Südafrika nach der WM

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    17-Mar-2016

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Was ist von der Euphorie der WM geblieben?

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  • Sdafrika ist damit endlich in die Welt zurckgekehrt Die Regenbogennation und ihre Menschen sind nach dem Turnier sehr stolz - Wichtiger Imagegewinn fr den schwarzen Kontinent - Die Welt hat gesehen, dass Sdafrika fantastisch ist

    Von SILKE SANDKTTER

    Die Vuvuzela ist verstummt. Doch das bun-te und laute Blasinstrument der diesjhrigen Fuball-Weltmeisterschaft ist in Kapstadt noch allgegenwrtig. Auf allen Mrkten wird es in den sdafrikanischen Landesfarben angeboten. Ebenso wie ein paar Trikots des sdafrikanischen Starspielers Siphiwe Tshabalala. Die sind aller-dings inzwischen im Angebot. Ein paar Ecken weiter, in der Nhe des Parlaments, hngen noch einige Plakate, auf denen niederlndische und deutsche Fans zu sehen sind. Tschss Maradona steht darauf. Der ist lngst Zuhause und hat die Weltmeisterschaft komplett abgehakt.

    Kapstadt Abgehakt ist das Ereignis des Jahres fr die Sdafrikaner jedoch keinesfalls. Das Land und die Menschen sind stolz, dass dieses Ereignis erfolgreich ber die Bhne gebracht wurde. Auch Monate nach dem Worldcup wird noch immer darber gespro-chen. Erstmals wurde eine WM auf afrikanischem Boden ausgetragen. Vier Wochen lang hat die Welt auf Sdafrika geblickt und die Regenbogennation hat gezeigt, dass sie fhig ist, eine Weltmeister-schaft auszurichten. Viele hatten daran bis zuletzt gezweifelt.

    Es war ein groes Ding fr uns, wei Helga Daitz, die seit ber 25 Jahren in Sdafrika lebt und in der Tourismusbranche arbeitet. Ich glaube, viele Euro-per dachten, wir kriegen es nicht hin, dass die Sta-dien fertig werden, dass alles aufgebaut sein wird und funktioniert. Und es hat funktioniert. Sogar ein-

    wandfrei. Sdafrika hat einen guten Job gemacht, ist sich auch Colin, der an der Route 62 einen Imbiss am legendren Treffpunkt Ronnys Sex Shop be-treibt, sicher. Im Vorfeld des Weltcups haben viele europische Journalisten das Image Sdafrikas zer-strt. Sie haben uns als Land verrissen, wo man um-gebracht und ausgeraubt wird, rgert er sich. Fahrt nicht nach Sdafrika, lautete der Tenor im Vorfeld. Ich glaube, denen, die zum Worldcup gekommen sind, hat es sehr gefallen. Unsere Bekanntheit durch Twitter und Facebook hat sich enorm erhht. Und ich glaube, wir sind nun ein Ziel, wo man hinreisen kann und selber schauen kann, wie es dort ist, so Colin.

    Das Green Point Stadium in Kapstadt liegt heute verlassen in der Stadt. Es steht leer. Die Einheimi-schen nennen es White Elephant. Veranstaltungen gibt es dort nicht. Fr die Rugby- und Cricket-Ver-rckten Kapstdter ist es keine Alternative. Der ein-heimische Fuballverein Ajax Cape Town spielt zwar in der Premier Soccer League, kann das Stadion mit seinen durchschnittlich 12.400 Zuschauern jedoch nicht fllen. Nun verschlingt der White Elephant also jhrlich einige Millionen Euro an Unterhaltsko-sten. Bleibt also die Frage, ob das Geld in Sdafrika nicht in anderen Bereichen doch besser angelegt worden wre?

    Mitnichten! Die Antwort darauf ist ein klares Nein! Sdafrika hat eine Imagepolitur bekommen, die mit Geld kaum aufzuwiegen ist. Die Sdafrikaner sind stolz, dass sie den Touristen zeigen konnten, dass es gar nicht so schlimm ist, wie es in den Medien be-richtet wird. Davon ist Helga Daitz berzeugt. Die

    Welt hat gesehen, dass Sdafrika fantastisch ist, fgt sie hinzu. Auch Jean-Mari Strauss vom Weingut LAvenir glaubt, dass der Imagegewinn riesengro ist. Die Menschen wissen nun mehr ber das Land

    und das ist gerade fr die Tourismusindustrie sehr sehr wichtig, erzhlt sie. Es wurden fr den Worldcup viele Jobs geschaffen, berichtet der 25-jhrige Edwin, der einen Souve-

    nirstand im Tsitsikama Nationalpark bei Plettenberg betreibt. Menschen, die arbeits- und obdachlos waren, hatten pltzlich Jobs. Jetzt ist der Weltcup zwar vorbei, aber es gibt immer noch ein paar Jobs, wei er aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis.

    Fr die Hndler auf dem Greenmarket Square in Kapstadt war die WM natrlich in finanzieller Hin-sicht sehr wichtig. Die WM war cool, grinst der 25-jhrige Dany. Sdafrika hat vom Worldcup sehr profitiert. Und auch ich als Knstler, so Dany, der in einem Kapstdter Township lebt und mit seiner Familie selbstgemalte Bilder und Kunstfiguren her-stellt. Die Euphorie der WM ist seiner Meinung nach immer noch da: Die Leuten reden immer noch ber den Weltcup und wie gut er war. Das findet auch seine Hndlerkollegin Lucy: Nun wollen alle Men-schen nach Sdafrika reisen, um zu sehen, wo der Worldcup 2010 stattgefunden hat.

    Ein halbes Jahr nach der Weltmeisterschaft ist in Sdafrika wieder der Alltag mit seinen zahlreichen Problemen eingekehrt. Korruption, Kriminalitt, Massenarmut das Land ist wieder auf dem Boden der harten Wirklichkeit gelandet. Nichtsdestotrotz: Sdafrika hat durch die Weltmeisterschaft gewon-nen. Davon sind viele Sdafrikaner berzeugt. Die WM war das Wichtigste, was nach Mandela in Sd-afrika stattgefunden hat, wei Wolfgang Beitz, der in Oudtshoorn die Montana Guestfarm betreibt. Sdafrika ist damit endlich in die Welt zurckge-kehrt, ist er berzeugt.

    Die Stimmung und das Miteinander haben Sdafrika enger zusammen geschweit. Das betrifft eigent-

    lich berwiegend die Bevlkerung, die eigentlich zu den so genannten disadvantage people (benach-teiligten Menschen) gehrt, hat Wolfgang Beitz festgestellt. Seiner Meinung nach haben gerade diese Menschen zum ersten Mal erlebt, dass sie ak-zeptiert werden. Und das hlt nach. Wahrscheinlich auch noch sehr viele Jahre, vermutet Beitz.

    Auch Nina Lindenmller, die seit einigen Monaten in Kapstadt lebt, glaubt, dass die WM die Menschen enger zusammen gebracht hat: Es wird immer noch viel darber geredet und fr Sdafrika war es wahn-sinnig wichtig, sagt sie. Edwin findet sogar, dass die Euphorie noch immer da ist. Die WM hat eine neue Atmosphre geschaffen. Die Menschen haben das wirkliche Afrika gesehen, erzhlt er. Auerdem haben wir auch die Vuvuzela vorgestellt und das hat allen sehr gut gefallen.

    Was also bleibt? Sdafrika hat in diesem Jahr viel Aufmerksamkeit erfahren. Diese positive Aufmerk-samkeit muss nun genutzt werden. Eine sicher schwere Aufgabe, denn auch ber 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid ist das Land noch zwei-geteilt und mit zahlreichen Problemen belastet. Das Wort Ubuntu steht in Sdafrika fr Zusam-mengehrigkeit. Und Ubuntu scheint durch die Weltmeisterschaft pltzlich nher gerckt zu sein. Der neue Stolz und das Miteinander sind sicher eine groe Chance fr die Regenbogennation.

    Die kompletten Videointerviews zur Geschich-te Sdafrika nach der WM 2010 gibt es auf der Homepage der Wochenpost (Rubrik Video). www.wochenpostonline.de

    das Green point stadium in Kapstadt steht sechs Monate nach der Fuball-Weltmeisterschaft leer. Foto: silke sandktter

    Die Vuvuzela - das Relikt der WM 2010. Foto: AFP

    a U s G E s p R O C H E N

    Die WM war das Wichtigste, was nach Mandela in Sdafrika stattgefunden hat. Das ist wirklich eines der grten Ereignisse in Sdafrika. Sdafrika ist damit endlich in die Welt zurckge-kehrt. Wolfgang Beitz

    Die Euphorie ist immer noch da! Eine neue Atmosphre wurde geschaffen. Die Menschen haben das wirkliche Afrika gesehen. Auerdem haben wir auch die Vuvuzela hier vorgestellt, das hat allen sehr gut gefallen. Es war eine groe Familie hier whrend der WM. Edwin

    Sdafrika hat mit den Planungen und der berwachung des Worldcups einen guten Job gemacht. Wo wir jetzt ste-hen? Jetzt mssen wir im normalen Ta-gesgeschft da weitermachen, was wir erreicht haben. Unsere Bekanntheit hat sich nun erhht. Ich glaube, wir sind nun ein Ziel, wo man hinreisen kann. Colin

    Das war ein positiver Eindruck und die Menschen haben sicher ein paar Monate noch davon gesprochen. Es war ein groes Ding fr uns. Und ich glaube auch, viele Europer dachten, wir kriegen es nicht hin, dass die Stadien fertig werden, dass alles aufgebaut sein wird und funktio-niert. Und es hat funktioniert. Helga Daitz

    5. dezember 2010WOCHENPOST S D A F R I K A S E C H S M O N AT E N A C H D E M W O R L D C U P

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