Wohnungssuche: Tipps für Migranten

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1. Gleichberechtigung bei der Wohnungssuche?! Tipps fr Migrantinnen und Migranten Gefrdert durch das Ministerium fr Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie 2. Herausgeber: Antirassistisches Telefon Duisburg e.V. Anti-Rassismus Informations-Centrum e.V. Gravelottestr. 18 47053 Duisburg Tel: +49 203 93 51 570 Fax: +49 203 298 36 18 oder +49 203 93 57 466 e-mail: info@aric-nrw.de www.aric-nrw.de 3. Vorwort Die hier vorliegende Broschre ist das Ergebnis des Projekts Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt - Probleme von Angehrigen ethnischer Minderheiten bei der Wohnungs- suche in Duisburg des Antirassistischen Telefons Duisburg/ Bro gegen rassistische Diskriminierung e.V. (ART). Im Jahre 2002 wurden Interviews mit Wohnungssuchenden wie auch Anbietern von Wohnraum in Duisburg durchgefhrt. Bei den Wohnungssuchenden handelte es sich um Personen mit Migrationshintergrund, bei den Wohnungsanbietern um private Wohnungseigentmer, Wohnungsbaugesellschaften und Maklern. Auswertung der Interviews mit Wohnungsanbietern: Duisburger Institut fr Sprach- und Sozialforschung (DISS). Broschre: Antirassistisches Telefon Duisburg/ Bro gegen rassistische Diskriminierung e.V. (ART) und Anti-Rassismus Informations Centrum (ARIC-NRW e.V.) Das Projekt wurde gefrdert durch das Ministerium fr Arbeit, Soziales, Qualikation und Technologie des Landes NRW (MASQT NRW). Anmerkung: Das Antirassistische Telefon Duisburg (ART) e.V. hat sich im Juli 2004 aufgelst. Um diese Publikation dennoch den Betroffenen zugnglich zu machen, hat ARIC-NRW e.V. mit freundlicher Genehmigung des ART die Herausgeber- schaft bernommen. 3 4. 4 5. VORWORT 3 1. EINLEITUNG 6 2. TIPPS ZUR WOHNUNGSSUCHE 8 2.1. IM VORFELD 8 2.2. MGLICHKEITEN DER WOHNUNGSSUCHE 9 2.3. ERSTKONTAKT 11 2.4. WOHNUNGSBESICHTIGUNG 11 2.4.1 STRATEGIEN FR WOHNUNGSBEWERBERINNEN 12 2.4.2. VORURTEILE IM VORFELD ABBAUEN 13 2.4.3. REAKTIONSMGLICHENKEITEN AUF DISKRIMINIERENDE UERUNGEN 13 2.4.4. GESPRCHSFHRUNG 14 2.5. ABSCHLUSS DES MIETVERTRAGS 15 3. RECHTLICHE MGLICHKEITEN BEI DISKRIMINIERUNG 16 4. TIPPS UND ADRESSEN 18 4.1. ANTIDISKRIMINIERUNGSBROS 18 4.2. SOZIALBERATUNG 20 4.3. DIENSTSTELLEN UND ANGEBOTE DER STADT DUISBURG 29 4.4. MIETERBERATUNGEN 31 4.5. WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFTEN 32 5 6. 1. Einleitung Diskriminierungen sind keine Seltenheit, sie sind im Gegenteil alltgliche Erfahrung von Menschen mit Migrationshinter- grund, schwarzen Deutschen, Flchtlingen und anderen ethnischen und religisen Minderheiten. Neben einer individuellen Ungleichbehandlung durch Privatpersonen, ist die Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund auch strukturell und institutionell verankert. Zu denken ist hier beispielsweise an die Aus- lndergesetzgebung oder das Wahlgesetz. Auch der Bereich des Wohnungsmarkts ist von Diskrimi- nierungen nicht ausgenommen. Private Vermieter haben wie auch andere Angehrige der Mehrheitsgesellschaft zum Teil groe, von Vorurteilen geprgte Vorbehalte gegenber ethnischen und religisen Minderheiten. Diese sprechen sie in den meisten Fllen nicht offen aus, sondern verstecken sich gleichsam hinter der Mieter- gemeinschaft, die Probleme mit MigrantInnen im gleichen Haus htten, angeblich schlechten Erfahrungen oder vielfltigen anderen Argumentationen. In Wohnungsbaugesellschaften erleben Menschen mit Migra- tionshintergrund hug, dass behauptet wird, Wohnungen seien schon vergeben, obwohl sie weiterhin leer stehen. In einigen Stdten kommt es gar zu einer Quotierung des sozialen Wohnungsbaus. Wie in anderen Ballungsgebieten, zeichnet sich auch in Duisburg eine Konzentration von Bevlkerungsgruppen in bestimmten Stadtteilen, ab1 . In sog. benachteiligten Stadtteilen, wie Marxloh oder Hochfeld ist der Anteil von MigrantInnen an der Wohnbevlkerung durchschnittlich hher als in attraktiveren Stadtteilen. 1 Quelle: Stadt Duisburg Einwohnerstatistik, GFW Duisburg, Stand: 31.12.2001 6 7. Die vielfltigen Grnde und Ursachen darzulegen, wrde weit ber den Rahmen dieser Broschre hinaus gehen. Ein wichtiger Bedingungskomplex ist sicherlich die soziale und konomischeLagevonMenschenmitMigrationshintergrund, die immer noch ein durchschnittlich geringeres Einkommen beziehen, schlechtere Bildungschancen erhalten und in hherem Mae von Arbeitslosigkeit betroffen sind. In der ffentlichen und politischen Diskussion, aber auch in den Medien werden die komplexen Ursachen vielfach durch klischeehafte Vorstellungen wie: Die wollen unter sich bleiben! ersetzt. Hierzu gesellen sich Vorurteile und ngste der Mehrheitsangehrigen. Dies fhrt unter anderem dazu, dass Diskriminierungs- erfahrungen bei der Wohnungssuche gerade in den attraktiven Duisburger Stadtteilen gehuft auftreten. Die vorliegende Broschre versteht sich als Mosaikstein, der das notwendige und berfllige Umdenken der Mehrheits- gesellschaft nicht ersetzen kann. Um zu einem gleichberech- tigten interkulturellen Miteinander zu gelangen, sind weitere und verstrkte politische, strukturelle und institutionelle Bemhungen notwendig. Wir hoffen, dass diese Broschre einen Beitrag leisten kann, um Wohnungssuchende in ihrem Selbstbewusstsein zu strken, Tipps zu Reaktionsmglichkeiten zu geben und einer weiteren Konzentration von Bevlkerungsgruppen in den einzelnen Stadtteilen entgegen zu wirken. 7 8. 2. Tipps zur Wohnungssuche 2.1. Im Vorfeld Vermieter und Mieter sind zum berwiegenden Teil an einer langfristigen Ver- bzw. Anmietung von Wohnraum interessiert. In den Interviews el dieser Punkt immer wieder auf. Gerade private Vermieter legten groen Wert darauf, huge Mieterwechsel zu vermeiden. Daher ist es wichtig, im Vorfeld die eigenen Bedrfnisse und Wnsche zu klren. Klren Sie Ihre Wnsche und Bedrfnisse in Bezug auf: Stadtteil soziale Infrastruktur kulturelle Infrastruktur Verkehrsanbindung Einkaufsmglichkeiten Wohnumfeld/ Wohnlage Nachbarschaft Siedlungsdichte Industrielle Nutzung/ Emissionen Hhe der Miete inkl. aller weiteren Kosten Zimmeranzahl Schnitt der Wohnung Ausstattung der Wohnung (Heizung, Bad, Elektroinstallation, Isolierverglasung, Balkon, etc.) 8 9. n Falls Sie einen Wohnberechtigungsschein (WBS) bentigen, Wohngeld oder Sozialhilfe beziehen oder nicht ausreichend ber Ihr Recht informiert sind, klren Sie Ihre Ansprche und Mglichkeiten im Vorfeld. Hierzu knnen Sie sich in den Bezirksmtern informieren oder eine Beratung bei einer der im Adressteil aufgefhrten Beratungsstellen in Anspruch nehmen. n Einige Wohnungsgenossenschaften gehen mittlerweile aufgrund des entspannteren Wohnungsmarkts dazu ber, Wnsche und Bedrfnisse potentieller Mieter zu berck- sichtigen und beispielsweise zwei kleine Wohnungen zu- sammenzulegen, um den erhhten Bedarf nach familien- gerechten groen Wohnungen abzudecken. n Broschren zu Kindertagessttten, Schulen und anderen Einrichtungen erhalten Sie in den Bezirksmtern. Infos zu den Verkehrsanbindungen erhalten Sie bei den Duisburger Verkehrsbetrieben. 2.2. Mglichkeiten der Wohnungssuche n Kontakte! In den Interviews zeigte sich, dass viele Vermieter Wohnungssuchende, die ihnen empfohlen wurden, bevorzugen. Nutzen Sie Ihre Kontakte und machen Sie die Wohnungssuche in Ihrem persnlichen Umfeld bekannt. ber Kontakte und Beziehungen wie auch mit Referenzen ist die Wohnungssuche erheblich einfacher. Denkbar ist auch, dass Sie sich an Ihre derzeitige Wohnungsgesellschaft oder an Ihren Vermieter wenden. 9 10. n Zeitungen und Annoncen! IndenMittwochs-undSamstagsausgabenderregionalen Tageszeitungen und der kostenlosen Anzeigenbltter (Wochenanzeiger, Stadtpanorama) inserieren zum ber- wiegenden Teil private Anbieter und Makler. Hier knnen Sie auch eine Wohnungssuchanzeige aufgeben. n Amt fr Soziales und Wohnen! Die Stadt Duisburg vermittelt in der kommunalen Woh- nungsvermittlungsstelle freifinanzierte Mietwohnungen. Wohnungssuchende knnen sich hier registrieren lassen. Nheres siehe S. 27. n Wohnungsbaugesellschaften! WohnungsbaugesellschaftenbietenzahlreicheMietwoh- nungen im Raum Duisburg an. Wohnungssuchende knnen sich gezielt auf eine bestimmte Wohnung bewerben oder einen sog. Mieterinteressentenbogen ausfllen. Nheres siehe S. 32. n Makler! Schalten Sie einen Makler ein. In der Regel erhalten Makler bei der erfolgreichen Vermittlung von Wohnungen eine Courtage (Vermittlungsprovision) von 2,3 Kaltmieten. Makler finden Sie z.B. in den Gelben Seiten oder im Telefon- buch. 10 11. 2.3. Erstkontakt Der erste Kontakt mit dem Vermieter ist gerade bei Wohnungsanzeigen zumeist telefonisch. Bei den Interviewpartnern kam es hier gehuft zu Diskri- minierungserfahrungen. Vermieter legten auf oder inserierte Wohnungen waren auffallend oft vergeben. Nicht-deutsche Namen waren einigen Vermietern offensichtlich Grund genug, Interessenten abzuweisen. Trotzdem sollten Sie offensiv und selbstsicher auftreten. Melden Sie sich mit Ihrem Namen. Sie sind mglicher Vertragspartner, kein Bittsteller. 2.4. Wohnungsbesichtigung Auch bei der Wohnungsbesichtigung kommt es hufig zu Diskriminierungen. Diese sind, anders als bei Telefonaten, jedoch meist verdeckt. Das Gesprch ist ein entscheidender Faktor bei der Wohnungsbesichtigung. Hier versuchen beide Seiten ihr Gegenber einzuschtzen, sich ein Bild vom jeweiligen Gegenber zu machen und nhere Informationen zu erhalten. Falls Sie sich in der deutschen Sprache unsicher fhlen, ist es sinnvoll einen Dolmetscher mitzunehmen. Es kommt aber auch immer auf das Wie der Kommunikation an. Dazu nun einige Tipps und Strategien. 11 12. 2.4.1. Strategien fr WohnungsbewerberInnen n Selbstbewusst auftreten. n Gepflegtes Erscheinungsbild: Kleiden Sie sich in jedem Fall so, wie Sie sich immer kleiden. n Freundlich sein und bleiben. n Natrlich und authentisch sein. n Vorstellungen und Wnsche klar und przise formulieren: Sie sind kein Bittsteller, sondern mglicher Vertragspartner! n Nach nachbarschaftlichen Verhltnissen im Haus erkundigen - Interesse zeigen. n Offen auftreten: Vermieter interessieren sich fr Einkommens- und Familienverhltnisse. Bringen Sie also Gehaltsabrech- nungen im