Kein Zauberkongress wie andere ?· Seminarmarathon: Von Jay Sankey und der großen Flut an Kunststücken,…

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    24-Jul-2018

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    Kein Zauberkongress wie andere Nordisch Nobel 2013

    Andreas Fleckenstein

    Betritt man den Schuppen 6 im schnen Lbeck, wirken die Rumlichkeiten nicht gerade luxuris. Auch versucht niemand, hier alles elegant wirken zu lassen. Die Besucher sind nicht besonders vornehm gekleidet und die Hndler nicht grozgiger als sonst. Was also ist hier nobel im Sinne der Duden-Definition? Was macht diesen Kongress aus? Nordisch Nobel ist kein Zauberkongress wie andere.

    Der Kongress lebt durch den Or-ganisator Daniel Mayer, seine Liebe und Begeisterung zur Zauberkunst und seine Vorstellung vom perfekten Zau-berkongress. Uns Zauberern schenkt er und hier passt die Definition von nobel in extrem grozgiger und freigiebiger Weise, ohne erkennbare Gewinnabsicht, zwei Tage mit vielen tollen Eindrcken und wundervollen Erinnerungen.

    Bei Nordisch Nobel sah man vom 27.-28. September 2013 acht Seminare, eine One-Man-Show, eine Two-Girls-Show, eine Galashow mit unglaublichen 13 Nummern sowie eine groe, international besetzte Hndlermesse. Ich brauchte Tage, um die vielen Eindrcke zu verarbeiten. Ich hatte dennoch neben dem strammen Programm gengend Zeit, mich mit alten Freunden zu unterhalten und neue kennenzulernen.

    Nordisch Nobel war trotz des umfang-reichen Programms ein intimer, kleiner Kongress.

    Seminar-ReigenDer Freitag begann mit dem Seminar von Helge Thun. Er erzhlte den Anwesenden, wie man mit Anagrammen, Gedichten und weiteren Wortspielen jede Sprechdar-bietung aufwertet, ohne dabei altbacken zu wirken. Man erlebte tolle Ideen und einen Knstler, der die Gste trotz frher Stunde und ganz ohne Tricks zu begeistern ver-stand. Das Seminar von Eric Jones bot vi-suelle Magie mit Mnzen und Spielkarten, die elegant durch seine Hnde tanzten.

    Charlie Caper, der 2009 das schwedische Pendant zum deutschen Supertalent ge-winnen konnte, sprach in seinem theore-tischen Seminar ber die Zauberkunst auf

    der Strae. Mit vielen Videobeispielen und Tipps aus der Praxis machte Charlie Lust auf seine Vorfhrung in der Gala. Ich ht-te gerne mehr Zauberei von ihm gesehen, vielleicht sogar eine Straenshow.

    Gerade bei so vielen Seminaren an einem Tag wre es sicher eine gute Idee, verschiedene Seminare in ganz unter-schiedlichen Settings zu zeigen (Charlie Caper auf der Strae, eine Kindershow im Kindergarten und Groillusionen mit den Zuschauern direkt auf der Bhne). Das wre zwar eine groe Herausforderung an den Veranstalter, aber Daniel ist ja immer auf der Suche nach neuen Ideen!

    Nicht nur fr Daniel Mayer war Dani DaOrtiz eines der groen Highlights: Dass er gut mit Karten umgehen kann, war al-len klar, dass er aber auch ein grandioser Unterhaltungsknstler ist, wurde mir per-

    Knstler und Team mit Organisator Daniel Mayer (liegend)

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    dass die gezeigten Kunststcke wirklich brauchbare Highlights in jedem Close-Up oder Stand-Up Programm sein knnen, nimmt man ihm die Verkaufsshow nicht bel und der Ansturm auf seinen Stand nach dem Seminar zeigte, wie sehr es den Anwesenden gefallen hat.

    Nach einer Fischplatte (der Fischstand gegenber vom Schuppen 6 ist ein kuli-narisches Highlight!) ging es weiter ins Kolosseum zur Gala Nordisch Nobel. Vor Beginn der Gala hatten einige weni-ge Zuschauer die Mglichkeit, im kleinen Zirkuswagen von Marco Assmann einen ungewhnlichen Flohzirkus zu sehen. Die Kombination aus echten Flhen und eini-gen Spezialeffekten machte diese kleine Show zu einem besonderen Erlebnis.

    snlich erst bei Nordisch Nobel bewusst. Das Staunen hat man in wirklich allen Gesichtern gesehen! Absolut unglaublich! Standing Ovations waren der Dank fr ein tolles Seminar.

    Fr den Abend zogen die Kongressbe-sucher ins Kolosseum zu Lbeck um. Die Stimmung wollte zunchst nicht richtig ins Laufen kommen. Lange Wartezeiten bei der Essensausgabe und eine Two-Girl-Show mit Gigi und Lulu, bei der der Funke einfach nicht berspringen wollte. Die Mischung aus Chansons, Tanz und Zauberkunst funktioniert vor einem Lai-enpublikum sicher sehr viel besser auf einem Zauberkongress aber hatten es die beiden Schweizerinnen schwer.

    Nachdem sich einige Kongressteilneh-mer aufgrund der fortgeschrittenen Zeit leicht enttuscht auf den Weg ins Hotel ge-macht hatten, sahen die brigen das zweite groe Highlight des Kongresses: den Pup-penspieler Scott Land! Ich wei gar nicht in Worte zu fassen, wie schn die Minuten wa-ren, die Scott uns spt in der Nacht zauberte.

    Die tanzenden Skelette, der Clown, das Hhnchen (ja ein echtes Hhnchen an Fden!), der Opernsnger und der Clown fhrten die Anwesenden durch eine Ach-terbahnfahrt der Gefhle. Von Lachen ber Staunen bis hin zu tief berhrend dieser Knstler versteht sein Handwerk wie nur wenige andere. Minutenlange Standing Ovations und mehrere Zugaben rhrten Scott Land am Ende sogar zu Trnen. Si-cher der emotionalste Moment des Kon-gresses einfach wunderschn!

    Auf zu Tag 2Am Samstag ging es direkt weiter mit dem Seminarmarathon: Von Jay Sankey und der groen Flut an Kunststcken, die er auf den Markt schttet, mag man halten, was man will, aber er verstand es, mit ein-fachen Mitteln starke, magische Momente zu erzeugen. Ein gutes Seminar, aus dem jeder etwas mitnehmen konnte.

    Martin Eisele zeigte seine Herange-hensweise an Klassiker wie Karte in Box oder Matrix. Sein letztes Kunststck, eine komplexe Routine, die mit New Deck Or-der aus einem Tamariz Memospiel endet, ist eine echte Perle, aufgrund des Schwie-rigkeitsgrades aber sicher nicht fr jeden der Anwesenden leicht nachvollziehbar (zum Glck!).

    Das Seminar von Richard Osterlind war mein Highlight des Tages. Whrend er fr mich auf seinen DVDs immer ein wenig wie ein schlecht gekmmter Versi-

    cherungsvertreter wirkte, habe ich seinen Charakter hier, in der Livesituation, erst richtig verstanden. Er ist der Typ von ne-benan, der ganz selbstverstndlich starke Mentalmagie zeigt. Er gibt sich gar nicht erst mystisch oder versucht, eine Begrn-dung fr seine Fhigkeiten zu finden, er macht es einfach. Und dann tuschte er am Ende alle Anwesenden wirklich alle! indem er eine gezeichnete Mnze verbog. Einfach so, ohne Gimmicks, ohne Austausch und in Groaufnahme. Es war toll, wieder einmal wirklich getuscht zu werden. Danke Richard!

    In den letzten Jahren ist aus dem jun-gen Zauberknstler Joshua Jay ein profes-sioneller Geschftsmann geworden. Durch seine sympathische Art und die Tatsache,

    Verkaufsprofi Joshua Jay wei sein Publikum zu begeistern

    Dani DaOrtiz ist verrckt, genial und einfach unglaublich

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    Lange GalanachtDie Gala war wirklich sehr lang. Nach zwei Tagen vollgepackt mit Zauberkunst sind 16 Knstler an einem Abend einfach zu viel. Nummern, die in krzeren Shows ein Highlight sein knnen, gehen hier auf-grund der Lnge fast unter. Dabei war die Besetzung sehr gut. Helge Thun hielt die vielen Fden zusammen wie Scott Land seine Puppen. Es gelang ihm, aus den vie-len unterschiedlichen Nummern eine stim-mige Gala zu reimen groartig!

    Sebastian Nicolas, neuerdings mit Vollbart, zeigte neben seiner Manipulati-onsdarbietung noch einen Buchtest. Die Stimmung passt und Sebastians neues Aussehen und seine Stimme nehmen den Zuschauer mit.

    Charlie Caper zeigte mit seinem Be-cherspiel, wie es gemacht wird selten sieht man diesen Klassiker in einer solchen Perfektion und Leichtigkeit vorgefhrt.

    Das visuelle Highlight des Abends war Huang Zheng aus China wirklich schn! Dani DaOrtiz berzog die ihm vor-gegebenen zehn Minuten gewaltig, aber keiner wollte ihn von der Bhne schicken, ganz im Gegenteil: Sogar Helge Thun lie es sich nicht nehmen bei dieser Nummer von vorne zuzuschauen. Martin Eisele, Pa-trick Lehnen und Axel Toby zeigten ihre bekannten Darbietungen und Gigi & Lulu eine stimmige Nummer, die diesmal auch beim Fachpublikum gut ankam. Mr. Cry-stal und Scott Land bereicherten die Gala um poetische Momente und in den Pausen begeisterten vor allem Joshua Jay und Eric Jones das anwesende Publikum.

    Eckenzauber ohne EndeMit nicht enden wollendem Eckenzauber ging es weiter: Dani DaOrtiz ist wirklich verrckt! Er zauberte noch lange fr eine immer grer werdende Gruppe an Zu-schauern. Nach unzhligen letzten spa-nischen Wundern verlieen die Zuschau-er kopfschttelnd und verblfft den Saal. Danke fr diese noblen Tage!

    Bei 200,- Euro Kongressgebhr (durch Frhbucherrabatte auch deutlich gnstiger) konnte man sich nicht beschweren. Gerade was das Preis-Leistungs-Verhltnis angeht, ist Nordisch Nobel fr mich das Deutsche Blackpool nur ist es durch die intime Atmosphre und die hohe Qualitt der Knstler dem Kongress in Blackpool bei weitem berlegen. Ich kann kaum verste-hen, warum der Kongress nicht schon nach wenigen Tagen ausverkauft war! Ich denke, zuknftige Kongressveranstalter mssen den Fokus auf die zwischenmenschlichen Kontakte und das Live-Erlebnis legen. Bei Nordisch Nobel hatte jeder Teilnehmer die Mglichkeit, sich mit allen Seminarlei-tern zu unterhalten und bei diesen Ge-sprchen entstanden die schnsten, sehr persnlichen Erinnerungen.

    Daniel Mayer brachte die Crme de la Crme der internationalen Zauberkunst in den Norden Deutschlands und ich glaube, das ist es, was Nordisch Nobel ausmacht: ein vollgepacktes Programm mit vielen Starmagiern aus allen Bereichen der Zau-berkunst in der gemtlichen Atmosphre der Hansestadt Lbeck. Eine Kombination, die es so auf keinem anderen Kongress gibt! Ich hoffe auf eine Fortsetzung in 2015! Fot

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    Eric Jones macht in Sachen Karten und Mnzen so schnell keiner etwas vorCharlie Caper prsentiert das Becherspiel

    Mentalist Richard Osterlind begeistert im Seminar

    Scott Land verzaubert durch Puppenspiel

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