Bericht أ¼ber die Monate in Hangzhou Alexandros Kroesche ... Bericht أ¼ber die ersten 11 Monate in Hangzhou

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  • School of Humanities, ZJU – China Studies Program

    Bericht über die 11 Monate in Hangzhou

    Alexandros Kroesche Psifidis

    Email Address: psifidis2@yahoo.gr

    Mobile Phone: 0049 15145813475

    Postal Address: Derfflinger Strasse 21, 10785, Berlin, Deutschland

    mailto:psifidis2@yahoo.gr

  • Bericht über die ersten 11 Monate in Hangzhou

    Zhejiang TV Station

    1.Einführung

    Mein Name ist Alexandros Polychronis Psifidis Krösche und ich studiere an der

    Zhejiang Universität in Hangzhou, Volksrepublik China.

    Mir wurde diese außergewöhnliche Gelegenheit im Rahmen des

    Austauschprogramms der Technischen Universität Berlin geboten, an der ich mein

    Masterstudium im September 2012 an der Philosophischen Fakultät im Fachbereich

    „Kommunikation und Sprache- DaF“ begann und einen zweiten Abschluss d.h. einen

    Doppelmaster im Bereich „ China Studies Program“ anstrebe. Mein Aufenthalt ist auf

    10 Monate begrenzt und ich möchte nach 5 Monaten ein erstes Resümee meiner

    Erfahrungen und Erlebnisse ziehen. Ein Grund dafür ist, dass ich durch meine

    Erfahrungen neuen Anwärtern einen Einblick in diese große und interessante Kultur

    geben kann. Ein weiterer Grund ist rein persönlicher Natur. Eines Tages, wenn meine

  • Erinnerungen beginnen zu verblassen, werde ich mich über meine eigenen

    Aufzeichnungen freuen, die mich in diese Zeit und an diesen Ort zurückversetzen

    können.

    2.Erster Schritt

    Ich weiß nicht, womit ich beginnen soll. Deshalb werde ich weit zurückgreifen. Die

    Geschichte beginnt an einem wunderschönen sonnigen Morgen in Berlin am

    1.9.2012. Ich stieg ins Flugzeug und flog an einen Ort, der für mich noch einige

    Monate vorher ein utopisches Reiseziel war. Während des Fluges schloss ich meine

    Augen und verlor mich in meinen Gedanken. Ich versprach mir selbst , dass ich diese

    einmalige Gelegenheit voll auskosten werde und nach Europa mit vielen neuen

    Kenntnissen, Bildern, Fähigkeiten und vor allem mit einem neuen Blickwinkel, einer

    anderen philosophischen Annäherung der Dinge und einer erweiterten Denkkraft

    zurückkehren werde.

    .3. Shanghai

  • Ich landete in einer Stadt voll unglaublicher Ausmaße. 23 Millionen Menschen,

    überall Wolkenkratzer! Shanghai! Dort hatte ich meinen ersten Kulturschock. So

    viele Menschen und alle Chinesen. Eine Sprache zu hören, die nicht im entferntesten

    eine Ähnlichkeit mit dem hat, was man bis jetzt erlernt hat. Und nur der Umstand so

    weit weg von zu Hause zu sein, ist faszinierend. Ich spazierte am Abend am Fluss

    entlang, der die Stadt durchquert. Auf der anderen Seite des Flusses bot sich mir

    dieses unglaubliche Panorama dieser Stadt. Eine Stadt von modernsten

    Wolkenkratzern, die miteinander um ihre Höhe wetteifern, so als wollten sie in dem

    Wettbewerb „Babel“ gewinnen, um als erstes Gott die Hand zu reichen. Aber hier

    gibt es auch ein anderes Bild. Wenn man sich ein bisschen vom Zentrum entfernt,

    findet man eine Mischung aus alten, ärmlichen, verkommenen und hässlichen

    Häusern, in denen viele Menschen zusammengepfercht leben. So sieht es in vielen

    Teilen Chinas immer noch aus. Besonders wenn man westlich weiterreist, bekommt

    man ein anderes Bild von China. Dieser große Unterschied zwischen Reichtum und

    Armut ist stark zu beobachten.

    4.Hangzhou

    Am nächsten Tag kam ich in Hangzhou an. Eine Stadt mit 7,3 Millionen Menschen

    mit einem riesigen See im Zentrum der Stadt. Man sieht überall „grün“, große

    Zufahrtsstraßen, Fahrradwege ( mehr als in Berlin...), Wolkenkratzer, riesige

    Bankgebäude, Einkaufszentren, eine moderne europäische Stadt würde ich sagen.

    Diese Stadt gehört zu den reichsten Gegenden Chinas. Saubere Straßen, auf denen

    teure Autos fahren. Der See mit seinen 6.3 Quadratkilometern ist der schönste Ort

    der Stadt. Ich spaziere den Küstenweg entlang und sehe Seerosen am Ufer. Bäume,

    die Weiden ähneln, neigen sich ob ihrer Fülle und streicheln mit ihren Blättern das

    Wasser des Sees. Bambusstangen vervollständigen das Bild. Ein so anderer Anblick

    und gleichzeitig wunderschön. Ein Professor sagte eines Tages zu uns: „ Wenn ich

    mich nicht gut fühle, gehe ich an diesen See und mache einen Spaziergang und

    vergesse alle meine Sorgen. Dieser Anblick ist Balsam für meine Seele.“

  • 5.Die Menschen

    In den ersten Monaten konnte ich jeden Tag etwas Neues entdecken. Alles schien so

    unglaublich interessant. Im Laufe der Zeit begann ich mich an viele Sachen zu

    gewöhnen und mich anzupassen. Inzwischen erscheint mir mein Alltag absolut

    normal. Ich weiß aber, dass jeder, der zum ersten Mal nach China reist, einen kleinen

    oder größeren Kulturschock erfährt, je nach den Vorkenntnissen, die jeder Einzelne

    mitbringt.

    Die Menschen in China haben mich mit offenen Armen empfangen. Die Chinesen

    sind sehr gastfreundlich, sehr warmherzig und sehr schüchtern. Sie zeigen nicht so

    leicht ihre Gefühle und ihnen gefällt auch nicht die westliche Art zu grüßen so wie

    das Küssen, die Umarmungen oder der Händedruck. Es reicht ihnen ein einfaches

    „hi“ und ein Händewinken. Aufgrund einer kleinen Untersuchung versuche ich auch

    das Phänomen des sozialen Abstands mit zwei Ursachen erklären: 1. Der erste

    Grund hat seinen Ursprung in der Kultur und seinen Einflüssen im Konfuzianismus

    und Taoismus, die die Bescheidenheit und die Zurückhaltung gelehrt haben und 2.

    Der zweite Grund hat mit der Ein-Kind Politik zu tun. Diese Politik erlaubt jeder

    Familie nur ein Kind großzuziehen. Das führt zu einer übermäßigen Fürsorge für das

  • Kind, welches im Schutz der Eltern und Großeltern aufwächst, die aus Angst vor

    äußeren schlechten Einflüssen dem Kind die Luft zum Atmen nehmen. Das Kind

    schließt sich in sich selbst ein und hat beim Eintritt in das Erwachsenenleben

    Schwierigkeiten sich in der außerfamiliären Welt zu behaupten. Viele Kinder bleiben

    lange bei ihren Eltern leben und sorgen auch später für sie. Viele Einzelkinder

    würden sich schlecht fühlen ihre Eltern zu verlassen, um ein eigenes Leben zu führen

    und etwas Neues auszuprobieren. Sie glauben, dass ihnen dann etwas „Negatives“

    zustoßen wird. So ungefähr kann ich das Verhalten vieler junger Leute erklären, die

    ich kennenlerne.

    Während ich spazierengehe, werde ich oft von Chinesen gefragt, ob ich mich mit

    ihnen fotografieren lasse. Das zeigt, dass es noch nicht so viele Ausländer in dieser

    Gegend gibt. Dies wird sich sicher in einigen Jahren ändern. Jedesmal wenn ich um

    Hilfe bitte, wird mir geholfen. Die Chinesen sind mit Abstand das gastfreundlichste

    Volk, das ich kennengelernt habe. Wenn man auch nur ein bisschen sprechen kann,

    ist alles viel einfacher, weil sie sich sehr darüber freuen und es besonders schätzen.

    Es gibt aber auch die andere Seite der Münze. Wenn ich etwas kaufen will, wird

    immer versucht, den Verkaufspreis für mich zu erhöhen, weil man mir ansieht, dass

    ich Ausländer bin. Man muss sehr geduldig sein und gut handeln können. Man

    nimmt an, dass Ausländer reich sind ( wai guo ren 外国人). Ich habe sehr viel geübt

    und habe in diesem Bereich nicht mehr so ein großes Problem. Etwas, was mir sehr

    negativ auffällt, ist das sehr laute Sprechen an öffentlichen Plätzen, ohne dass auf

    die Anderen Rücksicht genommen wird. Das macht mich teilweise sehr ärgerlich,

    weil ich manche Momente nicht richtig genießen kann wie z.B. ein Essen in einem

    Restaurant oder ein Film im Kino.

    6.Das Studium

    Jeden Morgen habe ich Unterricht. Die Fächer sind sehr interessant. Wir haben

    Dozenten aus Amerika, Schottland, Italien, Dänemark und Deutschland. Die meisten

    sind allerdings chinesische Dozenten, die sehr gut Englisch sprechen. Die Fächer

  • haben mit der chinesischen Geschichte der letzten 2500 Jahre zu tun, mit dem

    politischen und wirtschaftlichen System Chinas in Verbindungen mit der

    internationalen Wirtschaft, der Kultur und dem kulturellen Erbe des Landes, der

    Medienwelt und der interkulturellen Kommunikation zwischen China und

    Deutschland. Für meine Masterarbeit führe ich Interviews mit 4 unterschiedlichen

    Probanden: 1) Chinesische Studenten, die in Deutschland studiert haben, 2)

    Chinesische Professoren, die sich über die Probleme ihrer Studenten in Deutschland

    äußern, 3)Deutsche Professoren, die in China unterrichten und 4) Deutsche, die in

    deutschen Firmen in China oder in chinesischen Firmen arbeiten. Der zentrale

    Schwerpunkt der Arbeit ist die ausführliche Beschreibung der Fremderfahrung der

    chinesischen Studenten in Deutschland (der Prozentsatz der chinesischen Studenten

    mit einem Studium in Deutschland erhöht sich ständig, da zwischen China und

    Deutschland in den letzten Jahren die Wirtschaftsbeziehungen stark zunehmen), die

    Untersuchung der Ursachen bestimmter Phänomene und der Vorschlag von

    Lösungsmöglichkeiten. Gleichzeitig v