Unterwegs mit Bilbo - 9783865917423

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Der Hobbit Bilbo Beutlin führt ein ruhiges und beschauliches Leben im Auenland - bis ein alter Zauberer und eine Horde Zwerge ihn auf das Abenteuer seines Lebens entführen ... "Der Hobbit" - ein Klassiker der Weltliteratur, der von Freundschaft, Toleranz und dem Mut im Kampf gegen das Böse erzählt. Jim Ware stellt einen Bezug zwischen Tolkiens Helden und dem Alltag des Lesers her. Im Licht der Bibel beleuchtet der Autor, dass auch wir uns entscheiden müssen, wie wir mit Personen und Ereignissen in unserem Leben umgehen wollen. Und dass auf jeden von uns ein ganz persönliches Abenteuer wartet - das Abenteuer eines Lebens mit Gott.

Text of Unterwegs mit Bilbo - 9783865917423

  • Jim Ware

    Inspirierende Gedanken zu Tolkiens Der Hobbit

    Aus dem Englischen von Antje Balters

  • Inhalt

    Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

    Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15

    Ein wahr gewordener Traum? . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

    Schne, glnzende Dinge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

    Der Untergang der Dummkpfe . . . . . . . . . . . . . . . 41

    Ganz schner Unsinn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49

    Angeborene Tugend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57

    Wenn es eng wird . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65

    Eine Torheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73

    Auf Adlers Schwingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81

    Sahne und Honig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89

    Unerreichbare Anblicke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97

    Anfhrer wider Willen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105

    Ein glcklicher Fehler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113

    Ein Stck Seil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121

    Noch mehr Rtsel in der Finsternis . . . . . . . . . . . . . 129

    Grimmig, aber echt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137

  • Abgeben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145

    Der wahre Feind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153

    Wiederkehrende Schatten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161

    und wieder zurck . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169

    Wer wob das Netz? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177

    Gedanken zum Abschluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185

    Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197

  • 25

    [Das Lied der Zwerge] in den Ohren, schlief Bilbo ein, und es bescherte ihm recht unangenehme Trume. Der kleine Hobbit, Eine unvorhergesehene Gesellschaft

    Ein wahr gewordener Traum?

    Whrend er sich unter seine Bettdecke kuschelte und schlaflos in die Dunkelheit starrte, unternahm Bilbo einen letzten Versuch, die verrckten Ereignisse der vergangenen sechs Stunden irgendwie zu verstehen.

    Zwerge! Er schumte vor Wut. Zwergisches Getse! Zwergisches Gerede ber Reisen und Drachen und Schtze und Diebsthle! Zwerge in der Eingangstr und Zwerge im Salon! Zwerge, die Kmmelkuchen und Himbeermarmela-de und Apfeltrtchen zu ihrem Tee verlangen ganz zu schweigen von meinem besten Bier! Er schnaubte voller Abscheu. Was wohl sein Vater, der geachtete Bungo Beut-lin, dazu gesagt htte? Es ist wirklich ein Wunder, dass die Speisekammer nicht vllig leer ist!

    Na ja, aber du hast doch auch vor all dem hier schon mit den Zwergen zu tun gehabt, belehrte ihn eine Stimme aus der anderen Seite seines Gehirns eine Stimme, die ihn verdchtig an die seines Grovaters, des berchtigten alten Tuk, erinnerte. Du hast ja schon einen gewissen Ruf dafr

  • 26

    erlangt, dich mit allem mglichen sonderbaren Volk abzu-geben. Gerchten zufolge bist du sogar schon mit Elben gesehen worden.

    Das tut doch gar nichts zur Sache, protestierte der prag-matische Beutlin-Teil in ihm. Das mit Gandalf war einfach unberlegt von mir. Ich will ja nicht als schlechter Gastgeber dastehen, aber eine nicht eingeladene Meute genau zur Tee-zeit kann einen Hobbit schon an seine Grenzen bringen!

    Grenzen? Seine tuksche Seite gluckste leise. Was weit denn du schon von Grenzen? Wie willst du die denn jemals kennenlernen, wenn du dich nicht zur Tr hinaus-begibst und mal deine Speisekammer hinter dir lsst?

    Ein Windhauch verfing sich in den Gardinen und bauschte sie. Drauen in der Hecke war das Zirpen der Grillen zu hren. War es wirklich eine Andeutung von El-benmusik, die Bilbo in der Brise mitschwingen hrte? Der Duft nach Frhling und erwachender Erde und nahendem Sommer weckte eine namenlose Sehnsucht tief in seinem Innern; und die tuksche Seite, die jetzt ihre Chance er-kannte, setzte ihm mit einem unerbittlichen Anfall von Fernweh zu. Bilbo seufzte und drehte sich zur Wand.

    Du hast natrlich recht, murmelte er klglich. Das ist genau das, was ich immer gewollt habe! Aber ein Hobbit mittleren Alters begreift auch langsam, dass er manche Trume einfach fr sich behalten muss.

    Ob du ihn nun fr dich behltst oder nicht, sagte die tuksche Seite, ich habe das Gefhl, dass dein Traum dem-nchst wahr werden wird.

    Drauen im Salon sangen die Zwerge weiter ihr Lied:

  • 27

    Weit ber die kalten Nebelberge, zu den tiefen Verliesen und uralten Hhlenmssen wir fort, ehe der Tag anbricht, unser lang vergessenes Gold suchen.

    Bilbo sthnte und zog sich die Decke ber den Kopf.

    Schlafen! Vielleicht auch trumen Ja, genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn Trume

    knnen einen ruhigen, erholsamen Schlummer empfind-lich stren oder sogar vllig zunichtemachen. Und wenn ein Traum dann wahr geworden ist, sieht das nicht immer genau so aus, wie man sich das vorgestellt hat. Hoffnungen und Sehnschte, die im Verborgenen gehegt werden, nei-gen dazu, im Licht der Wirklichkeit pltzlich ganz anders auszusehen.

    Es war einmal ein Mann, der hatte einen Traum. Schon seit achtunddreiig Jahren lag er auf einer jmmerlichen Matte an einem wundersamen Teich. Der Mann war ge-lhmt, konnte also nicht aufstehen, und wartete darauf, dass ein Engel das Wasser des Teiches in Bewegung setzte. Er glaubte fest an eine Vision, die er von sich selbst hatte, eine Vision, in der er wie ein kleiner Junge herumsprang. Es war hchst unwahrscheinlich, dass diese Vorstellung je-mals wahr werden wrde, aber sie hielt ihn am Leben, und er klammerte sich daran wie ein Kind an sein leeres Flsch-chen oder an seine alte zerschlissene Schmusedecke.

    Und dann eines Tages geschah es. Der Traum trat aus dem Schatten und begrte den Mann mit einem lauten Hallo!. Er nahm ihn bei der Hand, blickte mit dunklen, durchdringenden Augen forschend in sein Gesicht und

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    sagte: Mchtest du gesund werden? Und so seltsam es vielleicht scheint, der Mann stellte fest, dass er darauf nicht mit einem einfachen Ja antworten konnte (nachzulesen in Johannes 5,18).

    Das ist eines der groen Paradoxa des Menschen: diese lhmende Angst, die so oft ihr Haupt erhebt, wenn einem das, was man sich immer gewnscht hat, pltzlich auf dem Silbertablett serviert wird. Wenn ein mglicher knftiger Arbeitgeber anruft, um mitzuteilen: Sie haben die Stelle. Oder wenn das Mdchen Ihrer Trume zu Ihrem Antrag Ja sagt. Selbst der Mutigste unter uns wei, wie es ist, vor der Erfllung unserer tiefsten verborgenen Wnsche zurckzu-schrecken. Das ist eine merkwrdige, aber sehr normale Erfahrung.

    Bilbo Beutlin, der fellfige, gut situierte Held mittleren Alters aus J. R. R. Tolkiens Klassiker Der Hobbit, mach-te Bekanntschaft mit diesem Paradoxon, als sein Traum an einem Nachmittag Ende April an seine Tr klopfte. Es scheint so, als ob Bilbo anders war als andere Hobbits. Die meisten von ihnen waren damit zufrieden, mit einem schu-menden Bier oder einer Tasse Tee zu Hause vor dem Feuer zu sitzen. Er dagegen hatte es immer wieder mit Anfllen von Rastlosigkeit und Unzufriedenheit zu tun. Nicht, dass er sein leibliches Wohlergehen nicht zu schtzen gewusst htte schlielich war er der Sohn eines Beutlin. Aber in seinem Wesen lag auch etwas, das in der unberechenbaren Verschrobenheit seiner mtterlichen Linie, der Tuks, be-grndet sein musste und ihn sich nach Reisen, Abenteuern und Stelldicheins mit Elben im Wald sehnen lie.

    Wie seltsam schien es da, dass er in dieser Nacht der Nchte beim Klang seines in Erfllung gehenden Traumes

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    zitternd in seinem Bett lag. Seine berraschungsgste, die Zwerge, sangen wieder.

    Es war dasselbe lockende, faszinierende Lied, das ihn be-reits zuvor an diesem Abend so tief aufgewhlt und in eine seltsame Erregung versetzt hatte. Das Lied ber verwun-schenes Gold und tiefe, alte Hhlen und die Gefahren ei-nes langen, verschlungenen Weges. Das war genau das, worauf er sein ganzes Leben gewartet hatte. Aber wieso war er dann so unruhig und aufgewhlt? Wieso hatte er dieses Gefhl, dass er am liebsten in Ruhe gelassen werden wollte und alle weggingen?

    Gandalf wusste genau, was der Hobbit empfand und auch warum:

    Bilbo hatte sich natrlich verndert. Zumindest wurde er ziemlich gefrig und fett, und seine alten Sehnschte waren zu einer Art heimlichem Traum geschrumpft. Nichts htte er-schreckender fr ihn sein knnen als das Risiko, sie knnten tatschlich wahr werden.1

    Ein heimlicher Traum ist etwas Ses und Wohlschme-ckendes. Er ist wie ein Hobby, von dem niemand etwas wei, oder ein alter Liebesfilm oder an einem verregneten Nachmittag in einer gemtlichen Ecke ein Buch zu lesen. Er ist eine Quelle des Trostes inmitten der Enttuschungen des Lebens; ein Rckzugsort vor der tobenden Menge, an dem die Welt genau so wird, wie wir sie haben wollen. Aber ein Traum, der wirklich wahr wird, ist da schon etwas ganz anderes. Denn wenn man weiterdenkt, ist der Traum, der wahr wird, nichts anderes als eine Aufforderung, sich auf etwas einzulassen und etwas zu tun.

  • 30

    Ich kann gut nachvollziehen, was Bilbo so zu schaffen machte. Ich habe es selbst erlebt, als ich zum ersten Mal die Chance bekam, ein Buch zu schreiben, das auch wirklich verffentlicht werden sollte. Das hatte ich mir schon als kleiner Junge gewnscht, aber irgendwie setzte diese uner-wartete Chance alle Alarmglocken in meinem Kopf in Gang. Auf der Stelle standen nmlich all die furchtbaren Auswirkungen vor mir aufgereiht wie ein Trupp Zwerge auf der Jagd nach dem Schatz. Sie malten mir die Folgen vor Augen, d