Skriptum Sitzungen, Die Bewegen

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Text of Skriptum Sitzungen, Die Bewegen

  • 1. Praktische Gewerkschaftsarbeit PGA 1 Evelyn Blau Sitzungen, die bewegen Vom Gremium zum Arbeitsteam INHALT Inhaltliche Koordination: Rahmen, Ziele und Zielgruppen 3 Peter Autengruber/Michael Vlastos Die vier Sitzungsgrundtypen 5 Vielfltige Funktionen von Sitzungen 8 Vor- und Nachteile bestimmter Sitzungstypen 9 Sitzungsfragen sind politische Fragen 11 Fhrung prgt Bewusstsein 13 Exkurs: Die Entstehung von Bewusstsein 13 Formelle und informelle Regeln 16 Sitzungen, neue Glaubwrdigkeit und Zivilcourage 18 Das Ziel macht die Methode 20 Die vier Dimensionen von Sitzungszielen 21 Die Sitzung als Etappe im Gesamtprozess 23 Fr welche Sitzungsziele passen welche Sitzungstypen? 26 Sitzungsvorbereitung 26 Fragen fr die Planung einer Sitzung 26 Das Sitzungsdesign als Steuerungskonzept 27 Vorbereitung der vier Sitzungstypen unter dem Gesichtspunkt, Mitstreiter/innen zu gewinnen 29 Stand: Oktober 2008 Tipps zur Frderung von Zivilcourage und Beteiligung in Sitzungen 31 Quellen/Literatur 33 Fernlehrgang 35 Dieses Skriptum ist fr die Verwendung im Rahmen der Bildungsarbeit des sterreichischen Gewerkschaftsbundes, der Gewerkschaften und der Kammern fr Arbeiter und Angestellte bestimmt.
  • 2. Anmerkungen Wie soll mit diesem Skriptum gearbeitet werden? Anmerkungen: Die linke bzw. rechte Spalte jeder Seite dient zur Eintra- gung persnlicher Anmerkungen zum Lernstoff. Diese eigenen Notizen sollen, gemeinsam mit den bereits vorge- gebenen, dem Verstndnis und der Wiederholung dienen. Mag. Evelyn Blau Personal- und Organisationsentwicklerin, Coach web: www.npocoaching.at 31 Jahre hauptberuflich in der Gewerkschaftsbewegung ttig, zuletzt bis Frhjahr 2008 als Leiterin der GB-Personalentwicklung. Lernziele Nachdem Sie dieses Skriptum durchgearbeitet haben, sollen Sie die unterschiedlichen Funktionen und die sinnvolle Vielfalt von Sitzungsformen verstehen; den Zusammenhang von politischen Zielen und Sitzungsmethoden kennen; Wege wissen, wie Sitzungsteilnehmer/innen zielorientiert beteiligt und aktiviert werden knnen; Instrumente zur Frderung von Widerspruch und Zivilcourage in Sit- zungen zur Hand haben; Sitzungen entsprechend ihren Zielen zu planen und zu steuern verm- gen. Viel Erfolg beim Lernen! 2
  • 3. Rahmen, Ziele Anmerkungen und Zielgruppen Sitzungen sind ein Herzstck politischer Zusammenarbeit und Kommu- Vorbemerkung nikation. Je nachdem wie sie verlaufen, gelingt es Teams und Organisa- tionen besser oder schlechter ihre Ziele und Strategien zu entwickeln, Entscheidungen zu treffen, ihr Handeln zu planen und zu reflektieren und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zu gestalten. Gleichzeitig ist die Unzufriedenheit sowohl von Teilnehmer/innen als auch von Veranstalter/innen von Sitzungen in der Gewerkschaftsbewegung hufig gro: Sitzungen werden als sinnlos erlebt, als langweilig, als Zeit- vernichtungsmaschine, als Drberfahren, ... Und hufig ist die Klage von Betriebsratsvorsitzenden oder Gewerkschaftssekretren/innen zu h- ren, dass die Arbeit nur an ihnen allein hngen bleibt und niemand Verant- wortung und Aufgaben bernehmen will. Abhilfe wird bei Moderationstechniken und Moderator/innen gesucht oder aufwndigen Inszenierungen. Doch trotz schner Plakate, toller Po- werpoint-Prsentationen und vieler bunter Krtchen bleibt oft ein schaler Geschmack zurck, ob hier nicht anstelle lebendiger und effizienter poli- tischer Arbeit ein Stck Beschftigungstherapie erlebt wurde. Die schwere Krise rund um die BAWAG und den GB hat auf das Thema Sitzungskultur im GB zustzlich ein grelles Schlaglicht geworfen: Spitzen- gremien, die zur Farce degradiert wurden. Abnicken statt Verantwortung. Schweigen statt Zivilcourage. Der GB-Reformkongress hat im Jnner 2007 daraus Konsequenzen ge- zogen und eine grundstzlich vernderte, lebendige, demokratische Sit- zungskultur beschlossen. Wir haben den Auftrag, in allen Gremien alles zu hinterfragen heit es in den neuen Leitlinien des GB. Und dieses Credo erfordert nicht nur einfach neue Sitzungsmethoden. Es erfordert vor allem eine andere innere Haltung der Beteiligten und die Frderung und Entwicklung von Zivilcourage. Natrlich sind Moderationstechniken unverzichtbarer Bestandteil einer de- mokratischen und beteiligungsorientierten Sitzungskultur. Doch vor ihrem sinnvollen Einsatz stehen immer die politischen Fragen: Welche Ziele werden in und mit einer Sitzung verfolgt? Wie transparent sind diese Ziele? Welche Form der Beteiligung und wessen Beteiligung ist von wem ge- wnscht? Was soll nach der Sitzung wie von wem umgesetzt werden? Diese Fragen und wie diese Ziele durch entsprechende Planung und Steue- rung realisiert werden knnen, stehen im Zentrum dieses Skriptums. Zielgruppen Diese Briefschule richtet sich an folgende Zielgruppen: Adressaten Betriebsratsvorsitzende und Betriebsratsmitglieder, die fr die Vorberei- tung und Durchfhrungen von Sitzungen aller Art verantwortlich sind. Neben den formellen Spielregeln (ArbVG, Betriebsrats-Geschftsord- nung) gibt es groen Gestaltungsraum fr informelle Spielregeln und Werkzeuge zur Planung und Steuerung von Sitzungen, die fr die Qua- litt der Zusammenarbeit des Betriebsratsteams und die Ergebnisse ihrer Sitzungen mit entscheidend sind. 3
  • 4. Anmerkungen Funktionre/innen und Gewerkschaftssekretre/innen in ihrer Rolle als Verantwortliche und Gestalter/innen fr Gremien und Sitzungen aller Art in der Gewerkschaftsbewegung. Die Statuten, welche die demokratischen Spielregeln des Vereins Gewerk- schaft absichern sollen, lassen ebenfalls ein groes Feld fr Sitzungsge- staltung offen. Die Art und Weise, wie Sitzungen verlaufen, ist primr eine politische Entscheidung und erst in der Folge eine ber den adquaten Einsatz von Techniken und Methoden. Trainer/innen und Bildungssekretre/innen, die im Feld demokratischer Sitzungsgestaltung ttig sein wollen. Das Skriptum basiert auf den Erfahrungen der GB-Personalentwicklung mit den Seminaren Vom Gremium zum Arbeitsteam bzw. Sitzungen, die bewegen, die von Werner Drizhal und Evelyn Blau konzipiert und mit Richard Ondraschek und Brigitte Drizhal unter dem Gesichtspunkt Frde- rung von Zivilcourage weiterentwickelt wurden. 4
  • 5. Die vier Grundtypen von Sitzungen Anmerkungen Unsere wichtigste Arbeitshypothese zum Thema Sitzungskultur in der Ge- werkschaftsbewegung ist: Mitstreiter/innen und Aktivisten/innen werden meistens dann gewonnen, wenn sie vorher auch an der Entscheidungs- findung beteiligt sind. Unter dem Gesichtspunkt, wie es mit der Beteiligung der Mitglieder eines Gremiums am Sitzungsgeschehen aussieht, unterscheiden wir vier Grund- typen von Sitzungen. Sitzungstyp 1 Der/Die Planer/innen legt bereits vor der Sitzung das Ergebnis fest. Es gibt Kein Entscheidungs- keinerlei (echten) Einfluss und Entscheidungsspielraum fr die anderen spielraum fr Sitzungsteilnehmer/innen. Teilnehmer/innen Planer/innen Sitzungsteilnehmer/innen x Ergebnis Sitzungstyp 2 Der/Die Planer/innen legt Themen und Entscheidungsvarianten vor der Teilnehmer/innen Sitzung fest. Die Sitzungsteilnehmer/innen knnen sich an der Diskussion whlen aus Ent- beteiligen und zwischen diesen Varianten entscheiden. scheidungsvar