Report Stange Final 0

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  • 8/12/2019 Report Stange Final 0

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    Untersuchungshaftentscheidungenvon Ermittlungsrichtern in derRepublik Moldau

    Eine Einschtzung aus internationaler Sicht

    Decisions on Arrestby Investigative Judgesin the Republic of Moldova

    An Assessment from

    the International Point of View

    Deciziile de arestare pronunatede judectorii de instrucie

    n Republica Moldova

    O analiz din punct de vedere internaional

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    Untersuchungshaftentscheidungenvon Ermittlungsrichtern in derRepublik Moldau

    Eine Einschtzung aus internationaler Sicht

    Decisions on Arrestby Investigative Judgesin the Republic of Moldova

    An Assessmentfrom the International Point of View

    Deciziile de arestare pronunatede judectorii de instrucie

    n Republica MoldovaO analiz din punct de vedereinternaional

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    Untersuchungshaftentscheidungenvon Ermittlungsrichtern in derRepublik MoldauEine Einschtzung

    aus internationaler Sicht..............................5

    Decisions on Arrestby Investigative Judges

    in the Republic of MoldovaAn Assessment

    from the International

    Point of View.....................................................31

    Deciziile de arestarepronunate de judectorii deinstrucie n Republica Moldova

    O analiz din punct de vedereinternaional............................. ....................... 57

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    Untersuchungshaftentscheidungen

    von Ermittlungsrichtern in derRepublik Moldau

    Eine Einschtzungaus internationaler Sicht

    Albrecht Stange Oberstaatsanwalt a.D.

    Soros Foundation Moldova

    Deutsche Stiftung fr internationale rechtliche Zusammenarbeit e.V. (IRZ)

    Chiinu Bonn

    Dezember 2010

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    6 Untersuchungshaftentscheidungen von Ermittlungsrichtern in der Republik Moldau Eine Einschtzung aus internationaler Sicht

    Inhalt

    Danksagungen ............................................................................................................................................................................ 7

    Zusammenfassung .................................................................................................................................................................... 7

    Methodologie .............................................................................................................................................................................. 7

    1 Einleitung ........................................................................................................................................................................... 8

    2 Rechtshistorische Entwicklung in der Republik Moldau ................................................................................... 9

    3 Die Republik Moldau und der EuGHMR ................................................................................................................11

    4 Prfungsauftrag .............................................................................................................................................................12

    5 Ausfhrung ......................................................................................................................................................................12

    6 Gesetzesdefizite? ...........................................................................................................................................................13

    7 Defizite in der Gesetzesanwendung .......................................................................................................................14

    7.1 Das sowjetische Erbe ........................................................................................................................................14

    7.2 Aufgabe und Funktion der justiziellen Entscheidung .............................................................................15

    8 Die moldawische Wirklichkeit ...................................................................................................................................15

    8.1 Die Entscheidungsbegrndung ......................................................................................................................15

    8.2 Die Aufgabe der Sprache ...................................................................................................................................16

    8.3 Aktenflle .................................................................................................................................................................17

    8.4 Auswertung der Aktenflle ...............................................................................................................................20

    9 Sonstige Gesprche ......................................................................................................................................................23

    10 Konsequenzen ................................................................................................................................................................23

    10.1Institutionelle und legislative nderungen ................................................................................................23

    10.2 Sonstige Manahmen .........................................................................................................................................24

    10.2.1 Grundstzliches ...........................................................................................................................................24

    10.2.2 Selbstverstndnis ........................................................................................................................................25

    10.2.3 Zusammenspiel der Institutionen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht ..........................26

    10.2.4 Fortbildung ....................................................................................................................................................27

    11 Schlsselbotschaften ...................................................................................................................................................28

    Anlage: Quellen ......................................................................................................................................................................30

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    Untersuchungshaftentscheidungen von Ermittlungsrichtern in der Republik Moldau Eine Einschtzung aus internationaler Sicht 7

    Danksagungen

    Dieser Bericht htte nicht zustande kommen kn-

    nen ohne die offenen Gesprche mit Regierungs-

    stellen und Justizinstitutionen der Republik Moldau

    und ohne meine Gesprchspartner vor Ort.

    Insbesondere mchte ich meine tief empfundene

    Dankbarkeit zum Ausdruck bringen gegenber:

    Herrn Alexandru Tanase, Justizminister der Re-

    publik Moldau, untersttzt von Herrn Vladimir

    Grosu, Vertreter der Republik Moldau beim Eu-

    ropischen Gerichtshof fr Menschenrechte,

    und Frau Rodica Secrieru, Beraterin des Mini-

    sters

    dem Obersten Gerichtshof, vertreten durch Frau

    Raisa Botezatu, Vorsitzende der strafrechtlichenAbteilung und Mitautorin der moldauischen

    Strafprozessordnung,

    dem Hohen Magistratsrat, vertreten durch Herrn

    Dumitru Visternicean als Vorsitzendem und Frau

    Dina Rotarciuk, Mitglied des Hohen Magistrats-

    rates,

    der Generalstaatsanwaltschaft, vertreten durch

    Herrn Andrei Pantea, Erster Stellvertretender

    Generalstaatsanwalt, untersttzt von Herrn Ni-

    cilae Chitoroaga, Leiter der Strafermittlungsab-teilung, und Herrn Ion Caracuian, Leiter der Ab-

    teilung zur Folterbekmpfung,

    Ermittlungsrichtern, Richtern, Staatsanwlten

    und Polizeibeamten in drei verschiedenen Re-

    gionen der Republik Moldau, deren Namen aus

    Grnden der Vertraulichkeit nicht aufgefhrt

    werden,

    den Mitarbeitern der Soros-Stiftung - Moldau,

    insbesondere Herrn Victor Munteanu, Direktor

    des Gesetzprogramms der Soros Stiftung - Mol-

    dau, und Herrn Radu Danii, die die Treffen orga-

    nisiert haben und unschtzbare Dienste bei der

    bersetzung geleistet haben.

    Zusammenfassung

    Staatsanwaltschaftliche Antrge und richterliche

    Entscheidungen in Zusammenhang mit Festnah-

    men und Untersuchungshaft in der Republik Mol-

    dau beachten offenbar vielfach nicht die gesetz-

    lichen Bestimmungen zur vorgeschriebenen Be-

    grndung.

    Beanstandungen des Europischen Gerichtshofs

    fr Menschenrechte hierzu bei mehrfachen An-

    lssen haben nicht zu einem erkennbaren Wan-del in der Haltung der jeweiligen Akteure vor Ort

    gefhrt. Diese Haltung scheint in einer gewissen

    Beziehung zu der Tatsache zu stehen, dass vie-

    le Untersuchungsrichter aus dem staatsanwalt-

    schaftlichen Bereich der sowjetischen Zeit stam-

    men.

    Es hat den Anschein, dass die Bedeutung und Wich-

    tigkeit der Begrndung als Herzstck jeder juristi-

    schen Entscheidung mit dem Ziel, berzeugend

    und nachvollziehbar zu sein, so manchem moldau-ischen Untersuchungsrichter bzw. Staatsanwalt

    nicht gengend zu Bewusstsein gebracht worden

    ist.

    Es kann nicht als selbstverstndlich vorausgesetzt

    werden, dass jeder moldauische Staatsanwalt oder

    Untersuchungsrichter sich der Bedeutung des Be-

    griffs Begrndung voll bewusst ist.

    Es erscheint ein lohnendes Ziel, die bereits begon-

    nenen Fortbildungsbemhungen weiterzufhrenund die Sensibilitt der Akteure dafr, verstndlich

    und nachvollziehbar argumentieren, zu verbes-

    sern.

    Nachfolgende mgliche Unzulnglichkeiten in rich-

    terlichen Entscheidungen haben oft ihre Ursache

    in den von Polizei und Staatsanwaltschaft zuvor

    durchgefhrten Schritten. Aus diesem Grunde ist

    die Beachtung der professionellen Sorgfalt keine

    auf Untersuchungsrichter zu beschrnkende Anfor-

    derung.

    Methodologie

    Ausgangspunkt dieses Berichtes sind verschiede-

    ne Urteile des Europischen Gerichtshofs fr Men-

    schenrechte zur Praxis von polizeilichen Festnah-

    men und zur Anordnung von Untersuchungshaft

    durch Untersuchungsrichter in der Republik Mol-

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    8 Untersuchungshaftentscheidungen von Ermittlungsrichtern in der Republik Moldau Eine Einschtzung aus internationaler Sicht

    dau, insbesondere zu mutmalichen Unzulnglich-

    keiten in den Begrndungen richterlicher Entschei-

    dungen.

    Um diese Vorwrfe besttigen oder widerlegen zu

    knnen, sind eine Reihe von moldauischen (origi-

    nal) Akten, wie in der Anlage im Einzelnen aufge-fhrt, durchgearbeitet worden. Ergnzend sind

    Strafrichter, Untersuchungsrichter, Staatsanwlte,

    Polizeibeamte und Anwlte in drei verschiedenen

    Regionen der Republik Moldau von mir im Juli 2010

    befragt worden. Als Basis fr die Gesprche wurden

    ein oder mehrere Beispiele aus den Originalakten

    den Gesprchspartnern vorgetragen, und diese

    wurden gebeten, sich dazu zu uern, ob die vor-

    gestellten Fakten und Entscheidungen zutreffend

    oder falsch seien. Im Anschluss daran wurden denAkteuren vor Ort Gelegenheit gegeben, zur gegen-

    wrtigen Situation und zu mglichen Mngeln in

    der Praxis Stellung zu nehmen, ebenso zu aus ihrer

    Sicht wnschenswerten gesetzlichen und prakti-

    schen nderungen.

    Zum Hintergrund der gegenwrtigen rechtlichen

    und tatschlichen Lage wurden mir Informationen

    vom Justizministerium, dem Obersten Gerichtshof,

    dem Hohen Magistratsrat (SCM) und von der Gene-

    ralstaatsanwaltschaft der Republik Moldau vermit-telt.

    1 Einleitung

    Die Republik Moldau ist mehrfach vom Europ-

    ischen Gerichtshof fr Menschenrechte in Stra-

    burg dafr gergt worden, ihre Verhaftungspraxis

    stehe nicht in Einklang mit der Europischen Men-

    schenrechtskonvention.

    Anlsslich der Ereignisse von April 2009 in Zusam-

    menhang mit den Wahlen in der Republik Moldau

    ist erhebliche Kritik auch innerhalb der Republik

    Moldau an insbesondere einer Reihe von Entschei-

    dungen von Untersuchungsrichtern laut gewor-

    den.

    Die Soros Stiftung Moldau hat im November

    2009 einen ausfhrlichen, offenen Bericht zur

    Lage der Straustiz in der Republik Moldau

    herausgegeben1.

    Die Kritiker fhren, teils kumulativ, eine Reihe von

    Grnden dafr an, warum es zu solchen Entschei-dungen gekommen sei und noch komme:

    Aus persnlichen oder politischen Erwgun-

    gen bestehe ein Widerwillen gegen die von

    den Untersuchungshaftanordnungen Betrof-

    fenen,

    das Einhalten der Verpflichtung zur sorgfltigen

    und nachvollziehbaren Begrndung der Ent-

    scheidungen entspreche nicht der Mentalitt

    der Untersuchungsrichter,

    bei den betreffenden Untersuchungsrichtern

    bestehe ein Widerwille, sich den gesetzlichen

    Vorgaben zur Entscheidungsbegrndung zu

    unterwerfen,

    die Herkunft der meisten Untersuchungsrichter

    aus dem Bereich der Staatsanwaltschaft oder

    Polizei wirke sich auch jetzt noch in ihren Ent-

    scheidungen aus,

    die gesetzlichen Bestimmungen der Republik

    Moldau seien nicht geeignet, Fehlleistungen zu

    verhindern.

    Die Soros-Stiftung Moldau und die Deutsche Stif-

    tung fr internationale rechtliche Zusammenarbeit

    (IRZ) haben sich erboten, nach Grnden fr die

    Problematik zu forschen und hierzu einen Bericht

    abzuliefern. Die nachfolgenden Ausfhrungen sind

    u.a. Ergebnis eines Informationsbesuches in der

    Republik Moldau im Juli 2010 mit Gesprchen mit

    dem Justizministerium, dem Obersten Gerichtshof,

    dem Hohen Magistratsrat, der Generalstaatsanwalt-

    schaft, sowie einer Reihe von Interviews mit Unter-

    suchungsrichtern, Staatsanwlten, Polizeibeamten

    und Anwlten in der Republik Moldau, darber hin-

    aus der Einsichtnahme in verschiedene Originalak-

    ten.

    1 http://www.soros.org/initiatives/brussels/articles_publications/publications/report-criminal-justice-20091130

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    2 Rechtshistorische Entwicklungin der Republik Moldau

    Jede Entwicklung hat historische Hintergrnde. Es

    bietet sich an, die Untersuchung mit der Frage zu

    beginnen, ob Unterschiede in der Handhabung derEuropischen Menschenrechtskonvention bei den

    unterschiedlichen Rechtsordnungen auch etwas

    damit zu tun haben, welche historischen Entwick-

    lungen die jeweiligen Rechtssystem ge- und ber-

    nommen haben und ob die jeweiligen Anwender

    in Ausbildung und innerer Einstellung mit der Ent-

    wicklung Schritt gehalten haben.

    Die heutige Republik Moldau hat seit der Losl-

    sung vom osmanischen Reich im Jahre 1812 eine

    wechselvolle Geschichte hinter sich. Sicherlich diestrksten Spuren hinterlassen hat die Zeit der Zu-

    gehrigkeit zur Sowjetunion von 1940-1991. Eine

    Gesellschaftsordnung, die der Justiz nicht eine

    unabhngige Rolle zubilligt und insbesondere der

    Staatsanwaltschaft die Pflicht auferlegt, eine Ge-

    setzmigkeitskontrolle im Sinne der Interessen des

    Volkes, in der Praxis dann aber eben doch unter der

    gide der Partei, vorzunehmen, hatte zwangslufig

    eine andere Vorstellung von den Aufgaben der Ju-

    stiz als Rechtsordnungen Mitteleuropas, die schonseit 1811 in Frankreich und 1849 in Preuen dem

    Staatsanwalt die Aufgabe zuweisen, nicht nur den

    mutmalich Schuldigen zu verfolgen, sondern auch

    den Unschuldigen vor Verfolgung zu bewahren. In

    noch grerem Mae gilt dies fr den Richter, der

    seine Arb...

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