Kortikosteroid- Therapie bei chronisch entzündlichen ... ?· kosteroid. Es wird sowohl bei oraler als…

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  • Kortikosteroid-Therapie bei chronisch entzndlichen Darmerkrankungen

    Der informierte Patient

    Aktualisierte

    Auflage2007

  • Leinenweberstr. 5Postfach 652979041 FreiburgGermany

    FALK FOUNDATION e.V.

    Fax: 0761/1514-321e-mail: literaturservice@falkfoundation.de

    2007 Falk Foundation e.V.Alle Rechte vorbehalten.

    Herausgeber

    15. aktualisierte Auflage 2007

  • Der informierte Patient

    Kortikosteroid-Therapie bei chronisch entzndlichen Darmerkrankungen

    Prof. Dr. med. Tilo Andus

  • Verfasser:Prof. Dr. med. Tilo AndusKlinik fr Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie und internistische Onkologie Krankenhaus Bad CannstattKlinikum StuttgartPrienitzweg 2470374 Stuttgart

  • Der informierte Patient

    3

    Inhalt Seite

    Einleitung 5

    Natrliche Rolle und Regulation der Kortikosteroide im Krper 7

    Entzndungshemmende Wirkungen der Kortikosteroide 12

    Wirkungen der Kortikosteroideauf den Stoffwechsel 13

    Einfluss der Kortikosteroide auf den Wasserhaushalt 13

    Behandlung mit Kortikosteroiden 14

    Knstliche (synthetische) Kortiko-steroide zur Verbesserung der Wirksamkeit und der Vertrglichkeit 14

    Verschiedene Darreichungsformenzur Behandlung der Colitis ulcerosa 15

    Topische Kortikosteroide 17

    Wirksamkeit bei chronisch entzndlichen Darmerkrankungen 19

    Colitis ulcerosa 19

    Pouchitis 21

    Morbus Crohn 22

    Mikroskopische Kolitis (kollagene Kolitis und lymphozytre Kolitis) 24

  • Der informierte Patient

    4

    Einheimische Sprue / Zliakie 24

    Vertrglichkeit und Nebenwirkungen 25

    Schwangerschaft und Cortison-Therapie 29

    Stillen und Cortison-Therapie 29

    Glossar 30

  • 5

    Einleitung

    Die Entdeckung des Cortisols durch E. Kendall und Wintersteiner im Jahre1937 und dessen erstmalige knstlicheHerstellung durch T. Reichstein 1938ermglichten es P. S. Hench 1948 erstmals, diese Substanz zur Behand-lung einer Patientin mit einer rheumati-schen Gelenkentzndung einzusetzen.Cortisol gehrt zu einer Klasse von Hormonen, die als Kortikosteroide(im Volksmund oft einfach Cortison)bezeichnet werden. Hormone der Begriff kommt aus demGriechischen und bedeutet antreiben sind krpereigene Botenstoffe. Sie wer-den in der Regel aus speziellen Drsenauf einen Reiz hin freigesetzt und berden Blutkreislauf zu ihren Bestimmungs-orten im Krper transportiert. An ihrenZielorganen steuern Hormone dann eineVielzahl von Stoffwechselprozessen. Die schnelle und stark entzndungs-hemmende Wirkung des Cortisols ver-half den Kortikosteroiden bald zumDurchbruch bei der Behandlung akuterund chronischer Entzndungen und dendrei Entdeckern 1950 zum Nobelpreis.

    Bereits damals zeigte sich, dass die er-wnschten Wirkungen der Kortikoste-roide von unerwnschten Wirkungenbegleitet wurden, und erst allmhlichlernte man, letztere durch gezielten undbeschrnkten Einsatz weit mglichst zuvermeiden.

  • 6

    Einleitung

    Auch fr Patienten mit chronisch ent-zndlichen Darmerkrankungen war dieTherapie mit Kortikosteroiden ein be-deutender Fortschritt. Noch in den50er-Jahren hatten diese Patienten einedeutlich eingeschrnkte Lebenserwar-tung, da schwere akute Schbe nurschlecht behandelbar waren und deshalbviele junge Patienten an ihrer Krankheit verstarben. Die Einfhrung der Kortiko-steroide hat die Lebenserwartung frPatienten mit Morbus Crohn und Colitisulcerosa nahezu normalisiert. Heute gehtes darum, Kortikosteroide so einzuset-zen, dass die Patienten durch deren Ein-satz auch eine mglichst hohe Lebens-qualitt haben.

    Da die Cortison-Angst aufgrund unzu-reichenden Wissens in der Bevlkerungund auch bei manchen Patienten mitchronisch entzndlichen Darmerkrankun-gen ein weitverbreitetes Problem ist,sollen in diesem Patientenratgeber diewichtigsten Aspekte der Behandlung mitKortikosteroiden verstndlich dargestelltwerden.

  • 7

    Kortikosteroide im Krper

    Natrliche Rolle undRegulation der Kortiko-steroide im Krper

    Das krpereigene Hormon Cortisol unddessen Vorlufer Cortison werden inden Nebennierenrinden gebildet.

    Die Nebennieren, bestehend aus Markund Rinde, gehren zu den Organen desKrpers, die als Drse funktionieren(Abb.1).

    Abb. 1: Lokalisation der Nebennieren an den Nieren

    Nebennieren

    Nieren

    Harnblase

    Harnleiter

  • 8

    Kortikosteroide im Krper

    Cortisol ist fr den Krper lebensnot-wendig. Die Produktion des Cortisols inden Nebennieren wird durch ein berge-ordnetes Hormon, das adrenocorticotro-pe Hormon (ACTH), gefrdert (Abb. 2).ACTH wird in der Hirnanhangdrse(Hypophyse) gebildet, einer nur etwakirschkerngroen Drse mit weniger als 1 g Gewicht.

    Auch die Freisetzung von ACTH wirddurch ein weiteres Hormon, das so-genannte Corticotropin Releasing Hor-mon (CRH) gesteuert. CRH wird in

    Abb. 2: Der Cortisol-Steuerungsmechanis-mus in Hypothalamus, Hypophyseund Nebennierenrinde

    ACTH

    Cortisol

    +

    +

    CRH

  • 9

    einer zentralnervsen Region des Zwi-schenhirns (Hypothalamus) gebildet.

    In diesem komplizierten System regu-liert Cortisol selbst seine eigene Freiset-zung: Hohe Konzentrationen an Cortisolhemmen die eigene Freisetzung.

    Eine solche Steuerung bezeichnet manals selbstregulierenden Rckkopplungs-mechanismus. Nervliche und entznd-liche Stressfaktoren beeinflussen diesenRegelkreis zustzlich.

    Normalerweise wird das Cortisol ineinem tageszeitabhngigen Rhyth-mus produziert. Die grte Menge wirdin den frhen Morgenstunden freige-setzt, danach weniger (Abb. 3). Lediglichin den Abendstunden gibt es noch ein-mal einen zweiten kleineren Gipfel. Ins-gesamt produzieren die Nebennierenrin-den etwa 8 25 mg Cortisol pro Tag.

    Abb. 3: Tageszeitabhngiger Rhythmus desCortisols im Blut

    18 20 22 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18

    25

    20

    15

    10

    5

    0

    Uhrzeit

    Plasmacortisol [g/100ml]

    Kortikosteroide im Krper

  • 10

    Bei starkem Stress, wie z.B. schwerenKrankheiten, bentigt der Krper mehrCortisol, weshalb die Nebennierenrin-den dann bis zu 200 300 mg pro Tagproduzieren knnen.

    Alle Kortikosteroide, wie auch das Cortisol, wirken dadurch, dass sie anbestimmte Rezeptoren (Erkennungs-stellen) auf Zellen andocken und dannderen Stoffwechsel ndern. So frdernsie zum Beispiel den Eiweiabbau. Danahezu alle Zellen des menschlichenKrpers solche Rezeptoren besitzen,wirken die Kortikosteroide auch auf fastalle Zellen ein.

    Diese vielfltigen Wirkungen kann mangrob in drei Gruppen teilen:

    1. die entzndungshemmenden Wirkungen, die auch fr die Wirk-samkeit der Behandlung bei chronisch entzndlichen Darm-erkrankungen wichtig sind,

    2. die metabolischen (auf den allge-meinen Stoffwechsel bezogenen)Wirkungen, die auch fr das Auf-treten von Nebenwirkungen verant-wortlich sind und

    3. die den Wasserhaushalt (Mineral-stoffwechsel) beeinflussendenWirkungen.

    Kortikosteroide im Krper

  • 11

    Abb. 4: Hemmung der Entzndung durch Kortikosteroide

    Vorlufer-zellen im Knochenmark

    Entzndungs-zellen imBlutkreislauf

    VermehrungSpezialisierung

    Wanderung zur EntzndungAktivierung

    Freisetzung von Entzndungs-faktoren

    Entzndungs-zellen, z.B. im Darm, Gelenk...

    Ko

    rtik

    ost

    ero

    ide

    +

    +

    Kortikosteroide im Krper

  • 12

    Kortikosteroide im Krper

    Entzndungshemmende Wirkungender Kortikosteroide

    Die Entzndungshemmung wirderreicht, indem Kortikosteroide die Vermehrung (Proliferation) und Weiter-entwicklung (Differenzierung) von Entzndungszellen im Knochenmark,das Einwandern von Entzndungszellenaus dem Blut in den Darm (Migration)und die Aktivierung dieser Entzndungs-zellen behindern (Abb. 4). Zustzlich wir-ken Kortikosteroide auf alle Arten vonEntzndungszellen direkt, wie auch aufdie weien Blutkrperchen (Leukozyten).In diesen hemmen sie die Freisetzungvon Entzndungshormonen, wie z.B.die der Zytokine, die eine Entzndung frdern.

  • 13

    Kortikosteroide im Krper

    Wirkungen der Kortikosteroide auf den Stoffwechsel

    Die Wirkungen auf den allgemeinenStoffwechsel sind noch vielfltiger. DieKortikosteroide beeinflussen den Stoff-wechsel der Leber, der Muskeln, desFettgewebes, der Knochen und Sehnenund vieler anderer Organe.

    Einfluss der Kortikosteroide auf den Wasserhaushalt

    Die Wirkung auf den Wasserhaushaltkommt dadurch zustande, dass das Cor-tisol eine gewisse hnlichkeit mit einemanderen Hormon dem Aldosteron hat, welches den Wasserhaushalt durchRegulation der Mineralienausscheidungin der Niere beeinflusst. Cortisol hlt,wie Aldosteron, vermehrt Wasser imKrper zurck.

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    Behandlung mit Kortikosteroiden

    Behandlung mit Kortikosteroiden

    Schon bald nach der Einfhrung vonCortisol in die Behandlung entzndlicherKrankheiten hat man versucht, durchchemische Vernderungen die Wirkun-gen zu steigern, gleichzeitig aber dieunerwnschten Nebenwirkungen zuverringern.

    Knstliche (synthetische) Kortikoste-roide zur Verbesserung der Wirksam-keit und der Vertrglichkeit

    Durch die Entwicklung von Kortikoste-roiden wie z.B. Prednison, Prednisolonund 6-Methylprednisolon entstandenKortikosteroide, die kaum noch oder garkeine Wirkungen mehr auf den Mineral-stoffwechsel haben, wobei gleichzeitignoch die Wirksamkeit gegen Entzndun-gen gesteigert werden konnte.

    So wirken Prednisolon und Prednisonetwa 4-mal so stark entzndungshem-mend wie das krpereigene Cortisol unddas 6-Methylprednisolon ist sogar 5-malwirksamer.

    Da alle entzndungshemmenden undmetabolischen Wirkungen ber die glei-chen Erkennungsstellen (Rezeptoren)auf den Zellen vermittelt werden, ist essehr schwierig, die erwnschten Wir-kungen von den unerwnschten Neben-

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