Grundlagen sportwissenschaftlicher Forschung ?· Sozialwissenschaft (Dilthey, 1923) „Die Natur erklären…

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  • Institut fr Sportwissenschaft

    Grundlagen sportwissenschaftlicher Forschung Qualitative Forschung

    Dr. Jan-Peter Brckner

    jpbrueckner@email.uni-kiel.de

    R.216Tel. 880 4717

  • Institut fr Sportwissenschaft

    Qualitative Forschung

    Grundgedanken der qualitativen Forschung

    Ziele der qualitativen Forschung Datenerhebungsmethoden Datenauswertung Gtekriterien in der qualitativen Forschung

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    Quantitative und qualitative Forschung

    nomothetischnaturwissenschaftlichLabordeduktivpartikulrexplanativahistorischerklrenharte MethodenmessenStichprobeVerhalten

    idiographischgeisteswissenschaftlichFeldinduktivholistischexplorativhistorischverstehenweiche MethodenbeschreibenEinzelfallErleben

    (Lamnek, 1993, S. 244; Bortz & Dring, 1995, S. 274)

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    Empirische Untersuchungen sollten nicht der Art der verwendeten Untersuchungs-methoden, sondern nach ihren Ergebnissen, ihrer Funktion und ihrem Stellenwert fr den Wissenschaftsprozess beurteilt werden.

    (Bortz & Dring, 2006, S. 303)

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    Grundgedanken der qualitativen Forschung

    Gegenstandsangemessenheit von Methoden und TheorienGegenstand bestimmt MethodenHandeln und Interaktion im natrlichen Umfeld

    Perspektiven der Beteiligten und ihre VielschichtigkeitSubjektive und soziale Bezge der AkteureWissen und handeln der Beteiligten

    Reflexivitt des Forschers und der ForschungKommunikation des Forschers mit dem Feld als expliziter Weg der Erkenntnisgewinnung

  • Institut fr Sportwissenschaft

    Grundlagen der qualitativen Forschung

    Hermeneutik Phnomenologie

    alternative Entwicklungen zur quantitativen Forschung

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    Hermeneutik

    Lehre der Deutung und Interpretation von Texten (bzw. weiterer Objekte)

    Grundmethode der Geistes- und Sozialwissenschaft (Dilthey, 1923)

    Die Natur erklren wir, das Seelenleben verstehen wir.

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    Vorverstndnis beeinflusst immer das (Text-)Verstndnis Vorverstndnis im Forschungsprozess offenlegen

    Hermeneutischer Zirkel

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    Phnomenologie

    Lehre von den Erscheinungen (Brentano, 1874)

    Ziel: Durch objektive Erkenntnis das Wesen einer Sache erfassen. Phnomene/Erscheinungen werden so betrachtet wie sie sind.

    (Nicht so, wie sie aufgrund von Vorerkenntnissen, Vorurteilen oder Theorien erscheinen mgen.)

    Husserl (1950): Hohes Ma an Selbstkritik und Disziplin smtliche Vorannahmen und Vorstellungen vernachlssigen

    Kritik von Popper (1989): Es gibt keine reinen Beobachtungen.Beobachtungen sind immer Theorien durchsetzt und geleitet.

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    Ziele von qualitativer und quantitativer Forschung

  • Institut fr Sportwissenschaft

    Qualitative Daten

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    Qualitative Datenerhebungsverfahren

    Qualitative Befragung Qualitative Beobachtung Nonreaktive Verfahren

    Die wichtigsten qualitativen Erhebungsverfahren:

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    Qualitative Befragung

    offene Befragung ( auch Feldgesprch oder Forschungsgesprch)

    Steuerung des Gesprchsverlaufs durch den Interviewten

    Subjektive Sichtweise von Akteuren: offene Fragen

    Interaktion von Interviewer und Interviewtem Datenauswertung beginnt im Interviewprozess (Datenerhebung, -auswertung und Intervention) Dokumentation der Gedanken, Gefhle, Reaktionen auf den Befragten Interviewer wird zum Erhebungsinstrument

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    Qualitative Befragung -inhaltliche Dimensionen

    1. Realittsbezug: Beschreibung -Phantasie

    2. Zeitdimension: Erinnerung Zukunft3. Reichweite: Tagesablauf

    Lebensgeschichte4. Komplexitt: einfache

    Personbeschreibung Charakterisierung5. Gewissheit: Vermutung Erfahrung6. Strukturiertheit: freie Assoziation -

    Erklrung

  • Institut fr Sportwissenschaft

    Qualitative Befragung -Erfahrungstypen

    Z.B.: Einzelne Episoden Verlufe und Verlaufsstrukturen Konzepte oder mentale Modelle

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    Qualitative Befragung Arbeitsschritte

    Inhaltliche Vorbereitung Organisatorische Vorbereitung Gesprchsbeginn Durchfhrung (und Aufzeichnung) Gesprchsende Verabschiedung Gesprchsnotizen Transkription

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    Qualitative Befragung -Beispiele fr Befragungs-/Interviewtypen

    Leitfadeninterview Fokussiertes Interview ( fokussiertes

    Objekt) Narratives Interview (

    Biographieforschung) Gruppendiskussion (moderierte

    Diskussion, Fokusgruppe)

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    Qualitative Beobachtung

    Beobachten des ueren Verhaltens

    Schlieen auf verborgene Bedeutungs-strukturen (Erleben, Motive, )

    Feldbeobachtung (teilnehmende Beobachtung) Rollenspiele

    Einzelfallbeobachtung Selbstbeobachtung

  • Institut fr Sportwissenschaft

    Nonreaktive Verfahren

    Datenerhebungsmethoden, die keinerlei Einfluss auf die untersuchten Personen, Ereignisse oder Prozesse ausben

    Datenerhebung wird nicht bemerkt Beobachtung von Verhaltenspuren

    (Bortz & Dring, 2006, S. 326)

  • Institut fr Sportwissenschaft

    Nonreaktive Verfahren

    verdeckte Beobachtung physische Spuren Schilder, Symbole, Aushnge Bcher, Zeitschriften, Einzeldokumente,

    Filme, Internet Archive, Datenbanken, Verzeichnisse,

    Statistiken

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    Qualitative Datenauswertung

    ZielStrukturiertes System von Aussagen schaffenWissen ber den Bereich ordnen

    Kodierung des Materials zur Kategorisierung und Theoriebildung

    Sequentielle Analyse zur Rekonstruktion der Fallstruktur

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    Qualitative Datenauswertung

    Text/Quellenkritik (Gte des Materials?) Datenmanagement Kurze Fallbeschreibung (Sozialstatistik, Interviewthemen,

    prgnante Zitate)

    Fallauswahl fr Feinanalyse Kategoriensystem (induktiv oder deduktiv?) Kodierung Beschreibung der Einzelflle Vergleich von Einzelfllen Zusammenfassen von Einzelfllen Ergebnisprsentation

    (Bortz & Dring, 2006, S. 326)

    Arbeitsschritte

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    Qualitative Datenauswertung

    Auswerteverfahren

    Globalauswertung (Legewie, 1994) Qualitative Inhaltsanalyse (Mayring, 1989) Grounded Theory (Glaser & Strauss,

    1987)

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    Qualitative Datenauswertung

    Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

    Regelgeleitete, intersubjektiv nachvollziehbare Textanalyse

    Ziel: Kategoriensystem zur zusammenfassenden Deutung

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    Qualitative Datenauswertung

    Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

    Auswertung in drei Schritten1. Zusammenfassende Inhaltsanalyse

    2. Explizierende Inhaltsanalyse

    3. Strukturierende Inhaltsanalyse

    Paraphrasierung GeneralisierungReduktion

    Heranziehen zustzlicher Materialien Verstndnis unklarer Textpassagen

    Inhaltliche, typisierende oder skalierende Strukturierung

  • Institut fr Sportwissenschaft

    Testgtekriterien ( quantitative Forschung)

    Hauptgtekriterien Nebengtekriterien

    Objektivitt (anwenderunabhngig) Durchfhrung Auswertung Interpretation

    Normierung

    VergleichbarkeitNicht-Verflschbarkeit

    Reliabilitt (zuverlssig) Paralleltest Retest Innere Konsistenz (Testhalbierung)

    konomieNtzlichkeit

    Zumutbarkeit

    Validitt (gltig) inhaltlich / Experten Konstrukt kriterienbezogen

    Fairness

    im Kontext qualitativer Forschung eher ungebruchlich

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    Gtekriterien in der qualitativen Forschung

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    Gtekriterien in der qualitativen Forschung

    1. Intersubjektive Nachvollziehbarkeit2. Angemessenheit der gewhlten

    Methoden3. Empirische Verankerung4. Limitation

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    Gtekriterien in der qualitativen Forschung

    1. Intersubjektive Nachvollziehbarkeit Umfassende Dokumentation:- Vorverstndnis- Informationsquellen- Erhebungsmethoden- Transkriptionsregeln- Auswertungsmethoden- Entscheidungen und Auswahl- Interpretationen

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    Gtekriterien in der qualitativen Forschung

    2. Angemessenheit der gewhlten Methoden

    - Qualitatives Vorgehen bei der Fragestellung angemessen?

    - Methodenwahl angemessen?- Transkriptionsregeln angemessen?- Samplingstrategie angemessen?- Bewertungskriterien angemessen?

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    Gtekriterien in der qualitativen Forschung

    3. Empirische Verankerung

    - Verankerung der Theorie in den Daten- Empirische berprfbarkeit der Theorie

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    Gtekriterien in der qualitativen Forschung

    4. Limitation

    - Grenzen des Geltungsbereichs der Theorie (Verallgemeinerung?)

    - Fallkontrastierung:Typische Flle, abweichende Flle, Extremflle

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    Gtekriterien qualitativer Forschung

    Konsensuelle Validierung

    Konsens- zwischen beteiligten Forschern

    - zwischen Forschern und Beforschten(kommunikative Validierung)

    - mit Auenstehenden (argumentative Validierung)