F£â€“RDERUNG VON SCHL£“SSELQUALIFIKATIONEN VON F£“H- - durch empirische Methoden (Delphi-Methode, Umfragen

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    FÖRDERUNG VON SCHLÜSSELQUALIFIKATIONEN VON FÜH-

    RUNGSKRÄFTEN: ÜBERBLICK UND BEWERTUNG DER AUS- UND

    FORTBILDUNG IM BIBLIOTHEKSWESEN

    Markus Putnings

    Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU),

    Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg

    markus.putnings@fau.de

    Abstract

    Das Image eines Berufsbilds beeinflusst Quantität und Qualität des interessierten Nach-

    wuchses. Maßgeblichen Einfluss auf das Image und die Unternehmenskultur übt die Füh-

    rungsebene, bspw. durch bauliche, technologische und personen- bzw. serviceorientierte

    Entscheidungen aus. Neben der fachlichen Komponente sind hierbei die Schlüsselqualifi-

    kationen der Führungskräfte relevant, die diese viral im Unternehmen verbreiten und wil-

    lentlich oder unbewusst forcieren.

    Relevante Schlüsselqualifikationen (nicht nur) für das Bibliothekswesen sind nach der

    durchgeführten Evaluierung Problemlösungskompetenzen, psychologische Kenntnisse,

    Kommunikation- und Präsentationstechniken, Networking-Techniken, Informationskom-

    petenz, Lern- und Merkfähigkeiten, Flexibilität, Stressmanagement und Motivationstechni-

    ken, jeweils i. d. R. nicht nur im Sinne von „Besitzen dieser Fähigkeiten“, sondern auch

    von „Vermitteln dieser Fähigkeiten“.

    Die vorhandene Infrastruktur im Bibliothekswesen und bibliothekarischen Umfeld ist

    aktuell noch nicht so aufgestellt, diese Schlüsselqualifikationen bundesweit einheitlich sowie

    qualitativ hochwertig und erschöpfend zu vermitteln.

    mailto:markus.putnings@fau.de

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    1. Einführung

    „Bildungsplanung ist Führungsaufgabe“.i Mitarbeiter wenden sich bei Aus- und

    Fortbildungswünschen an Vorgesetzte und Führungskräfte, zugleich sind diese Vorbilder

    und Multiplikatoren für fachliche und soziale Kompetenzen.

    Richtet man den Fokus aber auf die Führungskraft selbst, ist hier das

    Fortbildungsmanagement weitgehend eine Sache der eigenen Initiative. Insbesondere neue

    Führungskräfte fühlen sich dadurch alleine gelassen.ii Denn an Ihnen wird heutzutage eine

    hohe Zahl von fachlichen und im Rahmen der (Menschen-)Führung auch überfachlichen

    Anforderungen gestellt und deren tägliche Demonstration im laufenden Betrieb erwartet.

    Die überfachlichen, i. d. R. Schlüsselqualifikationen genannten Eigenschaften tragen zu

    dieser Führungsbefähigung und -qualität bei und stellen im Bibliothekswesen einen

    wichtigen Faktor dar:

    „There is some evidence that librarians tend not to be born leaders. […] The fact that librarians tend

    to be introverts rather than extroverts has been a constant in studies of the profession´s personality

    characteristics.”iii

    Die folgende Arbeit definiert entsprechend den Begriff Schlüsselqualifikationen, benennt

    basale Schlüsselqualifikationen von Führungskräften, ergänzt diese um

    bibliotheksspezifische und gibt eine Momentaufnahme der Angebote in der

    bibliothekarischen Aus- und Fortbildung zur Förderung von Schlüsselqualifikationen.

    Damit soll eine Orientierungsmöglichkeit geboten und Lücken in der Versorgung

    aufgezeigt werden. Abschließend wird eine Einschätzung gegeben, inwieweit eine weitere

    Förderung sowohl auf persönlicher Ebene, aber auch durch strukturelle Maßnahmen auf

    der Ebene der Bibliotheken, Ausbildungsträgern und Ländern möglich ist.iv

    2. Schlüsselqualifikationen von Führungskräften im Bibliothekswesen

    2.1. Abgrenzung zu anderen Arbeiten

    Die Fachliteratur listet diverse Definitions-, Systematisierungs- und Priorisierungsversuche

    von Schlüsselqualifikationen im Allgemeinenv, sowie für bestimmte Berufsfelder wie z. B.

    das Bibliothekswesen auf.vi Die Herleitung dieser Schlüsselqualifikationen erfolgt durch

    Spezialisten, sei es auf fachlicher, psychologischer und/oder soziologischer Seite, oder

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    durch empirische Methoden (Delphi-Methode, Umfragen bzw. Befragung von

    Personalverantwortlichen, Auswertung von Stellenanforderungen oder Fachzeitschriften).vii

    Im Rahmen dieser Arbeit werden Schlüsselqualifikationen für Führungskräfte im

    Bibliothekswesen durch die Synthese von Schlüsselqualifikationen für Führungskräfte auf

    der einen Seite und Schlüsselqualifikationen für Bibliothekare auf der anderen Seite

    ermittelt und präsentiert.

    Die gesellschaftliche, strukturelle und technische Entwicklung, die die Entwicklung und

    Ausprägung der Schlüsselqualifikationen in den letzten Jahren mit bedingte, wurde bereits

    ganzheitlichviii und im Bereich des Bibliothekswesens bzw. der Informationswissenschaftix

    in anderen Arbeiten abgehandelt und soll hier nur insoweit Gegenstand sein, als dass die

    Synthese den modernen Anforderungen Geltung trägt.

    2.2. Definition „Schlüsselqualifikationen“

    Der Begriff Schlüsselqualifikationen wird in vielfältigen Bereichen und nicht immer

    konsistent verwendet. Oft wird er einfach mit „wichtigen“ Qualifikationen gleichgesetzt.

    Im ursprünglichen Sinn nach Dieter Mertens, der diesen Begriff geprägt hat, sind

    Schlüsselqualifikationen übergeordnete Metaqualifikationen (wie z. B. Problemlöse–

    fähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität, Team- bzw. Kooperationsfähigkeit), die

    wiederum den flexiblen Erwerb von neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten in schnelllebigen

    Zeiten erlauben und auch in außerbetrieblichen Lebensbereichen hilfreich sind. Sie sind

    damit in erster Ordnung keine fachlichen, i. S. v. tätigkeits- oder werkzeugspezifischen

    Qualifikationen.x

    Der Begriff Schlüsselqualifikationen bedingt außerdem, dass man sich qualifizieren

    kann. Grundlegende Einstellungen oder persönliche Begabungen, wie z. B.

    Beobachtungsgabe, Fleiß oder Pünktlichkeit, können durch Schlüsselqualifikationen

    beeinflusst werden (in letzterem Fall bspw. durch Zeitmanagement), stellen selbst aber

    keine dar.

    2.3. Schlüsselqualifikationen von Führungskräften

    Schlüsselqualifikationen sind nach der Definition aus Kap. 2.2 für Führungskräfte

    besonders wichtig, um das Unternehmen flexibel aber entscheidungsbereit im dynamischen

    Umfeld zu halten und um ebenso souverän auf Mitarbeiter, Team- und

    Verhandlungspartner eingehen zu können.

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    Dazu sind folgende Schlüsselqualifikationen laut [KS10: S. 2 f. und in den dortigen

    Kapiteln] für Führungskräfte essentiell.xi Die Methoden, mit denen man sich diese autonom

    oder über Fortbildungskurse aneignen kann, sind jeweils im Anschluss auszugsweise

    genannt.

     entscheidungsorientierte Problemlösung:

    (oftmals „Projektmanagement“-) Methoden wie z. B. S-C-Q-Schema,

    Entscheidungsbäume, (Daten-, wie z. B. Markt-) Analysen, Kreativitätstechniken

    (Brainstorming, Metaplan-Technik, Mind Mapping)

     Verständnis sozialer Stile:

    psychologische Kenntnisse über eigene und fremde Verhaltens- und

    Interpretationsmuster, verbale und nonverbale Kommunikation, Verhalten in

    Konfliktsituationen

    Basierend auf diesen beiden Grundpfeilern, d. h. analytischen und psychologischen

    Kompetenzen, gründen sich weitere Schlüsselqualifikationen:

     Effektiv kommunizieren:

    Kommunikationsstrategien, Moderation bzw. Strukturierung von Gesprächen,

    Behandlung von Einwänden

     Aussagekräftig präsentieren:

    wirkungsvolle Gestaltung von Präsentationen, Statistiken und (Geschäfts-)

    Berichten mit Charts und Visuals

     Beziehungsorientiert interagieren:

    Aufbau von Beziehungsnetzwerken, Lobbyarbeit, Verhandlungs- und

    Überzeugungstechniken, Power-Mapping, Teamkoordination

    [Ste06: S. VII ff. und im entsprechenden Kapitel] führt zusätzlich noch die

    Schlüsselqualifikation Zeitmanagement auf und zählt diese zusammen mit Punkt 1 der

    obigen Liste zur Fähigkeit der „Selbstkompetenz“.

    2.4. Schlüsselqualifikationen von Führungskräften im Bibliothekswesen

    Die aktuelle Aufstellung umfasst also grob Problemlösungstechniken, psychologische

    Kenntnisse, Kommunikations- und Präsentationstechniken sowie Networking-Techniken

    als relevante Kompetenzen im Sinne einer Schlüsselqualifikationsbildung bei

    Führungskräften. Dieses Kompetenzprofil kann als Grundstock auch für Führungskräfte

    im Bibliothekswesen gelten.

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    Methodik zur Identifikation von relevanten Schlüsselqualifikationen

    Zur Ergänzung wurden „bibliothekarische“ Schlüsselqualifikationen in der Fachliteratur

    erfasst und auf die Schlüsselqualifikationseigenschaft hin untersucht. Wichtig waren dabei

    die in Kapitel 2.2 konstatierten Faktoren

     Metaqualifikation, d. h. nicht fachlicher, sondern funktionsübergreifender Natur,

    die auch in außerbetriebliche Bereiche strahlt,

     Operationalisierbar- und Erlernbarkeit

    sowie eine geringe Substitution durch bereits erfasste Schlüsselqualifikationen.

    Die komplette Liste ist im Anhang I zu finden. Hier ein ausführliches Beispiel für die

    Methodik zur Auswertung der Fundstellen anhand einer Textpassage von [Tho09: S. 48