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Die Mischung macht's! - Projektorientierte Unterrichtsmethode zur Förderung der Lese- und Schreib- kompetenzen von (geflüchteten) Studierwilligen Bremer Symposium, Anette Dressel, M.Phil., 28.02.-02.03.2019 Darmstadt [email protected]

Die Mischung macht's! - Projektorientierte ......Wörterliste, mit grammatischen Infos, ... Abschnitt detailliert (gründlich) und befolgen Sie folgende Schritte: 1. Ein Gruppenmitglied

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  • Die Mischung macht's! -Projektorientierte Unterrichtsmethode zur Förderung der Lese- und Schreib-kompetenzen von (geflüchteten) Studierwilligen

    Bremer Symposium, Anette Dressel, M.Phil., 28.02.-02.03.2019 Darmstadt

    [email protected]

  • Gliederung

    ▪ Klärung des Titels

    ▪ Entstehungshintergründe

    ▪ Grundstruktur der Unterrichtsmethode

    ▪ Variationsmöglichkeiten

    ▪ Feedback (Evaluation) – Pro und Contra (Lernende/Lehrende)

    ▪ Wunsch (Ausblick)

  • Klärung des TitelsWarum „Die Mischung macht‘s!“ ?

    Mischung „moderner“ Unterrichtsmethoden mit „klassischen“ Elementen :

    1. Projekt-/Portfolioarbeit (mit relevanten /authentischen Zielen)

    2. Gruppenarbeit, Kooperatives Lernen

    3. Reziprokes Lesen (nach Lodewick)

    4. Wörterliste, mit grammatischen Infos, mithilfe einsprachiger Wörterbücher

    5. Finden und umformen grammatisch/sprachstrukturell interessanter Textteile –auf „entdeckende, forschende“ Weise => integrierter „focus on form“

    6. Zusammenfassung/Kommentar /Beschwerdebrief etc. schreiben –gemeinsam mit „peer review“ (ggf. mit Rollen d. Reziproken Lesens)

  • Entstehungshintergründe (1)

    Einflüsse aus eigenen beruflichen Stationen :

    ▪ 2000-2003 Projektbasierte Sprachkurse „evening modules“ (Hörer aller Fächer) nach CEF/GER (!) am Centre for Language and Communication Studies , Trinity College Dublin (unter der Leitung von David Little)

    ▪ 2007 – 2012 DAAD Lektorat Jerusalem (jüdische vs. arabische Lernende)

    ▪ Reziprokes Lesen (nach Lodewick)

    ▪ 2016-2018 DSH- Vorbereitungskurse, an Hochschule Darmstadt „Grammatiktante“ = Zuständige für Grammatik

    ▪ 12|2015 – 12|2018 Kurse für Geflüchtete Studierwillige an mehreren (5) Universitäten/Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

  • Entstehungshintergründe (2)

    ▪ regelmäßige Klagen von Lehrenden in studienvorbereitenden (Deutsch)Kursen für Geflüchtete auf einschlägigen Tagungen/Treffen

    ▪ Beklagte Defizite der Zielgruppe aufgrund unterschiedlicher Lernkulturen in Herkunftsländer verglichen mit Deutschland(auch von Zielgruppen selbst bestätigt!):

    1. geringe Erfahrung mit anderen Unterrichtsformen als dem Frontalunterricht

    2. geringe Erfahrung mit kommunikativen Unterricht (untergeordnete Rolle der produktiven Fertigkeiten, (außerdem d. Rechtschreibung u. d. Hören

    3. „orale“ Kulturen – kulturell allgemein geringere Bedeutung von Schriftlichkeit (Lesen und Schreiben untergeordnete Rolle) (Ausnahme Literatur, z.B. Iran)

  • Grundstruktur der Unterrichtsmethode (Beispiel auf B2-Niveau nach GER)

    Aufgabe und Ziel:

    ▪ Erstellen Sie in Ihrer Kleingruppe zu „Ihrem“ Text ein Textprotokoll als Lesehilfe, mit dessen Hilfe Ihre Kurskollegen den Text schneller und besser verstehen können, bestenfalls ohne dass diese weitere Hilfsmittel benötigen.

    ▪ ( ¶ Dieses Zeichen bedeutet, dass Sie etwas gemeinsam (!) schreiben und den Tutoren oder mir zeigen müssen müssen.)

  • Arbeitsschritte: A

    1. Lesen Sie nur die Überschrift und überlegen und notieren Sie zuerst jede/r für sich allein, worum es in dem Text gehen könnte. Was erwarten Sie? Tauschen Sie sich in Ihrer Gruppe aus. (5 min)

    2. Lesen Sie den gesamten Text global und notieren Sie das Themaeines jeden Abschnitts, einigen Sie sich in Ihrer Gruppe und ¶ formulieren Sie - gemeinsam - die Themenliste . (15-20 min).

    ▪ Tipp: Gehen Sie quantitativ vor, welche Wörter werden wiederholt und /oder synonym ausgedrückt?

  • Arbeitsschritte: B (1)

    Arbeiten Sie nun abschnittsweise den Text durch, lesen Sie jeden Abschnitt detailliert (gründlich) und befolgen Sie folgende Schritte:

    1. Ein Gruppenmitglied liest den Abschnitt laut vor. (je Abschnitt eine andere Person)

    2. ¶ Formulieren Sie die Hauptaussage eines jeden Abschnitts

    3. ¶ Schreiben Sie pro Abschnitt 2-4 Wörter/Wendungen in eine Wortliste, mit grammatischen Informationen und erklären Sie den Begriff in einfacherem (!) Deutsch

    4. Finden Sie 1-3 je Abschnitt interessante (Teil-)Sätze /Strukturen, d.h. Beispiele neu gelernter Grammatik und/oder Strukturen, die für Sie schwierig zu verstehen sind. ¶ Formen Sie diese in einfachere Strukturen um.

  • Arbeitsschritte: B (2)

    ▪ ¶ Bestimmen Sie pro Abschnitt 2-4 Bezugswörter, besonders solche die schwierig zu verstehen sind und /oder leicht missverstanden werden können.

    ▪ ¶ Schreiben Sie gemeinsam eine Zusammenfassung des Textes (in einfacherem Deutsch !).

    ▪ ¶ Übertragen und fassen Sie Ihre Ergebnisse in einem (Word)Dokument zusammen.

    ▪ Wie Sie dieses Dokumente/diese Lesehilfe gestalten, entscheiden Sie selbst.

    ▪ ¶ Optional : Wie finden Sie den Text/Zeitungsartikel? Reagieren Sie mit einem Leserbrief.

  • Verwendete Texte:

    ▪ „e-Bay – Die Ordnung der Dinge“, Mittelpunkt neu B2, Lehrbuch S.53, Ernst Klett Verlag (B2.1)

    ▪ „Highheels heben die Hilfsbereitschaft“, Rückenwind Band 1, Kursbuchbuch S.72, Fabouda Verlag (B2.1)

    ▪ „Musik macht klüger“, Mittelpunkt neu B2, Lehrbuch, S.89, Ernst Klett Verlag (B2.2)

    ▪ „Aus der Mülltonne frisch auf den Tisch“, Campus Deutsch als Fremdsprache/ Schreiben B2-C1, S.26, Hueber Verlag (B2.2)

  • Feedback (1) Lehrende

    Contra (5)

    ▪ intensivere Vorbereitung nötig als bei Unterricht mit Lehrwerk

    ▪ teils anstrengend Lernende zur Gruppen-/Portfolio- u. Projektarbeit zu bewegen

    ▪ sehr anstrengend , Lernende zum globalen Lesen und zum Schreiben zu bewegen (zwingen)

    ▪ schwierig dafür zu sorgen, dass alle arbeiten (Hilfe: studentische Tutoren, Kostenfaktor)

    ▪ ausreichend großer Unterrichtsraum nötig, andernfalls Lautstärke problematisch

    Pro (7)▪ interessant, macht Spaß, Abwechslung

    ▪ Rolle d. Lehrenden verändert sich => (auch) Berater/Tutor

    ▪ erleichtert Binnendifferenzierung

    ▪ individuelle Fortschritte besser beobachtbar (auch weil größer?)

    ▪ mehr Bewusstsein für und bessere Einsicht in konkrete Schwierigkeiten (nicht erst in Prüfung)

    ▪ weniger Korrektur dank Peer Review

    ▪ mit Teamarbeit mit Tutoren => alle Lernenden arbeiten mehr als bei Frontalunterricht

  • Feedback (2) Lernende

    Contra (4,5)

    ▪ anstrengend, schwierig

    ▪ man muss so viel nachdenken und schreiben

    ▪ bekommt Kopfschmerzen, weil man immer unter Druck ist

    ▪ besser , wenn Lehrkraft Grammatik erklärt

    ▪ (Lautstärke in kleinem Raum)

    Pro (6-7)

    ▪ Abwechslung, macht Spaß

    ▪ man muss sich konzentrieren und selber viel machen

    ▪ kann selbständig arbeiten und mit (wenigen) Partnern

    ▪ nicht alle zusammen, sondern Kleingruppe

    ▪ man lernt deshalb viel (mehr?)

  • Schönstes Pro eines Lerners in Retrospektive:

    „ Die Methode hat mir geholfen. Ich lese jetzt mehr Texte alleine und anders als früher, viel mehr mit Kopf, achte besser auf Sprache, Wörter und Grammatik.Allgemein lese ich mehr und lieber, denn ich merke Erfolg. Schwierige Texte zu lesen, ist jetzt einfacher , denn ich lese langsamer, genauer und habe Strategien , wenn ich etwas nicht verstehe.“

    Lernendenautonomie ganz im Sinne von David Little

    „A capacity – for detachment, critical reflection, decision-making and independent action. It presupposes, but also entails, that the learner develops a particular kind of psychological relation to the process and content of his learning.” (Little 1991)

  • Ausblick => Wunsch:

    Untersuchung und bestenfalls Nachweis

    einer Verbesserung

    der Lesekompetenz sowie der Schreibkompetenz

    durch diese Methode.

  • Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit!

    Und vielleicht viel Spaß beim Ausprobieren!

    Bremer Symposium, Anette Dressel, M.Phil., 28.02.-02.03.2019

    [email protected]