Click here to load reader

Höhenarbeiten am Seil - AUVA

  • View
    0

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Höhenarbeiten am Seil - AUVA

Höhenarbeiten am SeilGrundsatz der redundanten Sicherung ........................................................................... 8
Rechtliche Grundlagen ................................................................................................... 9
Ausbildungsstandards .................................................................................................... 12
Befestigungsmöglichkeiten der PSA gegen Absturz ........................................................ 25
Hinweis zum Verfahren bei regelmäßigen Überprüfungen laut EN 795:2012 .................... 28
Hilfsgeräte ..................................................................................................................... 29
Abkürzungen ................................................................................................................. 41
AUVA Höhenarbeiten am Seil




5
Vorwort
Die meisten Arbeitsunfälle sind Sturzunfälle. Obwohl nur ein geringer Prozentsatz davon auf Arbeiten in schwindelnder Höhe entfällt, ist es gerade bei solchen Tätigkeiten wichtig, der Sicherheit gebührendes Augen- merk zu schenken.
Eine besondere Form von Höhenarbeit ist die „Seilzugangstechnik“. Dabei kommt es auf höchst professionelle Arbeitsweise, auf die richtige Ausrüstung, das entsprechende Fachwissen und auf praktisches Training an.
Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) ist vorrangig um die Verhütung von Berufsschäden bemüht. Dazu gehört die Schulung und Beratung von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf dem letzten Stand der Technik. Wer sich an die Vorgaben hält, arbeitet in der Regel nicht nur sicherer, sondern auch besser und schneller. Auch in schwindelnder Höhe.
Bergputzer in Salzburg (1928), © Archiv der Stadt Salzburg
AUVA Höhenarbeiten am Seil
6
In den letzten Jahren hat der Einsatz von Seilzugangs- technik stark zugenommen. Waren bis vor kurzem nur wenige Seilarbeiter wie die traditionellen „Bergput- zer“ in diesem Bereich tätig, so besteht heute vielfäl- tiger Bedarf an heiklen Arbeiten in großer Höhe. Ob Fassaden, Brückenpfeiler, Windräder oder andere hohe Bauwerke: Höhenarbeiterinnen und -arbeiter werden an allen exponierten Orten benötigt.
Immer mehr Auftraggeber ziehen bei kurzzeitigen Arbeiten die Seilzugangstechnik dem Einsatz von Hilfsmitteln wie Gerüsten, Hebebühnen und Kränen vor. Dies geschieht unter anderem aus technischen, oftmals aber auch aus Zeit- und Kostengründen.
Das Ziel dieser Sicherheitsbroschüre ist es, über mögliche und richtige Verfahren der Seilzugangs- technik einschließlich der Arbeitsplatzpositionierung zu informieren. Das hohe Gefahrenpotenzial soll auf ein Minimum reduziert werden. International übli- che Techniken sollen auch in Österreich Anwendung finden.
Es werden klare Vorgaben und Informationen über Techniken, Ausrüstung und Ausbildung in der Höhen- arbeit am aktuellen Stand der Technik vermittelt.
Die beschriebenen Arbeitsverfahren und Ausbildungs- richtlinien orientieren sich an internationalen Standards:
ISO 22846 Rope access systems Teil 1 (Principles) und Teil 2 (Code of practice)
Regelwerke der Deutschen Berufsgenossenschaften, www.arbeitssicherheit.de
IRATA (Internationaler Verband für seilbasierte Arbeiten), www.irata.org
FISAT (Deutscher Verband für seilbasierte Arbeiten), www.fisat.de
Einleitung und Ziele



Mit einer Gefährdungsbeurteilung/Evaluierung (nach ASchG §4) werden Gefahrenpunkte bereits in der Planungsphase aufgezeigt und analysiert. Externe Einflüsse (Wetter etc.) sind ebenso zu berücksichtigen wie der Faktor Mensch und spezielle Gefahren (Strahlung etc.).
Arbeitsabläufe müssen so geplant, durchgeführt und überwacht werden, dass bei allen Arbeitsschritten die maximale Sicherheit für Arbeitende und andere Personen wie Passantinnen und Passan- ten gegeben ist.
Ein Rettungskonzept muss vorbereitet werden.
Um Arbeiten auf höchstem Sicherheitsniveau zu gewährleisten, bedarf es geeigneter Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz und anderer notwendiger Sicherheitsausstattung sowie gegen Hinabfallen gesicherten Werkzeuges.


Höhenarbeitsplätze sind keine Alleinarbeitsplätze!
Stürze müssen immer vermieden werden!
Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, muss immer darauf geachtet werden, dass der Sturzraum frei ist, der Sturzweg und der Fangstoß möglichst gering sind und jederzeit Rettungsmaß- nahmen eingeleitet werden können.
AUVA Höhenarbeiten am Seil
Grundsatz der redundanten Sicherung






Arbeitsverfahren, Rettungsmaßnahmen und Erste Hilfe müssen geplant werden. Die Arbeiterin- nen und Arbeiter sind diesbezüglich zu unterwei- sen (auch mit praktischen Übungen). Bereiche unterhalb der Arbeitsstellen müssen ab- gesichert bzw. gesperrt werden. Teilredundanz (z. B. nur ein Anschlagpunkt für beide Systeme) ist zu vermeiden. Alle seilbasierten Tätigkeiten sollen vollredundant sein. Versagt eine Komponente, so bleibt das Sicherungssystem dennoch intakt.
Redundantes Zugangsverfahren an zwei unabhängigen Einzelanschlagpunkten (EAPs)
Redundantes Positionsverfahren
Rechtliche Grundlagen
Die rechtlichen Grundlagen in Österreich beruhen auf Gesetzen und Verordnungen. Diese wiederum basieren zu einem großen Teil auf Vorschriften und Richtlinien der Europäischen Union.
Die beiden wichtigsten gesetzlichen Grundlagen für Höhenarbeiterinnen und -arbeiter in Österreich sind das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) und die PSA-Verordnung (PSA-V).
Neben den inhaltlich oft sehr allgemein gehaltenen Gesetzen und Verordnungen werden für die tech- nische Umsetzung des Arbeitsschutzes Normen und der sogenannte Stand der Technik herangezogen.
Wir unterscheiden zwischen Internationalen Normen (ISO), Europäischen Normen (EN) und Österreichi- schen Normen (ÖNORMEN). Letztere setzen entwe- der eine EN in eine nationale Norm um, z. B. ÖNORM EN 365 (PSA-Kennzeichnung), oder definieren aus- schließlich österreichische Standards, wie die ÖNORM Z 1700 (Sicherheitstechnische Anforderun- gen für ortsfeste Antennenanlagen). Normen richten
sich vorwiegend an die Hersteller und definieren An- forderungen an die Produkte. Die Hersteller wenden sich dann mit der Gebrauchsanleitung an die Anwen- derinnen und Anwender. Dieser können sich darauf verlassen, dass das Produkt der angegebenen Norm entspricht.
Wichtig für Personen, die als Höhenarbeiter und Industriekletterer tätig sind, sind die beiden ISO-Standards ISO 22846-1 (Rope access systems – Principles) und ISO 22846-2 (Rope access systems – Code of practice) sowie die ÖNORM EN 12841 (Persönliche Absturzschutzausrüs- tung – Systeme für seilunterstütztes Arbeiten – Seileinstellvorrichtungen).
Diese internationalen Normen definieren alle für Seil- zugangstechniken notwendigen Ausrüstungen und Verfahren. Die firmeninternen Betriebsanweisungen gehen auf die jeweiligen Besonderheiten der Arbeits- bereiche genauer ein. Sie leisten somit auf betrieb- licher Ebene einen wichtigen Beitrag zur sicheren Arbeit.
AUVA Höhenarbeiten am Seil
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, mögliche Gefahren und Belastungen für Beschäftigte vor Beginn der Tä- tigkeit zu ermitteln sowie wirkungsvolle Maßnahmen umzusetzen und zu dokumentieren.










Welches ist das am einfachsten umzusetzende und gleichzeitig sicherste Zugangsverfahren? Welche PSA soll dabei zum Einsatz kommen? Welche Werkzeuge sollen zum Einsatz kommen? Wie werden diese gesichert? Gehen von Personen, Ausrüstung, Werkzeug oder Montagematerial spezielle Gefahren aus? Finden die Arbeiten über speziellem Untergrund statt? Besteht die Gefahr des Versinkens (Wasser, Schüttgut)? Kann das Wetter die Sicherheit beeinträchtigen (Wind, Eis, Regen) oder die Arbeiten unter be- stimmten Umständen unmöglich machen? Fallen die anstehenden Arbeiten unter die Bestim- mungen des BauKG und muss gegebenenfalls ein Sicherheits- und Gesundheitsplan (SiGe-Plan) als Arbeitsunterlage erstellt werden? (siehe AUVA- Merkblatt M 200 „Koordination von Bauarbeiten“) Kann eine Gefährdung durch einbrechende Dunkelheit entstehen? Gibt es sonstige besondere Gefährdungen (Gas, Strahlung, Schweißarbeiten, rotierende Werkzeuge etc.)? Sind alle Personen für die zu erwartenden Anforderungen entsprechend ausgebildet und unterwiesen? Ist eine Rettung und Erstversorgung jederzeit möglich?
Besteht Gefährdung Dritter?
Persönliche Schutzausrüstung darf nur verwendet werden, wenn – eine andere Art der Absicherung nicht möglich ist; – technische oder organisatorische Maßnahmen einen unverhältnismäßig hohen Aufwand darstellen und es sich um kurzfristige Arbeiten handelt.
Unter technischen Maßnahmen versteht man z. B. den Einsatz von Gerüsten, Krankörben, Hebebühnen, Geländern. Organisatorische Maßnahmen umfassen z. B. die Koordination der Arbeiten. Dieses TOP-Prin- zip ist auch gesetzlich laut ASchG § 69 (Persönliche Schutzausrüstung) gefordert.
Reihenfolge der Maßnahmen –
3. Personenbezogene Maßnahmen
Voraussetzungen für seilbasierte Arbeiten Evaluierung
´ Weitere Informationen: AUVA-Merkblatt M 040 „Gefahrenermittlung: Evaluierung“ im Internet unter www.eval.at
2 Tage Fachspezifischer Umgang mit PSA gegen Absturz, einfachste Rettungsverfahren
Höhenarbeiterinnen und -arbeiter (HA) IRATA, Fisat Level I
Führen alle fachspezifischen und einfachen seilbasierten Arbeiten unter Aufsicht (Level III)
5 Tage Fachspezifische Arbeiten einschließlich Seiltechnik mit einfachen Zugängen, Rettungsmaßnahmen
Höhenfachkraft (HFK) IRATA, Fisat Level II
Selbständige Industriekletterer für komplexe seilbasierte Arbeiten. Eigenverantwortlich oder gemeinsam mit Höhenarbei- terinnen und -arbeitern nach Vorgaben (Level III)
5 Tage Arbeiten am Seil mit komplexen Zugängen, Rettungsmaßnahmen
Aufsichtsführende Höhenfachkraft (A*HFK) IRATA, Fisat Level III
Höhenfachkräfte, die den Einsatz von Höhenarbeiterinnen und -arbeitern sowie Höhenfachkräften planen, koordinieren und überwachen. Betriebe, die unter Einsatz von Seilzugangstechni- ken arbeiten, sollten eine entsprechende Anzahl von Level-III-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern anstellen.
5 Tage
Arbeiten am Seil mit komplexen Zugängen, Evaluierung, Planung, Aufsicht von Höhen- arbeiterinnen und -arbeitern, Rettungsmaßnahmen
Erhaltung der Kompetenz Einmal jährlich soll ein Auffrischungslehrgang besucht werden.
Jährliche Unterweisung und praktische Übungen müs- sen durchgeführt werden. Gemäß IRATA/Fisat muss die Prüfung alle drei Jahre wiederholt werden.
In Österreich fordert das Gesetz eine Unterweisung in der Verwendung der Persönlichen Schutzausrüstung. Die entsprechenden Regelungen finden sich in der PSA-Verordnung (PSA-V). Diese besagt, dass die Un- terweisung durch Schulungen und erforderlichenfalls durch praktische Übungen zu erfolgen hat.
Zum richtigen An- und Ablegen von PSA gegen Ab- sturz und zur Durchführung von Berge- und Rettungs- maßnahmen sind mindestens einmal jährlich prakti- sche Übungen unter Anleitung einer fachkundigen Person abzuhalten.
Die Standards für Seilzugangstechnik sind internati- onal in der ISO-Norm 22846 festgelegt. Ebenso ist hinsichtlich Aufstiegen und Zugängen zu erhöhten Standplätzen die ÖNORM Z 1700 (Ortsfeste Anten- nenanlagen – Zugänge, Aufstiege, Standplätze – Sicher- heitstechnische Anforderungen) zu berücksichtigen.
Zulassungskriterien zur Ausbildung
rung, Alkohol- oder Drogensucht u. Ä. bekannt sind. Die Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen wird empfohlen. In Deutschland sind diese in der DGUV Information 250-449 „Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem berufsgenos- senschaftlichen Grundsatz G41 Arbeiten mit Absturz- gefahr“ geregelt.
Neben der gesundheitlichen Eignung ist ein Mindest- alter von 18 Jahren erforderlich. Die Absolvierung eines Erste-Hilfe-Kurses wird angeraten.
Dokumentation der Ausbildung
Ausbildungsbetriebe
13
Grundlagen der Sturzphysik
Stürze sind zu vermeiden! Da sie im Regelfall unge- wollt passieren, verlaufen sie auch unkontrolliert. Durch hohe Sturzbelastung (Fangstoß) oder zu gerin- gen Sturzraum besteht hohe Verletzungsgefahr. Ist der Sturzraum nicht ausreichend, ist entweder ein Rückhaltesystem zu verwenden oder ein Geländer zu montieren.
Der Fangstoß beträgt bei einer Sturzhöhe von einem Meter in ein Auffangsystem ohne Dämpfung ca. 13 Kilonewton (1 kN entspricht ungefähr einer Ge- wichtskraft von 100 kg). Ein Fangstoß von 7 kN kann bereits zu schweren Verletzungen an der Wirbelsäule führen. Belastungen über 12 kN sind in der Regel töd- lich. Daher ist der maximal zulässige Fangstoß für alle Auffangsysteme mit 6 kN festgelegt. (siehe Kapitel Auffangsysteme, Seite 18)
Sturzfaktor
Der Sturzfaktor ergibt sich aus der Sturzhöhe, geteilt durch die Länge des ausgegebenen Seiles oder des Verbindungsmittels. Je höher die Zahl, desto höher der Fangstoß und desto gravierender die Auswirkun- gen auf den Körper.
Sturzraum
Bei Arbeiten in Bereichen mit Absturzgefahr ist die Berücksichtigung des freien Sturzraumes eine Vo- raussetzung für einen verletzungsfreien Sturz. Das bedeutet, dass weder ein seitliches Anstoßen durch die Pendelbewegung noch ein Aufschlagen möglich sein soll. Der vertikale Sturzraum summiert sich aus
der Gesamtlänge aller in der Sicherungskette vor- handenen Bauteile. Weiters ist deren Dehnung bzw. Verlängerung im Sturzfall zu berücksichtigen. Bandfalldämpfer können sich je nach Bauart um bis zu 1,75 m ausdehnen. Der Abstand zwischen Auffangöse und Füßen muss ebenso berücksichtigt werden wie der 1 m große Sicherheitsabstand zum Boden.
Sturzhöhe [m]
Länge des Verbindungsmittels + Verbindungselement = 1,5 m
Verlängerung durch den Falldämpfer = 0,7 m
Abstand zwischen Befestigungsöse an Gurt und Füßen = 1,5 m
Mindestabbrems- strecke über dem Boden = 1 m
M in
d es
te n
s 4,
35 m
S tu
rz ra
u m
e rf
o rd
er lic
14
Der Sturzfaktor kann etwa in klettersteigähnli- chen Situationen größer als 2 sein, wo das Ver- bindungsmittel an einer vertikalen Struktur (z. B. Metallstrebe) mit nach oben gezogen wird. Die Sturzhöhe berechnet sich immer aus der doppelten Länge des Verbindungs- mittels plus der Strecke entlang der senkrechten Struktur.
Bei Sturzfaktor 2 treten Belastungen bis 17 kN auf, daher ist ein Band- falldämpfer obligatorisch. Ein großes Restrisiko bleibt aber bestehen.
Bei Sturzfaktor 0,3 bis 1 treten Belastungen bis ca. 12 kN auf. Ein Band- falldämpfer ist notwen- dig, wenn der Sturzfak- tor größer als 0,3 ist!
Bei Sturzfaktoren unter 0,3 bleibt der Fangstoß unter 6 kN. Dies ist auch im Sturzfall im Vorstieg so (z. B. Sicherheits- steigsprosse). Ein Sturz beim Aufstieg auf einen Hochspannungsmast ist wegen des unvermeid- lichen Aufschlagens am Mastkörper sehr gefähr- lich, der Fangstoß bleibt jedoch aufgrund der ausgegebenen Seillänge und bei Verwendung von Zwischensicherungen in regelmäßigen Abständen gering.
Lebensgefahr!
15
Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz Allgemeines




Seilführung über scharfe Kanten knick- oder querbelastete Karabiner falsch ausgewählte oder nicht individuell an den Körper angepasste PSA beschädigte oder sturzbelastete PSA unsachgemäße Reinigung und Lagerung der PSA (kann zu nicht sichtbaren Schädigungen führen)
PSA muss entsprechend der Gebrauchsanleitung verwendet werden. Alle Bestandteile sind nach der Europäischen PSA-Richtlinie 89/686 EWG geprüft, gekennzeichnet und nur für die Personensicherung zugelassen.
Die beschäftigte/anwendende Person muss die PSA vor Verwendung auf sichtbare Mängel überprüfen. Unabhängig davon sind entsprechend der Gebrauchs- anleitung Überprüfungen durch den Hersteller, eine vom Hersteller autorisierte oder eine fachkundige Person durchzuführen.
Diese Prüfung ist mindestens einmal jährlich vorzu- nehmen und schriftlich zu dokumentieren. Sturzbe- lastete PSA ist auszuscheiden. Helme und textile PSA gegen Absturz haben immer eine Ablegefrist, die in der Gebrauchsanleitung fest- gelegt ist.
Anwendung von PSA gegen Absturz von Perso- nen, die mit Ausrüstung über 100 kg wiegen:
Entsprechend den Normen sind die meisten Aus- rüstungsgegenstände nur für Anwenderinnen und Anwender mit einem Gewicht von 100 kg konzipiert und getestet. Die Folgen eines Absturzes von an- wendenden Personen, die samt Ausrüstung 100 bis 140 kg wiegen, werden indes nur teilweise von den Normen erfasst.
Die Hersteller haben aber die Möglichkeit, ihre Produkte mit einer höheren Masse prüfen zu lassen. Solche erweiterten zusätzlichen Zulassungen sind in den Bedienungsanleitungen ersichtlich. Eine ähnliche Problematik gibt es bei der Rettungsausrüstung, die für eine Last von zwei Personen konzipiert sein muss.
Muster&MANN 2-Punkt Auffanggurt, XL
Artikelnummer: 1007612 Material: Referenz 47 Nylon / Polyester
Seriennummer: 20146048/023 Woche/Jahr: 20/14 EN 361 0511
Hersteller Produktbezeichnung Typ-Modell/Identifizierung Piktogramm
AUVA Höhenarbeiten am Seil
16
Auffangsysteme
Die EN 363 legt allgemeine Anforderungen an Auf- fangsysteme fest und regelt die richtige Zusammen- stellung der Einzelteile.
Jedes Auffangsystem besteht immer aus einer Kombi- nation von Auffanggurt (EN 361) und Auffanggerät, einem Höhensicherungsgerät (EN 360), einem Steig- schutz einschließlich fester Führung (EN 353-1) oder
mitlaufendem Auffanggerät samt beweglicher Füh- rung (EN 353-2). Ein Auffangsystem gewährleistet bei richtiger Anwendung, dass im Sturzfall eine Kraft von 6 kN nicht überschritten und der Fangstoß körperver- träglich abgebaut wird.
Dies wird zum Beispiel durch den Einbau eines Band- falldämpfers erreicht.
Mitlaufendes Auffanggerät samt beweglicher Führung und eingebautem Bandfalldämpfer
Auffangsystem mit Höhensicherungsgerät
Auffanggurte (= Sicherheitsgeschirre) besitzen mit einem „A“ gekennzeichnete Auffangösen und nicht gekennzeichnete Halteösen.
Die Ösen bestehen entweder aus Metall oder aus Gewebematerial. Die Auffangösen haben die Aufga- be, die Sturzenergie über die Beinschlaufen und über andere Bänder möglichst schonend und gleichmäßig auf den Körper zu übertragen.
Bei seilunterstützten Arbeiten empfiehlt es sich, Auffanggurte mit vorderer Auffang- und zentraler
Halteöse zu verwenden. Abseilgeräte werden meist in diese zentrale Halteöse eingehängt, wodurch mehr Bewegungsfreiheit gegeben ist.
Zum Befestigen der redundanten Sicherung ist immer die Auffangöse zu verwenden, da bei Versagen des primären Systems eine Sturzbelastung auftritt.
Für frei im Seil hängendes Arbeiten empfiehlt sich zusätzlich die Verwendung eines Arbeitssitzes. (siehe Hängetrauma, Seite 38, Arbeitssitz siehe Hilfsgeräte, Seite 29)
5-Punkt-Auffanggurt
Bandfalldämpfer werden vom Hersteller in Auffang- systeme integriert. Sie dürfen nur nach Herstelleran- gaben in Systeme eingebaut werden. Bei einer Sturzbelastung reduziert der Bandfalldämp- fer die auf den Körper einwirkende Kraft auf maximal
6 kN bzw. 6G (für Personen über 100 kg relevant). Zu berücksichtigen ist, dass die zu erwartende Belastung sich aus dem Körpergewicht und allfälligen Zusatzlas- ten zusammensetzt und innerhalb der Einsatzgrenzen liegen muss.
Bandfalldämpfer in unbelastetem Zustand
Selbstverriegelnde Karabiner zur Personen- sicherung müssen mit mindestens zwei voneinander unabhängigen Handgriffen zu öffnen sein.
Selbstverriegelnder Karabiner Selbstverriegelnder Rohrhaken
19
Nicht selbstschließendes Schraubverbindungselement
Dreieckige, ovale oder halbrunde Schließringe aus Alu oder Stahl können bei speziellen Einsätzen gute und sichere Alternativen zu Karabinern darstellen.
Verbindungsringe müssen mit Werkzeug geschlossen werden, geprüft und gekennzeichnet sein.
Selbstschließendes Schraubverbindungselement
Y-Verbindungsmittel mit Bandfalldämpfer
Anwendung mit Seilkürzer
Wird ein Verbindungsmittel in ein Auffangsystem eingebaut, darf es maximal 2 m lang sein. Meist wird es in Kombination mit einem Bandfalldämpfer und einem Einhandkarabiner verwendet. Üblich ist auch die Ausfüh- rung als Y-Verbindungsmittel mit Bandfalldämpfer und zwei Rohrhaken.
Als Verbindungsmittel kommen aber auch geprüfte Stahlseilvorfächer, Cow´s Tails, Bandschlingen u. Ä. zum Einsatz.
AUVA Höhenarbeiten am Seil
´ Achtung: Auffanggeräte und Seile dürfen nicht willkürlich kombiniert werden. Die Herstellerangaben sind genau zu beachten!
Mitlaufende Auffanggeräte werden entlang des Seils mitgeführt und blockieren im Falle eines Stur- zes. Herkömmlicherweise geschieht dies durch das Abklemmen des Seils mittels Hebels. Neuere Modelle funktionieren mit einer Fliehkraftbremse.
Bei der Auswahl eines Gerätes ist auf Robustheit und einfache Bedienbarkeit zu achten. Es sollte auch dann einwandfrei funktionieren, wenn das Seil nicht lotrecht geführt wird, also auch bei schrägen oder querenden Abstiegen.
Mitlaufende Auffanggeräte eignen sich ideal als Teil eines redundanten Systems für Abseiltätigkeiten oder als Zusatzsicherung an Leitern.
Steigklemmen (Seilklemmen)
Eine Steigklemme ist ein Ausrüstungsgegenstand, der in einer Richtung über das Seil gleitet, in der anderen Richtung blockiert. Klemmen werden zum Aufstieg am Seil sowie für Flaschenzugsysteme u. Ä. verwendet.
Steigklemmen dürfen nicht als Absturzsicherung ver- wendet werden, denn sie sind nur für statische Belastun- gen konzipiert.
´ Achtung: Nur Steigklemmen nach EN 12841 dürfen als Haltesystem verwendet werden!
Mitlaufendes Auffanggerät einschließlich beweglicher Führung
21
Die Geräte unterscheiden sich durch folgende Eigenschaften: Gewicht, zusätzliche Hubfunktion, zusätzliche Ablassfunktion, möglicher Sturzfaktor, Korrosionsbeständigkeit, Einsatzgebiet (z. B. horizon- tal/vertikal, Innen-/Außenanwendung) und Art der Revision.
Problematik Kantensturz
Sturzbelastete Höhensicherungsgeräte müssen vor Wiederverwendung vom Hersteller geprüft und frei- gegeben werden.
Höhensicherungsgeräte dürfen nicht bei Arbeiten über Gewässern und Stoffen, in denen man versinken kann, verwendet werden, da sie bei einem gebrems- ten Sturz möglicherweise nicht auslösen. Höhensicherungsgeräte
Seile
Generell unterscheidet man gedrehte Seile von Kernmantelseilen. Kernmantelseile erfüllen die For- derung nach hoher Sicherheit und Funktionalität bei geringem Durchmesser und Gewicht am besten. Sie bestehen aus verwobenen Nylonfäden, wobei der Kern die tragende Komponente ist und der Mantel primär schützende Funktion hat.
In der EU müssen Seile für Höhenarbeiten gemäß EN 1891 Typ A (halbstatische Seile) oder EN 892
(dynamische Seile) geprüft sein. Im Regelfall werden Seile nach EN 1891 verwendet. Nur bei der Vor- stiegssicherung hat das dynamische Seil aufgrund der dämpfenden Eigenschaft sicherheitsrelevante Vorteile.
Seile werden sehr oft in Verbindung mit anderen Geräten verwendet, weshalb es wichtig ist, dass sie mit dem jeweiligen Gerät (Abseilgerät, Mitläufer etc.) kompatibel und dafür zugelassen sind. Ein entschei-
AUVA Höhenarbeiten am Seil
22
dender Faktor ist der Durchmesser. Im Arbeitsbereich werden meist Seile von 10,8 mm bis 12 mm Durch- messer verwendet.
Je nach Bauart weisen Seile auch eine höhere Kan- tenfestigkeit für den Einsatz am Bau auf, sind hitze- beständig für Feuerwehreinsätze, gut sichtbar für Felsräumungsarbeiten oder besitzen einen dicken Mantel für Baumpflegearbeiten oder Korrosions- schutztätigkeiten.
Knoten
Das Befestigen, Kürzen oder Verlängern von Sicher- heitsseilen (Fangseilen) durch Knoten ist in Österreich nicht zulässig (siehe PSA-V § 14 [4]). Deshalb werden Seile vom Hersteller mit Endvernähungen oder End- knoten versehen.
Es gibt Situationen, in denen es notwendig ist, einen Knoten zu machen (z. B. Rettung, Materialsicherung). Jede Höhenarbeiterin bzw. jeder Höhenarbeiter sollte
darin unterwiesen sein, die wichtigsten Knoten auch
in Extremsituationen (Rettungssituation) sicher knüp-
fen zu können.
Falsch: Einhängen in die Materialschleife (links)
Richtig: Einhängen in die Halteöse (rechts)
Positionierungsgeräte

werden, dass der Verriegelungsmechanismus nach außen zeigt (somit wird die Gefahr des Entriegelns minimiert),
vor der Belastung die richtige Verbindung geprüft wird. Oftmalige Unfallursache ist die Ver- wechslung der Materialschlaufe mit der Halteöse bzw. das Verhaken des Karabiners in der Kleidung.
23
Abseilgeräte
Erstere werden in der EN 341 „Abseilgeräte zum Ret- ten“ behandelt. Handbetätigte Abseilgeräte kommen vorwiegend bei Seilzugangstechniken zum Einsatz, weswegen sie neben anderen Seileinstellvorrichtun- gen in der EN 12841 behandelt werden.
Handbetätigte Abseilgeräte sollten selbsttätig blockie- ren und über eine Paniksicherung verfügen.
Viele der fliehkraftgebremsten Abseilgeräte sind als Pendelabseilgeräte ideal bei Evakuierungen einsetzbar.
Abseilgeräte mit einfacher Hubfunktion eignen sich besonders für Rettungen, bei denen die verunfallte Person vor dem Ablassen aus dem sturzbelasteten Verbindungsmittel oder Steigschutz gehoben werden muss. Handbetätigte Abseilgeräte nach EN 341 KLASSE A und EN 12841
Seilkürzer (Positionierer); im Bild Sonderausführung mit Stahlkern z. B. für Arbeiten mit der Motorsäge
AUVA Höhenarbeiten am Seil
24
Helme
Grundsätzlich werden bei Höhenarbeiten ausschließ- lich Helme mit Kinnband verwendet. Bei Helmen, die in der Industrie und am Bau zum Einsatz kommen (EN 397), muss sich das Kinnband bei 25 Dekanewton öffnen, damit es zu keiner Strangulierung kommen kann.
Unter bestimmten Umständen (Evaluierung, Abspra- che mit Arbeitsinspektorat) können Helme für reine Höhenarbeit auch mit einer Kinnschnalle ausgestattet sein, die 50 Dekanewton (EN 12492) standhält, damit der Helm bei einem Sturz am Kopf bleibt.
Selbiges gilt für Helme, deren Belüftungsöffnungen eine gewisse Größe übersteigen (Bergsporthelme).
Typischer Helm für Höhenarbeiten
25
Anschlagmöglichkeiten
Statisch geeignete Anschlagmöglichkeiten sind entsprechende Mastkörper, I-Träger, Poller, Bäume etc. Statisch bedenklich sind oftmals Leiterelemen- te, Geländerbrüstungen, Schornsteine, Rohre und Leitungen.
Werden Bandschlingen verwendet, so ist zu be- achten, dass je nach Platzierung der…