Cefaclor in der Dermatologie

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    10-Jul-2016

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  • E. Paul

    Cefaclor in der Dermatologie

    Zusammenfassung: Cefaclor wurde bei insgesamt 30 Patienten mit bakteriell bedingten Hautkrankheiten, meist bei gieichzeitiger klassischer externer dermatologischer Therapie, eingesetzt. Der Erfolg dieser Behandlung war in 29 von 30 Ffillen befriedigend. Nur ein relativ schweres Erysipel schritt unter der vom Priifproto- koll vorgegebenen Dosierung von dreima1500 mg Cefaclor t~iglich fort. Als Nebenwirkungen waren in einem Fall Durchfiille, in sechs weiteren F~illen eine voriibergehende, leichte Steigerung der SGOT bzw. der atkalischen Phosphatase zu verzeichnen.

    Summary: Cefaclor in Dermatological Therapy. Thirty patients suffering from bacteriogenic skin diseases were given cefaclor, in most cases simultaneously with classical external dermatological therapy. The results of therapy were satisfactory in 29 of the 30 patients. Only in one relatively severe case of erysipelas did the disease continue to spread despite the daily dosis of 3 x 500 nag of oral cefaclor prescribed by the dosage regimen. Side-effects observed consisted of diarrhoea in one patient, and a transient slight increase of SGOT or alkaline phosphatase in another six patients.

    In tier Dermatologie ist der interne Einsatz von Antibiotika bei bakterieUen Infektionskrankheiten der Haut trotz der Anwendtmg yon antiseptisch und antibiotisch wirkenden Externa hiiufig nicht zu umgehen, da die externe Anwen- dung nur auf die oberfl~ichlichsten Hautschichten wirkt und bei nekrotischen Prozessen oder bei Ulzerationen mit zer- kliifteter Oberfl/iche nicht alle Erreger erreichen kann. Ebenso miissen Antibiotika auch dann zus~itzlich verab- reicht werden, wenn tiefere Hautschichten oder gar das subkutane Fettgewebe yon der Infektion mitbetroffen sind. Die rein physikalische Wirkung der Vehikel externer Pr~i- parate ist allerdings nicht zu unterschiitzen, worauf sich z.B. die entziindungslindemde Wirkung feuchter, kiihler

    Tabelle 1: Aufschliisselung der Patienten nach Diagnosen.

    Diagnose Zahl der Patienten

    Erysipel Furunkel Ulzerationen bei Herpes zoster

    (sekundiir infiziert) Ulcus cruris venosum Abszefl Tumoren (zerfallend, iufiziert) Impetigo Wundinfektion (post-op.) Phtegmone mit Lymphangitis Erythema chronicum migrans Mollusca contagiosa (superinfiziert) Erthynm Sehwielenuleus bei Diabtes mellitus Trophische Ulzerationen

    bei Epidermolysis bullosa

    Umschl~ige griindet. Dabei ist es in manchen F~illen uner- heblich, ob nut physiologische Kochsalzl6sung oder eine hochwirksame antimikrobielle Substanz in wiiBriger I~sung verwendet werden. Vor diesem Itintergrund mug man die Cefaclor-Wirkung in der Dermatologie beurteilen. Auger beim Erysipel mug selbstversfiindlich die in fast allen F~illen gleichzeitig einset- zende klassische externe dermatologische Behandlung mit- beriicksichtigt werden. Dabei wurden antibiotikahattige Priiparate allerdings vermieden. Appliziert wurden physi- kalisch und proteolytisch wirkende Mittel, jedoch z.B. auch Schwefelsalbe, die u. a. ebenfalls einen antimikrobiel- ten Effekt besitzt. Fi~ die klinische Cefaclor-Priifung wurden yon August 1978 bis Januar 1979 insgesamt 30 Patienten mit verschie-

    Tabelle 2: Ergebnis der Erreger-Isolierung und der Resistenz- Testung.

    Cephalotin-sensibel Cephalotin-resistent

    Staphylococcus aureus 9 Streptococcus faecalis 1 Proteus 4 Escherichia coli 1 Streptococcus faecalis 3 Enterobacter 1 Staphylococcus albus 3 Pseudomonas aeruginosa 1 Hfirnolysierende

    Streptokokken der Gruppe A 2 Keine Keime anziichtbar 5

    E. coli 1 Kein Abstrich m6glich 4

    denen akuten tend chronischen Infektionen der Haut behandelt, Trotz des relativ kurzen Behandlungszeitrau- mes konnte Cefaclor bei einem repr~isentativen Quer- schnitt h~iufiger bakteriell bedingter Dermatosen eingesetzt werden. Eine Aufschliisselung deg Patientengutes nach den verschiedenen Diagnosen ist aus Tabelle 1 ersichtlich. Tabelle 2 zeigt das Ergebnis der Erreger-Isolierung aus Eiter oder Wundabstrichen, sowie des Antibiogramms.

    5 5 Aus technischen Griinden war nur eine Resistenztestung

    gegeniiber Cephalotin m6glich. Es wurde unterstellt, dab 3 Cephalotin-empfindliche Keime auch auf Cefaclor anspre- 3 chen (1, 2). Dagegen wurden Patienten, bei denen Cepha- 2 2 lotin-resistente Keime isoliert wurden, vonder Beurteilung 2 ausgeklammert. Fiinfmal liegen sich keine Keime anziich- 2 ten und viermal war bei Erysipelen kein Abstrich m6glich. 1 Da die Haut bei manchen Prozessen von mehr als einer 1 Keimatt besiedelt war, liegt die Zahl der isolierten Keime 1 1 h6her als die Zahl der Patienten.

    1 Dr. E. Paul, Abteitung fiir ktinische und experimentelle Dermato- logie am Zentrum fiir Dermatologie, Andrologie und Venerologie der Justus-Liebig-Universitfit, Gaffkystr. 14, D-6300 Giegen.

    S 622 Infection 7 (1979) Suppl. 6

  • E. Paul: Cefaclor in der Dermatologie

    Die Behandlungsdauer bei den auswertbaren F~illen betrug ffinf bis 17 Tage, mit einem Mittelwert yon zehn. In bestimmten F~illen mul3ten fiber diesen Zeitraum hinaus andere Antibiotika bis zur v611igen Heilung des Prozesses oder als Langzeittherapie weiter verabreicht werden. Dies lag jedoch in der Natur der Erkrankung selbst und nicht daran, dab Cefaclor bis dahin unwirksam gewesen w~ire. Nur ein relativ schweres Erysipel an einem 6demat6s gestauten Unterschenkel schritt trotz der Tagesdosis von dreimal 500 mg Cefaclor weiter fort, so dab die Behand- lung nach drei Tagen abgebrochen werden muBte. Dieser Fall wurde als Therapie-MiBerfolg eingestuft. Zuriickblik- kend muB man feststellen, dab ein solcher ProzeB m6gli- cherweise keine Indikation ffir die im Priifprotokoll vorge- schriebene relativ niedrige Cefaclor-Dosierung darstellte. FaBt man das Ergebnis der Cefaclor-Prfifung bei derrnato- logischen Indikationen zusammen, dann konnten wir in 29 von 30 F~illen einen befriedigenden klinischen Erfolg er- zielen. Die klinische Vertr~iglichkeit von Cefaclor war im allge- meinen gut. Nur in einem Fall kam es w~ihrend der Medi- kamenten-Einnahme zu Durchf~illen mit vier bis f~nf Stuhlentleerungen pro Tag. Die Symptome begannen am dritten Behandlungstag und dauerten auch nach Absetzen des Pr~iparates noch zwei Tage an. Bei (3berprfifung der Laborwerte war allerdings in vier F'~illen ein leichter Anstieg des Glutamat-Pyruvat-Trans-

    aminase-Spiegels im Serum bis auf Werte z',,'schen 29 U/1 und 44 U/1 zu verzeichnen. In zwei weitere~l r'~illen war die alkalische Phosphatase am Ende der Behandlung auf 225 bzw. 257 U/1 angestiegen. Alle w~ihrend der Therapie auf- tretenden Schwankungen der Laborwerte waren vorfiber- gehend und nicht besorgniserregend. Blutbildver~inderun- gen oder Ver~inderungen der Spiegel harnpflichtiger Sub- stanzen im Serum beobachteten wir nicht. Ebenso blieben Urinbefund und Elektrolytkonzentration im Serum durch die Cefaclor-Therapie unbeeinfluflt, UmreiBt man kurz die Einsatzm6glichkeit yon Cefaclor in der Dermatologie, so kommt man zu dem SchluB, dab dieses Medikament in der Dosierung von clrei mal 500 " ,,,~ t~iglich fiir die fiberwiegende ZahI bakteriell bedingte~ Infektionskrankheiten der Haut bei gleichzeitiger externer Therapie eingesetzt werden kann. Schwere Ine~,ktionen der Haut - selbst das durch hochempfindliche Streptokokken verursachte Erysipel - bedfirften aber m6glicherweise einer h6heren Cefaclor-Dosis.

    Literatur

    1. Fekety, R , Fekety, S.: Comparative in vitro activity of Cefaclor. In: Siegenthaler, IF., Liithy, R. (ed.): Current chemotherapy. American Society for Microbiology, Washington, 1978, p. 880-881. 2. Neu, H. C, Fu, K~ P.: Cefaclor: In vitro spectrum of activity and beta-lactamase stability. Antimicrob. Agents Chemother. 13 (1978) 584-588.

    Infection 7 (1979) Suppl. 6 S 623

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