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Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien (Prof. Dr. Guy Bodenmann) Bindung und psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen Guy Bodenmann

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  • Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche undPaare/Familien (Prof. Dr. Guy Bodenmann)

    Bindung und psychische Strungenbei Kindern und Jugendlichen

    Guy Bodenmann

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    Inhalt

    Prvalenz psychischer Strungen im Kindes- undJugendalter

    Bindung als urmenschliches Grundbedrfnis

    Bindungsstrungen und psychische Strungen

    Folgen von Deprivationserfahrungen

    Folgen mangelnder elterlicher Sensitivitt

    Zusammenfassung

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    Bindung und Vertrauen alsexistentielles Bedrfnis

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    Familire Prdiktoren fr eine gesundeEntwicklung der Kinder

    Liebe/Nhe/Wrme/Geborgenheit Bindung(Schutz, Frsorge, Sicherheit)

    Grenzen, Regeln, Strukturen Erziehung(klare Rahmenbedingungen undvorhersehbare Kontingenzen)

    Stimulation und Frderung

    Lob/Besttigung/VersicherungenGrossmann & Grossmann (2012)Perrez (1991)

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    Liebe/Nhe/Geborgenheit als universellesGrundbedrfnis bei Sugetieren und dem

    Menschen

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    Prvalenz von Strungenim Kindes- und Jugendalter

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    Kategorie 1

    8 Jhrige 13 Jhrige 18 Jhrige Gesamt (4-18 jhrig)

    %-AngabenMannheimerElterninventar

    Prvalenzen psychischer Strungen beiKindern/Jugendlichen im deutschen Sprachraum

    Esser & Schmidt (1987); Esser et al. (1992)

    22.3%16%17.8%16.2%

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    Jungen Mdchen

    klinisch grenzwertig

    Prvalenz psychischer Strungen bei Kindernim Alter zwischen 3 und 6 Jahren

    Kuschel et al. (2014)

    15%

    18.2%

    22.5%

    16%

    33.2% 38.5%

    % Aufflligkeiten inElterneinschtzungCBCL

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    Sozialisationseinflsse auf kindliche Entwicklung

    Frhe Kindheit Vorschulalter Schulalter Adoleszenz

    Familie

    Kinderbetreuung

    Schulische Einflsse

    Medieneinflsse

    Einflsse von Peers

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    Bindungsproblemeund psychische Strungen

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    Zwei Schwerpunkte der Bindungsforschung

    Folgen von Deprivationserfahrungen

    Folgen einer mangelnden Sensitivitt der Eltern

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    Folgen von Deprivation

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    Quantitativ ungengendeInteraktion

    Quantitativ ungengendeInteraktion

    Qualitativ gestrteInteraktion

    Qualitativ gestrteInteraktion

    DiskontinuierlicheInteraktion

    DiskontinuierlicheInteraktion

    Verschiedene Deprivationsformen(Ainsworth, 1985)

    Zeitlich nicht ausreichendeVerfgbarkeit der Bindungsperson hufige Abwesenheit, Heimaufenthalte

    Emotionale Ablehnung durch dieBezugsperson, AmbivalenteZuwendung, Distanz oder berfrsorge Kind ist Objekt einer bersteigerten

    Angst seiner Eltern

    Hufige krzere oder lngereTrennungen von Bezugsperson ohneemotionale oder kognitive Mglichkeitender Bewltigung

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    Hospitalismus-Syndrom(Deprivationssyndrom):

    Psychische und somatische Schden infolge lngererKrankenhaus- oder Heimaufenthalte

    Schwerwiegende Entwicklungsverzgerungen beiSuglingen im ersten Lebensjahr durch Mangel anemotional verfgbaren Bezugspersonen undunzureichende intellektuelle Stimulation

    Stereotypien (Schaukeln mit Kopf und Krper),ausdruckslose Mimik und Gestik, Apathie

    Anaklytische Depression (bei Verlust einer Bezugsperson)(Spitz, 1945, 1951)

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    Schwere Bindungsstrungen (frhererHospitalismus) im ICD-10

    F94.1: Reaktive Bindungsstrung

    F94.2: Bindungsstrung mit Enthemmung

    Z59.1: Verwahrlosung oder Vernachlssigung in denersten Lebensjahren (Achse V)

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    Beispiel fr Verdacht auf reaktive Bindungsstrung(F94.1: ngstlich, bermssig wachsam/hypervigilant)

    In einem Raum einer kinderpsychiatrischen Ambulanz steht einzwlf Monate altes Mdchen neben dem Stuhl der Mutter. DieUntersucherin kommt herein und nimmt der Mutter gegenberam Tisch Platz. Das Mdchen reagiert deutlich verunsichert aufdie neue Person. Es schaut ngstlich und stt einenwimmernden Laut aus. Ohne die Mutter anzusehen, geht es mitngstlichem Gesichtsausdruck von Mutter und Untersucherinweg und lehnt die Stirn an die Wand - die Augen weit aufge-rissen.

    Prof. Dr. Ute Ziegenhain,Universitt Ulm

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    Beispiel fr Verdacht auf Bindungsstrung mitEnthemmung (F94.2: diffuse, mangelnd exklusive Bindung)

    Ein vierjhriger Junge wird wegen eines Sturzes in dieNotaufnahme der Kinderklinik gebracht, dort medizinischversorgt und zur weiteren Abklrung stationr aufgenommen.Er fgt sich ohne Protest und reagiert nicht auf die Umarmungder Mutter zum Abschied. Auch danach fragt er nicht nachseinen Eltern. Er ist sehr schnell vertraut mit der Kranken-schwester, die ihn auf der Station versorgt, umarmt sie undfragt sie, ob sie nun seine Mutter sei.

    Prof. Dr. Ute ZiegenhainUniversitt Ulm

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    0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8

    Inanspruchnahme psychosoziale Versorgunginternalisierende Strungenexternalisierende StrungenVerhaltensprobleme

    d = .72

    d = .16d = .24

    d = .18

    Effektstrken der frhkindliche Deprivationserfahrungen(Adoptierte Kinder)

    Juffer & van IJzendoorn (2005)Meta-Analyse: N > 40000 Kinderaus 100 Lndern

  • 21.08.2017 / 19

    Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche undPaare/Familien (Prof. Dr. Guy Bodenmann)

    Zusammenhang zwischen ADHS und frh-kindlicher Deprivation

    Alter

    Dauer in Heim vor derAdoption

    Alter bei Adoption

    ProblematischesHerkunftsland

    ADHS-Symptome

    -.16

    .50***

    .31***

    .02***

    .01*

    Roskam et al. (2014)N = 641 Adoleszente, die in ihrer Frhkindheit adoptiert wurden(CBCL Eltern)

    Geschlecht

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    Folgen von mangelnder elterlicherSensitivitt

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    Entstehung von Bindungssicherheit

    Bindungsverhaltenwimmern, weinen,schreien

    Frsorge-verhaltenhalten, trsten, liebkosen,schmusen, tragen, wickeln,nhren

    ElterlicheSensitivitt

    Sugling Bezugsperson

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    Elterliche Sensitivitt

    Adquate Wahrnehmung der kindlichen Bedrfnisse

    Richtige Interpretation der kindlichen Bedrfnisse

    Kontingenz/Promptheit (raum-zeitliche Nhezwischen frsorglichem Verhalten und kindlichenBindungssignalen)

    Angemessenheit des Frsorgeverhaltens (positiv-angemessen versus ambivalent, hostil, ber-frsorglich)

    (Ainsworth, Bell & Stayton, 1974)

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    Aktivierung des Bindungssystems als Ausdruck vonStress und Passung der Frsorgereaktion

    Hunger/Durst

    Klte/Wrme

    Windeln wechselnNasse Windeln

    Zudecken/Abdecken

    Stillen/Nhren

    Halten/TrstenAngst/Erschrecken

    Bindungsverhalten desKindes (Bedrfnisse)

    Frsorgeverhalten derBezugsperson

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    Bindungstypen

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    Bindungstypen Sichere Bindung (B)

    Kinder knnen Kummer zeigen und erhalten Trost. Wenndie Mutter zurckkehrt, suchen sie ihre Nhe und knnendas unterbrochene Erkunden wieder aufnehmen, beziehendie Mutter ins Spiel ein. Mutter reagiert sensitiv und kannKind rasch beruhigen.

    Unsicher-vermeidende Bindung (A)Kinder lassen kein Trennungsleid erkennen und wirkenselbstndig/unbeteiligt. Kinder meiden den Kontakt, wenndie Mutter zurckkommt. Fremde und Mutter wird hnlichbehandelt. Mutter reagiert zurckweisend. (Grossmann & Grossmann, 2012;

    Kienbaum & Schuhrke, 2010)

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    Bindungstypen

    Unsicher-ambivalente Bindung (C)Kinder suchen Nhe und Kontakt zur Bezugsperson, weisensie aber auch zurck. Sie finden keine Beruhigung durchden Kontakt. Klammerndes Verhalten, hohe Vigilanz, Sucheder Mutter, Weinen. Mutter reagiert intrusiv und inkonsistent.

    Desorganisierte/ desorientierte Bindung (D)Kinder zeigen deutliche Anzeichen von Angst, sind abernicht in der Lage sich an die Bezugsperson zu wenden.

    (Grossmann & Grossmann, 2012;Kienbaum & Schuhrke, 2010)

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    Effekte elterlicher Sensitivitt Kinder wimmern als Suglinge mehr, weinen und

    schreien jedoch weniger und sind leichter zu beruhigen Indem diese Kinder pflegeleichter werden, weisen sie

    eine bessere Mutter-Kind-Beziehung auf Mit einem Jahr sind Kinder sensitiver Eltern signifikant

    ruhiger und sicherer gebunden Im Kindergarten und der Schule sind sie weniger

    aggressiv, beliebter, weniger abhngig von anderen undunmittelbarer Verstrkung (Verstrkungsaufschub) undweisen bessere Kompetenzen (Kommunikation,Sozialkompetenz, Emotionsregulation) sowie einenhheren Selbstwert auf

    (Becker-Stoll, 2002; Diethelm, 1990; Grossmann & Grossmann, 2012; Scheuerer-Englisch, 1989; Suess, Grossmann & Sroufe, 1992; Spangler & Zimmermann, 1999;Zimmermann, 1995; Sroufe, 1983)

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    Bindung undpsychische Strungen

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    Bindung und externalisierendesVerhalten

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    Bindung und Delinquenz Delinquente Menschen zeigen berdurchschnittlich

    hufig Verlust- und Mangelerfahrungen (unsichereBindung), Traumatisierungen, sexuellen Missbrauch undMisshandlung in der Kindheit (Buchheim 2002, Dornes, 2004; Lamott &Pffflin, 2001).

    Bindung und ADHS Je lnger frhkindliche Deprivationserfahrungen, desto

    grsser das ADHS-Risiko (Roskam et al., 2014) Bei klinischer Stichprobe r = .78 zwischen unsicherer

    Bindung und ADHS (Niederhofer, 2009)

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    Symptomatik Studien ReviewExternalisierendeStrungen

    69 Studien(N = 5947)d = .31*** (Durchschnitt)d = .49*** (klinische Gruppen)d = .58*** (Verhaltensbeobachtung)

    Meta-Analyse(Fearon et al.,2010)

    PhysischeAggression/Gewalt

    74 Studien Savage (2014)

    Substanzmissbrauch 10 Studien beiAdoleszenten,13 Studien beiErwachsenen

    Schindler & Brning(2017)

    Bindungsunsicherheit als signifikanter Prdiktorfr externalisierende Strungen

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    3

    3.5

    Unaufmerksamkeit Hyperaktivitt Zurckweisungssensitivitt Angsterwartungen

    sicher vermeidend ngstlich-ambivalent

    **

    *** ******

    ***

    Bindungsunsicherheit und ADHS

    Scharf, Oshri, Eshkol & Pilowsky (2014)

    **

    **

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    Bindung als Moderator zwischen mtterlicher Kritik undkindlicher Aggression

    Cyr, Pasalich,McMahon &Spieker (2013)

    N = 82 DyadenBindung: FST (1 jhrig)Mtterliche Kritik: 4.5 jhrigAggression: 1-3 Grade (6-8 Jahre)

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    Bindung und internalisierendesVerhalten

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    Meta-Analyse (Madigan, Brumariu, Villani,Atkinson & Lyons-Ruth, 2016)

    InternalisierendeSymptome

    165 Studien (N = 48224)d = .58*** (gesamthaft)d = .79*** (Mdchen)d = .65*** (Jungen)

    ngstlich-ambivalentversus sicher-gebunden

    15 Studien (N = 921)d = .40***

    Vermeidend versus sicher-gebunden

    16 Studien (N = 1241)d = .20***

    Desorganisiert versussicher-gebunden

    18 Studien (N = 1107)d = .47***

    Bindungsunsicherheit als Prdiktor frinternalisierende Strungen

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    Die Rolle von Verlust-, Verunsicherungs- oderchronischen Deprivationserlebnissen in derKindheit hngt mit einer hheren Wahrscheinlichkeitvon spteren depressiven Erkrankungen zusammen(Felitti 2002; Goodman 2002).

    Der Einfluss solcher Erfahrung zeigt sich insbesonderein der Beeintrchtigung der Affektregulation unddes Selbstbildes und wie der dabei erlebte Stress denEinfluss von Lebensereignissen auf depressiveEntwicklungen bestimmt.

    Bindung und Depression

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    3 von 4 Studien weisen auf Zusammenhangzwischen unsicherer Bindung und

    Depression hin.

    (Brumariu & Kerns, 2010)

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    Bindung und Essstrungen

    Problematisches Essverhalten fand sich bei 39.8% derMdchen mit unsicherer Bindung versus 16.4% mitsicherer Bindung (Bindung erhht das Risiko um 320%)(Wick, Leipold-Haas, Dye & Strauss, 2012)

    Das grsste Risiko zur Entwicklung einer Essstrungenhaben Frauen, welche unzufrieden mit ihrer Figur sind(sich zu dick empfinden) und vermeidend gebunden sind(Wick, Leipold-Haas, Dye & Strauss, 2012; Troisi et al., 2005; Steins et al., 2011)

    Bindunsstrungen finden sich bei 70% (Ramaciotti, 2001) bis 100%der Mdchen mit Essstrungen (Ringer & Crittenden, 2007; Zachrisson & Kulbotten,2006)

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    Zusammenfassung: Effekt-Strken bezglich Bindungs-unsicherheit und internalisierenden versusexternalisierenden Strungen

    Meta-Analyse von Madiganet al. (2016)

    Behaviorale Erfassung: Fremde Situation Test (FST)Reprsentationsmasse: Adult Attachment Interview (AAI); Familiengeschichten, FamilienzeichnungenSelbstbericht: Inventory of Parent and Peer Attachment (IPPA); Parental Attachment Questionnaire(PAQ); Security Scale

    InternalisierendeStrungenExternalisierendeStrungen

    Behavioral Reprsentativ Selbstbericht

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    ber welche Mechanismen wirken sichBindungsstrungen auf psychische

    Aufflligkeiten aus?

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    Deprivations-erfahrungen

    MangelndeSensivtitt derEltern

    Negative Reprsentation von sichund der Umwelt (unsichere innereArbeitsmodelle)

    Externale Kontrollberzeugungenund geringe Selbstwirksamkeits-erwartungen

    DysfunktionaleEmotionsregulation

    Niedriger Selbstwert

    Geringes ExplorationsverhaltenUnsichereBindung

    HheresRisiko frpsychischeStrungen

    allgemeineVulnerabilitt

    Protektiv-faktoren

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    Elterliche Sensitivitt kompensiertgenetisches Risiko

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    Desorganisation: Feinfhligkeitkompensiert genetisches Risiko

    (Spangler, Johann, Ronai & Zimmermann, 2009)

    Mtterliche Sensitivitt kompensiert genetischesRisiko

    Regensburger Lngsschnittstudie (N = 106 Kinder)5HTTLPR Serotonin Transporter Gen Polymorphismen

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    Eine unsichere Bindung stellt einen konsistenten,robusten Risikofaktor fr die Entwicklung psychischerStrungen dar.

    Bindungsstrungen infolge von Deprivation odermangelnder elterlicher Sensitivitt sageninternalisierende und externalisierende Strungenvorher.

    Bindungsunsicherheit ist daher im Sinne derMultifinalitt relevant, d.h. sie schafft gnstigeVoraussetzungen fr die Entwicklung jeglicherStrungsform.

    Zusammenfassung

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    Die Assoziation zwischen Strungen und spezifischenBindungsstilen ist weniger eindeutig. Einedesorganisierte Bindung erweist sich jedoch alskonsistenter Prdiktor.

    Bei internalisierenden Strungen hufiger ngstlich-ambivalente Bindung, bei externalisierenden Strungenhufiger vermeidende Bindung.

    Ein genetisches Risiko fr Strungen (Depression,ADHS) kann durch elterliche Sensitivitt kompensiertwerden.

    Zusammenfassung

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    Literatur

    Bodenmann, G. (2016). Klinische Paar- und Familienpsychologie. (2. Auflage). Bern/Gttingen: Hogrefe.

    Fearon, R. P., BakermansKranenburg, M. J., Van IJzendoorn, M. H., Lapsley, A. M., & Roisman, G. I.(2010). The significance of insecure attachment and disorganization in the development of childrensexternalizing behavior: a metaanalytic study. Child development, 81(2), 435-456.Grossmann, K. & Grossman, K.E. (2012). Bindungen das Gefge psychischer Sicherheit. Stuttgart:Klett Cotta.

    Madigan, S., Brumariu, L. E., Villani, V., Atkinson, L., & Lyons-Ruth, K. (2016). Representational andquestionnaire measures of attachment: A meta-analysis of relations to child internalizing andexternalizing problems.

    Zimmermann, P., Mohr, C., & Spangler, G. (2009). Genetic and attachment influences on adolescentsregulation of autonomy and aggressiveness. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 50(11), 1339-1347.

    Reiner, I., & Spangler, G. (2010). Adult attachment and gene polymorphisms of the dopamine D4receptor and serotonin transporter (5-HTT). Attachment & human development, 12(3), 209-229.