Claudia Virgini Vitari | Le città invisibili

  • View
    216

  • Download
    4

Embed Size (px)

DESCRIPTION

Catalogue, 40 pages

Text of Claudia Virgini Vitari | Le città invisibili

  • Berlin Art ProjectsBerl in 2012

    Le Citt Invisibil iClaudia Virginia Vitari

  • 01

    Elisa Teodoro: Die unsichtbaren Stdte Claudia Virginia Vitari ................................................................................................... 02

    MariakCristina Strati: Wenn die Seele an die Glastren klopft. Der Dialog mit der Psyche im Werk von Claudia Virginia Vitari ...................................................................................................... 03

    Claudia Virginia Vitari: Statement ................................................................................................................................................. 04

    Werke ............................................................................................................................................................................................ 05

    Le citt invisibili: Die Masken, Installation, 2010/ 2011 ................................................................................................................ 06

    Le citt invisibili: Nikosia, Installation, 2008/ 2009 ....................................................................................................................... 20

    Entstehungsprozess ..................................................................................................................................................................... 30

    Martn Correa-Urquiza: Radio Nikosia Die Bewohnbarkeit der Grenze .................................................................................. 32

    Mrcio Mariath Belloc und Krol Veiga Cabral: Die unsichtbaren Stdte ...................................................................................... 35 Biografie ........................................................................................................................................................................................ 36

    bersetzung der Bildunterschriften ............................................................................................................................................. 37

    Impressum .................................................................................................................................................................................... 38

    Inhalt

  • 02 Making OfElisa Teodoro

    DIE UNSICHTBAREN STDTE CLAUDIA VIRGINIA VITARI

    Claudia Virginia Vitari stellt durch den Dialog mit dem Publikum das Verhltnis zwischen dem Menschen und der Gesellschaft in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Sie sich als Frsprecherin eines persnlichen Analyseverfahrens des Individuums und der menschlichen Seele vor.

    Das Projekt dieser jungen Knstlerin beginnt im Jahre 2007 mit einer wissenschaftlichen Untersuchung und Doku-mentation, die auf einer Studie ber totale Institutionen und insbesondere auf dem Verhltnis zwischen Individuum und in-stitutionellen Einrichtungen basiert.

    Ab diesem Zeitpunkt beginnt Claudia Virginia Vitari sich mit den Lebensgeschichten der Personen, die in Einrichtungen wie Gefngnissen, psychiatrischen Anstalten und Kliniken zur Behandlung psychischer Strungen leben, zu beschftigen.

    Die Knstlerin trifft die Protagonisten dieses Projektes, lernt sie kennen und interagiert mit ihnen auf eine natrliche und spontane Art und Weise. Sie dokumentiert dies anhand niedergeschriebener Texte, Gedichte und Gedanken der Pro-tagonisten, whrend sie gleichzeitig Entwrfe, Portrts und Zeichnungen realisiert, die ihren persnlichen, emotionalen Erfahrungen freien Raum lassen. So entsteht eine sorgfltige wissenschaftliche Analyse, die sich eines innerlichen und emotionalen bergangs bedient, dessen Weg von Licht und Transparenz gesumt wird und sich schlielich in Form von leuchtenden Modulen oder light bo-xes aus Harz, Glas und Eisen manifestiert. Diese Materialien werden mit den Zeichnungen, den gesammelten Texten der Erzhlungen und den Zitaten aus wissenschaftlichen und li-terarischen Werken durch einen Siebdruck zusammengefgt. Unter anderem verwendet Vitari Texte von Foucault, Goffman, Kafka und Gnter Grass, die den Zuschauer durch Fragmente innerlichen Lebens und erzhlter sowie gelebter Geschichten mittels einer intimen Erfahrung fhren.

    Die Transparenz des Harzes und des Glases ermg-licht es, die Seele der Protagonisten zu entdecken; wie durch eine Linse untersucht die Knstlerin das Seelenleben,

    kristallisiert Bilder und Gedanken heraus und schafft da-durch eine kollektive Phantasie. Die Eisenstruktur der light boxes, khl und steif, erinnert an die totalen Institutionen und widerspricht dem flssigen und klaren Harz, das das wahre Innerste der Menschen frei von einer klinischen Diagnose ent-hllt Der erste Teil dieses Werkes konkretisierte sich bereits im Jahre 2008 mit dem Projekt Percorsogalera und im Jahre 2009 mit Nikosia, das in Turin anlsslich der Gruppenausstel-lung Do not cross the Line vorgestellt wurde.

    Die Ausstellung Die unsichtbaren Stdte, die zwischen Barcelona und Turin verwirklicht wurde, erzhlt persnliche Lebensgeschichten von Personen mit psychischen Strungen, die auerhalb der Institutionen leben. Dabei wird eine ande-re Sichtweise auf Institutionen vorgeschlagen. Sie dient dem Zweck, die Individualitt der Menschen zu zeigen und eine po-etische Spielart der Kommunikation zu ermglichen.

    Das Ziel dieses Projektes ist, den Zuschauer dazu zu ver-leiten, sich selbst in den Protagonisten zu erkennen und sich mit den Gefhlen und Erlebnissen jedes Einzelnen ausein-anderzusetzen. Eine weitere Ebene ist die Mglichkeit, hn-lichkeiten festzustellen. Die Knstlerin hebt die Unterschiede zwischen den Individuen hervor und ldt damit zum Nachden-ken und zur Selbstreflexion ein.

    Claudia Virginia Vitari schlgt einen ganz neuen Blickwin-kel auf die Psychiatrie vor. Sie nutzt hierzu aktuelle und wahre Lebensgeschichten und stellt damit die Begegnung zwischen Kunst und Wissenschaft auf eine neue Ebene.

    Die Kunstinstallationen ermglichen dem Zuschauer, mit den portrtierten Personen auf eine vertraute und direkte Weise ins Gesprch zu kommen und dabei die Diagnose einer psychischen Krankheit zu vergessen. Die Knstlerin betont, dass die Psyche und die menschliche Erfahrung ber die fest-gelegten Grenzen der scheinbaren Normalitt und der ko-difizierten geistigen Barrieren hinausgehen und schafft eine alternative Kommunikationsform.

  • Making OfMaria Crist ina Strati

    Wenn die Seele an Glastren klopft. Der Dialog mit der Psyche im Werk von Claudia Virginia Vitari

    Seelen, die an Glastren klopfen, die aus der Tiefe des Unbewussten auftauchen und zum Licht drngen, um die Klischees und gesellschaftlichen Konditionierungen, in denen sie gefangen sind, zu berwinden. Dies ist das erste Bild, das einem in den Sinn kommt, um die Werke von Claudia Virginia Vitari zu interpretieren, die mit Zrtlichkeit und groer Sorgfalt das Thema psychischen Erkrankungen untersucht.

    Wohlbekannt ist, wie der berhmte Carl Gustav Jung die ersten Gedanken zur Tiefenpsychologie entwickelte, ausgehend von der Analyse schizophrener Patienten. Durch die psycho-analytische Beobachtung ihrer Wahnvorstellungen kam Jung zur Ausformulierung einiger seiner Grundtheorien; vorrangig und damals revolutionr, der Begriff der Seele. Diese Idee von der Seele, ausgehend vom Neoplatonismus, weiterentwickelt in der Renaissance und in den spten Theorien des Augustin, wurde im Laufe der Zeit ein zentrales Thema fr viele Forscher der menschlichen Psyche, wie Marie Louise von Franz, Claris-sa Pinkola Ests um nur einige Persnlichkeiten zu nennen und nicht zuletzt den vor kurzem verstorbenen James Hill-man.

    Im Gegensatz zu seinen Vorgngern personalisiert Jung erstmals den Begriff der Seele: Die Seele ist jetzt Psyche, tief und wunderschn, welche die geistigen und imaginren Sei-ten der Menschen bercksichtigt, wie nie zuvor im Bereich der Psychoanalyse.

    Man wrde sagen, dass diese Auffassung der Seele die Hauptrolle in Claudia Virginia Vitaris Projekt spielt. In diesen Werken, die aus einer fachlichen Beschftigung mit dem Thema und einer intensiven Auseinansetzung vor Ort entstanden sind, wird das Thema der psychischen Erkrankung aus knstlerisch-akademischer bzw. technischer Perspektive und zugleich auf eine sehr direkte und menschliche Weise untersucht. Schwei-fend zwischen Zitaten von Foucault bis Goffman, sind die aus-gestellten Werke gleichzeitig schn im Aussehen und tief in ihren Bedeutungen. Es gelingt ihnen, viele unterschiedliche

    Facetten durch sthetisch angenehme, doch nie ausschlielich sthetisierende Formen zu bermitteln. Genau deshalb stehen sie in perfekter bereinstimmung mit der Natur der Psyche.

    Vitaris Werk ist auch deshalb so aktuell, weil Phnome-ne wie Depression, Panikattacken, Hypochondrie und andere Strungen heutzutage stark verbreitet sind. Beinahe scheint es, als wrde durch diese Strungen die wahre Psyche einen Anspruch auf ein Zusammenleben mit uns und in unserem gesellschaftlichen Alltag erheben. Sie verweigert es, sich zu annullieren und sich passiv an von uns angenommene Sozial-strukturen, leblos wie tote und obsolete Metaphern, anzuglei-chen.

    In diesem Sinn untersucht Vitari in ihrem Werk die hauch-dnne und labile Grenze zwischen psychischer Krankheit und Gesundheit, zwischen sozialer Maske und Seele. Sie lsst die Seele zu Wort kommen. Vitari schafft einen vielschichtigen Kosmos voller Reflexionen und Zusammenhnge, Gesichter und Blicke. Eine Welt, die weit ber die engen Grenzen der to-talen Institutionen hinaus viel zu sagen und zu bezeugen hat.

    Jedes Werk ist ein kleiner offener Riss, ein Durchgang, eine Brcke oder eine Vision, die Persnlichkeit eines jeden Menschen hervorhebt, seinen individuellen, tiefen seelischen Baustein, jenseits jeder festgesetzten Form und Definition.

    Die Gesichter