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Der Zusammenhang zwischen Erwerbsttigkeit und Fertilitt: Ein berblick ber den Forschungsstand Jette Schrder

Jette Schrder

Der Zusammenhang zwischen Erwerbsttigkeit und Fertilitt: Ein berblick ber den Forschungsstand

Arbeitspapiere Working Papers

Nr. 89, 2005

Mannheimer Zentrum fr Europische Sozialforschung

Schrder, Jette: Der Zusammenhang zwischen Erwerbsttigkeit und Fertilitt : Ein berblick

ber den Forschungsstand / Jette Schrder. Mannheim : 2005

(Arbeitspapiere - Mannheimer Zentrum fr Europische Sozialforschung ; 89)

ISSN 1437-8574

Nicht im Buchhandel erhltlich Schutzgebhr: 2,60 Bezug: Mannheimer Zentrum fr Europische Sozialforschung (MZES), Postfach, 68131 Mannheim WWW: http://www.mzes.uni-mannheim.de

Redaktionelle Notiz:

Jette Schrder ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mannheimer Zentrum fr Europische Sozialforschung. Ihr Interesse gilt der Familien- und Arbeitsmarktforschung. Sie arbeitet derzeit im Projekt Die Pluralisierung partnerschaftlicher Lebensformen: Erwerbsttigkeit und Fertilitt.

Zusammenfassung

Empirische Befunde zeigen immer wieder, dass Frauen, die erwerbsttig sind, weniger Kinder haben

als Frauen, die nicht erwerbsttig sind, bzw. dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern ge-

ringer ist als die von Frauen ohne Kinder. Die vorliegende Arbeit stellt systematisch den aktuellen

Forschungsstand zur Frage dar, inwieweit ein kausaler Zusammenhang zwischen Erwerbsttigkeit

und Fertilitt besteht und in welche Richtung die Kausalitt verluft. Dabei finden Analysen sowohl auf

der Makro- als auf der Mikroebene Bercksichtigung.

Vorliegende Makrostudien knnen die Frage nach dem kausalen Zusammenhang zwischen Erwerbs-

ttigkeit und Fertilitt nicht klren. Einerseits kommen die verschiedenen Studien zu uneinheitlichen

Ergebnissen hinsichtlich der Existenz und Richtung von kausalen Effekten. Andererseits sind die Ana-

lysen ohnehin mit fundamentalen Problemen behaftet: Es werden keine Drittfaktoren kontrolliert und

es besteht die Gefahr eines kologischen Fehlschlusses.

Lngsschnittsanalysen auf der Mikroebene zeigen, dass Frauen, die gegenwrtig erwerbsttig sind,

eine niedrigere bergangsrate zu einem (weiteren) Kind haben als Frauen, die nicht erwerbsttig sind.

Jedoch kann daraus nicht der Schluss gezogen werden, dass die Erwerbsttigkeit die Fertilitt kausal

beeinflusst. Ursache hierfr sind zwei grundlegende Probleme dieser Analysen: Zum einen lsst sich

nicht ausschlieen, dass es sich bei dem beobachteten Zusammenhang um einen kausalen Einfluss

der antizipierten Fertilitt auf die Erwerbsbeteiligung handelt. Zum anderen erscheint es recht wahr-

scheinlich, dass unbeobachtete Faktoren sowohl die Fertilitt als auch die Erwerbsttigkeit beeinflus-

sen, so dass es sich beim beobachten Zusammenhang lediglich um eine Scheinkorrelation handeln

knnte.

Auch bei der Analyse des Effekts der Fertilitt auf die Erwerbsttigkeit muss davon ausgegangen

werden, dass unbeobachtete Heterogenitt ein Problem darstellt. Dennoch kann auf Grundlage der

vorliegenden Lngsschnittsanalysen der Schluss gezogen werden, dass die Geburt eines Kindes ei-

nen negativen kausalen Effekt auf die Erwerbsbeteiligung hat, der ber die ersten Wochen oder Mo-

nate nach der Geburt hinausgeht. Problematisch bleibt jedoch die Quantifizierung des Ausmaes des

kausalen Einflusses. Arbeiten, welche die Determinanten der Dauer der Erwerbsunterbrechung nach

der Geburt eines Kindes untersuchen, liefern einen Hinweis darauf, dass der Kausaleffekt eines Kin-

des auf die Erwerbsbeteiligung nicht fr alle Frauen gleich ist, sondern von den jeweiligen Opportuni-

tten und Restriktionen sowie Einstellungen der Frau abhngt.

Inhalt

1 Einleitung.......................................................................................................................................... 1

2 Deskriptive Befunde zu Erwerbsttigkeit und Fertilitt..................................................................... 2

2.1 Entwicklung der Fertilitt ............................................................................................................ 2

2.2 Entwicklung der Erwerbsbeteiligung .......................................................................................... 3

2.3 Zusammenhang zwischen Erwerbsquote und Fertilittsrate ..................................................... 4

2.4 Erwerbsttigkeit nach der Kinderzahl......................................................................................... 7

3 Der Zusammenhang von Erwerbsttigkeit und Fertilitt aus theoretischer Perspektive ................. 9

4 Kausalittsanalysen auf der Makroebene...................................................................................... 11

5 Kausalittsanalysen auf der Mikroebene ....................................................................................... 13

6 Einfluss der Erwerbsttigkeit auf die Fertilitt ................................................................................ 15

6.1 Ergebnisse im Detail................................................................................................................. 17

6.2 Zusammenfassung der Ergebnisse.......................................................................................... 26

6.3 Ist die Frage nach dem kausalen Einfluss der Erwerbsttigkeit auf die Fertilitt geklrt?....... 28

7 Einfluss der Fertilitt auf die Erwerbsbeteiligung ........................................................................... 33

7.1 Einfache Regressionsanalysen ................................................................................................ 33

7.2 Analysen mit Instrumentalvariablen ......................................................................................... 36

7.3 Lngsschnittsanalysen ............................................................................................................. 40

7.3.1 Deskriptive Ergebnisse .................................................................................................... 40

7.3.2 Der Effekt von Kindern auf Aus- und Eintrittsraten in die Erwerbsttigkeit ..................... 46

7.3.3 Determinanten der Lnge der Erwerbsunterbrechung nach der Geburt ......................... 48

7.3.4 Lngsschnittsanalysen unter Bercksichtigung des Endogenittsproblems................... 55

7.4 Ist die Frage nach dem kausalen Einfluss der Fertilitt auf die Erwerbsttigkeit geklrt?....... 57

8 Fazit................................................................................................................................................ 60

Literaturverzeichnis ............................................................................................................................... 63

Arbei tspapiere - Mannheimer Zentrum fr Europische Sozia l forschung 89

- 1 -

1 Einleitung1

Empirische Befunde zeigen immer wieder, dass Frauen, die erwerbsttig sind, weniger Kinder haben

als Frauen, die nicht erwerbsttig sind, bzw. dass die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern ge-

ringer ist als die von Frauen ohne Kinder. Welche Mechanismen fhren zu diesem Zusammenhang?

Einerseits ist eine vernderte weibliche Erwerbsbeteiligung der Kern vieler Erklrungsanstze zur

Vernderung der Fertilitt (Brewster/Rindfuss 2000: 271) es wird also angenommen, dass die Er-werbsttigkeit von Frauen ihre Fertilitt beeinflusst. Umgekehrt werden Kinder hufig als einer der

Hauptgrnde fr die geringe Erwerbsbeteiligung von Frauen gesehen, d. h. der Fertilitt wird ein kau-

saler Effekt im Hinblick auf die Erwerbsbeteiligung zugesprochen. Ist es nun die Erwerbsttigkeit, die

die Fertilitt beeinflusst, oder beeinflusst umgekehrt die Fertilitt die Erwerbsbeteiligung? Neu ist diese

Forschungsfrage nicht, vielmehr fragten schon Anfang der siebziger Jahre Bumpass und Westoff

(1970: 95): Do women limit their fertility in order to have time to pursue their non-family-oriented inter-

ests, or do women work if their fertility permits them to do so? Angesichts des generellen Befundes,

dass die Fertilitt in allen Industrielndern in den letzen Jahren gesunken ist, whrend die Erwerbsbe-

teiligung von Frauen zugenommen hat, hat die Frage jedoch seit Bumpass und Westoffs Arbeit nicht an Bedeutung verloren. Whrend damals in den USA noch ber die Mglichkeit nachgedacht wurde,

das Bevlkerungswachstum zu reduzieren, indem man die Beschftigungsmglichkeiten fr Frauen

erhht (Stolzenberg/Waite 1977: 780), gilt das politische Interesse heute eher der Frage, wie die Er-

werbsttigkeit von Frauen gefrdert, dabei jedoch ein weiteres Absinken der Fertilitt verhindert wer-

den kann. Doch bevor ber Manahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf

nachgedacht wird, scheint es geboten, die Frage zu klren, inwieweit ein kausaler Zusammenhang

zwischen Erwerbsbeteiligung und Fertilitt besteht und in welche Richtung die Kausalitt zwischen

den beiden Gren verluft. Im Folgenden wird der aktuelle Forschungsstand zu dieser Fragestellung

aufgearbeitet.

Kapitel zwei gibt zunchst einen berblick ber die Entwicklung der Fertilittsraten und Erwerbsquo-ten von Frauen in den westlichen Industrielndern. Auerdem werden deskriptive Befunde zum Zu-

sammenhang von Erwerbsttigkeit und Fertilitt prsentie

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