Die Auswirkungen der psychischen Situation der kinderschutz- .Unsere Angebote sind abgestimmt mit

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Text of Die Auswirkungen der psychischen Situation der kinderschutz- .Unsere Angebote sind abgestimmt mit

  • Die Auswirkungen der psychischen Situation der Geflohenen auf

    Beratungsprozesse Herausforderung und Chance

    Seminar Flchtlingsfamilien in Frankfurt-Beratung, Untersttzung und Kinderschutz Frankfurt/Main 16.8.2017, 9.30 17.00 Uhr

    Sabine Kriechhammer-Yamur, Parittisches Bildungswerk BV e.V.

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  • Herzlich Willkommen! Ho geldiniz!

    dvzljk! Sannu da zuwa! Bem-vindo!

    Tervetuloa! Sveiki atvyke! Witamy!

    Karibuni! Hun bixr hatin! !

    ! Mito aljan! !

    !! Soo dhaweyn!

    ! Mir se erdht!!

    Selamat datang! Kia ora!

  • Ausgangsthese

    Geflohene Familien in Frankfurt gibt es schon seit Jahrzehnten. Keine Fluchtbewegung der Vergangenheit war allerdings so jung wie diese. Die aktuellen Entwicklungen bieten Fachkrften die Chance, neue Perspektiven einzunehmen und persnliche und fachliche Haltungen zu klren. Es gilt, Ruhe zu bewahren und einen angemessenen professionellen Standpunkt (weiter) zu entwickeln. Dazu braucht es Trgeruntersttzung, Selbstreflektion und Fortbildung.

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  • Gliederung

    1. Vielfalt im Blick

    2. Herausforderung Trauma

    3. Mehrdimensionale (interkulturelle)

    Kommunikation

    4. Beratung ANDERS 4

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  • 1. Vielfalt im Blick

    Geflohene Familien unterscheiden sich u.a. bzgl.:

    - Fluchtgrnden

    - Fluchterfahrungen

    - Ziellndern

    - Bleibeperspektiven

    - Strukturellen Rahmenbedingungen

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  • Blume der Vielfaltgrn = AGG-geschtzt

    rot = nicht AGG-geschtzt

    AGG = Allgemeines Gleichbehandlungs-gesetz

    auch

    Antidiskriminierungs-gesetz genannt, gilt seit 8/2006

  • und zustzlich u.a. bezglich:

    Familienentwrfen

    Rollenbildern

    (psychischen) Erkrankungen

    Erziehungszielen und stilen

    u.v.a.m.

    genau so wie Klient_innen ohne Flucht-und/oder Migrationsgeschichte!

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    Gefahr des Othering : Konstruktion von Fremdheit aufgrund der Herkunft, Religion.

  • Es geht also darum, diese vielfltige Vielfalt zu gestalten

    Zu uns kann jede und jeder kommen, wir schicken niemanden weg und sind offen fr alle, wir behandeln alle gleich!

    oder:

    Wir entwickeln Angebote, die der Vielfalt von Lebenslagen und Bedrfnissen angepasst sind und das Individuum im Blick haben.

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  • Zwlf Qualittskriterien interkulturellen Arbeitens(nach: Wolfgang Hinz-Rommel: Ik Kompetenz als Qualittsmerkmal in sozialen Diensten, 1998)

    Transparenz:Die Klient_innen wissen, was wir anbieten, wo die Grenzen unseres Angebots liegen, was sie erwarten knnen.

    Partizipation:Die Klient_innen sollen und knnen sich beteiligen, ihre Kompetenz ist gefragt und erwnscht.

    Abgestimmtheit:Unsere Angebote sind abgestimmt mit denen der Migrationsberatung fr erwachsene Zuwanderer und anderer Dienste.

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  • Individualisierung:

    Es gelingt uns die Klient_innen als Individuen zu sehen und

    jede kulturalistische Schublade (die Muslima, der Geflohene,

    die Eritreerin) zu vermeiden.

    Normalitt:

    Wir wissen: es ist normal, verschieden zu sein; Heterogenitt

    schreckt uns nicht.

    Verstndigungsorientierung:

    Oberstes Gebot ist es, uns mit unseren Klient_innen

    angemessen zu verstndigen. Ob dies ber

    Dolmetscher_innen, Gebrdensprache oder anders gehen

    muss wir ermglichen es: inhaltlich, personell und finanziell. 13

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    Achtung:Allen Klient_innen begegnen wir mit Achtung und Achtsamkeit, nicht zu verwechseln mit bedingungsloser Akzeptanz.

    Freundlichkeit:Unser Umgang mit Klient_innen ist von Freundlichkeit und Klarheit geprgt.

    Zgigkeit:Klient_innen haben einen Anspruch darauf, dass ihr Anliegen rasch erledigt wird.

    Vertraulichkeit:Klient_innen wissen, dass wir mit ihrem Anliegen vertraulich umgehen und es auch nicht innerhalb der Communityweitergetragen wird.

  • Zugnglichkeit:

    Mein Angebot ist zugnglich und erreichbar, sowohl rumlich als auch inhaltlich und sprachlich (angemessene Werbung, gute Ortswahl, mglicherweise Wechsel/Ergnzung von Komm- zu Gehstruktur....).

    Informiertheit:

    Als MitarbeiterInnen sind wir u.a. informiert ber

    Migrationsgeschichte und politik in Deutschland, kennen die

    Auswirkungen des Zuwanderungsrechts auf MigrantInnen und

    verfgen ber alle anderen, fr die Klient_innen wichtigen

    Informationen oder wissen, an wen wir verweisen knnen.

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  • 2. Herausforderung Trauma

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Traumata im ICD 10 als

    ein belastendes Ereignis oder eine Situation auergewhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaes (kurz- oder langanhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verstrung hervorrufen wrde.

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  • Traumatisierungen sind dynamisch und verndern sich und fhren zu tiefgreifenden Vernderungen des Selbst- und Umwelterlebens. Sie fhren zu Vernderungen im:

    Fhlen

    Denken

    Verhalten

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  • Auslser knnen sein:

    Krieg und Brgerkrieg

    Naturkatastrophen

    berflle und Unflle

    Jede Form von selbst erlebter oder beobachteter krperlichen und/oder psychischen Gewalt

    Trennungen

    Verwahrlosung u.v.a.m.

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  • Mgliche Folgen

    Aggressivitt (gegenber sich selbst und anderen)

    Rckzug und Abwesenheit

    Selbstverletzendes, -zerstrerisches Verhalten

    Hohe Schreckhaftigkeit

    Schlafstrungen, Albtrume

    Eingeschrnktes Gefhlsrepertoire

    Angst vor Vernderungen

    Fehlendes Erinnerungsvermgen an das Trauma

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  • Fehlende Konzentration, lsst sich leicht ablenken

    Angst, Depression und Scham

    Teilnahmslosigkeit, Gleichgltigkeit

    Vermeidung von Gedanken, Gefhlen und Situationen, die das Trauma wachrufen knnten

    Wiederholtes Trauma-Erleben durch Erinnerung (Intrusion)

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  • Dissoziation ( Bewusstsein ist nicht mehr in der Lage, Informationen von auen und innen sinnvoll in Einklang miteinander zu bringen. Folge: Gedanken und Gefhle werden voneinander getrennt); es entsteht das Gefhl, neben sich zu stehen.

    Eigene Ressourcen knnen nicht wahrgenommen werden

    Fehlende Selbstfrsorge

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  • Je frher die Traumatisierung geschieht, desto weitreichender sind die Folgen

    haben Hther(2003) und Brisch/Hellbrgge (2003) erforscht, denn:

    Traumata (knnen)beeintrchtigen die gesamte psychosoziale und krperliche Entwicklung, wie z.B.:

    Selbstkonzept

    Beziehungsgestaltung

    Konfliktverhalten

    Entwicklung des Gehirns

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  • Traumabewltigungsstrategien

    Vermeidungsverhalten

    Manipulation, um Kontrolle zu bewahren

    Rasches Anpassen an Situationen, um Gefhl von Kontrollverlust zu vermeiden

    Lgen aus Angst vor Strafe oder zur Abwehr von Minderwertigkeitsgefhlen

    Maskierungsgefhle, z.B.: bergroe Wut, um Traurigkeit zu berdecken

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  • Traumakompensation dient dazu, Todesangst nicht mehr spren zu mssen, in Form von

    Kampf (Angst machen statt Angst haben)

    Flucht (wegrennen, sich beschweren, provozieren)

    Totstellen (erstarren, sich-unauffllig machen)

    Vermeidung (von zu erwartender Kritik)

    Anstrengungsverweigerung

    Kontroll- und Machtstrategien (Menschen werden dazu gebracht, sich dem Kind gegenber gewohnt abwertend und verletzend zu verhalten)

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  • Das Wissen darum, dass es sich bei dem Verhalten von Klient_innen um eine Traumareaktion handelt, ermglicht es Fachkrften, deren Kompensation als Bewltigungsstrategie zu verstehen, einen Machtkampf zu vermeiden und angemessene Untersttzung und Bindung anzubieten.

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  • Gefahr:

    Sekundre Traumatisierung/Viktimisierung: Reaktionen von Bezugspersonen auf das Trauma, die alte Erlebnisinhalte wie Scham, Schuld, Angst etc. besttigen.

    Stellvertretende Traumatisierung: Helfende, die Zeugen der schrecklichen Erlebnisse Dritter werden, empfinden oft hnliche Gefhle in abgeschwchter Form (Ohnmacht, Angst, Wut)

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  • Traumatisierung und Resilienz

    Nicht alle Menschen, die potentiell traumatische Situationen erlebt haben, zeigen Strungen.

    Mannheimer Risiko-Studie und Kauai-Studie:

    1/3 der Kinder entwickelt sich berdurchschnittlich gut, 1/3 durchschnittlich, 1/3 unterdurchschnittlich schlecht

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  • Unterschiede zur Arbeit mit nicht traumatisierten Familien

    Fachwissen zu Traumata, Traumafolgen und (kindlichen) Bewltigungsmustern erforderlich

    Erkennen der Not

    Klarheit, nicht in den Machtkampf oder zu starke Nhe zu gehen

    Grenzen ( auch zur Therapie) kennen und wahren

    Mein liebevoller Blick, meine respektvolle erkundende Haltung, mein Glaube an das Kind und seine Eltern werden dringend gebraucht!

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  • 3. Mehrdimensionale (interkulturelle) Kommunikation nach Georg Auernheimer

    (Die Bereitschaft zur/

    Erwartung an )

    Kommunikation wird

    beeinflusst von:

    Machtasymmetrien

    Fremd-bildern

    Kulturellen Dimensionen

    Kollektiv-erfahrungen

  • Beispiele

    Machtasymmetrien: Fachsprache, Deutsch als Mutter- bzw. Fremdsprache, Hautfarbe, Aufenthaltsstatus, Abhngigkeitsverhltnis

    Kollektiverfahrungen: Rollen- und Familienbilder, Stellenwert von Institutionen, Umgang mit Zeit, Erziehungsvorstellungen, Rassismus, Bildungsaspiration, Kommunikationskultur

    Fremdbilder: Frauen/Mnner als Berater_innen, Autoritt einer Behrde,

    Deutsche als Freund_innen oder Feind_innen

    Kulturelle Dimensionen: Hflichkeit, Respekt, Sprecher_innenwechsel, Nein-Sagen,