KONJUNKTUR AKTUELL - OeNB Die Geldpolitik der groأںen Wirtschaftsrأ¤ume der Welt steht aktuell vor unterschiedlichen

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  • KONJUNKTUR AKTUELL Berichte und Analysen zur wir tschaftlichen Lage

    Stabilität und Sicherheit.

    OESTERREICHISCHE NATIONALBANK E U RO S Y S T EM

    Dezember 2017

  • Die Publikation gibt eine kompakte aktuelle Einschätzung zur Konjunktur der Weltwirtschaft, des Euroraums, der CESEE-Staaten und Österreichs und berichtet über Entwicklungen auf den Finanzmärkten. Die Quartalsausgaben (März, Juni, September und Dezember) sind um Kurzanalysen zu wirtschafts- und geldpolitischen Themen erweitert.

    Medieninhaberin und Herausgeberin

    Oesterreichische Nationalbank Otto-Wagner-Platz 3, 1090 Wien

    Postfach 61, 1011 Wien www.oenb.at oenb.info@oenb.at Tel. (+43-1) 40420-6666 Fax (+43-1) 40420-6698 Schriftleitung Doris Ritzberger-Grünwald Koordination und Redaktion Manfred Fluch

    © Oesterreichische Nationalbank, 2017

    ISSN 2310-5216

    Alle Rechte vorbehalten.

    Reproduktionen für nicht kommerzielle Verwendung, wissenschaftliche Zwecke und Lehrtätigkeit sind unter Nennung der Quelle freigegeben.

    Redaktionsschluss: 4. Dezember 2017 (Konjunkturteil zu Österreich: 13. Dezember 2017)

  • Oesterreichische Nationalbank Bericht über die wirtschaftliche Lage – Dezember 2017

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    Inhalt

    Bericht über die wirtschaftliche Lage .................................................................................................................. 4

    Weltwirtschaft wächst weiter sehr robust .............................................................................................................................................................. 6

    EU-Mitgliedstaaten in Zentral-, Ost- und Südosteuropa: Ungebrochen starke Dynamik .......................................................... 13

    Österreich: Erste Hochkonjunkturphase seit der Krise: Österreichs Wirtschaft wächst 2017 und 2018 kräftig ........... 16

    Die geldpolitischen Entscheidungen des EZB-Rats .......................................................................................................................................... 20

    Finanzinstitute: Fremdwährungskredite und Auslandsforderungen ......................................................................................................... 30

    Spezielle Kurzanalysen ............................................................................................................................................... 35

    Öffentliche Investitionen in Österreich: Europäisches Regelwerk und internationaler Vergleich ........................................... 36

    Österreichs Position in internationalen Standort-Rankings ......................................................................................................................... 42

    Erfahrungen mit der Rückführung von QE-Programmen der FED ......................................................................................................... 47

    Zum Zusammenhang von Lohnsetzung und Inflation im Euroraum ..................................................................................................... 52

    Bitcoin: Aktuelle Entwicklungen ................................................................................................................................................................................. 57

    Mitteilung der Europäischen Kommission zur Vollendung der Bankenunion vom 11. Oktober 2017 ............................... 62

    Annex .................................................................................................................................................................................. 67

    Chronik: Wirtschafts- und Währungspolitik in der EU und international vom 20. Oktober–28. November 2017 ... 68

    Wirtschaftsindikatoren – Grafiken und Tabellen ...................................................................................... 72

  • Oesterreichische Nationalbank Bericht über die wirtschaftliche Lage – Dezember 2017

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    Bericht über die wirtschaftliche Lage

  • Oesterreichische Nationalbank Bericht über die wirtschaftliche Lage – Dezember 2017

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    Überblick1 Die Weltwirtschaft setzt ihren Aufschwung fort. Das Weltwirtschaftswachstum wird 2017

    laut den rezenten Prognosen des IWF (Anfang Oktober), der Europäischen Kommission (Anfang November) und der OECD (Ende November) rund 3 ½ % betragen. Für die U.S.A. und den Euroraum wird mit einer robusten Zunahme der Wirtschaftsleistung von jeweils 2 ¼ % in den Jahren 2017 und 2018 gerechnet. Der gefestigten konjunkturellen Entwicklung stehen primär politische Unsicherheiten entgegen. Hierzu zählen neben geopolitischen Risiken die Entscheidungen hinsichtlich der geplanten Steuerreform und der zukünftigen Ausrichtung der Handelspolitik auf Seiten der U.S.A. In Europa bestehen einerseits Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Regierungsbildung in Deutschland sowie der kommenden Parlamentswahl in Italien und andererseits weiterhin große Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit den Brexit-Verhandlungen. Eine zunehmend tragende Säule für das Weltwirtschaftswachstum nehmen die großen Schwellenländer ein. Die Wachstumsaussichten für China, Brasilien und Russland wurden im Vergleich zum Sommer nach oben revidiert. Selbiges gilt auch für die Zentral-, Ost- und Südosteuropäischen Staaten, deren Wirtschaftswachstum für 2017 auf über 4% angehoben wurde und auch 2018 dynamisch bleiben soll.

    Die Geldpolitik der großen Wirtschaftsräume der Welt steht aktuell vor unterschiedlichen Herausforderungen. Im Euroraum wurde am 25./26. Oktober 2017 eine Rekalibrierung beschlossen, d. h. die Programme zum Ankauf von Vermögenswerten wurden bis zumindest September 2018 verlängert, aber das Volumen wurde von 60 Mrd EUR auf 30 Mrd EUR pro Monat reduziert. Während die Geldpolitik im Euroraum damit expansiv bleibt, hat die FED Anfang Oktober 2017 damit begonnen die Zentralbankbilanz graduell zurückzuführen. Dabei wird die Reinvestition von Tilgungszahlungen aus abreifenden Staatsanleihen und anderen Wertpapieren schrittweise verkleinert; die Zinsen wurden jedoch unverändert belassen. Vor dem Hintergrund einer relativ hohen Inflationsrate von 3% in Folge der vergangenen Abwertung des Pfund erhöhte die Bank of England im November die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 0,5%. Die tschechische und rumänische Notenbank schwenkten zuletzt ebenso auf einen restriktiveren Kurs ein.

    Die österreichische Wirtschaft befindet sich derzeit in einer Phase außergewöhnlich starken Wachstums. Gemäß der aktuellen OeNB-Prognose vom Dezember 2017 wird das Wirtschaftswachstum im Jahr 2017 real 3,1% betragen. Ein Wachstum von mehr als 3% wurde zuletzt in den beiden Hochkonjunkturjahren 2006 und 2007 verzeichnet. Im Jahr 2018 wird das Wachstum mit 2,8% ebenfalls sehr stark ausfallen. Für die Jahre 2019 und 2020 wird hingegen mit einer Abschwächung auf 1,9% bzw. 1,6% gerechnet. Gegenüber der Prognose vom Juni 2017 stellt dies eine Aufwärtsrevision um 0,9, 1,1 bzw. 0,3 Prozentpunkte für die Jahre 2017 bis 2019 dar. Die Arbeitslosenquote wird von 6,0% im Jahr 2016 bis auf 5,0% im Jahr 2020 sinken. Die Inflationsrate fällt 2017 mit 2,2% mehr als doppelt so hoch aus wie im Jahr 2016. In den folgenden Jahren wird sie leicht bis auf 1,9% zurückgehen. Der gesamtstaatliche Budgetsaldo wird sich im Jahr 2017 auf –0,8% des BIP verbessern. In den Jahren 2018 bis 2020 wird eine weitere deutliche Verbesserung des Budgetsaldos erwartet. Die Schuldenquote entwickelt sich bereits seit dem Jahr 2016 rückläufig und wird bis 2020 bis auf 69% sinken.

    1 Autoren: Gerhard Fenz, Martin Schneider, Klaus Vondra (Abteilung für volkswirtschaftliche Analysen).

  • Oesterreichische Nationalbank Bericht über die wirtschaftliche Lage – Dezember 2017

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    Weltwirtschaft wächst weiter sehr robust2

    Euroraum: Weiterhin robustes Wirtschaftswachstum, aber heterogen über Länder

    Der Aufschwung im Euroraum hält auch im dritten Quartal 2017 weiter an. Das Wachstum des realen BIP konnte um 0,6% gegenüber dem Vorquartal zulegen und lag damit nur marginal unter dem Wert des zweiten Quartals (0,7%). Gegenüber dem Vorjahresquartal lag die Wachstumsrate bei 2,5% und damit höher als im zweiten Quartal (2,3%) und deutlich höher als zu Jahresbeginn (2%). Allerdings waren zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch keine Komponentenbeiträge veröffentlicht. Über die Länder hinweg zeigt sich weiterhin eine heterogene Entwicklung. So wuchs beispielsweise Deutschland im dritten Quartal 2017 um 0,8% gegenüber dem Vorquartal, während Italien ein Wachstum von lediglich 0,5% verzeichnete. Frankreich wuchs im selben Zeitraum um 0,5% und damit deutlich langsamer als Deutschland.

    Wirtschaftsaussichten bleiben günstig

    Für die nähere Zukunft sind die Aussichten unverändert positiv. So konnten die wichtigsten Stimmungsindikatoren weiter zulegen. Inzwischen stehen die Werte einiger Vertrauensindikatoren auf Niveaus, wie sie unmittelbar vor der Krise zu beobachten waren.

    Die konjunkturelle Erholung ist auch auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Das Beschäftigungswachstum lag im zweiten Quartal 2017 (ggü. Vorquartal) bei 0,4%, nach 0,5% im ersten Quartal (für das dritte Quartal 2017 lagen noch keine Daten dazu vor). Die Arbeitslosenquote lag im dritten Quartal bei 9%, dem niedrigsten Wert seit Anfang 2009. Allerdings ist die Arbeitslosigkeit in einigen Ländern, insbesondere in Spani