"Modell Deutschland" - Kurzfassung zur WWF-Studie

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Kurzfassung der WWF-Studie "Modell Deutschland - Klimaschutz bis 2050". In der Studie zeigt der WWF technisch mögliche und wirtschaftlich bezahlbare Wege in eine CO2-arme Zukunft.

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  • 1.Modell deutschland Klimaschutz bis 2050Vom Ziel her denken

2. Vorwort Lsungen am Ziel ausrichten Der Klimawandel muss gebremst werden, um unsere Lebensgrundlagen zu bewahren. Darin be- steht weltweit Einigkeit. Um unter der kritischen Temperaturerhhung von zwei Grad im Vergleich zu Zeiten vor der Industrialisierung zu bleiben, muss der Aussto an klimaschdlichen Treibhausgasen global um 80 Prozent gegenber 1990 sinken. Die Industrielnder mssen ihre Treibhausgase bis 2050 sogar um 95 Prozent reduzieren. Ohne diese drastische Verminderung der Treibhausgase steuern die Menschen in rasantem Tempo auf eine globale Erderwrmung von bis zu sieben Grad Celsius zu. Dies htte verheerende Folgen. Ein Umsteuern ist bisher nicht in Sicht. Jedes Jahr steigen die weltweiten Emissionen weiter, statt zu sinken. Es reicht nicht, anspruchsvolle Ziele lediglich als Utopie zu diskutieren. Noch nie wurde aus dieser Utopie ein durchgerechneter Politikentwurf geformt, der bis ins Jahr 2030 mit konkreten Manahmen und Instrumenten hinterlegt ist. Dies leistet die vorliegende Studie des WWF Deutsch- land erstmals. Wir betreten Neuland. Wir denken vom Ziel her. Nur so knnen wir unsere Stabilitt, Sicherheit, Wohlstand und Arbeitspltze sichern. Die Studie von Prognos, ko-Institut und Dr. Ziesing im Auftrag des WWF zeigt, dass der geforderte Wandel von der klimaschdlichen zur klimavertrglichen Wirtschaftsweise mglich und bezahlbar ist. Deutschland knnte dabei zum Entwicklungsmodell fr andere Lnder werden. Die Studie er- hebt nicht den Anspruch, den einzig mglichen Weg aufzuzeigen, aber einen Weg, der begleitet von verstrkten Innovationsanstrengungen nachhaltig zum Ziel fhren kann. Es ist unabdingbar, schon heute die richtigen Weichen fr die Zukunft zu stellen. Denn die Mehrheit der Minderungspotenziale der Treibhausemissionen ist an sehr langfristige Investitions- und Infrastrukturentscheidungen ge- knpft. Darber hinaus muss anspruchsvoller Klimaschutz ab sofort alle Sektoren erfassen. Politik, die sich kurzfristig auf die vermeintlich preiswerten Minderungsoptionen ausrichtet, fhrt in die Irre. Die Stromerzeugung, der Gebudesektor, der Straenverkehr und die Industrie sind zentrale Hand- lungsfelder, aber ohne den Einbezug der Landwirtschaft und die Fragen der Landnutzung wird das ambitionierte Minus-95 Prozent-Ziel kaum zu schaffen sein. Der WWF mchte mit dieser Studie die Diskussion ber die Zukunft anstoen. Die Studie gibt viele interessante neue Antworten, aber sie wirft auch viele neue Fragen auf, die jetzt bearbeitet werden mssen. Fr den WWF ist diese Analyse nicht der Abschluss, sondern der Auftakt, sich systematisch diesen Fragen zu stellen und in der nahen Zukunft Antworten vorzulegen. Deshalb wird der WWF diesen Prozess nicht nur begleiten, sondern ihn aktiv vorantreiben. Eberhard BrandesRegine Gnther Geschftsfhrer Leiterin Klimaschutz und WWF Deutschland Energiepolitik 3. Erstellt von der Arbeitsgemeinschaft Prognos AG / ko-Institut / Dr. Hans-Joachim Ziesing im Auftrag des WWF.Inhalt Einfhrung 4 Gesamte Treibhausgasemissionen6Komponentenanalyse und Zielerreichung fr die Entwicklung der Treibhausgasemissionen 8 Ziele und strategische Anstze zur Erreichung der Klimaschutzziele von Modell Deutschland 10 Rahmendaten 12 Technologieentwicklung 13 Sektor private Haushalte 14Sektor Dienstleistungen 15 Sektor Industrie 16Sektor Verkehr 18Endenergieverbrauch 20Stromerzeugung 21 Primrenergieverbrauch 23 Kosten und Einsparungen 24Energiebedingte Treibhausgasemissionen 25Sonstige Treibhausgasemissionen anderer Sektoren 27 Eckpunkte eines Integrierten Klimaschutz- und Energieprogramms 2030 28 Schlussfolgerungen und Ausblick: Vernderungen in der Energie- und Klimapolitik, 29Innovation und globale RahmensetzungenVerzeichnis der Abkrzungen, Akronyme und Symbole 31 4. 4 5 EinfhrungUm die globale Klimaerwrmung auf einen Wert von unter 2C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen, sind bis 2050 weltweit drastische Reduktionen der anthropogenen Emissi- onen an Treibhausgasen notwendig. Ein international abgestimmter Pfad wird nur mglich sein, wenn die Industrielnder ihre Emissionen so weit reduzieren, dass den Schwellenlndern etwas Luft auf dem Treibhausgaskonto fr die weitere Entwicklung von Wirtschaft und Wohlstand bleibt. Ein so eingebettetes Ziel fr 2050 bedeutet fr Deutschland eine Reduktion der Treibhausgase um ca. 95 % gegenber dem Emissionsniveau von 1990. Dies heit, dass im Jahr 2050 weniger als eine Tonne Treibhausgase pro Kopf emittiert werden darf. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse gehen davon aus, dass uns von 2005 bis 2050 ein globales Budget von etwa 800 Mrd. t fr die CO2- Emissionen bzw. von 1.230 Mrd. t. CO2-quivalent fr die gesamten Treibhausgasemissionen zur Verfgung steht, um die Erhhung der globalen Mitteltemperatur gegenber dem vorindustriellen Niveau auf unter 2C zu begrenzen. Wie kann und muss der Umbau einer hoch industrialisierten und technisierten Gesellschaft aussehen, um ein solches Ziel zu erreichen? Welche technischen Manahmen und politischen Instrumente sind erforderlich, wenn weiterhin Wirtschaftswachstum, Sicherheit und Komfort gewhrleistet werden sollen? Mssen wir auf etwas verzichten oder knnen wir Quantitt durch Qualitt ersetzen? Seit 1990 werden energie- und klimapolitische Ziele verfolgt und entsprechende Instrumente ein- gesetzt. Eine einfache Betrachtung des Ist-Zustands zeigt deutlich, dass die Entfernung zum 95 %-Ziel noch sehr gro ist (vgl. Abb. K-1).1.200 nicht energiebedingte THG1.000 sonstige energiebedingte THG CO2 Stromerzeugung und sonst. Umwandlung800 CO2 Verkehr Mio. t quivalent CO2 Industrie600 CO2 Haushalte/ Dienstleistungen Gesamt THG 400Ziellinie Modell D, gesamte THG-Emissionen energiebedingte THG-Emissionen 200 Quelle: Prognos/ko-Institut 2009Abbildung K 1: 0 Treibhausgasemissionen1990 2005 2010 2020 20302040 2050 nach Sektoren, 1990,2005, und Ziel bis 2050, in Mio. t CO2-quivalenten Das Ziel ist so ambitioniert, dass alle Sektoren intensiv zu seiner Erreichung beitragen mssen. Es wird deutlich, dass ein massiver Effizienzschub zur Reduzierung der Energienachfrage und die Ausschpfung der erneuerbaren Potenziale auf der Angebotsseite notwendig sein werden. Der WWF beauftragte die Arbeitsgemeinschaft Prognos / ko-Institut / Dr. Ziesing, diese Fragestellung fr Deutschland quantitativ zu untersuchen. Neben der Frage Was kann und muss technisch passieren und wie muss die zugehrige Politik aussehen? ist es wichtig, eine Einschtzung darber 5. zu gewinnen, wie weit entfernt diese Lsungen vom derzeit diskutierten Politikpfad sind. Daher wurden zwei quantitative Szenarien entwickelt: Ein Szenario mit ambitionierter Fortsetzung heutiger Energie- und Klimaschutzpolitik (Referenzszenario) sowie ein Innovationsszenario, das den Umbau zur emissionsarmen Gesellschaft vom Ziel der 95 %-igen Reduktion her untersucht. Die Fortsetzung der heutigen Energie- und Klimaschutzpolitik fhrt im Ergebnis bis 2050 zu einer deut- lichen Zielverfehlung (vgl. Abb. K-2). Auf das Referenzszenario wird bei der Berechnung der Kosten und der Ermittlung der Instrumente des Innovationsszenarios Bezug genommen. Ein Vergleich der Emissionsentwicklungen im Referenz- und im Innovationsszenario zeigt, dass im Zeitraum bis 2050 erhebliche Treibhausgasminderungen in allen Bereichen darstellbar sind. Trotzdem wird das Ziel einer Emissionsreduktion von 95 % gegenber 1990 mit den in den Szenarien bercksichtigten Ma- nahmen nicht erreicht. Die verbleibende Minderungslcke msste durch Manahmen geschlossen werden, die sich jenseits der fr die Szenarien vorgegebenen Rahmenbedingungen bewegen. Mit einer Auswahl entsprechender Manahmen (siehe Abschnitt Komponentenanalyse und Ziel- erreichung fr die Entwicklung der Treibhausgasemissionen) ist es mglich, eine Variante Modell Deutschland zu beschreiben, in der im Jahr 2050 ein Emissionsniveau erreicht wird, das um 95 % unter dem Vergleichswert von 1990 liegt. 19902000 20102020 20302040 20500 Referenzszenario -200 Mio t CO2-quivalent -400 CO2 -600?und Modell Deutschland 45 % Innovationsszenario -800 -1.000Quelle: Prognos/ko-Institut 2009Reduktionsziel: 95%-1.200Einsparung Gesamt bis 2005 Einsparung energiebedingte sonst. EmissionenAbbildung K 2:Einsparung Private Haushalte Einsparung Flchtige und prozessbed. Emiss. Referenzszenario:Einsparung GHD Einsparung ProduktverwendungEmissionsreduktion nachEinsparung Industrie Einsparung Landwirtschaft Sektoren 1990 2050, inEinsparung Verkehr Einsparung Landnutzung und ForstenEinsparung Umwandlungssektor gesamtEinsparung Abfallwirtschaft Mio. t CO2-quivalenten Fr die Entwicklung langfristiger Strategien zur Umsetzung der in der Variante Modell Deutschland erforderlichen Klimaschutzmanahmen werden drei Strategiesegmente unterschieden: strategische Ziele, auf deren Grundlage es mglich ist, die Zielerreichung bis 2050 und die Fort-schritte in den verschiedenen Sektoren hinreichend allgemein, aber auch in ausreichendem Maesektoral differenziert zu bewerten; Umsetzungsstrategien, mit denen das Zusammenspiel der verschiedenen Handlungsbereichebis 2050 adressiert wird; Instrumentierungsstrategien, die langfristige Leitlinien fr die politischen Umsetzungsinstru-mente beinhalten. Im Folgenden werden zunchst Emissionsverlufe und Struktur der Treibhausgasentwicklung pr- sentiert. Danach werden die wesentlichen Wirkungsbeitrge der verschiedenen Sektoren zur Emis- sionsreduktion aufgeschlsselt und im Anschluss bergeordnete strategische Ziele benannt. Darauf aufbauend werden die wichtigsten Voraussetzungen und Ergebnisse des Innovationsszenarios sowie die Umsetzungsstrategien und Instrumente Sektor fr Sektor vorgestellt. Fr den Zeitraum bis zum Jahr 2030 wird darber hinaus schlielich ein Instrumentenpaket entwickelt, das zu den fr diesen Zeithorizont angestrebten Reduktionen der Treibhausgasemissionen fhrt. 6. 6 7 Gesamte Treibhausgasemissionen1.400 1.200 -14%1.000-26% -35%800 Mio. t CO2-qu.-40%-41%-45% 600-63% Quelle: Prognos/k