihe n zu "lassen.

    L i t e r a t u r': ~) Journ. of the Americ. med. assoc. 1925, Mai. -- ~) Dtsch. med. Wochenschr. 1925, Nr. 46, 47. -- ~) Orvosi hetilap 1926, Nr. 4. -- ~) The Journal 84 . - ~) Lancet 1925, April. -- s) Seuehenbekiimpinng 1925, Nr. 6. -- ~) Zentralbl. f. Bakteriol., Parasitenk. u. Infektionskrankh., Abt. I, Orig. 41. 19o6. -- ~) Orvosi hetilap 1922. -- ~) Zentralbl. f. Bakteriol., Parasitenk. u. Infektions- krankh., AbL 2, Ref. 49. -- ~0) Dtsch. med. Woehensehr. 1925, Nr. 45. -- xx) Zentralbl. I. Bakteriol., Parasitenk. n. Infektionskrankh. Abt. i, Orig. 96 , Nr. 7/8. 1925. -- ~) The Journal 85 . 1925. - ~) I. e. - ~) Arch. f. Kinderheilk. 56. 1911.

    ZUR FRAGE DER ,,PARALYSE-ENCEPHALITIS" BEIM KANINCHEN NACH SUBDURALER INJEKTION

    VON PARALYTIKERLIQUOR. Won

    H. Hoof und E. POLLAK. Aus dem Neurologischen Institut tier Universit~t Wien iProf. MARBURG).

    In Jg. 5, Nr. I6 dieser Wochenschrift ha~ PLAUT unsere seiner- zeitigen experimentellen Befunde fiber Paralyse besprochen und er ist auf Grund eigener, naeh unserer und aueh andersartiger Teehnik vor-

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    genommener Experimente, die unsere Resultate nieht best~itigt haben, zu der Ansieht gekommen, dab unsere Schlul3folgerungen unberechtigt sind. Wir k6nnen allerdings uns vorl~ulig nicht er- kl~iren, wieso PLAUT bei seinen, gleiehartigen Versuchen zu ent- gegengesetzten ]Resultaten gekommen ist, da wir bei unseren Ver- suehen stets die gleichen positiven Befunde erhielten. Jedenfails sind die aueh ffir nns fiberaus wichtigen nnd dankenswerten lJber- prfifungen yon PLAUT ein Zeichen, dab die von uns seinerzeit be- riehteten Befunde auch yon uns revidiert werden mfissen und wir hoffen, da wir jefzt aueh eine ffir Kaninchen spezifisch abgestimmte Wassermannreaktion verwenden k6nnen, die von uns erhobenen t3efunde welter ausbauen zu k6nnen. Was nun die Igritik PLAUTS yon Details unserer Untersuehungen betrifft, so glaubt er die yon uns besonders hervorgehobene t3edeutung der Paraiysegoldsolkurve bei unseren Versuehen dadureh zu widerlegen, dab er derartige Befunde auch bei nieht spezifischen Encephalitiden der Kanin- chen ,,sehr h~ufig" finder. Diese Angabe steht abet in sehroffem Gegensatz zu einer anderen Arbeit yon PLAIJT selbst (in Gemein- schaft mit MULZER und NEIJBORG~R), WO er unter 37 Untersuehun- gen aueh nicht ein einziges Mal eine positive Goldsolreak~don regi- striert hat (s. Mfinch. reed. Wocbensehr. 1923, Nr. 47, S. 14o2 ). Auf Grund dieser Angaben PLAIJTS, die nns seinerzeit zur Verffigung standen, glaubten wit doch der Goldsolkurve eine besondere Be- deutung iflr die Beurteilung unserer Ergebnisse zuerkennen zu mflssen, um so mehr als uns ja auch reiche I4_ontrollen verschiedener Encephalitistiere zur Verftigung standen. Eigenes Material und namentlich solches aus den umfangreiehen experimentellen Ar- beiten yon HOFF und SILB~RSTEIN k6nnen wir heranziehen. Unter 132 t(aninchen mit experimenteller epidemischer Encephalitis und 67 Kaninchen yon Spontanencephalitis-Epidemien, die zum Tell auch in Passagen verfolgt worden waren, und die aueh aus mehreren Jahren stammen, konnte anch in keinem einzigen Falle eine typisehe Paralysekurve beobachtet werden, in seltenen F~llen lieB sich eine Meningitiskurve nachweisen. Aus diesen hier angeffihrten Daten nnd auch den mitgeteilten frfiheren Angaben yon PLAVT scheint unsere t3eobachtung der groBen Bedeutung der positiven Gol}tsol- kurve bei unseren Experimenten festzustehen. Es fragt sich also, ob nicht jene Tiere PLAUTS, die eben eine positive Goldsolkurve zeigten, luetisch infizierte Tiere waren. Ffir unsere Tiere waren aber diese Liquorbefunde um so wichtiger, weft wir bei ihnen wohl mit gr613ter GewiBheit eine Spontanencephalitis ausschlieBen k6nnen, ein zwar nicht ausgesprochener, aber doch durchsichtiger Verdacht PLAUTS. DaB schlieBlieh PLAUT die Unterlagen vermiBt, die nns veranlassen sollen, aus histologischen Kriterien mit Sicherheit einen luetischen oder paralytischen Prozel3 zu ersehlieBen, seheint uns befremdelld. Wit glauben nicht PLAUT ers4c auf die ausgezeieh- neten Ausft~hrungen seines Mitarbeiters N~IJBOR~R (Zeitsehr. i. d. ges. Neurol. u. Psychiatric 84) aufmerksam machen zu mfissen, der alle Schwierlgkeiten der Beantwortung dieser Frage hinreichend dargelegt hat und wir batten auch keinen Grulld, abet aueh keine M6glichkeit dessen dort Iestgelegten Ansichten zu widerlegen. Im fibrigen hat ja spi~ter auch IDLAUT selbst gemeinsam mit MULZER und NXOBI3RGER (1. C.) die Schwierigkeiten der histologischen Ana- lyse der luetischen Gewebsreaktionen betont und dies auch Ifir die eigenen Versuche fiber Kaninchensyphilis angefiihrt. Allerdings kann der Kenner histologischer Pr~parate aus unseren damaligen Beschreibungen und Abbildungen (Zeitschr. f .d . ges. Neurol. u. Psychiatric 96) wohl reiche ~hnlichkeiten, ja Identit~ten mit der menschlichen Lues des Zentralnervensystems erkennen, aber bei der his heute noeh sehr mangelhaften Kenntnis der tierisehen Lues des Nervensystems l~13t sich eine definitive Stellungnahme in dieser Frage nicht fixieren, Nit der gleichen Berechtigung oder der glei- ellen Unsicherheit wie PLAtJT selbst und seine Mitarbeiter, sowie viele andere Beschreiber experimenteller Kaninchensyphilis, glauben wit einstweilen an der Deutung dieser histologischen ]gilder als luetische festhalten zu dfirfen. Im fibrigen werden unsere auch nach anderer 1Riehtung fortgesetzten experimentellen Versuche vieUeicht eine sicherer fundierte Kenntnis dieser Frage bringen.

    ZUH BEWERTUNG VON LIQUORBEFUNDEN BEI KANINCHEN.

    Entgegnung auf den vorstehenden Aufsatz yon Hoff und Pollak.

    Von

    F. PLAUT.

    HOFF und POLLAK sagen, meine t3ehauptung, positive Gold- reaktion des IZaninchenliquors finde sich bei nichtsyphilitischer Kaninchen-Encephalitis sehr h~ufig, stehe im sehroffen Gegensatz z'u einer unserer frfiheren Publikationen, in der wir fiber 37 normale Goldkurven bei Kaninchen berichtet haben. Ein Widerspruch

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