unterwegs 9/2012

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 9/2012

  • 22. April 2012ISSN 1436-607X

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 9/2012Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Wie uns die Familie frs Leben prgt

    Ganz verschiedenn Wie Eltern ihren Kindern

    gerecht werden knnen. Seite 8

    Ganz ausgeglichenn Worauf sich die NJK

    konzentriert. Seite 10

    Ganz offenn Was einen inneren

    Gottesdienst ausmacht. Seite 24

  • unterwegs 9/2012 ::: 22. April 2012

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    kurz gesagt

    So erreichen Sie unS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 Fo

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    unterwegs 9/2012 ::: 22. April 2012

    ::: editorial

    Ersatz-DebattenDie deutsche ffentlichkeit ist auf-geschreckt: 25 Millionen Koran-Ausgaben verteilt eine radikale muslimische Vereinigung in den nchsten Wochen in hiesigen Fu-gngerzonen. Dagegen regt sich Widerstand nicht zuletzt aus kon-servativ-christlichen Kreisen.Mit erscheint das Ganze eine Er-satz-Diskussion zu sein. Denn im Ernst kann niemand, der sich zur Religionsfreiheit bekennt, eine Ko-ran-Verteilung ablehnen. Nach die-ser Logik msste man etwa die Bi-beln, die der Gideon-Bund in vielen Hotels dieser Welt ausgelegt hat, sofort entfernen.Wichtiger wre es, andere Fragen zu diskutieren: Wie geht unser Rechtsstaat mit Muslimen um, die unter dem Deckmantel der Religi-on gegen unsere politische und ge-sellschaftliche Ordnung kmpfen? Wie lsst sich das friedliche Zusam-menleben von Religionen in Deutschland frdern und stabilisie-ren? Wie sollen Kirchen und Politik auf die eklatanten Menschenrechts-verletzungen in vielen islamischen Lndern reagieren?Glcklicherweise steht das Thema Religionsfreiheit in jngster Zeit wieder auf der politischen Agenda. Das ist auch dem stetigen Einsatz engagierter Christen zu verdanken, die unsere Politiker immer wieder darauf hingewiesen haben. Diese Freiheit mssen wir aber auch in unserem Land leben und aushal-ten. Die Koran-Verteilung zu ver-bieten, passt nicht dazu.Ihr Volker Kiemle

    WiLFried rcker soll neuer Leiter des Bildungs werks der EmK werden. Der 48-jhrige Theologe wird 2013 Nachfolger von Dr. Lothar Elsner, der diese Aufgabe nach 15 Jahren abgibt. Rcker stammt aus Hornberg (Schwarz-wald) und hat am Theo-logischen Seminar (heute Theologische Hochschu-

    le) der EmK in Reutlingen studiert. Als Pastor war er in Stuttgart-Sillenbuch und Alten-

    steig ttig, bevor er vor zehn Jahren nach Freu-denstadt kam. Daneben hat Rcker mehr als zehn Jahre in der Ausbildung von Pastoren auf Probe und in der Pastoren-Wei-terbildung mitgearbeitet.

    Beim umGanG mit macht sollten sich Menschen an Jesus Christus orientie-ren. Dazu hat der Vorsit-zende der Deutschen Evangelischen Allianz, Prses Michael Diener aufgerufen. Jesus sei ein Vorbild fr Demut gewe-sen. Wenn Jesus Christus nicht das Vorbild sei, fhre die Machtkonzent-ration auf eine Person oder eine Partei fast au-tomatisch zu etwas Ne-gativem.

    mehr GeLd haben die beiden groen Kirchen im ver-gangenen Jahr eingenom-men. Wegen der guten Lage am Arbeitsmarkt stiegen die Kirchensteu-ereinnahmen auf 9,42

    Milliarden Euro. Dabei gingen 4,9 Milliarden Euro (plus 2,6 Prozent) an die katholische und 4,4 Milli-arden Euro (plus 2,8 Pro-zent) an die evangelische Kirche.

    LeGaLe SuchtmitteL sind in Deutschland nach wie vor ein greres Problem als illegale Drogen. Das gab die Deutsche Hauptstelle fr Suchtfragen (DHS) bei der Vorstellung ihres Jahr-buchs 2012 bekannt. Sie fordert wirksame vorbeu-gende Manahmen wie Preiserhhungen, Ver-kaufs- und Werbe-Ein-schrnkungen. Laut DHS ist der Suchtmittelkonsum nahezu gleich geblieben. Allerdings steigen seit 2008 Alkohol- und regel-miger Cannabisgenuss bei jungen Menschen wie-der an.

    ein oSterGeSchenk haben in-disch-orthodoxe Christen in den Vereinigten Arabi-schen Emiraten bekom-men: Prsident Scheich Khalifa bin Zayed erlaub-te ihnen, eine eigene Kir-che zu bauen. Der Grund-stein fr die Kirche, die 1.500 Personen Platz bieten soll, soll am 20. April gelegt werden. An Weihnachten soll das Bauwerk in der 374.000 Einwohner zhlenden Stadt Al Ain eingeweiht werden. Die etwa 200 Mitglieder der Malankara Orthodox- Syrischen Kir-che versammeln sich bis-her in der katholischen Kirche von Al Ain. epd/kie/idea

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    titelthema: Familienbande ::: 3

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    der Platz im lebenAlle Menschen werden in eine Familie hineingeboren und damit in eine bestimmte Position unter Geschwistern. doch wie beeinflusst diese Position die Art und Weise, wie wir unser leben gestalten und wie wir mit lebensereignissen umgehen? die Autorin Cornelia Mack schreibt gerade ein buch darber und gibt uns schon einen ersten Einblick.

    Um den eigenen Platz im Leben zu finden und um mit anderen Menschen besser zurechtzu-kommen, kann es sehr hilfreich sein, die eige-nen Lebenseinstellungen, Entscheidungsfindungspro-zesse und Angewohnheiten unter dem Aspekt der Ge-schwisterposition zu beleuchten. Manches erklrt sich dadurch. Allerdings gilt: Alle Einsichten, die man da-bei gewinnt, sind nur ein Aspekt dessen, wie wir ge-worden sind. Sie drfen auch nicht als Festschreibung verstanden werden.

    das erste kind Ihren Platz im Leben sehen Erstgeborene sozusagen vorne. Sie gehen voran, sie waren zuerst da. Sie setzen sich ein und bernehmen Verantwortung. Es wurde schlielich viel von ihnen erwartet. Damit liegen meis-tens ein gewisser Druck und ein Hang zur Perfektion auf ihnen. In aller Regel sind Erstgeborene leistungs-orientiert und diszipliniert. Sie sind Wegbereiter und haben den berblick. So haben sie es von klein auf gelernt. Darum sind sie auch als Erwachsene hufig Initiatoren von Projekten und Leiter von Gruppen. Sie sehen, was verbessert werden kann. Erstgeborene fin-den sich hufig in Berufen, in denen Verantwortung bernommen werden muss oder etwas zur Verbesse-rung der Welt beigetragen werden kann.

    Erstgeborene sind gewissenhaft und zuverlssig, neigen aber auch zur Pedanterie und zur Besserwisse-rei. Mit ihrem Perfektionismus machen sie es sich selbst und anderen oft schwer.

    Einzelkinder hneln in vielem den ersten Kindern. Weil sie in der Kindheit meistens nur Erwachsene um sich hatten, waren sie schon als Kinder kleine Erwach-sene. Wenn keine Freunde oder Verwandte in unmittel-barer Nhe lebten, waren Vater und Mutter die einzi-gen Bezugspersonen. Damit beschrnkte sich das emo-tionale Gefge von Anfang an auf zwei Personen.

    Einzelkinder kommen gut mit Menschen zurecht, die entweder wesentlich lter oder wesentlich jnger als sie selbst sind. Denn das sind die vertrauten Kind-heitsmuster. Als Erwachsene gestalten sie sich das Le-ben gerne allein. Die Schlsselfrage jedes Einzelkindes lautet allerdings: Warum bin ich eigentlich allein? Dafr kann es unterschiedliche Grnde geben. Je nachdem wie die Antwort lautet, wird die emotionale Situation fr das Kind und den spteren Erwachsenen sehr unterschiedlich sein.

    das zweite kindZweite Kinder haben schon immer ein Geschwister-Kind, das ihnen voraus ist. Dieses ist ihr Tempomacher und Vorangeher. Sie versuchen, den lteren oder die ltere einzuholen oder sogar zu bertreffen. Darum sind sie auch in der Gefahr, sich bis zur Erschpfung zu verausgaben.

    Sie leben hufig mit dem Lebensmuster des Rebel-len, ordnen sich nicht gerne Geboten oder Gesetzen unter. Hinweisen wie Verkehrsschildern, Ampeln, aber auch Autorittspersonen wird ohne schlechtes Gewis-sen widersprochen.

  • ::: titelthema: Familienbande 4

    Meistens entwickeln sich erste und zweite Kinder vllig gegenstzlich. Wo einer stark ist, wird es fr den anderen schwer, genauso stark zu sein. Deswegen ent-deckt das zweite Kind eine andere Nische, in der es sich entfalten kann.

    Zweitgeborene sind gute Vermittler. Vor allem bei greren Geschwistergruppen bernehmen sie hufig die Rolle des Mediators. Das zahlt sich im Erwachse-nenleben aus. Sie sind Menschen, die unvereinbare Po-sitionen sehr gut zusammenfhren knnen und einen angenehmen indirekten Fhrungsstil praktizieren.

    Zweitgeborene gehen gelassener und mit weniger ngsten ins Leben. Das liegt auch daran, dass die El-tern im Umgang mit dem zweiten Kind mehr Sicher-heit ausstrahlen. Darum ist dieses Kind sich hufiger selbst berlassen und kann selbst das Tempo seiner Entwicklung bestimmen.

    das dritte kindDritte Kinder brauchen oft lange, bis sie ihren Platz im Leben gefunden haben. Wenn sie zur Welt kommen, sind schon zwei andere Geschwister da. Der Platz bei Vater und Mutter ist besetzt. So fragt sich das Dritte intuitiv: Wo ist hier mein Platz? Die ersten beiden Kinder haben oft schon eine feste Spielbeziehung zuei-nander, das dritte kann dort nur schwer eindringen. Deswegen hat ein Drittes oft das Gefhl, nicht dazuzu-gehren.

    Darum suchen sich dritte Kinder hufig auerhalb der Familie ihren Platz. Sie sind oft schon in sehr frhem Alter unterwegs in anderen Beziehungen. Sie verschwinden manchmal unbemerkt oder weichen innerlich in eine Traumwelt aus. Sie schlagen oft einen ganz ande-ren Weg ein als die beiden ersten Geschwister. Oft nehmen sie ei-ne andere schulische oder beruf-liche Entwicklung als in der Familie blich. Sie finden ihren Platz im Leben woanders.

    Sie haben meistens eine stark ausgeprgte Sensibilitt. Sie er-spren die Nte anderer intui-tiv. Und werden engagierte Kmmerer. Deswegen findet man

    Dritte hufig in sozialen und diakonischen Berufen. Sie haben meistens auch eine sehr direkte Art und Weise, Probleme anzugehen und zu thematisieren.

    das jngste kindJngste Kinder in greren Geschwistergruppen ms-sen sich ihren Platz oft heftig erkmpfen. Wenn sie auf die Welt k