unterwegs 16/2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 16/2011

  • 31. Juli 2011ISSN 1436-607X

    Was Methodisten in aller Welt vereint

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 16/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Heimatlichn Warum Menschen in die EmK eintreten. Seite 9

    Weltoffenn Der neue Missions-sekretr im Gesprch. Seite 12

    Spannendn Wie Eltern hochbegabten Kindern helfen knnen. Seite 18

  • unterwegs 16/2011 ::: 31. Juli 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEicHEn SiE unS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 TI

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    unterwegs 16/2011 ::: 31. Juli 2011

    DiE WaffEnliEfErungEn an Saudi-Arabien sollten von der deutschen Regierung ge-

    stoppt werden. Das hat Pastor Hans Martin Renno, Refe-rent fr dia-konische und gesellschafts-politische Ver-

    antwortung EmK, gefordert. In den zehn Jahren der kumenischen Dekade zur berwindung von Gewalt 2001 bis 2011 sei immer wieder hinreichend deutlich geworden, dass Friede kein Zufallsprodukt ist, sondern ein Prozess, der erarbeitet werden knne und msse.

    KinDEr in SoMalia sind stndig vom Tod bedroht, erklrte die Vizedirektorin von Am-nesty International, Michelle Kagari. Du kannst umge-bracht, rekrutiert und an die Front geschickt, oder von der Al-Schabaab-Miliz be-straft werden, weil du Musik hrst oder die falschen Kleider trgst. Viele Kinder strben zudem wegen man-gelnder medizinischer Ver-sorgung. In Somalia sind derzeit fast vier Millionen Menschen von der Hungers-not bedroht. Die EmK-hat zu Spenden aufgerufen. nKonto 4105400, EKK Kassel, blZ 52060410

    EinE BiScHfin unD SiEBEn BiScHfE hat die General-konferenz der Methodis-tischen Kirche in Brasilien (IMB) gewhlt. In einem achtstndigen Wahlmara-thon wurden sieben in ihrem Amt besttigt. Der achte geht in den Ruhestand und

    trat nicht mehr zur Wahl an. In der IMB werden Bischfe fr fnf Jahre gewhlt, eine Wiederwahl ist mglich.

    faSt ViEr StunDEn pro tag schauten die Deutschen im vergangenen Jahr fern elf Minuten mehr als 2009. Das hat eine aktuelle Studie ergeben. Demnach ist der Fernsehkonsum in Europa so hoch wie nie zuvor: Die durchschnitt-liche tgliche Sehdauer stieg im Jahr 2010 auf 226 Minuten, sechs Minuten mehr als im Vorjahr. Der TV-Konsum stieg in 27 von 35 europischen Lndern. In Grobritannien erhhte sich die tgliche Sehdauer um 17 Minuten auf 242 Minuten und in Frankreich um sieben auf 212 Minu-ten. Weltweiter Spitzenrei-ter sind die Serben mit 316 tglichen Fernsehminuten.

    nEW YorKEr StanDESBEaMtE mssen gleichgeschlecht-liche Paare trauen, auch wenn das ihrer inneren Einstellung nicht ent-spricht. Das hat Gou-verneur Andrew Cuomo betont. Ein Beamter knne nicht Gesetze nach Belie-ben befolgen. Er reagierte auf einen Brief der Ver-einigung Alliance Defense Fund (ADF). Die evan-gelikale Lobbyorganisation hatte behauptet, Beamte knnten nicht gezwungen werden, solche Trauungen durchzufhren, wenn sie aus Glaubensgrnden gleichgeschlechtliche Ehen ablehnen. kie/epd/WN

    Vereinte VielfaltSo richtig Lust hatte er nicht. Ziemlich unwillig, so schreibt John Wesley in seinem Tagebuch, habe er die Versamm-lung der Herrnhuter Brdergemeine besucht. Und dort hat es den fast 35-Jhrigen gepackt: Mir wurde selt-sam warm ums Herz. Ich bekam Ge-wissheit, dass Gott meine Snden von mir genommen und mich vom Gesetz der Snde und des Todes befreit hat. Dieses Erlebnis, geschehen am 24. Mai 1738 in London, hat Folgen: Fortan war die ganze Welt Wesleys Pfarrei, er reiste durch ganz Grobritannien und predigte vor vielen tausend Menschen. Und immer ging es darum, dass Chris-tus uns durch seinen Tod am Kreuz vor der ewigen Verdammnis gerettet hat. Der Rest ist Geschichte.Heute gibt es auf der ganzen Welt Me-thodisten. Gewachsen ist nicht nur die Zahl, sondern auch die Vielfalt: Theo-logisch und organisatorisch gibt es so viele Formen, dass sich die Gesamtzahl nur schwer bestimmen lsst. Wir zeigen Ihnen in diesem Heft einen Ausschnitt aus dieser Vielfalt: Auf den folgenden Seiten haben wir einen einmaligen berblick ber den weltweiten Metho-dismus fr Sie zusammengestellt. Zu-dem verraten uns einige deutsche Me-thodisten, was Methodismus fr sie bedeutet und warum sie sich in die EmK haben aufnehmen lassen (Seite 8). Sichtbar wird die methodistische Welt auch bei der Tagung des Weltrats me-thodistischer Kirchen. Was dort auf der Tagesordnung steht, lesen Sie auf den Seiten 10 und 24. Erhellende Lektre wnscht IhnenIhr Volker Kiemle

  • unterwegs 16/2011 ::: 31. Juli 2011

    Titelthema: Die methodistische Welt ::: 3Wort auf den Weg ::: 3

    Was den Methodismus ausmacht, lsst sich mit wenigen Worten nur andeuten. Ich helfe mir mit einem Satz, den John Wesley schtz-te. Paulus schrieb ihn den Christen in Galatien, die ein klares Wort brauchten. Sie kamen aus konkurrieren-den Traditionen und Kulturen und taten sich schwer, in der Gemeinde Jesu zueinander zu finden. Paulus sagt, worauf es ankommt, wenn Menschen zu Jesus gehren wollen: Im Leben mit Christus Jesus zhlt nur der Glaube, der sich in Liebe auswirkt (Galater 5, 6, Basis Bibel).

    Dem knnten wohl die meisten Methodisten auf der Welt zustimmen, wenn sie danach gefragt wrden, was fr ihre Kirche von zentraler Bedeutung sei. Sie zeigen nicht auf etwas Besonderes, was sie anderen gegenber vielleicht voraushaben. Eher weisen sie auf dieses Herzstck des Christseins hin, das allen Christinnen und Christen gehrt: den Glauben, der sich in Liebe auswirkt.

    Inwiefern kann, was allen Christen zukommt, nun den Methodismus ausmachen? nEine Strke des Methodismus liegt darin, zwischen dem zu unterschei-den, was das Herz des Christseins ist, und dem, worin Christen und Kirchen verschieden sein drfen. Was zum Zentrum gehrt, ist unverzicht-bar: Christus und das Heil, das er fr alle Menschen als Geschenk bereithlt. Von ihm, dem Heiland der Menschen, erzhlt die Bibel.

    Das kleine Wort nur im Satz des Paulus hat hier eine Schlsselrolle. Damals stritten sich die Galater darum, wer zu Christus gehre und wer nicht, was ein Christ alles tun msse oder was er auf keinen Fall tun drfe. Dieser Streit flammt bis heute immer wieder auf. Paulus verharmlost die Unterschiede nicht. Er zeigt vielmehr auf Christus und den Glauben an ihn.n Dieser Glaube ist eine Kraft, die Menschen verndert, befreit und erneuert. Der Glaube ist das Tor, durch das

    wir zu Gott gelangen, um mit ihm verbunden zu sein. Wesley hat wie Paulus und Luther diese klare Aus-richtung auf das Wesentliche des Christseins fr ent-scheidend gehalten. Auch in seiner Zeit haben Christen heftig gestritten, die Methodisten nicht ausgenommen. Wesley unterscheidet zwischen dem, was diskutabel, und dem, was wichtig ist. Wichtig ist vor allem der Glaube an das Evangelium von Christus, das allen Menschen Gottes Gnade zuspricht. Unser Kirchenvater hat sich damit viel Widerspruch eingehandelt, manche fanden das doch etwas kmmerlich.nGlaube das ist kein unsicheres Wissen oder eine blo theoretische Auffassung. Wer an Christus glaubt, wei und sprt, dass er mit ihm verbunden ist. Glau-bende erfahren, dass eine Kraft sie erfllt, die ihr Le-ben verndert: die Kraft der Liebe zu Gott und zu an-deren Menschen. Der Glaube ffnet die Augen, damit

    sie Gottes Wirken in allen Geschp-fen erkennen. Er setzt das Denken und die Fantasie in Bewegung, die das Bse mit Gutem berwindet. Er setzt den Kreislauf der Liebe in Gang, die nicht nur der eigenen Person, der eigenen Gruppe oder Kirche gilt. Er lsst uns offene Hnde ausstrecken,

    die Vershnung erbitten und gewhren. Er nimmt die Schwere und Mdigkeit aus unseren Gliedern, damit wir Grenzen berschreiten und in ein neues Miteinan-der der Verschiedenen einwilligen.

    Macht das den Methodismus aus? Ich habe ihn oft so erlebt. Einzigartig wre das nur, wenn es keine an-deren gbe, in denen Gottes Liebe wirksam wird. Da-rauf kommt es an.

    Was Methodisten ausmacht ...

    Wort auf den Weg ::: 3foTo: yo

    rK Sch

    N

    Dr. MaNfrED MarquarDTwar Direktor des Theologischen Seminars der

    Evangelisch-methodistischen Kirche in reutlingen.

    Er lebt im ruhestand in reutlingen.

    Im Leben mit Christus Jesus zhlt nur der Glaube, der sich in Liebe auswirkt. Galater 5,6

    Der Glaube setzt den Kreislauf der Liebe in Gang, die nicht nur uns selbst gilt.

  • ::: Titelthema: Die methodistische Welt

    unterwegs 16/2011 ::: 31. Juli 2011

    4

    fr John Wesley, den Grnder der methodistischen bewegung, war die Welt eine Pfarrei. Er kehrte sich damit bewusst ab vom Denken der amtskirchen, die ihre Glubigen in geog rafisch eng begrenzten Gebieten, den so genannten Parochien, erfassen. Wesleys anspr uch ist Wirklichkeit geworden: heute gibt es nahezu auf der ganzen Erde Methodisten. viele Kirchen sind im Weltrat methodistischer Kirchen (WMc) zusammengeschlossen. Dabei werden sieben regionen unterschieden, die wir auf dieser Doppelseite jeweils beispielhaft mit einer regional ttigen Kirche vorstellen. auf den Seiten 6 und 7 stellen wir die fnf groen methodistischen Kirchen vor.

    Die vielfalt der methodistischen Welt

    Mittelamerika und KaribikMethodistische Kirche in der Karibik und den Amerikas, MCCA

    u 1759 beginnen drei Personen die erste dauerhafte methodistische arbeit auerhalb Grobritanniens und Irlands: eine Sklavin und ein Sklave, die John Wesley in England getauft hatte, und ihr herr, Nathaniel Gilbert, Parlamentssprecher von antigua. Die Mcca erreicht 1967 ihre unabhngigkeit von der Methodistischen Kirche in Grobritannien. Sie hat keine bischfe. Die Konnexialkonferenz regelt die belange der Gesamtkirche, die Distriktskonferenzen die