unterwegs 25/2010

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 25/2010

  • 5. Dezember 2010ISSN 1436-607X

    Friede ist mglich

    Missionarischn Warum Singen zum Methodismus gehrt. Seite 13

    Willkommenn Warum ein behindertes Kind das Leben bereichert. Seite 10

    Umstrittenn Stuttgart 21 beschftigt viele Leser. Seite 25

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 25/2010Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

  • ::: Vorweg2

    kurz gesagt

    So erreichen Sie UnS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0

    nach 25 Jahren hat Pastor Wilfried Bolay (Foto links) sein Amt als Leiter der EmK-Zeltmission offiziell abgegeben. Gleichzeitig wurde Hans-Martin Kienle (rechts) von Bischfin Rosemarie Wenner als

    Nachfolger eingefhrt. Wenner wrdigte Bolays groen Einsatz, gleichzeitig wnschte sie dem neuen Leiter Gottes Segen.

    Wird die KirchenSteUer abgeSchaFFt, brechen groe Teile unseres sozialen Sektors zusammen. Das sagte der rheinland-pflzische Ministerprsident Kurt Beck (SPD) in einem Inter-view mit der Welt am Sonntag. Dem FDP- Generalsekretr Christian Lindner warf Beck schnsel-hafte Dummheit vor. Lindner hatte eine strkere religise Neutralitt des Staates angemahnt.

    die Zahl der ein-eUro-JobS darf nicht gekrzt werden. Das verlangt die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig und ihr Dia-konisches Werk. Eine Kr-zung knne sich auf zahlrei-che Projekte wie Mbelkon-tore, Grnpflegetrupps und Schulkantinen auswirken, schreiben Kirche und Diakonie in einem Brief an Bundestagsabgeordnete. Die Bundesagentur fr Arbeit will die Ein-Euro-Jobs reduzieren, nachdem der

    Bundesrechnungshof kriti-siert hatte, dass diese gefr-derten Stellen kaum zu regulrer Beschftigung fhr-ten und teilweise in Konkur-renz zur Privat wirtschaft stnden.

    aUF die Seite der arMen stellen sich die Methodisten in Grobritannien. In den letzten zehn bis 15 Jahren des Aufschwungs profitierten einige Teile der Gesellschaft, aber nicht die rmsten, er-klrte Pastor Alison Tomlin, der derzeitige Prsident der Methodistischen Kirche, bei einer Gewerkschaftsver-sammlung in der Methodist Central Hall in London. Ihr Einkommen sei sogar gesun-ken. Wir werden die Haus-haltskrzungen der Regie-rung dahingehend beurteilen, inwieweit sie die Verletzlichs-ten der Gesellschaft treffen. Fr John Wesley sei es un-denkbar gewesen, Christus nachzufolgen und das Wohl-ergehen der Armen nicht im Herzen zu tragen.

    erStMalS ZUSaMMen tagten leitende Gremien der Metho-distischen Kirche und der Vereinigten Reformierten Kirche in Grobritannien. Die insgesamt etwa 140 Delegierten beider Kirchen beschlossen, gemeinsam ge-gen Armut und Ungleichheit in der britischen Gesellschaft vorzugehen und weitere kirchliche Partner dazu ein-zuladen. Zudem vereinbarten sie eine Kooperation in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

    kie/epd/BMC/ bersetzungen: Reinhold Parrinello

    Falls Sie schon die Mitte dieses Hefts aufgeschlagen haben, dann haben Sie sie schon entdeckt: die neue Deutschlandkarte der Evan-gelisch-methodistischen Kirche. Nachdem die Vorgngerkarte rund 20 Jahre alt ist und inzwischen auch nicht mehr erhltlich, war es Zeit fr einen neuen berblick ber unsere Kirche in Deutschland. Und Sie als unterwegs-Leser er-halten die Karte als Erste: In dieser und den kommenden drei unter-wegs-Ausgaben wird die Karte jeweils zu einem Viertel in der Mit-te eingeheftet sein. Einfach zusam-menkleben, aufhngen, und Sie haben den berblick. Und falls Sie nicht kleben wollen: Die Karte wird es demnchst auch am Stck im Format DIN A1 (achtmal so gro wie ein DIN A4-Blatt) geben.Vielleicht geht es Ihnen dann auch wie mir: Als ich diese Karte zum ersten Mal in Gnze gesehen habe, war ich beeindruckt von der Pr-senz, die wir als Kirche in vielen Gegenden Deutschlands haben. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie viele weie Flecke es noch gibt Orte, ganze Regionen, in denen unsere Kirche nicht prsent ist. Das kann ernchtern, es kann aber auch zum Nachdenken anre-gen: Ist die EmK schon berall dort, wo sie gebraucht wird? Wo sind Mglichkeiten und Chancen fr unsere Gemeinden? Wenn diese Karte auch dazu dienen kann, dann ist sie mehr als eine Landkarte.

    Ihr Volker Kiemle Redaktionsleiter

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  • Die heiligen fnf Wunden sprengen die bse Zeit! Der Bonner Pfarrer Wilfried Schuma-cher meinte damit die Wunden Jesu an den Hnden, den Fen und in der Seite. Sie sprengen die Zeit des Unfriedens, des Krieges, des Ttens und der Ausbeutung. An den heiligen fnf Wunden macht sich der auferstandene Herr seinen Jngern kenntlich, als er ihnen nach Ostern begegnet. Friede sei mit euch, begrt er sie, im Hebrischen: Schalom alejchem. In dem Wort Schalom begegnen sich innerer und ue-rer Frieden. Frieden mit Gott, Frieden mit sich selbst, Frieden mit der Welt, Frieden in der Welt, Frieden in der Flle des Lebens: Das ist Schalom. Das und nicht weniger spricht Jesus seinen Jngern zu.

    Das ist mehr als Waffenstillstand, mehr als Gentle-mans Agreement, mehr als die amerikanische Tole-ranzformel: Wir stimmen darin berein, dass wir nicht bereinstimmen. Schalom ist die Geborgenheit des Lebens in der Welt und in Gott und zugleich der Aufbruch in neues, unbekanntes, aufregendes Land.

    aufbruch in ein aufregendes landJa, der Schalom ist Aufbruch in ein neues, unbekann-tes und aufregendes Land. Das offenbart Jesus seinen Jngern nach seinem Friedensgru Schalom. Er sagt ihnen nmlich: Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch! Christus schenkt uns also zuerst den Frieden, und dann sendet er uns aus. Wir sollen auf-brechen in ein neues, unbekanntes Land. Wir sind seine Gesandten. Ein Gesandter ist der Vertreter einer politischen Macht in einem anderen, fremden Staat. Wir sind also Vertreter der gttlichen Macht in dieser gottfernen und gottfremden Welt. Diese gttliche Macht aber ist nichts anderes als die Macht der Lie-be. Wir bezeugen und vertreten in dieser Welt die

    Macht der gttlichen Liebe. Das ist unser Auftrag. Es ist dieselbe Liebe, um deren Willen Jesus seine fnf Wunden empfing.

    Wie dieser Auftrag im Einzelnen aussieht, zeigt uns ein anderer Gesandter Gottes, auf den sich Jesus auch immer wieder bezog, der Prophet Jesaja: Er (also Gott) hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkndigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebun-denen, dass sie frei und ledig sein sollen. Wir sollen dorthin gehen, wo es Elende gibt, wo es zerbrochene Herzen gibt und wo es Gefangene und Gebundene gibt es geht hier um die Gefangenen und Gebundenen aus dem Gottesvolk; nicht um nachgewiesene Kriminelle. Die werden wohl gefangen bleiben mssen. Das ent-hebt uns freilich nicht der Aufgabe, auch in ihnen Got-tes geliebte Menschen zu sehen und uns um sie zu kmmern, wo dies mglich und ntig ist.

    Am Ende dieser Geschichte blst Jesus seine Jnger an und stattet sie dadurch mit dem Heiligen Geist aus. Das ist die Kraft, in der die Nachfolger Christi ihre Aufgabe als Gesandte Gottes ausben. Gott selbst steht hinter dem Tun seiner Gemeinde wenn sie es tut in seinem Geiste, im Geist der Liebe und des Friedens. Wir werden dabei auch irren, Fehler machen, schei-tern. Jesus wurde mit seiner Friedensbotschaft ans Kreuz geschlagen. Das macht deutlich: Mitten in unse-rem Scheitern kommt Gott durch die Kraft der Aufer-stehung zum Ziel. Nicht Macht und Gewalt sprengen die bse Zeit es sind die fnf Wunden unseres Herrn.

    Die Wunden Jesu sprengenunfrieden und Krieg

    Wort auf den Weg ::: 5

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    DIEDErICH LKEN ist pastor im Bezirk Stuttgart-Bad Cannstatt.

    Jesus trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hnde und seine Seite. Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den heiligen Geist! Johannes 20,19b22

  • Frieden ::: 9

    Was ist eigentlich Frieden auf Erden?SteFan Von tWardoWSKi: Frieden auf Erden erin-nert mich an einen zentralen Vers in der Weihnachts-geschichte im Lukasevangelium: Ehre sei Gott in der Hhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens (Lukas 2,14). Diese Friedensbotschaft ist nicht zu trennen von der Ehre Gottes, und sie wird zuerst den rmsten verkndet, mitten in einer Welt der von der rmischen Weltmacht geprgten Unterdr-ckung und Ausgrenzung. Fr Lukas ist der Friede auf Erden tatschlich an das Kind im Stall gebunden, das keiner beherbergen mchte und das fernab von jedem Wohlstand und jedem Sicherheitsverlangen als Gottes Sohn geboren wurde. In diesem Kind liegt fr Lukas die Umkehr aller festgefahrenen Verhltnisse. Dahinter steht auch der umfassen-de alttestmentliche Begriff des Schalom Gottes. Schalom ist kein zu erreichender Status oder allein die Abwesenheit von Krieg, sondern bezieht sich umfassend auf Beziehungen Beziehungen zu Gott, der Menschen untereinander und zur ganzen Schpfung. Schalom bedeutet Wohlsein, Ganzsein, Heilsein Leben in ge-lingenden, gerechten und vershnten Beziehungen.

    Wie knnen Menschen Frieden schaffen?SteFan Von tWardoWSKi: Wenn der Friede auf Er-den mit der von Gott geschenkten Vershnung mit und in der Welt im Zusammenhang steht, dann gehrt die leidenschaftliche Suche und Gestaltung von ge-rechten und gelingenden Beziehungen zu unseren Ant-worten auf Gottes Liebe und Vershnung mit uns Menschen. Frieden schaffen bedeutet also Umkehr, Neuausrichtung auf die von Gott geschenkte Versh-nung in all unserer Begrenztheit und eigener Ver-flochtenheit. Konkret beginnt dies in unseren Bezie-

    hungen, in Gemeinschaften, in unseren Gemeinden, bei gesellschaftlichen Fragen bis hin zu den Fragen hinsichtlich der Kriege in unserer Welt. Derzei