Click here to load reader

Die Burg – ein Ort der Freimaurer

  • View
    229

  • Download
    0

Embed Size (px)

Text of Die Burg – ein Ort der Freimaurer

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    1/21

    1

    Die Burg ein Ort der Freimaurer?Verschwrung, Mythos oder Hofkamarilla der politischen Macht

    Einleitung

    Die jdische Kultusgemeinde1 der Republik Tschechien beklagte sich schon mehrmals seit der Samte-nen Revolution von 1989 in der ffentlichkeit darber, dass die Demokratisierung der tschechischenGesellschaft die Schleusen fr Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus unter dem Deck-mantel der Meinungs- und Pressefreiheit weit geffnet hat2. Nach der politischen Wende entstandenzahlreiche Verlage, die regelmig rechtsradikale Zeitschriften wie die Politika, Republiku oder Spiglpublizieren. In diesen Zeitschriften wurde nach Meinung der Prager Kultusgemeinde eine antisemiti-sche Kampagne gegen Juden gestartet. So schrieb etwa der Spigl ber angebliche jdisch-freimaurerische Finanzverschwrungen in Tschechien. Diese verbale Form der antisemitischen Ag-gressivitt lehnt sich sehr stark an die Argumentationsmuster an, wie sie in der Tschechoslowakeiauch schon in der ersten Hlfte des 20. Jahrhunderts gebraucht wurden. Die oben angefhrten Ver-balradikalismen gegen Juden und Freimaurer scheinen kein modernes Phnomen der postkommunisti-schen Gesellschaft der Republik Tschechien zu sein, das die Unzufriedenheit und Frustration von Mit-gliedern sozialer und politischer Randgruppe reflektiert, sondern die Fortsetzung einer geistigen Tra-

    dition, die eng mit der Geschichte der bhmischen Lnder verbunden ist.

    Der Wirkungskreis und das politische Umfeld tschechischer Freimaurer vor dem Ersten Weltkrieg ltsich nur sehr lckenhaft rekonstruieren, weil die Mehrzahl von ihnen in Logen auerhalb von Bhmenund Mhren in reichsdeutschen oder in Wiener Grenzlogen wie der Humanitasvertreten war. Nur derkleinere Teil gehrte den in Bhmen ansssigen deutschen Logen an, die seit 1870 in Prag undBrnn oder in den deutschen Stdten West- und Nordbhmens wie Karlsbad, Reichenberg, Saaz, Egeroder Asch aktiv waren. Zu den bekanntesten Logen zhlte damals die Prager Loge Wahrheit und Ei-nigkeit zu den drei gekrnten Sulen, der Persnlichkeiten wie Gerstner Franz, Mitbegrnder des er-sten polytechnischen Instituts in Prag, Nprestek Vojta, Grnder des Prager Gewerbemuseums, Pro-chzka Georg, Anatom, Physiologe und Professor fr Augenheilkunde an der Universitt Prag, Strnad

    Anton, Astronom und Mathematiker an der Sternwarte des Prager Klementinums, und der bekannte

    Kirchenhistoriker Royko Kaspar angehrten. 1908 wurde in Prag die Loge Hiram zu den drei Sternengegrndet, die ihre Rituale in Preburg abhielt und der Symbolischen Grologe von Ungarn unter-stand. Der Hiramtraten wenige Jahre vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch Persnlichkeitenaus Kreisen der tschechischen und tschechisch-jdischen Intelligenz bei.

    Die Anfnge der Freimaurerei in der Tschechoslowakei hngen eng mit dem Zusammenbruch derHabsburgermonarchie und der Grndung der Ersten Tschechoslowakischen Republik zusammen. ZweiTage vor dem Umbruch grndeten 15 Freimaurer der Hiram am 26. Oktober 1918 die Loge Jan

    Amos Komensk, die demGrand Orient de France unterstand. Am 27. Oktober 1923 grndeten die italienische Grologe ge-meinsam mit der franzsischen in Prag die Grologe Nrodn Velik Loe eskoslovensk, die Logenim mhrischen Brnn und im slowakischen Preburg und Kaschau einsetzte.

    Damit wurde eine Entwicklung eingeleitet, die den Verschwrungstheoretikern bis heute ein breitesSpielfeld fr ihre Thesen offen lt. So war die Tschechoslowakei von 1918 nach ihrer Auffassung einvon Juden und Freimaurern gegngeltes3 Staatswesen, dem die historische Legitimitt fehlte. Dasvon Thomas G. Masaryk, dem ersten Prsidenten der Tschechoslowakischen Republik, und seinem

    1 vgl. mehr dazu www. hagalil.com2 Die kommunistische Partei der Tschechoslowakei hatte in den ersten Jahren nach ihrer Machtbernahme von1948 unter dem Druck des sowjetischen Antizionismus Juden in mehreren Suberungswellen aus den eige-nen Parteikadern entfernt und unter dem Vorwand einer zionistischen Verschwrung den Prozess gemacht,obwohl zahlreiche Juden im Zweiten Weltkrieg dem tschechischen Widerstand, den Partisanen in der Heimat-front und der Exilregierung in London angehrt hatten. Den Hhepunkt bildete 1952 der Schauprozess gegen

    Rudolf Slansky.3 Dieser Vorwurf wurde vor allem von den tschechischen Nationaldemokraten nach den ersten Auseinanderset-zungen mit Masaryk erhoben und von den Tschechischen Nationalen Sozialisten bernommen und fand schnellim Dunstkreis der deutschen Verschwrungstheoretiker eine rasche Verbreitung.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    2/21

    2

    ersten Ministerprsidenten, Karel Krama, propagierte historische Staatsrecht4 galt unter den Geg-nern Prags als Schwindel und wurde abgelehnt. Wie tief diese Ablehnung im kollektiven Bewusstseinder Kritiker der tschechoslowakischen Eigenstaatlichkeit verhaftet blieb, bewies der deutsche Reichs-kanzler Adolf Hitler, der am 19. September 1938 in einem Interview mit dem britischen Daily Mailerklrte: Die Tschechen haben nichts, was sie als Nation kennzeichnet, weder in ethnologischer,strategischer, wirtschaftlicher noch sprachlicher Hinsicht. Eine geistig minderwertige Handvoll Tsche-

    chen in die Herrschaft ber Minderheiten von Vlkern mit einer tausendjhrigen Kultur, wie Deutsche,Polen und Ungarn, einzusetzen, war ein Werk der Narrheit und Unwissenheit.5

    Der Weg zur Unabhngigkeit der TschechoslowakeiDie Geschichte der Tschechoslowakei wurde vor allem in den Anfangsjahren von der politischen Agi-tation ihrer beiden Grndervter, Masaryk und Eduard Bene, bestimmt. Masaryk6 und Bene7 warenim Unterschied zu vielen ihrer politischen Weggefhrten als Gelehrte und ohne festen parteipolitischenRckhalt mit der Politik in Berhrung gekommen - Masaryk vier Jahrzehnte frher als Bene. Beidestanden in der geistigen Tradition der Jungtschechen8 und beschftigten sich in ihrer wissenschaftli-chen Arbeit mit der Stellung der Tschechen in der Habsburgermonarchie9, die sie vor dem ErstenWeltkrieg als integrativen Faktor fr eine ostmittel- und sdosteuropische Ordnungsmacht akzep-

    tierten und in dieser Form nicht in Frage stellten.10

    Der eigentliche Wendepunkt kam fr beide mitdem Ersten Weltkrieg.

    Im Dezember 1914 reiste Masaryk nach Italien und in die Schweiz. Eine Rckkehr nach Prag waraber nicht mehr mglich, weil ihm in der Heimat die Verhaftung wegen Hochverrates drohte. Damitbegann eine ra in der tschechischen Grndungsgeschichte, die unter dem BegriffAuslandsaktionzumindest auf der Ebene der internationalen Diplomatie den Grundstein fr die staatliche Unabhn-gigkeit der Tschechoslowakei legte. Zu den engsten Weggefhrten Masaryks zhlte Eduard Bene, der1915 Masaryk ins Genfer Exil nachgefolgte und mit ihm die Auslandsaktionaufbaute. Am 4. Juli 1915hielt Masaryk in Zrich einen Vortag vor Auslandstschechen, in dem er die staatliche Unabhngigkeitder Tschechen auerhalb des Staatsverbandes mit sterreich-Ungarn forderte. Genf und Zrich waren

    jedoch nur die erste Zwischenstation. Die eigentlichen Zentren derAuslandsaktionwaren London undParis, die Hauptstdte der europischen Ententemchte. Von dort aus baute sich Masaryk in der er-

    4 Das historische Staatsrecht besagte, dass Bhmen und Mhren bis zur Machtbernahme der Habsburger nachder Schlacht am Weien Berg immer ein souvernes Staatsgebilde war und auch whrend der 300-jhrigen Herr-schaft der Habsburger die Souvernitt nie verloren hatte.5 zit. aus Peter Wassertheurer, Sudetendeutsche und Tschechen. Geschichte und Fakten. Hrsg. v. Bundesministe-rium fr Bildung, Wissenschaft und Kultur. Wien 2002, S. 36.6 Toma G. Masaryk wurde 1850 in der sdmhrischen Ortschaft Gding (tsch. Hodonn) als Sohn eines slowa-kischen Kutschers geboren. Nach einer Schmiedelehre besuchte Masaryk das deutsche Gymnasium in Brnn.Nach der Matura bersiedelte Masaryk nach Wien und studierte Philosophie. Masaryk entschied sich fr einewissenschaftliche Laufbahn, promovierte 1876 und habilitierte 1879 zum Thema Der Selbstmord als sozialeMassenerscheinung der modernen Zivilisation.7 Eduard Bene wurde 1884 im westbhmischen Kolany geboren. Seine Eltern waren tiefglubige Bauern, die

    Mhe hatten, ihre sechs Kinder zu ernhren. Bene sollte nach dem Wunsch der Mutter katholischer Priesterwerden. 1896 bersiedelte er nach Prag, wo er das Gymnasium besuchte. 1905 ging Bene nach Paris und dis-sertierte 1908 in Dijon: Das sterreichische Problem und die tschechische Frage.8 1874 kam es im konservativen tschechischen Parteienspektrum zur Emanzipation einer nationalen Bewegung,die unter der Bezeichnung Freisinnige Nationalpartei (Narodni strana svobodomyslna) das geistige Erbe destschechischen Liberalismus seit 1848/49 bernahm und in Anlehnung an die deutschen Parteienverhltnisseschon bald unter dem Terminus Jungtschechen das politische Pendante zu den Alttschechen bildete. Aus demRepertoire der jungtschechischen Bewegung entwickelte sich in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhun-derts ein breites Spektrum an Parteien, deren Vertreter im Ersten Weltkrieg die Heimatfrontbildeten und nachdem Krieg die Basis fr die ersten Koalitionsregierungen waren.9 Bene, Dtruisez lAutriche-Hongrie! Le martyre des Tchco-Slovaques traves lhistoire, 1916.10 Masaryk und Bene standen bis zum Zeitpunkt ihres Exils in der Tradition des tschechischen Nationalhistori-kers Frantiek Palack (Vater der Nation), der in seinem berhmten Antwortschreiben an die Frankfurter Ab-

    geordneten von 1848 meinte, dass sich die bhmischen Lnder letztlich nur im Verband der Habsburgermonar-chie sozial und national zu mehr Eigenstndigkeit entwickeln knnen: Wahrlich, existierte der sterreichischeKaiserstaat nicht schon lngst, man msste im Interesse Europas, im Interesse der Humanitt selbst sich beeilen,ihn zu schaffen.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    3/21

    3

    sten Phase ein dichtes Netzwerk an Kontakten zu tschechischen Auslandsorganisationen in Frankreich,England, der Schweiz und den USA auf. Neben Masaryks Aktivitten organisierte Bene in Paris ge-heime Zusammenknfte mit Vertretern aus den verschiedensten politischen Kreisen. Aufgrund dersystematischen Institutionalisierung dieser Treffen entwickelte sich rasch eine Struktur, die unter demBegriffMaffia bekannt wurde.

    Masaryk verlie Anfang September 1915 die Schweiz und reiste ber Paris nach London, wo er amInstitut fr slawische Studien eine Professur erhielt. Im Oktober 1915 stellte Masaryk bei seiner An-trittsvorlesung die konzeptionellen Grundlinien fr eine Neuordnung Mitteleuropas vor: die Unabhn-gigkeit der Nationen in Mittel- und Osteuropa sollte ber die Auflsung sterreich-Ungarns erreichtwerden. Im Herbst 1915 schlossen sich in Paris die auslandstschechischen Organisationen unter slo-wakischer Beteiligung zum Comit daction tchque trangerzusammen. Bereits am 14. November1915 verffentlichte Masaryk in Paris ein Manifest, in dem das Streben nach einer staatlich unabhn-gigen Tschechoslowakei erstmals als Ziel derAuslandsaktion formuliert wurde: Deshalb entstand das

    Auslandskomitee der tschechischen Emigration, um das Ausland ber den wahren Stand der Dinge zuinformieren und den Staatsmnnern, Politikern und der Publizistik der Verbndeten und der neutralenStaaten das Verlangen des tschechischen Volkes vorzutragen und das tschechische Programm zuverfechten. Bisher strebten alle tschechischen Parteien nur im Rahmen sterreich-Ungarns nach Selb-

    stndigkeit fr das Volk; der Verlauf des Bruderkrieges und die rcksichtslose Gewalt Wiens zwingenuns, die Selbstndigkeit ohne Rcksicht auf sterreich-Ungarn zu fordern. Wir streben einen selbstn-digen tschechoslowakischen Staat an.11

    ber Vermittlung von Milan tefnik12, dem wichtigsten slowakischen Exponenten derAuslandsaktion,der als Offizier in der franzsischen Armee diente und als Freimaurer beste Kontakte zur franzsischenInnenpolitik pflegte, erhielt Masaryk am 3. Februar 1916 eine Audienz beim franzsischen Ministerpr-sidenten Aristide Briand. Von dieser Unterredung existiert eine handschriftliche Notiz Masaryks, nachder Briand zu den Ausfhrungen Masaryks wie folgt antwortete: Sehr interessant, sehr interessant -ich selbst habe bereits ber einige Sachen nachgedacht. Wir Franzosen haben uns stets eine lebendi-ge Sympathie fr die tschechische Nation erhalten; das ist so und hat sich im Krieg (noch) verstrkt.Ich versichere Ihnen, dass Frankreich Ihre Aspiration nicht vergessen wird. Wir teilen diese und wer-den alles tun, damit die Tschechen die Selbstndigkeit bekommen. Wir werden jetzt nicht ber Detailssprechen, mit Ihrer Hauptforderung sind wir vollkommen eins.13In Paris etablierte sich auch der Tschechoslowakische Nationalrat(nrodna rda) als politisches In-strument derAuslandsaktion, den Masaryk als Vorsitzender leitete und Bene als Sekretr administra-tiv betreute. Zu Masaryks Stellvertreter wurden Mlan tefank und Josef Drich gewhlt. DerKriegseintritt der USA von 1917 brachte Masaryk in Kontakt mit der amerikanischen Politik, die dasnationale Selbstbestimmungsrecht als Ordnungsprinzip fr die Neugestaltung Ostmittel- und Sdost-europas und als Alternative zur dynastischen Staatsform verkndeten. Am 8. Januar 1918 brachte US-Prsident Woodrow Wilson sein Programm fr einen Weltfrieden vor den Kongress, das er zuvor mitdem britischen Premierminister David Llyod George besprochen hatte. Wilson trat zwar fr eine F-deralisierung der Habsburgermonarchie ein, nicht aber fr ihre Zerschlagung.

    Am 29. Juni 1918 anerkannte der franzsische Auenminister Stephen Pichon in einem Schreiben anBene die Forderungen des nrodna rdanach nationaler Unabhngigkeit fr berechtigt und versi-cherte ihm, dass Frankreich bestrebt sein wird, im gegebenen Augenblick Ihre Wnsche nach Selb-stndigkeit in den historischen Grenzen Ihrer endlich vom Bedrckerjoch sterreich-Ungarns befreitenLnder durchzusetzen. Der Entschluss der franzsischen Regierung zur Untersttzung der tschecho-slowakischen Souvernitt kamen einer Anerkennung der Plne Masaryks gleich, der die tschechoslo-wakische Eigenstaatlichkeit als unverzichtbaren Teil der europischen Nachkriegsordnung zur Stabili-sierung Mitteleuropas darstellte. Die Tschechoslowakei sollte dabei nach den Worten Pichons durch

    11 zit. aus Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Mnchen 2000, S. 445.12 tefanik wurde am 21. Juli 1880 im slowakischen Kosarika, das damals zum ungarischen Knigreich gehrte,geboren. 1898 studierte er an der Prager Universitt Maschinenbau. Nach der Dissertation bersiedelte er nachFrankreich und wurde 1912 franzsischer Staatsbrger. tefanik lernte im Dezember 1915 Masaryk und Bene

    kennen. tefanik schloss sich derAuslandsaktion an und bernahm die Organisation tschechischer Legionen inRuland. Er sollte nach der Republiksgrndung das Amt des Verteidigungsministers bernehmen, kam aber am4. Mai 1919 bei einem Flugzeugabsturz in Italien ums Leben.13 Odsun, S. 449.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    4/21

    4

    die gemeinsamen Bestrebungen aller Alliierten in enger Verbindung mit Polen und dem jugoslawi-schen Staate der unberschreitbare Wall gegen germanische Angriffe und ein Friedensfaktor in demauf der Grundlage der Gerechtigkeit und der Rechte der Nationen neu aufgebauten Europa werden.14

    Fr Masaryk war diese Proklamation der franzsischen Regierung ein Auftrag zur Zerschlagungsterreich-Ungarns und die Beschrnkung des deutschen Machtbereichs auf seine territorialen Gren-

    zen. Die unabhngige Tschechoslowakei wird die Vereinigung und die Freiheit der Polen und Jugo-slawen und Ruthenen mit sich bringen und ein entscheidender Schlag, der das pangermanische ZielBerlin-Badgag begrbt sein, weil der antigermanische Wall, der durch den tschechoslowakischenStaat, Polen, Jugoslawien, Rumnien und Italien gebildet wird, den alldeutschen Einfluss15 im OstenEuropas endgltig einschrnken wird. Damit waren die Kriegsziele der Entente mit den nationalenInteressen der slawischen Exilorganisationen gegen die Mittelmchte abgestimmt worden. Masaryk,der sich am 14. Oktober 1918 selbst zum Prsidenten der Ersten Tschechoslowakischen Republik er-klrt hatte, kehrte am 21. Dezember 1918 unter groem Beifall der Bevlkerung aus seinem Exil nachPrag zurck und wurde als Befreier der Tschechen und Slowaken euphorisch gefeiert.

    Die Heimatfront der Parteien

    Parallel zur Auslandsaktionwurde in Bhmen und Mhren eine Heimatfront aufgebaut, die ber denTschechischen Nationalausschuss (esky nrodny vybor) von den tschechischen Parteien getragenwurde. Im Mrz 1915 kam es in Prag zu einem Treffen zwischen Bene und wichtigen Vertretern derHeimatfront, nmlich Karel Krama, Alois Rain, Josef Schreiner und Pemysl mal. Das Ziel war die

    Anerkennung des nrodna rda als tschechoslowakische Vertretungsinstanz im Ausland durch dieHeimatfrontund die Einbindung von Vertretern der Heimatfrontin die Maffia, um eine Akkordierungund einen Austausch wichtiger Informationen zu ermglichen. Die Voraussetzungen fr den nationalenUnabhngigkeitskampf waren jedoch fr die Heimatfront aufgrund der Kriegssituation ungemeinschwieriger und auch gefhrlicher. So lie Feldmarschall und k.u.k. Generalstabschef Conrad vonHtzendorf, nachdem es etwa im Anschluss an die dritte Karpatenschlacht im Frhjahr 1915 zu De-sertionen und zur Dislozierung tschechischer Ersatzformationen gekommen war, am 21. Mai 1915ohne Wissen der Regierung Karel Krama16 und den Fhrer der bhmischen Sokol (tschechische Tur-

    nerschaft), Josef Schreiner, verhaften. Das Armeeoberkommando warf Krama Hochverrat vor, weil ermit dem italienischen Konsulat in Prag Kontakt aufgenommen hatte. Whrend Schreiner bereits wie-der im Juni 1915 aus der Haft entlassen wurde, konnte Krama im Hochverratsprozess von Anfang1916 nur in einigen Punkten der Anklage verurteilt werden, gegen die er aber erfolgreich eine Nichtig-keitsbeschwerde anstrengte und schlielich eine vollstndige Amnestierung durch Kaiser Karl erreich-te. Es war den sterreichischen Behrden nmlich nicht mglich, beiden ihre Kontakte zur tschecho-slowakischenAuslandsaktionund ihre Fhrerschaft in der tschechischen Widerstandsbewegung nach-zuweisen. Die Spannungen zwischen Wien und Prag, die unter den negativen Vorzeichen der zuneh-menden Kriegslasten das gegenseitige Misstrauen bis an die Grenze der offenen Auseinandersetzungaufschaukelte, erzwang von der Heimatfronteine Doppelstrategie, die gleichsam offene Loyalitt undgeheimen Widerstand verkrperte.

    Am 19. November 1916 grndeten die tschechischen Vertreter von neun Parteien den TschechischenVerband(esk svaz), der nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph eine Loyalittserklrung fr dasHaus Habsburg abgab. Zuvor hatte Kaiser Karl den seit Kriegsausbruch geschlossenen Reichsrat wie-der erffnet. Die tschechischen Vertreter erklrten feierlich, dass sie nicht nur den Willen des ge-samten, heute mehr denn je nach Einheit rufenden Volkes erfllen und... gleichzeitig im Interesse deraltehrwrdigen Dynastie und der groen historischen Sendung des Reiches handeln, die vor allem in

    14 Ebenda, S. 48415 Ebenda, S. 485.16 Karel Krama wurde 27. Dezember 1860 im nordbhmischen Hochstadt (Vysok) geboren. Krama studiertenach seiner Prager Schulzeit in Berlin und Straburg Nationalkonomie und dissertierte 1884 in Prag. Dort kamer auch mit dem bekannten konomieprofessor und Finanzminister Josef Kaizl zusammen. Gemeinsam mit

    Masaryk war er als Jungtscheche bei den Realisten politisch aktiv. Krama war im Ersten Weltkrieg einer derfhrenden Kpfe derHeimatfrontund sprach sich fr eine russische Annherung aus. Nach dem Ersten Welt-krieg wurde Krama Vorsitzender der Nationaldemokraten, die unter seiner Fhrung einen betont tschechisch-nationalen Kurs verfolgte.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    5/21

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    6/21

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    7/21

    7

    Die Burg und die JudenUntersucht man den direkten Einfluss der Juden auf die Entscheidungskompetenzen und politischen

    Aktionsradien der Burg, ergeben sich zahlreiche Berhrungspunkte, die teilweise weit in die jdischeGeschichte Bhmens und Mhrens hinein reichen. sterreichs letzter Kaiser nannte die Erste Tsche-choslowakische Republik eine jdische Schpfung.26 Diese Charakterisierung des historischen Ent-wicklungsprozesses der Tschechoslowakei suggeriert Affinitten zwischenAuslandsaktionund Juden-

    tum. Den Wechselwirkungsprozess gab es ber Masary27 jedoch schon viel frher, nmlich schon in-nerhalb der jungtschechischen Nationalbewegung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Nach demgroen Wahlerfolg von 1891 sympathisierte vor allem die jdische Landbevlkerung mit den Jungt-schechen. Dabei fand das jdische Kleinbrgertum im Unterschied zum jdisch-deutschen Bildungs-und Besitzbrgertum viel leichter den Zugang zur tschechischen Identitt. Zu den negativen Begleiter-scheinungen dieser tschecho-jdischen Symbiose gehrte das Erbe des bhmischen Antisemitismus,der seinen Ableger auch in der jungtschechischen Partei hatte. Masaryk distanzierte sich vom antise-mitischen Flgel bei den Jungtschechen, der gegen die wirtschaftliche Hegemonie der Juden undDeutschen in der bhmischen Wirtschaft ankmpfte und dafr eine nationale Widerstandsbewegungnamens Nrodn listygrndeten, die sogar zum Boykott jdischer Geschfte aufrief. Es ist deshalbkein Zufall, dass Masaryks Realistenpartei, die sich wie viele andere von den Jungtschechen emanzi-piert hatte, zahlreiche Juden aus dem akademischen Umfeld angehrten. Der aus der Slowakei stam-

    mende jdische Arzt Edvard Lederer war sogar Grndungsmitglied dieser Partei. Das erste ffentlicheAuftreten Masaryks fr die Juden war im legendren Prozess gegen Leopold Hilsner, dem ein jdischerRitualmord an einer jungen Frau zum Vorwurf gemacht wurde. Der medial mit gefhrlichen Emotio-nen aus der antisemitischen Seele breiter tschechischer Bevlkerungsschichten beladene Prozess wur-de von pogromartigen Ausschreitungen gegen Juden begleitet. Nicht selten berlappten dabei diesozialen Gegenstze zwischen Juden und Tschechen das religis motivierte Aggressionspotential. Seitdiesem Engagement galt Masaryk im rechten Spektrum der tschechischen Gesellschaft bis zu seinerExilzeit als national unzuverlssig und seine Realistenpartei als verjudet, was zu einer Marginalisie-rung der Partei in der politischen Diskussion fhrte. Masaryks Sympathien bei den Juden war nichtzuletzt ein Resultat seiner bis zum Ersten Weltkrieg vorgetragenen positiven Haltung zu sterreich,die zwar das System, nicht aber den Staat in Frage stellte. Die Habsburgermonarchie war als mul-tiethnisches Staatsgebilde fr viele Juden ein Pendant zum Konzept des ethnisch homogenen Natio-nalstaates. Die bhmischen Juden standen im Ersten Weltkrieg entweder als sterreichische Patriotenauf der Seite der Habsburger, was ihnen vom jdischen Journalisten Moritz Bloch28 nach dem FranzJoseph-Manifest An meine Vlker auch ans Herz gelegt worden war, oder sie traten der zionisti-schen Bewegung in Bhmen bei, die als jdische Nationalbewegung gegenber der tschechischensehr positiv eingestellt war und ab 1917 Kontakte zu den tschechischen Parteien suchte, um ihreLoyalitt zu bekunden. Die Schwierigkeiten bei dieser Gratwanderung beschrieb 1918 die Selbstwehr,das zionistische Sprachrohr in Bhmen, in Form eines feurigen Appells an seine Mitglieder, in dem aufden unertrglichen Hass gegen die Nationaljuden aufmerksam gemacht wurde, der ihnen in Prag ent-gegen gebracht wird, obwohl die Zionisten volles Verstndnis fr den Emanzipationskampf eines Vol-kes hegen.29

    Angesicht des antisemitisch eingefrbten Konfliktpotentials darf der tschechoslowakische Beitrag derJuden whrend des Ersten Weltkriegs in Bhmen und Mhren nicht berbewertet werden. Eine gnz-

    lich andere Situation ergab sich fr die Auslandsaktion. Wieder war es Masaryk, der durch seine fr-heren Kontakte zu jdisch-amerikanischen Kreisen jdische Frderer fr seine Arbeit finden konnte.Dazu zhlten der in London ttige Anfhrer der Zionisten, Nahum Sokolow, dem es gelang, den Zio-nismus seit der Balfour-Deklarationvon 2. November 1917 als globale Bewegung zu etablieren. In derBalfour-Deklarationsprach sich die britische Regierung fr die jdisch-zionistischen Bestrebungen aus

    26 Christoph Stlzl, Die Burg und die Juden. In: Die Burg. Einflussreiche Krfte um Masaryk und Bene. Bd. 2,S. 77.27 Stefan Schwarz weist auf die zahlreichen Kontakte hin, die Masaryk in Wien als Hauslehrer zu vielen jdi-schen Familien der Wiener Gesellschaft hatte. Masaryks finanzielle Unabhngigkeit ging auf ein Erbe zurck,das ihm ein jdischer Schler vermacht hatte. Spter waren es wieder jdische Kollegen an Prager Universitt,die Masaryks Berufung wohlwollend frderten. Vgl. dazu Stefan Schwarz, Masaryk. Der Staatsgrnder, Wissen-

    schafter und Wahrheitssucher in seiner Einstellung zum Judentum. Nrnberg 1949, S. 19.28 Bloch wurde spter in der Tschechoslowakei Pressesprecher von Antonin Svehla, der 1926 tschechoslowaki-scher Ministerprsident wurde und zu den populrsten Politikern der Ersten Republik zhlte.29 Stlzl; S. 88 f.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    8/21

    8

    und brachte mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimsttte fr das jdische Volk in Pal-stina zum Ausdruck und versicherte sich zu bemhen, die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern,wobei, wohlverstanden, nichts geschehen soll, was die brgerlichen und religisen Rechte der beste-henden nicht-jdischen Gemeinschaften in Palstina oder die Rechte und den politischen Statuts derJuden in anderen Lndern in Frage stellen knnten.30 Diese Erklrung wurde vom britischen Auen-minister Lord Balfour dem Vorsitzenden der zionistischen Bewegung Lord Rothschild berreicht. Der

    eigentliche Verfasser der Erklrung war ein enger Vertrauter von Winston Churchill, Leopold Amery.Balfour und Amery waren jdischer Abstammung, verschleierten aber ihre religise Herkunft. Ameryspielte auerdem bei der Grndung der Jdischen Legion in Palstina eine gewichtige Rolle. An die-ser Stelle drngt sich ein Vergleich zum Aufbau der tschechischen Legionre in Ruland auf. Man wirddemnach die tschechische Unabhngigkeitsbewegung nicht als singulres, mitteleuropisches Ph-nomen des Ersten Weltkriegs ansehen drfen, sondern nur im Kontext der nationalen Autonomiefor-derungen der Zionisten, Polen und der sdslawischen Vlker auf sdosteuropischem Boden.In den USA waren es dann namhafte jdische Journalisten, die Masaryk seit der Zeit des Hilsner-Prozesses kannten und nun eifrig untersttzten, indem sie den nationalen Unabhngigkeitskampf derTschechen und Slowaken in der amerikanischen ffentlichkeit verbreiteten. Die entscheidendeSchlacht stand Masaryk aber noch bevor. Wilson galt als Befrworter der staatlichen Integritt ster-reichs. In dieser Situation waren es das jdische US-Kongressmitglied Adolph J. Sabath und der Vor-

    sitzende der amerikanischen Zionisten Louis D. Brandeis31

    , die Masaryk die Tren im Weien Haus zuWilson ffneten, um den Prsidenten von der Notwendigkeit der Zerschlagung der Habsburgermonar-chie als Grundstein fr eine gerechte Nachkriegsordnung zu berzeugen. Die tschechoslowakischeSouvernitt sollte auf Grundlage des nationalen Selbstbestimmungsrechtes errichtet werden. Masa-ryks nationaler Staatskonzeptionalismus basierte auf der evolutionren Entwicklung eines national-pdagogischen Ideals, das sich historisch vom geistigen Fundament der Franzsischen Revolution undder amerikanischen Unabhngigkeit ableitete und gesellschaftspolitisch zur sittlichen Erneuerung derstaatlichen Gemeinschaft beitragen sollte.

    Masaryk stellte vom 7. Oktober 1918 im New York Tribuneseine staatsphilosophische Programmatikder amerikanischen Nation vor und nahm dabei auch zur zionistischen Bewegung und zur Rolle der

    jdischen Minderheit Stellung: Unseren zuknftigen Staat stellen wir uns so vor, dass er den ganzenKomplex innerhalb der gegebenen historischen Grenzen umfasst; dies bedeutet, dass es einige natio-nale Minoritten geben wird. Die Vermischung der Nationalitten, die in Bhmen und Mhren leben,ist so eng, dass eine wirkliche territoriale Abgrenzung unmglich ist, denn wir knnen es uns nichtleisten, Tausende und Abertausende unseres Volkes zu verlieren, und wir wnschen nicht, die Minori-tten anderer Vlker zu unterdrcken. Es bleibt nur eine gerechte Anordnung brig, den Minorittendie gleichen Rechte im ffentlichen Leben und in den Schulen zu gewhren (...) Natrlich bezieht sichdas gleiche Programm auch auf die jdische Minoritt. Die Juden werden dieselbe Gleichberechtigunggenieen wie die brigen Brger unseres Staates. Ferner muss ich betonen, dass wir das unmorali-sche und tyrannische sterreichische System der Staatskirchen beseitigen werden, welches die Religi-on und die Kirche zu politischen Zwecken missbrauchte. Was die zionistische Bewegung betrifft, sokann ich nur meine Sympathie fr die und die nationale Bewegung im jdischen Volke im Allgemeinenausdrcken, weil sie von groem moralischen Wert ist. Ich beobachte die zionistische und die natio-naljdische Bewegung in Europa und in unserem Lande und ich wei, dass sie keine Bewegung des

    politischen Chauvinismus ist, sondern die moralische Wiedergeburt Ihres Volkes.32

    Die realpolitischen Verhltnisse in der Tschechoslowakei waren aber von ganz anderen Strmungenund Wertvorstellungen geprgt. Im ersten Rausch der nationalen Begeisterung wurden antisemitischeKlischees und ein berhitzter Chauvinismus, der sich vornehmlich gegen Deutsche und Magyarenrichtete, ohne sonderliche Abstriche in das Erscheinungsbild der neuen Republik hineingetragen undpropagandistisch ausgeschlachtet. Vor allem die Nationalen Sozialisten unter Vclav Klof zeigtensich als verlngerter Arm des bhmischen Antisemitismus. Die Tragdien und Ereignisse des Erste

    30 http://de.wikipedia.org/wiki/Balfour-Deklaration.31 Brandeis galt zu seiner Zeit in den USA als wichtigster Sozialpolitiker und genoss als Prsidentenberater gro-es Ansehen. Brandeis war Sohn eines jdischen Prager Textilindustriellen, der 1848 als Revolutionr nach

    Amerika emigrierte. Der Schwiegervater von Louis Brandeis war der legendre Wiener Revolutionsfhrer Jo-seph Goldmark, der mit Moritz Hartmann eng befreundet war. Hartmanns Witwe wiederum war Masaryks Fr-derin aus seinen Wiener Tagen.32 Stlzl, S. 91.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    9/21

    9

    Weltkriegs lieferten die Motive fr neue antijdische Stereotype. Klof etwa prangerte die vielen Ver-brechen an, die viele Juden... whrend des Krieges verbt hatten. Gleichzeitig warnte Klof voreiner Generalisierung der jdischen Schuld und machte darauf aufmerksam, dass die Juden sehreinflussreiche Ratgeber der Ententestaatsmnner wie Wilson sind. Klof warnte deshalb seine Leutevor bertriebener Hrte gegen die Juden, weil jedes rcksichtsloses Vorgehen in dieser Frage... einenRckschlag zur Folge haben33 knnte. Gemeinsam mit den Nationalen Sozialisten und Nationaldemo-

    kraten unterstellten die tschechischen Agrarier den Juden eine Nhe zum Bolschewismus und folglicheine Mitverantwortung fr den kommunistischen Umsturz in Ruland. Die Agrarier warten die Judendavor, die Freiheit... zur Erschtterung der Verhltnisse und zum Hervorrufen blutiger Ereignisse zumissbrauchen. In einem solchen Fall mssten sie darauf vorbereitet sein, dass sich das unser Volknicht gefallen lsst. Wir warnen noch im letzten Augenblick die Juden, ihre auswrtigen Glaubensge-nossen nicht nachzuahmen und sich nicht an die Spitze des Bolschewismus zu stellen. Andernfalls

    werden sie sich ihr Schicksal selbst bereiten.34 Auf der anderen Seite des ideologischen Spektrumsgab sich die tschechische Linke in der Auseinandersetzung mit den Juden betont klassenkmpferisch.1920 rief die Rud prvozu Pogromen auf und empfahl diese so durchzufhren, dass man den

    jdischen Kapitalisten, Grogrundbesitzern und Grokaufleuten ihr ganzes Vermgen konfisziert.Damit die Enteignung des Grogrundbesitzes in der Republik sympathischer und plausibler wird, kannman entschieden bei den reichen Juden beginnen.35

    Neben den klassischen antisemitischen Motiven der Linken und Rechten fand die offen artikuliertesterreichische Loyalitt vieler Juden im Krieg Eingang in die ffentliche Diskussion. Masaryk warnte indiesem Zusammenhang ausdrcklich vor einer Verallgemeinerung. Der tschechische SozialdemokratJaromir Neas griff Masaryks Einwnde auf und thematisierte die jdische Frage 1922 in der Zeit-schrift Sluba. Neas Argumentationslinie darf als signifikant fr die ambivalente Haltung der tsche-choslowakischen Nachkriegsgesellschaft gegenber ihren jdischen Mitbrgern betrachtet werden:

    Von dem edlen Max Brod bis zu den jdischen Ausbeutern und Bedrckern des slowakischen Volkes,von Dr. Lederer zu den madjarisch-nationalen und deutsch-radikalen jdischen Politikern, von demKohlenbaron Weinmann zu den jdischen Taglhnern und Proletariern Karpatorulands, von denatheistischen und religis laxen Westjuden zu den strengen und bigotten, bis zum Mystizismus hinnei-genden Chassidim der stlichen Gebiete der Republik (...) finden wir in unserer Republik Juden desverschiedensten politischen und religisen Bekenntnisses und sozialer Stellung und auch verschieden-sten Naturells. Der grte Fehler ist es daher, wenn man gewisse Erscheinungen des jdischen Le-bens in unserer ffentlichkeit generalisiert. Es sind nicht alle Juden Feinde der Selbstndigkeit unsererRepublik, weil sich unter ihnen whrend des Krieges einige Einzelpersonen und Zeitungen fanden,welche zu Zeiten sterreichs in den Krieg hetzten und Tschechen denunzierten. Es sind auch nicht alleJuden in der Slowakei und Karpatoruland Blutsauger des slowakischen Volkes und der ruthenischenMuiks, sondern den Groteil bilden die kleinen Juden, welche unter den Verhltnissen genauso littenwie die Slowaken und Ruthenen und welche durch die gewesene madjarische Regierung in Finsternisgehalten wurden.36

    Die Burg und die PresseMasaryk hatte bereits vor dem Ersten Weltkrieg beste Kontakte zu jdischen Journalisten in Wien undPrag. Um die Mitte der 1890er Jahre arbeitete er sogar als Journalist bei der Wiener Zeitschrift DieZeit(as), die nach der 1848er Revolution gegrndet und vom jdischen Verleger Adolf Fischhof her-ausgebracht wurde. Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie ging der Groteil der tschecho-slowakischen Tageszeitungen in den Besitz der politischen Parteien ber, die neben der inhaltlichenGestaltung die finanziellen Belastungen zu tragen hatten, was sich in den Budgets der Parteien deut-lich sprbar machte. Zu den wichtigsten Parteizeitungen zhlten die eske listy, das Organ der Natio-naldemokraten, die eske slovoder tschechischen Nationalsozialisten37 und das sozialdemokratische

    33 Ebenda, S. 96.34 Ebenda, S. 99.35 zit. nach Stlzl, S. 94.36 zit. nach Stlzl, S. 98.37 Die eske slovo wurde im Prager Pressehaus Melantrich hergestellt und war die einzige politische Tageszei-tung in der Tschechoslowakei, die mit Gewinn arbeitete.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    10/21

    10

    Organ Pravo lidu . Zur grten berparteilichen Tageszeitung in der Tschechoslowakei entwickeltesich die Lidove Noviny38, die als Sprachrohr der Burg-Gruppe um Prsident Masaryk galt.

    Einen noch strkeren Einfluss als die Lidove Novinybte auf die Burg die Zeitschrift Pitomnostaus,die eine Initiative Masaryks war. Masaryk, der mit seinem Privatvermgen die finanzielle Grundlage frdie Neugrndung ermglichte, wollte eine kritische, von der parteipolitischen Alltglichkeit unabhngi-

    ge Zeitschrift grnden, die als intellektuelle, vor allem aber berparteiliche Plattform zu allen wichtigenThemen des gesellschaftlichen Lebens innerhalb und auerhalb der Republik Stellung nehmen sollte:

    Das Verhltnis der Politik zum Journalismus ist so intim, dass beide gleichsam ineinander bergehen;aber es liegt im Interesse der Politik, sich des Unterschiedes gut bewusst zu werden. Die Zeitungen,vor allem die Tagesbltter, werden zu Kristallisationszentren von Richtungen, Fraktionen und Parteienund pflegen berdies ihre besonderen wirtschaftlichen Interessen zu haben; es fragt sich, ob und wieweit das Interesse einer Partei, einer Richtung, einer Fraktion auch das Interesse des Staates bildet.Das Verlangen nach Verbreitung des eigenen Blattes fhrt leicht zu Demagogie und Parteilichkeit... 39

    Masaryk setzte mit der Grndung dieser Zeitschrift eine Tradition fort, die er bereits vor dem ErstenWeltkrieg mit der Grndung seiner Realistenpartei eingeleitet hatte. Zu den Realistengehrten eineReihe tschechischer Juden, die fr die Herausgabe der Zeitschrift Rozvoj verantwortlich waren, die

    sich bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu einem avantgardistischen Sammelbecken der tsche-chischen Intelligenz entfalten konnte. Masaryks Verhltnis zur Journalistik war von der berzeugunggeprgt, dass die freie ffentliche Meinung praktisch die Journalistik und insbesondere die Tages-presse die Fortsetzung und der Ersatz der parlamentarischen Kontrolle darstellt. Die Freiheit derPresse war fr Masaryk der sicherste Garant fr das Recht der Kritik am ganzen staatlichen und f-fentlichen Apparat und auch an Personen.40

    Die redaktionelle Leitung des Pitomnostbernahm 1923 der erst 29-jhrige Ferdinand Peroutka, dersich auch an der Grndung dieser Wochenzeitschrift beteiligte. Peroutka war jdischer Abstammung 41

    und vor seinen Engagement beim PitomnostRedakteur bei der Prager Tribuna, in der er die KolumeJaci jsme (Wie wir eigentlich sind) betreute. Zu Peroutkas prominentesten Journalistenkollegen ge-hrten die jdischen Schriftsteller Karel apek und Karel Polaek sowie der jdische Redakteur undInhaber der Lidove Noviny, Jaroslav Strnsky, der 1919 die Zeitschrift von seinem Vater Adolf ber-nommen hatte. Strnsky war auch Eigentmer des Borov-Verlages, der den Pitomnostherausgab.Zum intellektuellen Mitarbeiterkreis des Lidove Novinyzhlten neben Arnot Heinrich und Karel Kli-ma auch zahlreiche jdische Schriftsteller und Journalisten wie Arne Novk, Richard Weiner, RudolfTsnohldek, Karel elepa, Pavel Va, Bedich Golombek und Evard Valenta. Peroutka pflegte alsprofunder Kenner der russischen Literaturgeschichte beste Kontakte zum Kreis der deutsch-jdischenSchriftsteller im Prager Cafe Arco, wo sich Franz Kafka, Franz Werfel, Max Brod und Egon Kisch auf-hielten. Alle diese Verbindungen wusste Peroutka als leitender Chefredakteur des Pitomnostzu nut-zen, der am 17. Januar 1924 mit seiner ersten Nummer erschien. In den ersten Jahren konzentriertesich der Pitomnostauf die Auseinandersetzung zwischen Masaryk und Krama, der seine Aversionengegen die Burgdeutlich zum Ausdruck brachte. Peroutka lenkte seine Kritik auf den panslawistischeingefrbten Chauvinismus der Nationaldemokraten unter Krama. In diesen Anfangsjahren schriebauch Masaryk als Prsident so lange in der Presse, bis ihm vehla dies ausredete. Dann schrieb ermanchmal unter verschiedenen Pseudonymen.42 Die produktivste Phase des Pitomnostdauert von

    1930 bis 1938. In diesen 8 Jahren gelang es Peroutka nach dem Vorbild der Lidove NovinyMitarbeiteraus allen intellektuellen und politischen Kreisen der Tschechoslowakei zu gewinnen. Nach der Macht-ergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland fanden zahlreiche politische Gegner des NS-Regimesund Juden Aufnahme in der Tschechoslowakei. Peroutka nutzte dieses geistige Potential und bot vie-len der deutschen Emigranten die Mglichkeit zur freien Mitarbeit beim Pitomnostan. Zwischen 1930und 1938 schrieben fr den Pitomnost Rudolf Bechyn, Paul Eisner, Karel und Josef apek, Karel

    38 DieLidove Noviny wurde vom jdisch stmmigen Anwalt und Verleger Adolf Strnsky gegrndet. Strnskywar als Mitglied der Nationaldemokraten Handelsminister im Kabinett von Krama. Trotz seiner parteipoliti-schen Bindungen galt dieLidove Noviny als parteiunabhngig.39 Julius Flirt, Die Burg und die Zeitschrift Ptomnost. In: Die Burg. Einflussreiche politische Krfte um Masa-ryk und Bene. Bd. 2., S. 112.40 Ebenda41 Ferdinand Peroutka wurde 1895 in der Prager Vorstadt Krlovsk-Vinohrady geboren. Peroutkas Mutter ent-stammte einer deutsch-tschechischen Ehe und kam stammte aus Wegstdtl (tt).42 Flirt, S. 121.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    11/21

    11

    Engli, Emil Franzel, Even Fuchs, Willy Haas, Gustav Hacker, Konrad Weiden, Wenzel Jaksch, JanKallab, Arthur Koestler, Kamil Krofta, Frantiek Langer, Heinrich Mann, Jaromir Neas, Jaroslav Preiss,Hubert Ripka, Willy Schlamm, Adolf und Jaroslav Strnsk, Josef usta, Vavro robar, Johannes Urzi-dil, Jaroslav Werstadt, Gustav Winter und Frantiek Weyr.

    Die Burg, die Wirtschaft und die Banken1923 verffentlichte die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei in der TschechoslowakischenRepublik im Anschluss an den internationalen Sozialistenkongress in Hamburg eine Denkschrift, inwelcher der Erste Weltkrieg als imperialistischer Wettstreit der hochkapitalistischen Nationen zugun-sten des weststaatlichen Imperialismus verurteilt wurde. Die Tschechoslowakei war das Produkt derDiktatoren des Friedens, die sich in Paris vereinigten, um Europa neu zu vermessen. Das Ziel derNachkriegsordnung war im Osten einen Imperialismus der Kleinvlker aufzurichten zur Sttzung desImperialismus der groen im Westen. Der tschechischen Bruderpartei warf man in deutlich klassen-kmpferischer Diktion vor, die Macht der herrschenden Kapitalistenklasse, die Alleinherrschaft dertschechischen Bourgeoisie, die brgerlichen-kapitalistischen Parteien, die imperialistische Bour-geoisie und die kapitalistische Reaktion43 zu untersttzen.Die Angriffe der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei deckten sich im Wesentlichen

    mit denen der tschechischen Kommunisten. 1930 verfasste Klement Gottwald, erster Prsident derTschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg, eine programmatische Resolution des Zentralkomi-tees der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KP) unter dem Titel ber die Situation,ber die Partei und ber die nchsten Aufgaben. Darin wurden die Burg, die Sozialfaschisten- damitwaren die Sozialdemokraten gemeint - und der nationale Faschismus als die drei Sulen des politi-schen Establishments, das damals auerhalb der KP bestand, aufgezhlt und wie folgt charakteri-sierte: Im Prozess der Konzentration der brgerlichen Krfte spielte eine immer bedeutendere Rolledie s.g. Burg und ihr Haupt, Prsident Masaryk. Die Burg ist der politische Exponent des Finanzkapi-tals, das mit ihrer Hilfe seinen politischen Einfluss in allen brgerlichen Parteien geltend macht, vorallem in den sozialfaschistischen. Die Burg zerrttelt die alten traditionellen politischen Formationenund gruppiert die politischen Krfte der Bourgeoisie nach den gegenwrtigen Bedrfnissen des jungentschechoslowakischen Kapitals (Beherrschung der tschechoslowakischen National-Sozialistischen Parteidurch die Burg-Cterie um Strnsk und Bene, die berschwemmung der Spitzen der Tschechoslo-wakischen Sozialdemokratie durch Burg-Theoretiker und Burg-Nationalkonomen, die Beherrschungder Agrarpartei durch den Burg-Flgel Udral-Vikovsk, die Kandidatur des Burg-Mannes Dr. Hodfr die Nationaldemokratie).43

    Gottwald kanalisierte in seinem kritischen Kommentar die wirtschaftliche Entwicklung der Tschecho-slowakei auf einige wenige Exponenten der tschechoslowakischen Finanzwelt, die sich im Gleichklangmit den brgerlichen Parteien nach dem Ersten Weltkrieg an vorderster Stelle der Staatsmacht be-haupten konnten. In der kommunistischen Propaganda war die Burg eine Kamarillader internationa-len Hochfinanz, die als Neue Maffiaden Staat heimlich kontrollierte und sich dabei der Macht der bei-den Burgherrn bediente. In Wirklichkeit gab es nach den soziologischen Untersuchung Bachsteinsnur 11 Personen aus den Bereichen Industrie, Finanz und Wirtschaft an, die man der Burgzurechnenkann44. Nach 1918 war die tschechoslowakische Wirtschaft vor allem von der deutschen Wirtschaft

    abhngig und auf enge Kooperation mit dieser angewiesen.45 Das Ziel der Regierung war die ber-nahme der wirtschaftlichen Kontrolle und die Befreiung aus der Umklammerung der deutschen Wirt-schaft im eigenen Land, die einen Groteil der tschechoslowakischen Volkswirtschaft kontrollierte: um1925 waren nur ein Sechstel der Montanindustrie, ein Achtel der Textilindustrie und lediglich einFnftzehntel der Glasindustrie im tschechischen Besitz.

    43 Mehr dazu: Denkschrift der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der TschechoslowakischenRepublik an den Internationalen Sozialistenkongress in Hamburg Mai 1923 ber den politischen und sozialenStand der Arbeiterbewegung in diesem Staate und das Verhalten der Tschechoslowakischen Sozialdemokratiegegen die brigen sozialistischen Parteien des Landes.43 Hans Lemberg, Mit unbestechlichem Blick. Studien zur Geschichte der bhmischen Lnder und der Tschecho-

    slowakei. Mnchen 1998, S. 269.44 Martin K. Bachstein, Die Burg. Einflussreiche politische Krfte um Masaryk und Bene. Bd.1. S. 63 ff.45 Christoph Boyer, Nationale Kontrahenten oder Partner?, Studien zu den Beziehungen zwischen Tschechenund Deutschen in der Wirtschaft der SR (1918-1938). Mnchen 1999, S. 1.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    12/21

    12

    Die Grundlage fr den Nationalisierungsprozess der tschechoslowakischen Wirtschaft war die Neuor-ganisation und Umstrukturierung des bereits 1916 gegrndeten Zentralverband der tschechoslowaki-schen Industriellen(stedn eskoslovenskch prmyslnku SP). Bei der Vollversammlung am 10.Mai 1919 erklrte sich der SP zum Vertreter der gesamten tschechoslowakischen Industrie, um, soverkndete es Grndungsprsident Frantiek Malinsk, die tschechoslowakische Wirtschaft nach drei-hundert Jahren Knechtschaft46 von der deutschen Vorherrschaft zu befreien. Von weitreichender Be-

    deutung war die ffnung des SP gegenber jdischen Wirtschaftstreibenden in der Tschechoslo-wakei. Damit konnte der SP zahlreiche deutsche bzw. deutsch-jdische Unternehmer in Bhmenund Mhren sowie das jdische Kleingewerbe in der Slowakei und in der Karpato-Ukraine als Mitglie-der gewinnen. Die deutsch-jdischen Mitglieder im SP nahmen eine wichtige Brckenfunktion zwi-schen der deutschen und tschechischen Industrie ein. Zu den prominentesten Persnlichkeiten zhltendabei der Reichenberger Textilindustrielle Theodor Liebig.47

    Das deutsche Pendant zum SP war der Deutsche Hauptverband der Industrie (DHI), der am Tagder Republiksgrndung eingerichtet wurde. Der DHI gliederte sich in mehrere Fachbereiche und Tei-lorganisationen, wobei der Allgemeine Deutsche Textilverband(ADTV) der strkste Verband innerhalbdes DHI war. Die Grndungsversammlung fand erst am 19. November 1919 statt, wofr wohl dieallgemeine politische Lage und die Unsicherheit ber die Zukunft der deutschen Gebiete Bhmens

    und Mhrens verantwortlich waren. Obwohl die deutschen Industriellen in den ersten Wochen nachder Ausrufung der Unabhngigkeit dem politischen Programm nach einem raschen Anschluss derdeutschen Randgebiete an Deutsch-sterreich zugestimmt hatten, legte Bene bei den Pariser Frie-densverhandlungen sein berhmt berchtigtes Mmoire III vor, in dem er sich gegen die Abtretungder deutschen Gebiete aussprach, weil damit der tschechoslowakische Staat in seinem wirtschaftli-chen Leben ungemein getroffen48 werden wrde. Im Unterschied zu den deutschen Parteien setztebegann sich ein Teil der deutschen Industrie in der Tschechoslowakei bereits 1919 mit der Mglich-keit eines Verbleibes der deutsch-bhmischen Industriegebiete in der SR zu beschftigen. Die deut-sche Industrie konnte im Gegensatz zur Politik auf ihre hegemoniale Stellung in der Tschechoslowakeiverweisen und ihre wirtschaftliche Potenz gegenber den tschechischen Stellen selbstbewusst aus-spielen. Im Unterschied zur Wirtschaft hatten die bhmischen Deutschen in der Politik ihre Vormacht-stellung eingebt. Fr die tschechoslowakische Lsung sprachen die stabile Whrung und die ge-schtzte Marktposition gegenber der reichsdeutschen Konkurrenz. Anderseits sorgten die Ankndi-gungen von Handelsminister Adolf Stransk fr Verunsicherungen in den Fhrungskreisen des DHI,der angekndigt hatte, die tschechische Industrie bevorzugt zu frdern, um die berlegenheit derdeutschen Industrie49 einzuebnen.

    Eine hnliche Entwicklung vollzog sich auf dem Sektor der Banken, wo es im Zuge der Nostrifizierungder auslndischen Unternehmen zu bernahmen und kartellartigen Zusammenschlssen von Geldin-stituten kam. 1919 wurden zehn Filialen und Exposituren der sterreichischen Creditanstalt der Bh-mischen Escompte-Bank in Prag angeschlossen, die 1924 auch die Mhrische Escompte-Bank ber-nahm. Parallel dazu gingen die Filialen der Merkurbank in den Besitz der Bhmischen Kommerzialbankber, die des Wiener Bankvereins in den Allgemeinen Bhmischen Bankverein (Jednota), an dessenGrndung auch belgisches Kapital und die Mhrische Agrar- und Industriebank beteiligt waren. Zumeinflussreichsten Geldinstitut entwickelte sich die Prager ivnostensk Banka (Gewerbebank), die 1868

    im Zuge der Industrialisierung Bhmens als eine der vielen neuen Bankhusern als Genossenschaftli-ches Tschechisches Kreditinsitutgegrndet wurde. Die ivnostensk Banka war als Zentrale der bh-mischen und mhrischen Vorschusskassen und als Kreditgeberin vornehmlich in der bhmischen Indu-strie ttig. In den ersten Jahren nach der Jahrhundertwende begann die ivnostensk Banka als da-mals einzige bhmische Grobank auf dem Prager Kapitalmarkt ihren Ttigkeitsbereich auf die Le-bensmittel-,Textil- und Maschinenbauindustrie auszuweiten.

    46 Ebenda, S. 33.47 Das Textilunternehmen Johann Liebig & Co wurde 1828 von Johann Liebig gegrndet und kontinuierlich zueinem Grounternehmen ausgebaut. Unter der Fhrung von Theodor Liebig beschftigte das Unternehmen

    knapp 5000 Mitarbeiter.48 Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation. Hrsg. v. Sudetendeutschen Archiv. Mnchen2000, S. 555.49 Boyer, S. 61.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    13/21

    13

    ber den Geschftscharakter dieser Bank schreibt Adalbert Worliczek, dass die ivnostensk Bankaaufgrund ihrer engen Kontakte mit der Politik - was fr sie in der Vorkriegszeit mitunter eine nichtgeringe Hemmung bedeutete nach dem Umsturz die Frchte ihrer politischen Beziehungen erntenkonnte. Immerhin, so Worliczek, hatten zwei ihrer Verwaltungsmitglieder Jahre hindurch das Finanz-ressort verwaltet (...), unter ihnen Rain50, der Organisator des tschechischen Geldwesens und dertschechoslowakischen Finanzen. Bedenkt man, dass bis vor kurzem auch die gesamte Whrungspolitik

    durch dieses Staatsamt betreut wurde, das berdies noch zur unbestrittenen Domne jener politi-schen Partei gehrte, zu der sich auch die ivnostensk Banka bekannte (Nationaldemokraten), dannist ihre Entwicklung zur Staatsbank, welche Funktion sie jahrelang versah, nicht verwunderlich. Sie hatbei der Neuaufteilung der Finanzierung und der finanziellen Kontrolle der Industrie den grten Teil ansich gezogen. Sie bernahm die Verbindung mit dem tschechoslowakischen Industriekonzern dersterreichischen Boden-Credit-Anstalt und gliederte sich berdies manche andere Unternehmungenan, so dass sie heute nicht nur die gesamte Schwerindustrie, sondern auch die Mehrzahl der fhren-den Unternehmungen der verschiedensten Branchen kontrolliert. Auch sonst hat die ivnostenskBanka aus ihrer engen Beziehung zu der Finanzverwaltung groe Vorteile gezogen, die erst ihren bei-spiellosen raschen Aufschwung ermglichten.51

    Hinter diesem Erfolg stand der tschechische Groindustrielle und Bankmanager Ferdinand Preiss52, der

    als Oberdirektor der ivnostensk Banka zum engsten Beraterkreis Masaryks zhlte. Preiss gehrte alsMitglied der Nationaldemokraten der Fhrungsebene des politischen Establishments an, das in denersten Jahren wirtschaftspolitisch von den Nationaldemokraten, nmlich von Finanzminister AloisRain, selbst Mitglied des Verwaltungsrates der ivnostensk Banka, und dem Brnner Nationalko-nomen Karel Engli, der das Finanzressort insgesamt sechsmal leitete, mageblich bestimmt wurde.Engli war auerdem Prsident der Tschechischen Nationalbank.Die gegenseitige Verflechtung von Politik und Bankenkapital frderte den direkten Einfluss von Ferdi-nand Preiss auf die Burg, die Preiss mit Vollmachten zur Reorganisation und Umstrukturierung destschechischen Finanzmarktes ausstattete. Bene soll gegenber Finanzminister Rain die Empfehlungabgegeben haben, dass es gut sei, wenn man unsere Leute vorsorglich anweisen wrde, sich allerWertpapiere von sterreichischen und deutschen Banken zu entledigen.53 Anstelle des deutschenKapitals sollten nach den Plnen der Burgverstrkt westliche Investoren gewonnen werden, um dendeutschen Druck auf die tschechoslowakische Wirtschaft zu entschrfen. Unter diesen gnstigen Vor-aussetzungen stieg die ivnostensk Banka unter Preiss zu einem in der europischen Finanzwelt hochangesehenen Bankhaus auf, das vom internationalen Ansehen Masarys und Benes profitierte. BeiWessely findet sich ein recht interessanter Beleg aus der Sammlung von Dokumenten54, die eineZusammenfassung der Schriften Gottwalds darstellt und in den 1950er Jahren erschienen ist. Darinwurde die Behauptung aufgestellt, dass Masaryk und Bene fr die jdische Finanzlobby eine wert-vollere Garantie als aktive Handelsbilanzen55 waren. Freilich wird man eine solche Behauptung zu-nchst im Kontext des Klassenkampfes und der kommunistischen Historiographie kritisch beurteilen

    50 Alois Rain (1867-1923) war Mitglied der Jungtschechen, wurde 1916 mit Krama zum Tode verurteilt undgehrte nach dem Umbruch dem Nationalausschuss an. Rain war Finanzminister und fiel 1923 einem Attentatzum Opfer.51 In den Geschftsjahre 1918-1938 stieg der Gesamtumsatz von 1779,3 Millionen Kronen fr 1918 auf 5362,3

    Millionen Kronen bis zum Jahr 1937 an. Das bedeutete eine Verdoppelung des Gewinns, der im Grndungsjahrder Republik 10,4 Millionen Kronen und 1937 knapp 24 Millionen Kronen betrug.52 Um die Verfilzung zwischen politischer und wirtschaftlicher Macht in der Ersten Tschechoslowakischen Re-publik zu dokumentieren, sei auf eine Darstellung der vielen Funktionen von Preiss verwiesen. Preiss war amEnde der 1920er Jahre neben seiner Funktion als Generaldirektor der ivnostensk banka u.a. auch Vizeprsi-dent des SP, Prsident der Bhmischen Aktien-Hypothekar-Anstalt, Mitglied des Direktoriums der Jugosla-wischen Bank A.-G., Vizeprsident der Bhmischen Handelsgesellschaft, Prsident der Prager Novk&JahnMaschinenfabrik A.-G., Vorstandsmitglied der Assicurazioni Generali in Triest und Prager Securitas Versiche-rungs A.-G., Vizeprsident des Aussiger Vereins fr chemische und metallurgische Produktion, Prsident derKaliwerke A.-G. in Kolin, Vizeprsident der Pilsner kodawerke A.-G. sowie Direktoriumsmitglied der BrnnerBerg- und Httenwerkgesellschaft. Vgl. dazu: Kurt Wessely, Burg und Banken. Die Burg. Einflussreiche politi-sche Krfte um Masaryk und Bene. Bd. 2, S. 133.53 Wessely, S. 138.54 Dazu gehren die Bnde Sbornk Dokument k I. svazku Spis Klementa Gottwalda (1925-1929); SbornkDokument k II.,III.,IV. a V. svazku (1930-1933); Sbornk Dokument k djinm KS v letech 1934-1938 a kVI., VII. a VIII. svazku - Spis Klementa Gottwalda.55 zit. nach Wessely, S. 145.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    14/21

    14

    mssen, die in den 1950er Jahren gegen das politische Establishment der Ersten Republik zu Feldezog56. Zieht man aber das auenpolitische Kalkl der Burgmit in Betracht, so kann die Anlehnung dertschechoslowakischen Finanzwelt an die Kapitalmrkte der Entente als logische Konsequent interpre-tiert werden.

    Auenpolitik der Republik unter BeneDie provisorische Regierung der Tschechoslowakei legte am 18. Oktober 1918 in einemAufruf an dieWeltihre Grundlinien ihrer Auenpolitik fest, nach der das tschechoslowakische Volk sein volles Maan Verantwortlichkeit in dem Wiederaufbau Ost-Europas bernehmen wird. Es bernimmt vollstn-dig die demokratischen und sozialen Grundstze des Nationalismus und unterwirft sich der Anschau-ung, dass alle Vertrge offen und frei und ohne geheime Diplomatie abgeschlossen werden sollen.57

    Die Auenpolitik wurde in den Jahren 1918-1935 kontinuierlich und in Eigenregie von Bene gestaltet.Bene ergnzte zwar Masaryk programmatisch in der auenpolitischen Zielsetzung der Republik, derenstaatliche Ordnung nach Masaryk ein Teil der Neuorganisation ganz Europas und der gesamtenMenschheit sein sollte, handelte aber weitgehend autonom. Bene galt als souverner Pragmatikerund war beraus fleiig. Gegenber seinen Mitmenschen pflegte Bene einen hflichen, aber nichts-

    destoweniger reservierten Umgang, der ihn in den Augen seiner Mitarbeiter als arrogant und trockenerscheinen lie. Fr den berzeugten Abstinenzler gehrten achtzehn Arbeitsstunden zum Alltag. Be-ne liebte die Verschwiegenheit und baute sich in seinem Ministerium einen Stab an heimlichen Zutr-gern auf, der sich aus allen gesellschaftlichen Kreisen rekrutierte und Bene mit Informationen belie-ferte. Diesen Arbeitsstil pflegte Bene bereits im Pariser Exil. Fr Bene war der Erfolg der Ausland-saktion mglich geworden, weil er und Masaryk die Unabhngigkeitsbewegung richtig in den geopo-litischen Rahmen des Weltgeschehens fgten. Jrg Hoensch schreibt ganz richtig, dass man Bene alspolitische Persnlichkeit und seiner auf einen nchternden, analytischen Pragmatismus ausgerichtetenIntellektualitt nicht gerecht wird, wenn man in ihm nur den Epigonen Masaryks sieht, der sich alsopportunistischer Ehrgeizling den philosophischen Grundkonzeptionen und dem politischen Aktivismuseines charismatischen Fhrers unterordnete.58 ber Bene meinte Masaryk einmal, dass er der einzi-ge ist, der die Sache in meinen Intentionen fhren knnte. Er hat mit mir im Ausland gearbeitet undwir haben immer in der gleichen Weise gedacht. Er wei, wie es in Paris und London zugeht und erkennt die magebenden Leute im Ausland.59

    ber die gemeinsame Arbeit mit Masaryk schrieb Bene in einem seiner zahlreichen Aufstze: Wirhaben konsequent unseren Kampf mit dem Kampf der europischen und der Weltdemokratie verbun-den, ohne Rcksicht darauf, wo das bergewicht an Zahl und Kraft lag. Wir haben die Entwicklungs-mglichkeiten und die Krfte, die in den einzelnen Lagern fr uns oder gegen uns arbeiteten, richtigeingeschtzt. Wir haben nicht je nach der Konjunktur bald mit dem, bald mit jenem gerechnet, undwir haben niemals unsere Grundlinien gendert. Und trotzdem war unsere Politik keine Hasardeur-und Phantasiepolitik, sondern eine Politik, die gewissenhaft mit der Wirklichkeit rechnete, angestrengtTag fr Tag arbeitete, Schritt fr Schritt ihre Erfolge aufbaute."60 In diesem Zitat artikulierte Benedas Grundmuster seines analytischen Denkvermgens, das seiner Politik den Nimbus einer logischenRationalitt und methodischen Wissenschaftlichkeit verlieh. Diese Begabung befhigte Bene dazu,Entwicklungen und Mglichkeiten viel frher als seine unmittelbaren Kontrahenten zu erkennen undrichtig einzuschtzen. Fr Bene bentigt die Auenpolitik vor allem feste ideologische Grundlagen,eine feste Weltanschauung, die zu jedem Beginnen ein festes, ideelles Programm und damit das Zei-chen der Ruhe, Sicherheit, schpferischen Tuns und Zielbewusstheit, sittlicher Festigkeit und Kraftgibt.61

    56 Zu den bekanntesten Schriften gegen den Masarykismus gehrten die beiden Schriften Dokumente ber dievolksfeindliche und antinationale Politik Masaryks und Dokumente ber die sowjetfeindlichen Komplotte der

    tschechoslowakischen Reaktion.57 Odsun, S. 492.58 Jrg K. Hoensch, Die Burg und das auenpolitische Kalkl. In: Die Burg. Einflussreiche politische Krfte um

    Masaryk und Bene. Bd. 2, S. 37.59 Ebenda, S. 33.60 Ebenda, S.44.61 Ebenda, S.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    15/21

    15

    Bene war sich mit Masaryk darber einig, dass die Tschechoslowakei nur mit einer internationalen Ausrichtung ihre nationalen Interessen erfolgreich vertreten kann. Bene sah im Vlkerbund und inder grorumigen Zusammenarbeit mit den tschechoslowakischen Nachbarstaaten taugliche Instru-mente zur Konsolidierung und Stabilisierung Ostmittel- und Sdosteuropas. Fr Bene war das Kon-zept des Vlkerbundes, das auf dem Prinzip der Gleichberechtigung der Staaten aufbaute, das von derinternationalen Staatengemeinschaft im Glauben, knftig Konflikte auf diplomatischer Ebene austra-

    gen zu knnen, gegrndet wurde und das in einer aktiven Abrstungspolitik den Garanten fr einefriedliche Koexistenz der Staaten sah, jenes Modell, das der Tschechoslowakei Sicherheit garantierenkonnte. In Anknpfung an diese Maxime der tschechoslowakischen Auenpolitik erklrte Bene, dassdie intime, treue und konsequente, alle politischen Bereiche umfassende Zusammenarbeit, Freund-schaft und Allianz mit der groen demokratischen Republik Frankreich die Grundlage fr Prag bleibt.61

    Diesen Grundsatz wiederholte Bene in seinem Nachruf an den 1937 verstorbenen Prsidenten. BeiMasaryks politischer Arbeit handelte es sich nach Bene um den Kampf zweier politischer Systeme,des theokratisch-monarchistischen und brokratischen gegen das demokratische System. Es geht umden Kampf gegen das theokratische und brokratische Preuen und sterreich-Ungarn, aber auch umRuland, um die Trkei, um die neuen politischen Konzeptionen, um den Fall des Absolutismus. Esging Masaryk darum, den Kampf fr die tschechoslowakische nationale Befreiung in die philoso-

    phisch-politische Konzeption des ganzen Europa einzuordnen, weshalb sich Masaryk nach Englandwandte, weil er berzeugt war, dass West-Europa und die angelschsische moderne Demokratie ad-ministrativ und politisch strker seien als Mitteleuropa (Deutschland, sterreich-Ungarn) und Osteuro-pa (Ruland).62

    Bene, die Entente und die FreimaurerDie Umsetzung der Eigenstaatlichkeit setzte aber die Zerstrung der dynastischen Ordnungsmachtvoraus. Anstelle der multinationalen Regime autokratischer Prgung sollte in Mittel- und Osteuropadie parlamentarische Demokratie das Recht auf nationale Selbstbestimmung garantieren. Die Konzep-tion des modernen Demokratismus war fr Masaryk und Bene die politische Basis fr einen nationa-len Humanismus, der nationale und humanitre Ideale auf der Ebene eines lebendigen, gegen jedeForm des nationalen Chauvinismus gerichteten Patriotismus vereint. Bene machte kein Hell daraus,dass er sich die Niederlage der Mittelmchte im Interesse einer besseren Zukunft Europas und derWelt wnschte, damit sie selber und die ganze Welt einen unwiderlegbaren Beweis erhielten, dassder Wille, die Zukunft einer Nation und eines Staates nur auf den Grundsatz der Macht und der mate-riellen Kraft aufzubauen, unvermeidlich zur Vernichtung dieser Macht, zur moralischen Katastropheund zur schweren Shne der begangenen und nicht begangenen Fehler fhrt.63

    Am 10. Oktober 1918 erschien in Zrich Karl Heises Entente Freimaurerei und Weltkrieg. Das Bucherlebte 1920 eine zweite Auflage, die 1982 als Faksimile-Ausgabe neu gedruckt wurde. Heise be-schreibt darin den Weg, wie gewisse Geheimgesellschaften der Ententelnder und deren Logen eineursprnglich und im Kern gute und notwendige Sache in den Dienst des Vlker-Egoismus und dereigenschtigen Interessen einzelner Menschengruppen stellten. Die Erkenntnisse der modernen Zivili-sation wurde nach Heise durch die Geheimgesellschaften der Ententelnder zu Antrieben einer die

    Weltkatastrophe vorbereitenden politischen Gesinnung und Beeinflussung der Weltereignisse. Hinterdem Zerfall der Habsburgermonarchie standen die Logen, und wo deren Brder nicht selber schr-ten, da zersetzten sie durch grokapitalistisch-hinterwldliche Transaktionen verschiedener Art dieDonaumonarchie. sterreich-Ungarn (und auch Deutschland) waren die Werkzeuge fr gewisse vonden Ententelogen unsichtbar geschobene grofinanzielle Spekulationen, deren Ergebnis der Weltkriegwurde mit all seinen Unsummen von Betrug und Verrat.64

    In diesem Absatz verpackte Heise geschickt die zentralen Thesen der Verschwrungstheoretiker, dieein in sich geschlossenes und durchaus schlssiges Gesamtbild ergeben. Dabei wird die kausale Kom-plexitt historischer Ereignisse auf den Wirkungskreis einer elitren Gemeinschaft reduziert, deren

    Absichten fr den Einzelnen berschaubar und nachvollziehbar bleibt. Es ist letztlich der Anspruch auf

    61 zit nach Kamil Krofta, Aus der Zeit unserer Ersten Republik, Prag 1939, S. 169.62 Hoensch, S. 30.63 Ebenda, S. 43.64 Dazu vgl. Karl Heise, Entente-Freimaurerei und Weltkrieg. Ein Beitrag zur Geschichte des Weltkrieges undzum Verstndnis der wahren Freimaurerei. Faksimile der 3. Aufl.Wobbenbll 1982.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    16/21

    16

    die absolute Wahrheit, der eine wissenschaftlich-methodische Diskussion nicht zult. Sekundr bisnahezu belanglos sind bei allen diesen Gedankenkonstruktionen die Erkenntnisse der historischenForschung. Ein kritisches Quellenstudium, der historische Vergleich oder gar ein kritisches Hinterfra-gen der eigenen Positionen sind nicht zulssig. An ihre Stelle tritt die feste berzeugung, im alleinigenBesitz der Wahrheit zu sein. Der globale Wahrheitsanspruch des Verschwrungstheoretikers ist dasspiegelverkehrte Pendant zu den globalen Machtansprche der Verschwrer. In dieses Bild der globa-

    lisierten Geschichtsbetrachtung, in der die Singularitt ausschlielich als Teil des Ganzen interpretiertwerden kann, kommt dem Kapital als Synonym fr ein weltumspannendes Netzwerk eine wichtigeRolle zu. Die Weltgeschichte konzentriert sich in ihrer eigentlichen Zweckmigkeit auf die bipolareKonfrontation zwischen einer imaginren jdisch-boschewistisch-freimaurerischen Verschwrerge-meinschaft und der deutschen Volksgemeinschaft. Auch Heise projiziert die tschechische Nationalbe-wegung auf die Weltbhne der Logen und jdischen Bankhuser.

    Als Grundlage diente Heise eine Broschre von Friedrich Wichtl, die ebenfalls im Herbst 1918 unterdem Titel Der wahre Anstifter des Weltkrieges erschienen ist. In dieser Publikation wird Krama alsder Drahtzieher der Zerschlagung der Donaumonarchie dargestellt65. Auch bei Wichtl waren es die

    Hupter der neuslawischen Bewegung, die sowohl den Balkankrieg als auch den Weltkrieg, der sichunmittelbar daran anschlieen sollte, verschuldet haben. So nimmt es kaum Wunder, dass sich in

    dem von Wichtl beschriebenen Umfeld Kramas in erster Linie glhende Hasser der Mittelmchtebefanden, die der tschechischrevolutionren Bewegung in Frankreich, der Tschechischen National-vereinigung in Amerika oder der Redaktionsstube des tschechisch-revolutionren Hetzblatte(s)LIndpendence Tchque angehrten. Krama, der nach Angaben von Heise als Freimaurer dem fran-zsischen Groorientangehrte, war ein feuriger Anhnger des Panslawismus, dessen Ziel die Befrei-ung aller unterjochten Slawen... und die Errichtung neuer, bezw. die Vergrerung bestehender slawi-scher Staatswesen, aber unter russischer Hegemonie war.66

    Neben den Arbeiten von Karl Heise und Friedrich Wichtl erschienen in den ersten Nachkriegsjahreneine Reihe von Druckwerken, die vom Hilfsverein fr Deutschbhmen und die Sudetenlnder, vomDeutschen Klub, vom Deutschen Schulverein oder von der Deutschen Mittelstelle heraus gegebenwurden. Zu den bekanntesten politischen Pamphleten gehrten die von Alfred Hlder gedrucktenFlugbltter fr Deutschsterreichs Recht. Zu den eifrigsten Verfechtern der sudetendeutschen Anlie-gen zhlte der Hilfsverein fr Deutschbhmen und die Sudetenlnder, der auch publizistisch ttig warund in Wien eine eigenen Vereinszeitung herausbrachte. Die Ziele des Vereins waren die Befreiung der

    deutschen Heimaterde und die Vereinigung des ganzen deutschen Volkes in einem Vaterlande.67 DieZeitschrift des Hilfsvereins fr Deutschbhmen und die Sudetenlnder wurde als politisches Kampf-blatt gegen die tschechische Tyrannis und zur berwindung der tschechischen Lgenpropagandakonzipiert und arbeitete mit antislawischen Klischees und Ressentiments.

    Alle diese Pamphlete zeigen in sprachlicher und argumentativer Hinsicht deutliche Parallelen zu denGedankengebuden von Heise oder Wichtl. So wird permanent von der Errichtung der Tschechoslo-wakei auf Kosten des Deutschtums, von den hohen westlichen Gnnern der Tschechei, davon,dass die tschechische Politik nach 1918 alle Welt belogen und betrogen hat, um nur die deutschenRandgebiete unter ihre Herrschaft zu bekommen und von der Absicht, deutsches Wesen, deutsche

    Sprache, deutsche Sitte... im tschechischen Staat auszumerzen, gesprochen. Ebenso ist von hussiti-schen Raubzgen, von der Belohnung fr Verrterdienste, von der politische(n) Charakterlosigkeitund Ohnmacht der tschechischen Regierung, vom erlogene(n) und erschwindelte(n) Tschechen-staat, von der Vorhut des panslawistischen Ungeheuers oder davon die Rede, dass hassverblen-dete Diplomaten der gegnerischen Staaten einen politischen Zustand in Europa geschaffen haben, derauf Gewalt und Lge aufgebaut ist. Denn schlielich ist neben der Frechheit der tschechoslowaki-schen Staats- und Geschftspropaganda ein kolossales Netz von Spitzeln, Agenten und Profitma-chern ausgespannt, die das Mrchen der tschechischen Lgenpropaganda im Auslande von der ge-rechten, modernen Tschecho-Slowakei verbreiten sollen, damit verschwiegen wird, wie das deutsche

    65 Friedrich Wichtl, Dr. Kramarsch der Anstifter des Weltkrieges. 3. Aufl. Wien 1918.66 Ebenda67 Der Verein war in der Wiener Fuhrmanngasse 18 untergebracht. Dort befindet sich heute noch die sterreichi-sche Landsmannschaft als Nachfolgeorganisation des Deutschen Schulvereins.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    17/21

    17

    Volk in Versailles und Saint Germain schndlich getuscht und betrogen wurde.68 Die Arbeiten jn-gerer Verschwrungstheoretiker wie von Josef Kofler Die falsche Rolle mit Deutschland, Jean Boyer

    Die schlimmsten Feinde unserer Vlker oder Hans Werner Woltersdorf Hinter den Kulissen schrei-ben in ihren Beitrgen zum Ersten Weltkrieg und zur Grndung der Tschechoslowakei nichts Neues,sondern beziehen ihre Argumente aus den zuvor genannten Verffentlichungen. In Summe entstehtein vllig verzerrtes Bild von der historischen Realitt, die lediglich zum Abbild dunkler Mchte und

    deren Machenschaften verklrt wird.

    Was die Verbindungen der Burgmit den Logen der Freimaurer angeht, so zeigt die Untersuchung beiBachstein69 ein eher ernchterndes Ergebnis. Nach Bachstein gehrten dem Kreis der Burgnur insge-samt acht Personen an, die Freimaurer waren, aber eine groe Rolle in der Ersten Republik spielten.Freimaurer waren Prsident Masaryk und sein Sohn Jan, Auenminister Bene sein Nachfolger KamilKrofta, der Staatsminister im Auenministerium der tschechoslowakischen Exilregierung Hubert Ripka(1940-1945), der Journalist Leo Sychrava, der tschechische Diplomat Jan Jina und der tschechischePolitiker Vaclav Kvapil. Unabhngig von der personellen Strke freimaurerischer Prominenz in und umdie Burgist die Frage nach den Einflussmglichkeiten zu stellen. Diese Frage impliziert aber eine wei-tere, nmlich die Frage, ob die Freimaurerei berhaupt eine Relevanz im politischen Alltag der ErstenRepublik hatte. Die berlegungen dazu wird man je nach Betrachtung unterschiedlich beurteilen ms-

    sen. Einerseits waren die Ideale der tschechischen Logen programmatisch auf die innerethnischenSpannungsfelder in der Republik ausgerichtet, weshalb eine deutliche Affinitt gegeben war. NachEugen Lennhoff vollzog die Freimaurerei in der Tschechoslowakischen Republik die ihr in den AltenPflichtengesetzte Aufgabe, indem sie Menschen, die das Land ansonst getrennt htte, einander nherbringt. Diese vielversprechenden Anfnge einer nationalen Verstndigungsttigkeit werden von denFreimaurern beider Gruppen mit besondere Aufmerksamkeit verfolgt und haben um so grere Be-deutung, als diese Beziehungen im Gegensatz zu bestehenden internationalen Berufsgruppen von reinideellen Beweggrnden geleitet wird.70 Anderseits war der Hhepunkt des direkten Einflusses derinternationalen Freimaurerei auf die tschechoslowakischen Agenden zum Wirkungszeitpunkt der Burgin den 1920er und 1930er Jahren bereits berschritten. Am strksten war er ohne Zweifel in denletzten beiden Jahren des Ersten Weltkriegs und in den Monaten der Friedensverhandlungen in Paris.In dieser Phase war die Auslandsaktion in Paris, London und Washington in ein politisches Umfeldeingetreten, dass von den wichtigen Reprsentanten der Entente geprgt war, die zu einem nichtunerheblichen Teil Freimaurer waren. Dazu zhlten Winston Churchill, Lloyd George, Woodrow Wilson,Franklin Roosevelt oder Georges Clemenceau. Auch an dieser Stelle stellt sich der bereits oben aktua-lisierte Fragenkomplex nach den Zusammenhngen zwischen persnlichen Wertvorstellungen undfreimaurerischen Humanittsidealen im Kontext der Kriegssituation. Dabei ist es oft schwierig, dieexakte Trennlinie zwischen den freimaurerischen Einfrbungen in die wichtigsten Eckpunkte der euro-pischen Nachkriegskonzeption und den machtpolitischen Ansprchen der Siegermchte zu ziehen.Sehr deutlich tritt diese Parallelitt im Werk Masaryks zu Tage, indem er die Synthese von Humanis-mus und Nationalismus als ideale Form der Staatlichkeit und Ausgangspunkt fr eine sittliche Er-neuerung der eigenen Gesellschaft thematisierte.

    Resmee

    Masaryk wurde am Ende seiner politischen Laufbahn von Karel apek ber das eigentliche Wesen derBurgbefragt und stellte dabei in Abrede, dass es jemals eine Burg-Poltik gab, die neben der Verfas-sung und dem Parlament bestand. Ich habe meine politische berzeugung wie jeder Brger, und alsPrsident haben ich meine von der Verfassung bemessenen Pflichten. Nie habe ich meine berzeu-gung verheimlicht, und meine Pflichten habe ich stets so verstanden, dass ich offen mit der Regierungund den Fhrern der Parlamentsparteien darber sprechen soll, was die gemeinsame Sorge unseraller ist. Manchmal haben sie mich berzeugt, manchmal habe ich sie berzeugt. Das ist die ganzeBurg-Politik. Auf der einen Seite imputiert man mir Absolutismus, auf der anderen wieder lese ichimmer wieder, dass ich ein Gefangener sei, dass ich nicht selbstndig handeln kann und so weiter lauter politische Naivitten und eine unglaubliche Unkenntnis von Personen und der Situation im Lan-

    68 Zit. aus Zeitschrift des Hilfsvereins fr Deutschbhmen und die Sudetenlnder. Jahrgang 1, Folge 7 im Juli1920, Wien sowie Jahrgang 2, Folge 1 vom 1. Jnner 1921, Wien.69 Bachstein, Die Burg, Bd.1, S. 63 f.70 Eugen Lennhoff, Internationales Freimaurerlexikon. Mnchen 2000, S. 1600.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    18/21

    18

    de.71 Trotz dieser Klarstellung haben sich bis heute zahlreiche Legenden um die Burggehalten, die inder Burg ein elitres Machtzentrum, das sich Masaryk und Bene zur Umsetzung ihrer staatspoliti-schen Ziele errichtet hatten, sehen. hnlich divergierend fllt das Urteil namhafter Historiker aus, diesich in ihrem wissenschaftlichen Arbeiten ausfhrlich mit der Burgauseinandersetzten.

    Fr Jrg Hnsch war die Burg eine erlesene Hofkamarilla, der ausschlielich Intellektuelle, meist mit

    atheistischer Grundkonzeption und weitgehender Geschichtsfremdheit72 angehrten. Hans Lemberghat die Burg-Gruppein einem Soziogramm gegliedert und eine Unterteilung in Gruppen und Personenvorgenommen. Als Zentrum der Burg galt nach Lemberg Prsident Masaryk, der mit den Burg-Parteienstndig in Kontakt stand.73 Emil Franzl hlt das Auenministerium und die Freimaurer-Logenfr das eigentliche Zentrum der Burg. Franzl Oswald bernimmt damit eine These von Kostrba-Skalitzky, der meinte, die Burg habe die unheimlichen Zge einer auf Logenart arbeitenden Gesell-schaft von Verschwrern gehabt.74 Friedrich Prinz beschrieb die Burg unter dem Aspekt einer rck-verpflanzten Emigration und definierte sie deshalb als institutionalisierte Fortdauer einer Emigrati-onsstruktur in der Heimat.75 Reiht man diesen kurzen Analysen zur Burgdie Darstellungen der kom-munistischen Antiburg-Klischees hinzu, ergibt sich eine deutliche Trennung von zwei Gruppen, die sichchronologisch voneinander unterscheiden lassen. Das Meinungsspektrum zur Burg war in den Jahr-zehnten der Zwischenkriegszeit und in den Jahrzehnten der kommunistischen ra nach dem Zweiten

    Weltkrieg deutlich negativer eingefrbt als in der kurzen Phase des Prager Frhlings von 1968 undnach der politischen Wende von 1989.

    In der neueren Forschung herrscht Einstimmigkeit darber, dass die Burg sicherlich kein institutiona-lisiertes, auerparlamentarisches Machtzentrum war, das sich am Rand des Verfassungsbogen be-wegte. Die Burg um Masaryk und Bene war zwar ein Teil des politischen Establishment, das Ent-scheidungen und Entwicklungen mitbestimmen konnte, der Spielraum der Burgwar aber keine auto-nomer. Auch wenn Bene als fhrende Kopf der tschechoslowakischen Auenpolitik die Zielrichtungund den Kurs fr das Parlament und die Parteien vorgab, so bewegte auch er sich immer im Rahmender ihm zustehenden Parameter. Selbstverstndlich war die Burgfr die Gegner der tschechoslowaki-schen Souvernitt ein heimlicher Sammelplatz fr internationale Krfte, die fr die europischeNachkriegsordnung die Verantwortung trugen. Die Tschechoslowakei war Teil dieser Ordnung. Die

    Auslandsaktionhatte sich in ihrer pragmatischen Haltung den Plnen der Entente fr die Zeit nachdem Krieg angepasst und damit die Unabhngigkeit zum Gegenstand der Verhandlungen zwischenParis, London und Washington gemacht. Bene hatte als Freimaurer eifrig am Aufbau eines dichtenNetzwerkes an Kontakten aufgebaut, die ihn in Europa den Zugang zu den hchsten politischen Ent-scheidungstrgern ermglichten. Davon profitierte auch Masaryk in den USA. Die Verbindungen derExilzeit wurden von Masaryk und Bene als Sicherheitsgarantie gegen den deutschen Nachbarn wei-ter gepflegt und ausgebaut. Es kann kein Geheimnis, dass beide in ihrem Umfeld laufend mit Frei-maurern und Juden zu tun hatten. Masaryks Popularitt in den USA wre ohne jdische Frderer nichtmglich gewesen. Dasselbe galt auch fr die Arbeit von Bene in Paris und London.

    Es ist sicherlich falsch, die Burgals logenartig zu bezeichnen.

    71 Dazu Karel apek: Gesprche mit T.G. Masaryk. bersetzung Camill Hoffmann. Mnchen 1969.72 Hoensch, S.73 Lemberg, S. 273 f.74 zit. nach Lemberg, Mit unbestechlichem Blick, S. 269.75 Friedrich Prinz, Die Burg. Ihre Entstehung und Struktur als Forschungsaufgabe. In: Die Burg. Einflussreichepolitische Krfte um Masaryk und Bene. Bd 1. S, 11.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    19/21

    19

    Literaturverzeichnis

    Allan Oslo, Freimaurer. Humanisten? Hretiker? Hochverrter? Frankfurt a. Main 1988.

    Beitrge zum deutsch-tschechischen Verhltnis im 19. und 20. Jahrhundert. Hrsg. v. Collegium Caro-linum. In: Verffentlichungen des Collegium Carolinum. Bd. 19. Prag 1967.

    Christoph Boyer, Nationale Kontrahenten oder Partner? Studien zu den Beziehungen zwischen Tsche-chen und Deutschen in der Wirtschaft der SR (1918-1938). Hrsg. v. Institut fr Zeitgeschichte. In:Quellen und Darstellung zur Zeitgeschichte. Bd. 42. Mnchen 1999.

    Das Parteienwesen sterreichs und Ungarns in der Zwischenkriegszeit. Hrsg. v. Anna H. Drabek, Ri-chard G. Plaschka und Helmut Rumpler. In: Verffentlichungen der Kommission fr die Geschichtesterreichs Bd. 15. Wien 1990.

    Dieter Binder, Die diskrete Gesellschaft. Graz 1995.

    Dieter Binder, Die Freimaurer. Freiburg 2003.

    Deutsche und Tschechen. Beitrge zu Fragen der Nachbarschaft zweier Nationen. Hrsg. v. Adalbert-Stifter-Verein. Mnchen 1971.

    Deutsche und Tschechen. Nachbarn im Herzen Europas. Hrsg. v. Claudio Gallio und Bernd Heiden-reich. Kln 1995.

    Die Burg. Einflussreiche politische Krfte um Masaryk und Bene. Bd. 1 und 2. Hrsg. Karl Bosl. Mn-chen 1974.

    Edvard Bene und die tschechoslowakische Auenpolitik 1918-1948. Hrsg.v. Arnold Suppan und Elisa-beth Vyslonzil. In: Wiener Osteuropastudien Bd. 12. Wien 2002.

    Eugen Lennhoff und Oskar Posner, Internationales Freimaurerlexikon. Unver. Nachdruck der Ausgabe1032. Mnchen 2000.

    Ferdinand Seibt, Deutsche, Tschechen, Sudetendeutsche. Analysen und Stellungnahmen zu Ge-schichte und Gegenwart aus fnf Jahrzehnten. Hrsg. v. Robert Luft, Christiane Brenner und PeterHeumos. In: Verffentlichungen des Collegium Carolinum Bd. 100. Mnchen 2002.

    Franz Frank, Die Geissel des Reiches. Graz 1959.

    Franz Grezel, Tausend Jahre deutsches Leben im Karpatenraum. Eine kirchen- und geistesgeschichtli-che Untersuchung. Stuttgart 1971.

    Frederic Morton, Die Rothschilds. Ein Portrait der Dynastie. Wien 1992.Friedrich Naumann, Mitteleuropa. Berlin 1915.

    Friedrich Wichtl, Dr. Karl Kramarsch der Anstifter des Weltkrieges. 3. Aufl. Wien 1918.

    Fritz Freund, Das Oesterreichische Abgeordnetenhaus. XIII. Legislaturperiode 1911-1917. Ein biogra-phisch-statistisches Handbuch. Wien.

    Gerald Stourzh, Die Gleichberechtigung der Nationalitten in der Verfassung und Verwaltung ster-reichs 1848-1918. Wien 1985.

    Geschichte verstehen. Die Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen in den bhmischen

    Lndern 1848-1948. Hrsg. v. Zdenk Bene und Vclav Kural. Prag 2002.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    20/21

    20

    Hans Lemberg, Mit unbestechlichem Blick... Studien zur Geschichte der bhmischen Lnder und derTschechoslowakei. Hrsg. v. Ferdinand Seibt, Jrg K. Hoensch und Horst Frster. In: Verffentlichun-gen des Collegium Carolinum Bd. 90. Mnchen 1998.

    Hans Werner Woltersdorf. Hinter den Kulissen der Macht. Was die Deutschen nicht wissen sollen.Remagen 1995.

    Helmut Reinalter, Die Freimaurer. Mnchen 2000.

    Helmuth Rnnefarth, Die Sudetenkrise in der internationalen Politik. Entstehung, Verlauf, Auswirkung.Teil 1. In: Verffentlichungen des Instituts fr europische Geschichte Mainz. Bd. 21. Wiesbaden1961.

    Jean Boyer, Die schlimmsten Feinde unserer Vlker. Bogota 1979.

    Jii Koalka, Tschechen im Habsburgerreich und in Europa 1815-1914. Sozialgeschichtliche Zusam-menhnge der neuzeitlichen Nationsbildung und der Nationalittenfrage in den bhmischen Lndern.Hrsg. v. Arnold Suppan. In: Schriftenreihe des sterreichischen Ost- und Sdosteuropa-Instituts. Bd.

    18. Wien 1991.Josef A. Kofler, Die falsche Rolle mit Deutschland. 1. Aufl. Augsburg 1973.

    Jrgen Holtorf, Die Logen der Freimaurer. Mnchen 1976.

    Karl Bosl, Handbuch der Geschichte der bhmischen Lnder. Bd. 4. Hrsg. v. Collegium Carolinum.Stuttgart 1970.

    Karl Heise, Entente-Freimaurerei und Weltkrieg. Ein Beitrag zur Geschichte des Weltkrieges und zumVerstndnis der wahren Freimaurerei. Faksimile der Ausgabe von 1920. Bremen 1982.

    Ladislav Lipscher, Verfassung und politische Verwaltung in der Tschechoslowakei 1918-1939. Hrsg. v.Collegium Carolinum. In: Verffentlichungen des Collegium Carolinum. Bd. 34. Wien 1979.

    Luigi Ranieri, Die Loge. Macht und Geheimnis der Freimaurer. Lbbe 2000.

    Martina Winkler, Karel Kram. Selbstbild, Fremdwahrnehmungen und Modernisierungsverstndniseines tschechischen Politikers. In. Ordnungssysteme Studien zur Ideengeschichte der Neuzeit Bd.10. Mnchen 2002.

    Michael Baiget und Richard Leigh, Der Tempel und die Loge. Das geheime Erbe der Templer in derFreimaurerei. Lbbe 2002.

    Monika Glettler, Pittsburg-Wien-Budapest. Programm und Praxis der Nationalittenpolitik bei der Aus-

    wanderung der ungarischen Slowaken nach Amerika um 1900. In: Studien zur Geschichte der ster-reichisch-ungarischen Monarchie. Bd. 19. Wien 1980.

    Nationale Frage und Vertreibung der Deutschen in der Tschechoslowakei. Fakten, Forschungen, Per-spektiven aus dem Abstand von 50 Jahren. Hrsg. v. obersterreichischen Landesarchiv. In: Mitteilun-gen des obersterreichischen Landesarchivs. Bd. 19. Linz 2000.

    Niklas Perzi, Die Bene-Dekrete. Eine europische Tragdie. St. Plten 2003.

    sterreich und die Tschechoslowakei 1918-1938. Die wirtschaftliche Neuordnung in Zentraleuropa inder Zwischenkriegszeit. Hrsg. v. Alice Teichova und Herbert Matis. In: Studien zur Wirtschaftsge-schichte und Wirtschaftspolitik Bd. 4. Wien 1996.

    Paul Rassinger, Die Jahrhundertprovokation. Wie Deutschland in den Zweiten Weltkrieg getriebenwurde. In: Verffentlichungen des Institutes fr deutsche Nachkriegsgeschichte. Bd. 16. Tbingen1993.

  • 8/8/2019 Die Burg ein Ort der Freimaurer

    21/21

    Roland Schnfeld, Slowakei. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In: Ost- und Sdosteuropa Ge-schichte der Lnder und Vlker. Regensburg 2000.

    Studien zum Deutschliberalismus in Zisleithanien 1873-1879. Hrsg. v. Leopold Kammerhofer. In. Stu-dien zur Geschichte der sterreichisch-ungarischen Monarchie. Bd. 25. Wien 1992.

    Sudetendeutsche Opfer und Tter. Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes und ihre Folgen 1918-1982. Hrsg. v. Leopold Grnbaum. Wien 1983.

    T.G. Masaryk, Die Weltrevolution. Erinnerungen und Betrachtungen 1914-1918. Berlin 1925.

    Tom Garrigue Masaryk, Das neue Europa. Der slavische Standpunkt. 1. Aufl. der deutschen Ausga-be. Berlin 1991.