Zur Ursache der Dilatation der Skeletmuskel- und Coronargefäße nach intravenöser Injektion von Adrenalin und Arterenol

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    11-Aug-2016

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  • J. DORNER: Dilatation der Skeletmuskel- und Coronargef~Be. 197

    makologische Wirkungsspektrum verschiedener Antihistaminica ist keineswegs ein- heitlich - - die histaminantagonistisehe Wirkungsqualit~t steht oft zu Unreeht zu sehr im Vordergrund der Betrachtung. Man muB daran zweifeln, dab die histamin- antagonistisehe Wirkung iiberhaupt eine Beziehung zur antianaphylaktischen (anti- Mlergischen) Wirkung hat. Die Forderung FRIES~LS, die Brauchbarkeit yon anti- allergischen Substanzen experimentell an allergischen Erscheinungen zu priifen, kann deshalb nur nachdriick]ieh betont werden.

    J. D6RNER (Gie~en/Bad Nauheim): Zur Ursaehe der Dilatation der Skeletmuskel- und Coronarge~i0e naeh intravenSser Injektion yon Adrenalin und Arterenol.

    Zwei Gef~flgebiete sind es vor ahem, die naeh intravenSser Injektion yon Adrenalin und Arterenol mit einer aktiven Dilatation zu reagieren vermSgen: die Skeletmuskel- und die CoronargefaBe. ~ber die Ursachen ihres abweiehenden Verhaltens sind die versehiedensten Theorien auf- gestellt worden, auf die hier nicht n~her eingegangen werden karm. Versuehe mit intravenSser und lokaler intraartieller Injektion yon Adre- nalin und Arterenol, die wir zunKehst aus anderen Griinden durchfiihrten, liel3en sich hinsichtlieh der Deutung der d~bei erhaltenen Ergebnisse mit den bisherigen Vorstellungen yon der Ursaehe der zur Diskussion stehen- den Dilatation nieht ohne weiteres in Einklang bringen. Wir versuehten daher, dureh Injektion yon Adrenalin und Arterenol in die verschieden- sten arteriellen Kreislaufabschnitte den Entstehungsort und die Ursache der prim~ren Dilatation der Skeletmuskel. und Coronargefal~e abzu- grenzen.

    Methodisch gingen wir so vor, dab wir an 53 tIunden die Durchblutung der HinterextremitKten mit der RExNschen Thermostromuhr registrierten. Die Haut~ste waren in einem Tefl der Versuche unterbunden. Daneben mal]en wir gleiehzeitig auch die Durchblutung in den wichtigsten iibrigen Gef~13gebieten. An 10 Hunden wurde die Coronardurchblutung an der A. eoron, dextra registriert. Adrenalin und Arterenol wurden abwech- selnd in einer Dosierung yon 0,01--1,0F/kg intraven6s und an ver- schiedenen Stellen des arteriellen Systems injiziert. Die Injektionsge- schwindigkeit betrug ~ rain.

    Die Ergebnisse lassen sich folgendermal~en zusammenfassen: 1. Bei intravenSser Injektion yon Adrenalin und Arterenol kommt

    es in der Skeletmuskulatur der Hinterextremit~t in den meisten F~llen zu einer prim~ren Mehrdurchblutung als Ausdruck einer aktiven nicht vom Blutdruckverhalten abh~ngigen GefaBdflatation. Diese Mehrdurch- blutung tritt ebenfalls auf, wenn beide Substanzen mittels eines Kathe- ters in die Aorta ase., den Arcus Aortae, die Aorta thoraciea dese. und den oberen Abschnitt der Aorta abd. injiziert werden. Die Mehrdurch-

  • 198 J. I)ORNER : Di latat ion der Skeletmuskel- und Coronargefai3e.

    blutung fehlt dagegen und es resultiert infolgedessen eine primiire Durch- blutungsabnahme in der Hinterextremitatenmuskulatur bei' Injektion yon Adrenalin und Arterenol in den mittleren und unteren Abschnitt der Aorta abd. und direkt in die A. fern. Bei Injektion in die A. anonyma, A. carot, com., A. subcl, sin., A. lienalis und A. mesent, sup. erfolgt in der Peripherie keine oder hSchstens eine blutdruekabhiingige Durch- blutungsandorung. Die Mehrdurchblutung setzt bei intraven6ser Injek- tion im I)urchschnitt 5--7 sec friiher ein als die primate Durchblutungs- abnahme in den HinterextremitiitengefaBen und beginnt bei Injektioi~ in die Aorta oft innerhalb einiger Sekunden. Der Beginn zeigt keine Abhangiglreit yon der I)osierung.

    2. In den Coronararterien erfolgt nach intraven6ser Injektion yon Adrenalin und Arterenol ebenfaUs eine Mehrdurchblutung, die zu einem Tell blutdruckabhangig, zum Tell aber als Folge einer aktiven GefiiB- dilatation anzusehen ist. I)iese aktive Dilatation der Coronararterien ist auch zu erhalten, wenn beide Substanzen mittels eines Katheters in die Aorta asc. peripherwarts der Abgange der Coronararterien injiziert

    werden. Sie wird schwacher, je welter man sich mit der InjektionssteUe yon den Coronarabgiingen entfernt und fehit bei Injektion in den ab- steigenden Tell des Aortenbogens sowie bei Injektion in die A. anonyma und A. subcl, sin. Der Beginn der Mehrdurchb]utung erfolgt im I)urch- schnitt zur gleichen Zeit wie in der Skeletmuskulatur.

    I)iese Befunde zeigen zuniichst, dab die Dilatation nicht einer lokalen Adrenalin- und Arterenolwirkung auf die Gefgmuskulatur zuzuschrei- ben ist, sondern auf nervalem Wege ausgelSst sein muB, wie dies auch aus den Arbeiten verschiedener anderer Autoren in eindeutiger Weise hervorgeht. Weiterhin konnten wir mit unseren Ergebnissen eine zen- trale, reflektorische oder ganglionare Wirkung des Adrenalins und Arte- renols als Ursache der GefaBdilatation ausschalten. Per exclusionem gelangten wir zu dem SchluB, dab sich in der Aorta abd. oder deren un- mittelbarer Niihe in der H6he der Abgiinge yon A. coeliaca undA. mesent. sup. adrenalin- und arterenolempfindliche Chemoreeeptoren befinden, die durch beide Substanzen in Erregung versetzt werden und deren Reizung eine Dilatation der SkeletmuskelgefaBe bewirkt. Es handelt sich dabei um dasselbe Aortensegment, in dem yon HEYMANS Presso- receptoren festgestellt worden sind. Ebens0 muB geschlossen werden, dab in der Aorta asc: oder deren Nahe, vielleicht im Ganglion aorticum supracardiale, sich adrenalin- und arterenolempfindiiche Chemorecep- toren befinden, deren Reizung zu einer Weiterstellung der Coronar- arterien fiihrt. ])as Paraganglion aorticum supracardiale ist als chemo- sensibles Organ bekannt und wird yon der Aorta aus gegeniiber dem Abgang der A. anonyma mit einem eigenen BlutgefB versorgt.

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