unterwegs 21/2011

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Das Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

Text of unterwegs 21/2011

  • 9. Oktober 2011ISSN 1436-607X

    Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche 21/2011Magazin der Evangelisch-methodistischen Kirche

    Was Tierschutz mit unserem Teller zu tun hat

    Spielend gewinnenn Das groe unterwegs- Tier-Rtsel. Seite 7

    Hund, Katze, Hase?n Wie Sie das richtige Haustier fr Kinder finden. Seite 12

    Tudor am Neckarn Die Geschichte der Cannstatter Christuskirche. Seite 19

  • unterwegs 21/2011 ::: 9. Oktober 2011

    ::: Editorial2

    kurz gesagt

    So ErrEicHEN SiE uNS:Redaktion unterwegs Telefon 069 242521-150 E-Mail: unterwegs@emk.deAboservice: 0711 83000-0 FO

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    unterwegs 21/2011 ::: 9. Oktober 2011

    Das Feiern der anderenFr mich gibt es am 3. Oktober nichts zu feiern. Resigniert blickte der Mann ins Leere. Ihm, der schon in der ehema-ligen DDR nicht zu den Privilegierten gezhlt hat, ist mit der Wende alles ver-loren gegangen: Job, Familie, Freunde, Sicherheit. Gleichzeitig sind etliche ehemalige Parteiobere rasch wieder in Amt und Wrden gekommen. Nein, die DDR will er nicht zurckhaben. Aber nach Feiern ist ihm auch nicht zu-mute.Auch 21 Jahre nach der Wiedervereini-gung ist die deutsche Einheit ein ver-mintes Terrain. Noch immer sind die Unterschiede zwischen Ost und West da wenn auch oft kaum greifbar. Es sind oft kleinste Nuancen in einem Gesprch, einem Text, die eine gewalti-ge Reaktion mit sich bringen. Und oft gibt es Missverstndnisse und nie-mand wei genau, warum.Natrlich gibt es die Besserwessis, die gerne Ratschlge erteilen und dabei reden, als htten die DDR-Brger 40 Jahre lang auf Bumen gelebt. Und es gibt Menschen im Osten, die sich durch jedes Wort aus dem Westen angegrif-fen fhlen. Im Osten wie im Westen gibt es alle Arten von Missverstnd-nissen und oft gut gepflegten Vor-urteilen. Die wohlgesetzten Worte zum 3. Ok-tober sind vorbei, wenn dieses unter-wegs-Heft erscheint. Aber die Aufga-be bleibt: Wie wre es, wenn wir einan-der gelten lassen, wie wir sind? Wenn wir bereit wren, mehr voneinander zu lernen? Anstze und Erfolge gibt es viele gerade in unserer Kirche. Gott sei Dank!Ihr Volker Kiemle

    BiScHfiN roSEmariE WENNEr (2.v.l.) hat sich zurckhal-tend positiv ber die Begeg-nung mit Papst Benedikt XVI. geuert. Dessen

    Mahnung, die persnliche Beziehung mit und zu Gott immer wieder zu prfen, sei durchaus methodistisch, erklrte sie nach dem Tref-fen in Erfurt. Wenner war Teil der evangelischen Delegation, die ein knapp halbstndiges Gesprch mit dem Papst und einer katholischen Delegation fhrte. Gleichzeitig ist fr Wenner das Nein des Papstes zu konkreten Schritten auf dem Weg zur sichtbaren Einheit enttu-schend. Erfreulich sei aber die Einladung an sich, be-tonte Wenner. Dies sei auch eine Frucht der Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen der EmK und den deutschen Landeskirchen sowie der langjhrigen Kontakte zwischen der Evangelischen Kirche (EKD) und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Diese Beziehungen sollen auch im Hinblick auf das Reformationsjubilum 2017 vertieft werden. Alle Freikirchen verstehen sich als Kirchen der Reformation und wir haben schon seit Lngerem unser Interesse bekundet, den Weg zu dem Jubilum aktiv mitzu-gestalten, erklrte Wenner.

    micHaEl DiENEr, der Prses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, wird neuer Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. Der 49-Jhrige wurde vom Allianz-Haupt-vorstand mit 30-Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme bei einer Enthaltung zum Nachfolger von Jrgen Werth gewhlt. Dieser wird das Amt nach fnf Jahren Ende 2011 abgeben, um sich ganz auf seine Ttigkeit als Vorstandsvorsitzender von ERF Medien zu kon-zentrieren. Diener betonte, die Allianz knne keine evangelikale Kampftruppe sein. Ich stehe fr eine Allianz, die so evangelisch wie mglich und so evangelikal wie ntig ist.

    HEiNz-HorST DEicHmaNN, bekennender Christ und langjhriger Chef der grten Schuheinzelhandelskette in Europa, ist am 30. September 85 Jahre alt geworden. Fr Deichmann, der einer evan-gelisch-freikirchlichen Brdergemeinde angehrt, ist nach eigenen Worten der wirtschaftliche Erfolg nicht das Wichtigste. Er grndete 1977 die sozial-missionari-sche Organisation Wort und Tat, die in Indien, Tansania, Griechenland und der Republik Moldau hilft. Er erhielt 2000 das Groe Bundesverdienstkreuz. Deichmann studierte Theologie und Medizin und promovierte zum Doktor der Medizin. 1956 ber-nahm er die Leitung des 1913 gegrndeten Familien-unternehmens Deichmann-Schuhe. kie/epd/idea

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    Wenn Kinder sich in Tiere verwandeln wollen, dann wollen sie am liebsten majesttische Adler sein, starke Lwen oder Pferde, die so schnell reiten wie der Wind. Aber einige Tiere lassen uns schaudern. Schlangen etwa finden in der Regel weder Kinder noch Erwachsene anziehend. Man kann sie nicht streicheln wie einen Hund oder eine Katze. Es kostet berwindung, eine Schlange mit den Hnden zu berhren.

    Die Bibel gibt uns einige Hinweise, was Schlangen betrifft. Als Jesus seine Jnger wie die Schafe unter die Wlfe sendet, fordert er sie auf klug wie die Schlan-gen zu sein und ohne Falsch wie die Tauben (Mat-thus 10,16). Das klingt an sich positiv, aber die Wir-kungsgeschichte der Erzhlung von der Schlange im Garten Eden war fatal. Hier ist die Schlange nicht nur klug, sie ist listiger als alle Tiere auf dem Felde (1. Mose 3,1). Die Schlange verstrickt Eva in ein Ge-sprch, an dessen Ende sie und Adam Gottes Gebot bertreten. Die frheren Ausleger haben gerne die Schlange mit Teufel identifiziert, weil sie listiger als alle Tiere des Feldes genannt wird. Damit kann nur der Teufel gemeint sein, dachte man. Warum galt die Schlange als das klgste Tier?

    fremd, geheimnisvoll und unheimlichFr die Menschen in der Antike waren Schlangen fremd, geheimnisvoll und unheimlich zugleich, sagt der Theologe Siegfried Zimmer in einer Auslegung. Der Krper der Tiere ist in der Regel warm, wie auch der des Menschen. Eine Schlange wirkt eher kalt. Die Schlange hat keine Beine. Wie kann sie sich dann fort-bewegen? Obwohl sie keine Beine hat, sind Schlangen im heien Klima schnell und wendig. Eine Schlange lebt im Verborgenen. Whrend der Mensch oder ande-re Tiere sich vor allem auf der Jagd verbergen und sich

    an das Opfer heranschleichen, schleicht die Schlange andauernd. Sie lebt versteckt und greift pltzlich und ohne Gebrll an. Schlangen waren im offenen Gelnde fr die Menschen sehr gefhrliche Tiere. Hier zeigt sich auch, warum man in der Bibel die Schlangen als klug bezeichnete. Schlangen sind das einzige Lebewesen, das mit minimaler Gewalt tten kann. Es reicht ein Biss, der unscheinbare Punkte auf der Haut hinter-lssst, und bald tritt der Tod ein. Kein Lwe, kein Pan-ther, auch nicht der Mensch konnte frher so tten.

    Man glaubte auch, Schlangen knnten geistig tten. Sie htten ein Wissen ber Leben und Tod, ber das kein anderes Lebewesen verfgt. So erklrte man sich, warum eine Schlange sich hutete. Man glaubte, die Schlange sei fhig, ihre eigene Haut zu verlassen und sich eine neue anzulegen. Sie schien nicht zu altern und fhig, den eigenen Tod zu berwinden.

    Schlangen sind in der Bibel zum einen Symbol fr die Bewahrung des Lebens. Mose richtet in der Wste einen Stab mit einer ehernen Schlange auf (4. Mose 21, 8) und wer diese Schlange ansah, blieb am Leben. Aber auf der anderen Seite wirken die Worte der Schlange im Gesprch mit Eva und Adam wie Gift. Die Snde wirkt im Menschen wie das Gift der Schlange, res-miert Siegfried Zimmer. Ohne groes Gebrll, ohne groen mechanischen Aufwand, ohne uere Verlet-zung fhrt sie zum Tod des Menschen. Von daher ist es kein Zufall, dass die Bibel hier von einer Schlange erzhlt und nicht von einem anderen Raubtier. Die Schlangen heute knnen dafr aber nichts.

    Warum ist die Schlange so klug?

    Wort auf den Weg ::: 3FOTO: YO

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    MICHaEl puTzKEist pastor in den Bezirken Groalmerode und Kassel und

    stellvertretender Redaktionsleiter im Medienwerk der EmK.

    Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte. 1. Mose 3,1

  • ::: Titelthema: Tiere: Geschpfe Gottes

    unterwegs 21/2011 ::: 9. Oktober 2011

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    Wozu brauchen Tiere einen Gottesdienst?KariN JorDaK: Mit dem Gottesdienst wollen wir auf das Schicksal von Nutztieren aufmerksam machen. Zum Beispiel auf Schweine, die in dunklen Stllen auf Spaltenbden leben. Khen werden die Hrner ohne Betubung entfernt, Kken die Schnbel gekrzt. Die-se Tiere haben unsere Untersttzung dringend ntig.ElzBiETa BauErSacHS: Tiere knnen sich nicht wehren. Deshalb ist die christliche Kirche, die Barmherzigkeit und Nchstenliebe predigt, besonders gefragt. Wir ha-ben uns dieser Verantwortung gestellt.

    Die Tiergottesdienste richten sich also an Nutztiere?KariN JorDaK: Ja, unser Schwerpunkt sind Nutztiere auch wenn zum Gottesdienst hauptschlich Haustiere ka-men. Die anwesenden Hunde und Katzen waren Stell-vertreter fr alle Tiere.

    Was wollen Sie mit den Tiergottesdiensten bewirken?KariN JorDaK: Wir wnschen uns ein Umdenken bei den Menschen. Die meisten Leute konsumieren Fleisch sehr unkritisch. Aber Fleisch stammt von einer Krea-tur, die in der theologischen Schpfung einen hohen Stellenwert hat. Tiere sind keine Gegenstnde, ber die man beliebig verfgen kann.ElzBiETa BauErSacHS: Es sind Mitgeschpfe mit Ge-fhlen. Ich habe in einem Schlachthof selbst erlebt, wie Khe panische Angst hatten und versuchten, dem Bol-zenschussgert auszuweichen. Sie mussten zusehen, wie die Khe vor ihnen betubt wurden und umfielen. Man geht mit ihnen um, als ob sie eine Sache wren. Das ist eine Versklavung, die mich erschttert. Seitdem bin ich Vegetarierin.

    Sollen alle Menschen Vegetarier werden?KariN JorDaK: Nein, darum geht es uns nicht, ich bin